Nach dem Derby ist vor dem Derby

Zugegeben: Normalerweise sollte man doch heute schon heiß sein. Heiß auf das Derby am Sonnabend. Aber irgendwie ist diese Anspannung noch nicht bei mir angekommen. Schon im Hinspiel dauerte es bis kurz vor den Spieltag selbst, bis sich diese Vorfreude einstellte. Weil es eben kein Erstliga-Derby mehr ist, sondern „nur“ auf Zweitligaebene. Da ist es wahrscheinlich wie mit allem, was man schon größer, doller, besser erlebt hat - Abstufungen mag keiner. Zumindest ich nicht.

Rautenperle Challenge

Eine Partie bestimmt die Woche wie keine andere: das Stadtderby zwischen HSV und FC St. Pauli! Im heimischen Volksparkstadion kommt es am Samstag zum großen Aufeinandertreffen, das darüber entscheiden wird, wer sich Stadtmeister in Hamburg nennen darf. Aktuell hat der HSV Rückenwind, nicht zuletzt durch das Comeback und den damit verbundenen Punktgewinn gegen Hannover 96. Trotzdem ist auch Druck gegeben: Bielefeld punktet ungehindert und auch Stuttgart macht Druck.

admin

17. Februar 2020

Die Hannoveraner Herausforderung

Das war knapp! Ausgerechnet in der 96. Minute gelang dem Hamburger SV der erlösende Ausgleich gegen Hannover 96. Zuvor hatten sich die Niedersachsen als unerwartet schwere Aufgabe entpuppt. 96-Coach Kenan Kocak hatte ein taktisches System entworfen, mit dem seine Spieler dem HSV Paroli bieten konnten.

Ein Nordderby unter unerwarteten Vorzeichen

Die Vorfreude ist aber nicht nur bei Martin Harnik da. Unabhängig davon, ob das Spiel als Nordderby gewertet werden darf (Martin Kind) oder eben nicht (Rick van Drongelen), sind Spiele bei Hannover 96 für einige HSVer, die dort bereits spielten oder trainierten, etwas Besonderes. HSV-Trainer Dieter Hecking betonte das heute auf der Pressekonferenz auch noch einmal, nahm dem Ganzen aber zugleich auch jegliche überbordende Bedeutung. Dennoch dürfte gerade er sich auf das Duell freuen. Denn er ist als Coach seit neun Duellen (sieben Siege, zwei Remis) gegen Hannover 96 unbesiegt - so lange wie gegen keinen anderen Club im deutschen Profifußball. Zudem reisen rund 15.000 Anhänger diesmal aus Hamburg mit an - eine Zahl, die es sonst bei kaum einem Auswärtsspiel gibt. Nicht einmal in der Ersten Liga zieht ein Auswärtsspiel des HSV regelmäßig so viele HSV-Anhänger. Es wird also ein Zweitligaspiel vor Erstligakulisse mit Derbycharakter. Und ich habe für Euch neben den Pressekonferenzen der beiden Trainer hier noch einmal die wichtigsten Daten und Fakten zusammengestellt:

Harnicks Rückkehr

„Lasst mich erst einmal liefern - dann können wir immer noch reden.“ Mehr wollte Martin Harnik heute nicht sagen. Und das, obgleich es für ihn am Sonnabend zu einem Ex-Klub geht und er unmittelbar vor der Rückkehr in die Startelf steht. Zumindest deutet sich das bislang im Training so an.

Spott, Neid und ein Funke Hoffnung

Ehrlich gesagt, wir 96-Fans blicken zurzeit ziemlich neidisch nach Hamburg. Die Rollen des „kleinen HSV“ und des „großen HSV“ sind so klar verteilt wie seit zehn Jahren nicht mehr. Im vergangenen Jahrzehnt mussten wir Hannoveraner durchaus mal milde schmunzeln, wenn uns die neueste Doku-Soap-verdächtige Meldung aus Hamburg erreichte. Egal ob es das Rucksage-Gate oder die Relegation 2014 unter Mirko Slomka war, in der der HSV den Klassenerhalt schaffte, ohne eins der beiden Relegationsspiele gewonnen zu haben: Nicht selten hatten wir 96-Fans das Gefühl, dass der Drehbuch-Autor von „Berlin – Tag & Nacht“ in seiner Freizeit auch die Skripte für den Hamburger SV schrieb.

Hecking deutet Überraschungen im Angriff an

Es ist erst Mittwoch. Alles, was jetzt gesagt und getan wird, kann Auswirkungen auf die Startelf am Sonnabend bei Hannover 96 haben - muss es aber nicht. Man spricht in solchen Zusammenhängen gern von Momentaufnahmen. Und je mehr sich von einem und demselben Eindruck aneinanderreihen, desto nachhaltiger bleibt der Eindruck, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass es so kommt. Er wolle erst die gesamte Trainingswoche erst noch abwarten, bevor er sich für Sonnabend festlegen werde, hatte HSV-Trainer Dieter Hecking gestern gesagt. Bedeutet, in den nächsten Tagen werden wir im Training noch viele Variationen zu sehen bekommen. So, wie heute, wo Hecking im Abschlussspiel die erste Überwachung für seine Spieler parat hatte. Denn da agierten Joel Pohjanpalo und Martin Harnik zusammen mit Bakery Jatta im Angriff. Und wie! Harnik setzte sich immer wieder schön über die rechte Seite durch. flankte - und Pohjanpalo versenkte.

Hecking hält Konkurrenzkampf hoch

Niemand ist frei davon, Fehler zu machen. Ganz klar. Man muss es sich nur immer wieder vor Augen führen und daraus lernen. Und das gilt tatsächlich in allen Bereichen. Auf den heutigen Fall bezogen kann ich da sogar sehr gut bei mir selbst anfangen. Denn ich habe nach Gideon Jungs Einwechslung in Bochum zunächst über dessen erste Aktionen geschimpft. Darüber, dass Jung die Bälle zwar abzuräumen wusste, dem Spielaufbau aber nicht weiterhalf. Bis er mich eines Besseren belehrte und das vorentscheidende 3:1 für den HSV perfekt vorbereitete. Und nicht nur Dieter Hecking sprach nach diesem Spiel ebenso wie nach Jungs Kurzeinsätzen in den Heimspielen gegen Nürnberg und zuletzt Karlsruhe von guten Auftritten des defensiven Mittelfeldspielers, der sich damit bei der Suche nach einem Ersatz für den verletzten Adrian Fein in die Pole-Position brachte. Und das zurecht, wie ich zugeben muss, nein: möchte.

Heckings Wechselansage mit Bedacht

Er sagt selten bis nie etwas, was er sich nicht vorher gut überlegt hat. Dafür hat Dieter Hecking in den nunmehr knapp 20 Jahren als Trainer einfach zu viel Erfahrungswerte sammeln können. Sowohl, was seine Mannschaft betrifft als auch die öffentliche Wahrnehmung. „Jetzt beginnt die Phase, wo ich jeden brauche. In Hannover kann es Samstag zum ersten Mal Veränderungen geben. Martin schart mit den Hufen. Vielleicht ist das in Hannover ein Spiel für ihn. Ich will die ganze Qualität des Kaders nutzen…“, sagte der Trainer am Sonnabend unmittelbar nach der Pressekonferenz in einer separaten Runde mit uns Hamburger Journalisten - und das in dem fast sicheren Wissen, dass sich eine personelle Änderung schon von allein ergeben würde: Adrian Fein war zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Weg ins Krankenhaus und die Wahrscheinlichkeit, dass der Mittelfeldmann ausfällt war eher schon sehr hoch. Diesen Wink hatten ihm die Mannschaftsärzte nach Spielschluss bereits gegeben. Dass Hecking die Gelegenheit nutzte, um auch im restlichen Kader noch einmal den Konkurrenzkampf anzuheizen - taktisch clever.

Trotz Karlsruher Trainerwechsel: HSV findet eine Antwort

Es ist das Albtraumszenario in der Spielvorbereitung: Nur wenige Tage vor dem Spiel entlässt der Gegner den Trainer. Plötzlich taugen die Aufnahmen der vergangenen Partien nicht mehr zur Analyse, schließlich weiß niemand so genau, was der neue Trainer vorhat. Kommt dann noch hinzu, dass der Neuling wenig bekannt ist, gestaltet sich die Vorbereitung als schwierig bis unmöglich.

Souveränes 2:0 gegen Karlsruhe - Hinterseer trifft doppelt

Es begann eher schlecht. Für mich zumindest. Denn ich stand so im Stau, dass es auch keinen Umkehrmöglichkeit gab. Und anstatt 90 Minuten vor dem Spiel da zu sein, wurden es gerade einmal 45 Minuten vor dem Anpfiff – und zu diesem Zeitpunkt hatte der HSV schon die Aufstellung herausgegeben. Wenig überraschend blieb es bei der Startelf der letzten beiden siegreichen Spiele gegen Nürnberg und in Bochum. „Never change a winning team“ – und das zurecht, wie sich zeigen sollte. Denn der HSV gewann auch das dritte Spiel des Jahres 2020 von 49.581 Zuschauern gegen den Karlsruher SC absolut verdient mit 2:0.

Heißes Spiel: HSV empfängt den KSC

Beim HSV herrscht gute Laune vor. Zwei Siege aus zwei Spielen, Spieler die aus der Rekonvaleszenz zurückkehren, ein Schulterschluss zwischen HSV-Ultras und der HSV-Führung - und dazu noch ein volles Haus beim Heimspiel am Sonnabend (13 Uhr, Volksparkstadion) gegen den Karlsruher SC. Bislang sind knapp 49.000 Tickets verkauft - und es deutet vieles daraufhin, dass der HSV seine Mini-Siegesserie fortsetzen kann. Zumal der KSC unter der Woche gerade das bittere Pokals beim Underdog FC Saarbrücken hinnehmen und dabei auch noch über die Verlängerung und das Elfmeterschießen gehen musste. Die Kunst des Aufsteigens läge darin, „immer genau zu wissen, dass nichts von allein kommt“ sagte HSV-Mittelfeldregisseur Louis Schaub im heutigen Mopo-Interview. Und Trainer Dieter Hecking untermauerte diese Forderung mit klaren Ansagen bei der Pressekonferenz. Was Ihr vor dem Duell mit dem KSC wissen müsst, haben Christian und ich Euch hier im Analyse-Blog zusammengetragen:

HSV: Pyroaktion soll Win-Win-Situation werden

Die Laune ist gut. Wie auch sonst nach zwei Siegen aus den ersten beiden Spielen und dem Bruch der Sieglosserie auf fremdem Geläuf? Als die Mannschaft nach dem sehr ballorientierten Training in die Kabine ging, spielten beispielsweise Lukas Hinterseer, Tim Leibold und Martin Harnik spontan noch eine Runde Fußball-Golf. Vom Spielfeld aus musste der Ball dabei per Fuß bis zur Kabine gespielt werden. Immer von dort aus weiterspielend, wo der Ball liegen blieb. Und während Harnik früh den Weg über den steilen Stadionaufgang hinweg gefunden hatte, brauchte Hinterseer zwei Versuche mehr - Leibold sogar so viele, dass wir am Ende aufhörten mitzuzählen. „Was ist denn los mit Dir, Leibe“, lachte selbst Trainer Dieter Hecking, der wie die Zuschauer angesteckt wurde von der guten Laune seiner Spieler.

So steigt der HSV auf...

Es ist schon eine Form von Qualität, wenn man von der Bank aus das eigene Spiel nicht nur taktisch komplett verändern, sondern immer auch verbessern kann, sobald auf dem Platz mal eine der Stammkräfte nicht so funktioniert. So geschehen in Bochum, als der HSV im Mittelfeldzentrum den Zugriff auf das Spiel verloren hatte und Trainer Dieter Hecking mit Gideon Jung für Jeremy Dudziak nachlegte. Rustikal für filigran - und es funktionierte. Jung nahm die Härte der Bochumer an, hielt im Gegensatz zu seinem Vorgänger Dudziak dagegen. „Er hat es jetzt zum wiederholten Mal richtig gut gemacht“, lobte Trainer Dieter Hecking gestern schon. Ein Indiz dafür, dass Jung in die Startelf rückt, ist das allerdings mitnichten. Denn der HSV will anders spielen.

HSV mit Mühe gegen taktisch clevere Bochumer

Meine Erwartungen an Hamburgs Auswärtsspiel beim VfL Bochum waren gering. Die Bochumer gehören zu den Zweitliga-Teams, die in dieser Saison weder spielerisch noch taktisch groß auffielen. Eine leichte Aufgabe für den HSV also? Mitnichten. Bochums Trainer Thomas Reis hatte sich ein interessantes System ausgedacht, um den HSV zu ärgern.

HSV kämpft in Bochum um Bigpoints

Dieter Hecking hatte geheim trainieren lassen - was im weitläufigen Volkspark nicht wirklich möglich ist, solange man nicht ins abgeschlossene Volksparkstadion geht. Aber so wirklich schlimm war es dann auch nicht, dass die Kiebitze sehen konnten, was dort auf dem Platz passierte. Denn nach dem guten 4:1 gegen Nürnberg rechnete tatsächlich niemand mit großen Veränderungen. Im Gegenteil: Das Motto diesmal ist "mit Konstanz die Serie brechen", denn beim VfL Bochum will der HSV den ersten Auswärtssieg seit dem 4:2 beim KSC im August 2019 (!!) einfahren. Auch, weil die Konkurrenten aus Stuttgart und Bielefeld  im Aufstiegskampf Punkte liegen gelassen haben. Auf der anderen Seite muss der VfL Bochum seinerseits dringend nachlegen, wenn den Abstiegsrang, auf den die Bochumer zurückgefallen sind, wieder verlassen will. Ergo: Für beide Teams geht  es um viel, wenn sie am Montagabend um 20.30 Uhr den 20. Zweitligaspieltag beschließen. Der Check vorab, den ich wie immer zusammen mit meinem Blogfreund und Bochum-Experte Christian Hoch zusammengetragen habe:

HSV: Dominant gegen passive Nürnberger

Die Winterpause hätte unterschiedlicher kaum laufen können. Die Hamburger Vorbereitung endete mit einem völlig missglückten 2:5 gegen Lübeck. Nürnberg hingegen feierte einen 5:0-Sieg gegen ZSKA Sofia sowie ein 5:2 gegen Bayern München. Von den unterschiedlichen Ausgangslagen war im direkten Duell nichts zu erkennen: Der HSV dominierte (fast) jede Phase der Partie.

Dieser HSV hat Zukunft

Ich hatte Jonas Boldt gerade danach gefragt, ob es neben den üblichen verdächtigen noch Überraschungen geben könnte am Transfer-D-Day, als hinter uns Xavier Amaechi von Boldts Sportchef Michael Mutzel vom Platz geholt wurde. Der junge Engländer hatte bis hierhin mit den Reservisten von gestern Spiel-Ersatztraining absolviert. Und nachdem Boldt erst nicht viel sagen wollte, kam er jetzt nicht mehr wirklich drumherum. „Ich persönlich bin da ja eher bei Julian Nagelsmann und glaube, dass es manchmal besser ist, sich durchzubeißen“, so der Sportvorstand des HSV, ehe er andeutete, dass der bislang sportlich enttäuschende Youngster vor einem Wechsel auf Leihbasis nach England stünde. Es gäbe dort noch einen großen Markt für ihn, so Boldt, der keine zwei Stunden später schlauer war: denn Amaechi wechselt nun doch nicht. Nicht auf Boldts Wunsch hin - sondern, weil das Angebot (dem Vernehmen nach ein Klub aus Englands Zweiter Liga)  einfach nicht passte.
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FAQs

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.