Der schmale Grat zwischen Kontrolle und Starre

Die Taktikanalyse kommt an diesem Wochenende mit etwas Verspätung. Eine Erkältung hat mich lahmgelegt. Das Spiel zwischen dem Hamburger SV und dem VfL Bochum war dabei nicht gerade die beste Medizin – oder vielleicht doch, mir fiel es am Freitagabend nämlich recht schwer wachzubleiben. Erst im zweiten Anlauf gelang es mir, das Spiel über neunzig Minuten zu schauen.

Hecking sieht personell noch Handlungsbedarf

Das Spiel gegen Bochum war eines der Spiele, aus denen der HSV alles ziehen kann: Drei Punkte, viel Selbstvertrauen, aber ebenso viele Ansatzpunkte, was noch alles besser werden muss. Trainer Dieter Hecking war mit dem Spiel nach eigener Aussage "überhaupt nicht einverstanden". Dennoch wirkte sich das Ergebnis erkennbar positiv auf die Laune von Trainer Dieter Hecking aus, der seinem Team nach dem heutigen Spielersatztraining zwei Tage freigab. Das nächste (dann auch öffentliche) Training ist am Dienstag um 15.30 Uhr.

1:0 gegen Bochum - HSV schleppt sich an die Tabellenspitze

Wer in der Tabelle ganz oben steht, der hat zumindest das Meiste erst einmal richtig gemacht. Sagt man so. Und daher dürfte ich mich an dieser Stelle eigentlich der Freude über eben diese Tabellenführung nach dem dritten Spiel der Saison hingeben. Aber: Das 1:0 gegen den VfL Bochum heute dürfte nicht nur mich, sondern vor allem auch Trainer Dieter Hecking nur bedingt zufriedenstellen. Denn gerade in den ersten 45 Minuten präsentierten sich seine Jungs heute ungewohnt fahrig, nervös und konteranfällig. Dass man Ende dennoch jubeln durfte, lag an den zweiten 45 Minuten, in denen die Defensive stabil wirkte und das Mittelfeld endlich wieder zur Schaltzentrale wurde. Und natürlich an Knipser Lukas Hinterseer, der mit seinem Treffer gegen seinen Ex-Arbeitgeber in der 60. Minute den Siegtreffer erzielte. „Wir waren in der zweiten Halbzeit galliger und zielstrebiger Richtung Tor“, bilanzierte Adrian Fein nach dem Spiel, „wir haben die Räume etwas mehr geöffnet, haben aber auch noch ein paar Dinge, die wir für das nächste Spiel in Karlsruhe verbessern müssen.“ Stimmt.

Formcheck: Bochum kommt als Außenseiter

Er ist Reporter beim VfL Bochum - aber sein Herz schlägt seit frühester Jugend für den HSV. Eine ambivalente Situation für unseren Blogfreund und -Autor Christian Hoch, mit dem ich mich vor dem direkten Duell der beiden Klubs morgen Abend (18.30 Uhr, live bei Sky) im Volksparkstadion über die aktuelle Situation gesprochen habe. Er beschreibt sie auf Seiten des VfL Bochum, ich beim HSV. Los geht’s:

Hinterseer: Bochum ist gefährlich

„Wie jetzt“, fragte Lukas Hinterseer nach, „wenn wir beide den Ball sicher reinmachen können?“, so die Nachfrage des Stürmers auf die Frage, ob er den Ball lieber selbst reinmacht oder Bakery Jatta den Ball auflegt. Nach kurzer Klärung seiner Nachfrage ist die Antwort des Angreifers blitzschnell gefunden. „Ganz klar ich selbst!“ Und das obwohl Hinterher keine zwei Minuten vorher noch einmal lobend erwähnt hatte, wie git die Mannschaft in den letzten Tagen zusammengefunden habe.

„Bochum wird uns ärgern wollen“

Natürlich werden sie gefragt. Immer wieder. Sie wurden in den letzten tagen von nahezu allen Medien beim HSV als Interviewpartner angefragt - und um nicht 100 Einzelinterviews zu geben, wird ein Sammelinterview gemacht. Morgen Lukas Hinterseer, heute war es Jan Gyamerah. Die beiden Bochumer sollen erzählen, wie es für sie ist, gegen ihren Ex-Klub zu spielen, was ich grundsätzlich nicht allzu spannend finde. Dabei kommen fast immer dieselben Statements heraus. Vielmehr interessiert mich, was die beiden als Bochum-Spieler über den HSV gedacht haben und wie sie die beiden Spiele in der abgelaufenen Saison gegen den HSV erlebt haben. Und letzteres beantwortete Gyamerah heute - erst morgen ist Hinterseer dran. Gyamerah: „Ich kann sagen, dass man als gegnerische Mannschaft vor dem Spiel hier in Hamburg total brennt. Als wir damals hier angekommen und ins Stadion gegangen sind, auf dem Platz und umgeschaut haben, dachten wir alle ‚mega!‘. Wir wollten den HSV damals unbedingt ärgern und haben das mit einem Unentschieden geschafft. Genau das werden die am Freitag hier auch versuchen. Die wollen uns ärgern.“

Hunt fällt aus, Sakai freigestellt, Vagnoman erhält Nachwuchspreis

Kein Interview ohne Appell des Trainers. Heute auch wieder. Beim HSV würde nach dem Pokalsieg im Elfmeterschießen beim Chemnitzer FC nur von Duselsieg geschrieben, während bei anderen Favoriten, die sich ebenso schwer getan hätten, Torhüter oder Torschützen zu Helden gemacht werden. Diese negative Art sei es, die man in Hamburg verändern müsse, so Hecking heute in der Presserunde am Tag nach dem DFB-Pokalspiel in Chemnitz, das der HSV mit 8:7 nach Elfmeterschießen gewinnen konnte. „Wir haben die Chemnitzer sehr gut bespielt“, fand Hecking lobende Worte für seine Mannschaft, die erstmals in dieser Saison auf Kapitän Aaron Hunt verzichten musste. Und voraussichtlich auch weiter auf ihn verzichten muss.

HSV zerschellt (fast) an Chemnitzer Mauer

Die erste Runde des DFB-Pokals ist auch immer eine kleine Zeitreise für den Fußball-Fan. Wenn die Profi-Teams zu den Amateur-Klubs des Landes reisen, bekommt man ein Gefühl dafür, wie Fußball vor zwanzig, dreißig Jahren war, als die Stadien noch wenig Komfort boten und nicht jeder Fußball-Profi Medientrainings absolviert hat. Auch der Fußball der unterklassigen Klubs hat etwas Retro-haftes, wenn sich die Fußballzwerge mit Kampfkraft und totaler Defensive gegen die großen Klubs des Landes wehren.

Eine Runde weiter - darum ging's. Und mehr war's auch nicht.

Das heute wird ein kurzer Blog. Und das nicht, weil ich mit meinem klaren 6:0-Tipp voll daneben lag. Nein, ich musste das Spiel leider aus logistischen Gründen auf meinem Laptop sehen. Nicht optimal, da ich nicht parallel sehen und schreiben konnte – aber es ging leider nicht anders. Daher: Um nicht zu spät zu erscheinen, und tatsächlich auch angesichts des überschaubar guten Spiels, diesen Text in aller Kürze. Trotz des Weiterkommens. Denn schön war das heute nicht.

Fußball steht wieder im Mittelpunkt - hoffe ich...

Alles wie immer. Knapp 100 Unentwegte tun sich das wenig- bis nichtssagende Abschlusstraining an, holen sich im Anschluss an die Einheit Autogramme und auf der A7 ist Stau rund um den Volkspark. Auf dem Platz passiert nichts, was man so nicht schon mal gesehen hat. Kurzes Aufwärmen, Kreisspiel, ein paar kurze Sprints, eine taktische Passübung und ein Abschlussspiel. Wobei, hier gibt es dann doch einen ganz wesentlichen Unterschied zwischen dem aktuellen HSV-Trainer Dieter Hecking und seinen Vorgängern. Insbesondere Hecking direkter Vorgänger Hannes Wolf hatte selten ein Geheimnis aus seiner vermeintlichen Startelf gemacht und diese im Abschlusstraining zumeist auch in ein Team gesteckt. Hecking nicht. Der ließ heute zwar die vermeintliche Viererkette in einem Team zusammen beginnen - aber ansonsten wurde viel gewürfelt.

Fakten statt Emotionen, bitte!

Kurze Antworten, genervte Blicke, zurechtweisende Antworten - Dieter Hecking wird im Netz für seine Art, Pressekonferenzen zu führen, ordentlich gefeiert. Nicht erst seit der Jatta-Geschichte steht die Presse bei vielen Lesern/Hörern/Zuschauern in Misskredit gebracht. Da kommt ein erfahrener Trainer mit einer etwas schrofferen Art (beleidigend empfinde ich ihn nicht) gegenüber uns Journalisten gerade recht. Dass das Ganze in diesem Fall eigentlich komplett nebensächlich ist und die Thematik rund um den HSV nicht einmal peripher kratzt - es spielt für viele keine Rolle.

„Baka, Du bist einer von uns…!“

Die ganze Stadt, die A7 und alles rund um den Volkspark war dicht. Stau hier, Stau da - Verkehrschaos. Dennoch hatten es rund 250 Fans pünktlich zum Trainingsstart an das Volksparkstadion geschafft und applaudierten ihrem angeschlagenen Helden, als dieser die Treppen zum Training hinabstieg. Jatta vorneweg, die Mannschaft hinter ihm her - es sollte zweifelsfrei symbolisch wirken. Vor dem Training hatte sich die Mannschaft gemeinsam überlegt, wie sie ihrem Kollegen zur Seite stehen kann - und dieser Treppenabgang war das (erste) Ergebnis.

Gleiches Recht für alle

Natürlich gibt das Thema alles her, um hier tausende Zeilen zu schreiben. Man könnte die Thematik Bakery Jatta (und nur so heißt er, solange nichts gegenteiliges bewiesen wurde) von allen Seiten beleuchten - und man würde dennoch nicht über Indizien hinauskommen. Aber das Thema Bakery Jatta ist für mich weniger erschütternd, weil sich hier eine Fußballerkarriere zerlegen könnte, oder weil der HSV einen tollen Menschen als Spieler verlieren könnte.

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admin

7. August 2019

Letschert fällt länger aus - Ewerton vor Debüt

Das Spiel in Nürnberg hatte viele Gewinner – natürlich. Ein 4:0 bei einem Aufstiegsaspiranten bringt das so mit sich. Gideon Jung zum Beispiel, der überraschend für Kyriakos Papadopoulos in die Startelf gerückt war, überzeugte im Zusammenspiel mit Rick van Drongelen in der Innenverteidigung auf ganzer Linie. Und das war auch gut so. Denn angesichts der üblen Nachricht von heute kam eine weitere Alternative für die Innenverteidigung gerade recht. „Es ist leider das Innenband“, sagte Trainer Dieter Hecking heute, angesprochen auf die Verletzung von Neuzugang Timo Letschert.

Mit Dribblings & Kontern zum Erfolg

So zufrieden hatte man die Verantwortlichen des Hamburger SV lange nicht erlebt. Der 4:0-Erfolg über den 1. FC Nürnberg war – neben dem Derby-Sieg in der Vorsaison – nicht nur der höchste Sieg der (kurzen) Hamburger Zweitliga-Geschichte. Die Partie bewies auch, in welchen Bereichen sich der HSV unter Dieter Hecking weiterentwickelt hat. Wahr ist aber auch: Die schwache Leistung des Gegners war ein gewichtiger Grund für den auch in der Höhe verdienten Erfolg.

Hecking lässt Amaechi und Kittel zappeln

Dass es immer wieder Härtefälle geben würde bei einem Kader von 28 Spielern - logisch. Und angesichts der Dauer-Härtefälle Julian Pollersbeck, Gotoku Sakai und dem laut „The Scottish Sun“ von den Queens Park Rangers umworbenen David Bates (deren Trainer Mark Warburton hatte Bates einst schon zu den Glasgow Rangers geholt) sowie den beiden Youngstern Josha Vagnoman und Jonas David, die heute beim 6:0-Sieg der U21 gegen Holstein Kiels U23 ein gutes Spiel machten, ist auch Berkay Özcan von Trainer Dieter Hecking vor dem Spiel beim 1. FC Nürnberg aus dem 20-Mann-Kader gestrichen worden.

Wenn der Name Programm ist

Er löst automatisch dieses ambivalente Gefühl aus, das man schon letztes Jahr beim ersten Anblick von Orel Mangala als HSV-Profi auf dem Platz haben musste. Zum einen die Freude darüber, endlich mal wieder einen richtig guten, intelligenten Fußballer zu haben, bei dem alles zu stimmen scheint, der den HSV sportlich seinen Zielen entscheidend näherbringend kann. Also einen richtig guten Neuzugang mit großer Perspektive - um dann zu merken, dass es ja doch nur eine Liaison auf Zeit ist. Denn wie Mangala ist auch der bislang für mich auffälligste HSV-Zugang, Adrian Fein, nur ausgeliehen.

Der Kampf um die Plätze spitzt sich zu

Dieter Hecking lässt sich so schnell nicht kleinkriegen. Sagt er selbst. Das gilt generell. Und auch heute im Speziellen, was das Wetter betrifft. „Es regnet Bindfäden“, sagten die einen. Dieter Hecking sah es anders. Für ihn war es nicht mehr als „erhöhte Luftfeuchtigkeit“ im Volkspark, den er am Nachmittag um 15.30 Uhr mit seinen Spielern betrat, um die letzten Vorbereitungen für das Spiel am Montag in Nürnberg einzuläuten. Heute war das voraussichtlich letzte öffentliche Training. Morgen wird noch einmal geheim trainiert, ehe am Sonntag das Abschlusstraining ansteht.

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.