Publikumsliebling Petric über seinen Derby-Moment

Fünfmal schellen - dann nimmt Mladen Petric (38) am anderen Ende der Leitung ab: „Hallo?“ Er isst gerade zu Mittag, daher ist es für ihn zunächst unpassend, um über das anstehende Stadtderby zu sprechen: „Ruf gerne noch einmal in einer halben Stunde an.“ Gesagt - getan. Mit dem 61-fachen Torschützen für den HSV haben wir über seinen persönlichen Derby-Moment, die aktuelle Situation in der zweiten Liga und seine eigene Zukunft gesprochen.

Die Anspannung steigt - nur bei Hecking nicht

Er ist gut drauf. Sehr gut sogar. Ralf Becker bekommt die Zeit ohne HSV offenbar gut. Er genießt die Zeit, die er mit seiner Familie nachholen kann. und er genießt die Freiheit, selbst zu entscheiden, wann er welches Fußballspiel sieht. Zum Stadtderby beispielsweise geht er nicht. Wobei das nicht daran liegt, dass das Spiel nicht interessant ist. Auch Tickets hätte er sicher bekommen. Nein, Becker genießt den Abstand zur Pflicht. Und auch wenn er es so nicht zugeben wird, glaube ich, dass er so recht noch nicht weg ist vom HSV. Zumindest hatte ich heute beim Interview (siehe Video) genau diesen Eindruck.

Jetzt spricht Jatta

Oha, manchmal wird es dann auch des Guten etwas viel. Gerade in den letzten Wochen wurde der HSV für sein soziales verhalten gegenüber seinem Spieler Bakery Jatta bundesweit über den grünen Klee gelobt - einzig in Nürnberg, Bochum und Karlsruhe gab es hier abweichende Haltungen zu verzeichnen. Von daher hätte ich mir dieses Thema heutebiund in den nächsten tagen eigentlich ausgespart. Aber: Weil er sich zuletzt stets zurückgehalten und wir ihn aus Respekt vor seiner schwierigen Situation auch komplett in Ruhe gelassen hatten, möchte ich den heutigen Blog mit den ersten Worten von Bakery Jatta beginnen, die er seit dem Wirbel und dem ersten Artikel um seine Identität heute veröffentlicht hat. Via Instagram schrieb der Angreifer heute einleitend auf deutsch: „Moin Moin. Auch wenn ich jeden Tag Deutsch lerne, werde ich das, was ich jetzt sage, auf Englisch tun.“, um dann auf englisch fortzusetzen: 

Der Gyamerah-Schock

Das Beste vorweg: Jan Gyamerah hat die schwierige Operation bereits hinter sich. Der schwer verunfallte Rechtsverteidiger wurde im Universitätsklinikum Eppendorf gleich am heutigen Nachmittag operiert. Die Diagnose: Bruch des linken Wadenbeines. „Die Verletzung ist ein großer Schock für uns alle. Es tut uns unglaublich leid für Jan, der sich menschlich und spielerisch großartig bei uns integriert hat und nach kurzer Zeit ein wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft wurde“, sagte Sportvorstand Jonas Boldt heute via Vereinswebsite.

Der Moderator

Manchmal reicht eine kurze Ansage. Zumindest schien es fast so, als gäbe es einen Zusammenhang zwischen den Worten des Trainers am Vormittag und der Leistung des Spielers am nachmittag. „Wichtig ist, dass er jetzt Spielzeit bekommt“, hatte Trainer Dieter Hecking über Xavier Amaechi gesagt, der beim HSV trotz großer Vorschusslorbeeren bislang nicht durchstarten konnte. Weder in den Spielen  - noch in den Trainingseinheiten. Mit Ausnahmen selbstverständlich. Und die beiden heutigen Trainingseinheiten zähle ich dazu, denn sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag wusste der junge Engländer (mir) zu gefallen. Dennoch, das machte Hecking deutlich, wird das Toptalent vom FC Arsenal in den kommenden Wochen wohl mehr bei Regionalligaspielen zu sehen sein als in der Zweiten Liga. „Gut möglich, dass er dort Spielpraxis bekommt“, so Hecking.

Diesmal gelingt der Balanceakt

Es ist so ein wenig die Ruhe vor dem Sturm. In sieben Tagen trifft der HSV am Millerntor auf den FC St. Pauli. Und nachdem heute Laktattests anstanden, geht es auch erst morgen wieder auf den Trainingsplatz. Zweimal wird öffentlich trainiert. Es sind die ersten beiden von insgesamt sechs Einheiten bis zum Stadtderby. Zum Vergleich: Der FC St. Pauli trainiert achtmal - wobei die zwei Einheiten mehr heute stattfanden, wo der HSV seine Laktattests machte. Insofern: Kein Grund zur Sorge für diejenigen, die mehr Training auch immer mit besserer Leistung verbinden. Im Gegenteil: Beide Trainer geben ihrer Mannschaft sogar am Donnerstag noch einen freien Tag, da das Spiel erst am Montag ist. Viel mehr Grund zur Sorge besteht ohnehin für die Zeit danach. Denn die letzten beiden Derbysieger (St. Pauli 2011) und der HSV im März kollabierten jeweils im Anschluss an die Derbysiege. Der FC St. Pauli stieg damals in die Zweite Liga ab - der HSV gab seinerseits die Tabellenführung noch ab und rutschte am Ende sogar aus den Aufstiegsrängen der Zweiten Liga.

Ein Hoch für den HSV

Die Zweite verliert, die Damen sind im Pokal im Elfmeterschießen gescheitert und der HSV hat trainingsfrei. Es gibt schönere Tage für mich als HSV-Reporter. Aber alles ist relativ – so auch das. Denn für mich ist heute ein richtig guter Tag. Und zwar aus Blog-Sicht. Denn während wir an allen Ecken und Kanten wachsen, wachsen wir jetzt auch redaktionell: Christian Hoch wird uns ab sofort als HSV-Reporter unterstützen. Ein Reporter, der sich seine Meriten vor allem im Pott als VfL-Bochum- und Schalke 04-Reporter verdienen konnte und verdient, dessen Herz aber seit frühester Kindheit für den HSV schlägt. Ein Umstand, den wir uns zunutze gemacht haben und ihn an uns gebunden haben. In den vergangenen Monaten hat er immer mal wieder für uns berichtet (Gyamerah-Wechsel, Hinterseer-Transfer, Spiele gegen Bochum), und war zuletzt auch bei den Heimsiegen gegen den VfL und Hannover 96 dabei. Und gestern hatte er Euch mit der schönen Titz-Story Hintergründe geliefert. Insofern wisst Ihr eh schon alle, wen ich meine.

Der Menschenfänger  

Sieben Pflichtspiele, sechs Siege, ein Unentschieden: Regionalligist Rot-Weiss Essen hat einen Bilderbuch-Start in die neue Saison hingelegt. 11.000 Zuschauer an der Hafenstraße sahen am Freitag einen hochverdienten 2:1-Erfolg von RWE im Niederrheinpokal gegen Drittligist KFC Uerdingen. In Essen im Ruhrgebiet ist die Euphorie zurückgekehrt. Einem Mann wird dafür entscheidende Bedeutung zugemessen: Ex-HSV-Trainer Christian Titz. Der Sympathieträger und Menschenfänger hat Essen im Sturm erobert. Ein Risiko bleibt dennoch.

Papadopoulos ist unzufrieden - und wird das wohl auch bleiben

Er ist zufrieden, das ist zu sehen. Und zu hören. Dieter Hecking wusste dem Remis in Wolfsburg und dem bevorstehenden freien Wochenende viel Positives abzugewinnen. Sportlich vor allem, weil sich einige Spieler, die zuletzt weniger zum Einsatz gekommen waren,  mal wieder bzw. überhaupt einmal im Spiel präsentieren konnten. Einer von denen war auch Kyriakos Papadopoulos, der kämpferisch stark (Hecking: „Ich weiß nicht, ob man das in einem Freundschaftsspiel immer so lösen muss – aber das war okay“) spielte und sich damit für weitere Einsätze empfehlen wollte. Er machte es auch gut.

Hecking spricht Klartext - und Harnik trifft

Wer sich schon mal über die B4 von Hamburg aus in Richtung Wolfsburg aufgemacht hat, wird wissen, was ich meine, wenn ich sage: Was für ein schöner Ausflug! Um 16 Uhr war Anpfiff zum Testspiel des HSV beim VfL Wolfsburg – und das im schmucken Amateurstadion neben der Volkswagen-Arena. Immerhin 2189 Fans zog es in eben dieses AOK-Stadion – darunter mehr als die Hafte mit HSV-Utensilien.

„St. Pauli hat bei mir nie eine Rolle gespielt“

Es ist wie eine Rückkehr, ohne dass er hier jemals Profifußball gespeilt hat. Weder für den HSV noch für den FC St. Pauli war er bislang aktiv.  Und obwohl er aus Hamburg nach Bremen und 13 Jahre später nach einigen Zwischenstationen aus der hier von Fanseite verhassten Stadt Bremen zurück nach Hamburg wechselte, nennt Martin Harnik das Ganze „Rückkehr in die Heimat“.

Jattas Leiden hat ein Ende

Na dann! Nachdem mit dem Bezirksamt Hamburg-Mitte auch staatliche Behörden die Korrektheit der Identität Bakery Jattas bestätigt haben und formaljuristisch keine Zweifel mehr bestehen, haben nun auch der 1. FC Nürnberg, der Karlsruher SC und der VfL Bochum mit einem Tag Verzögerung heute seinen Einspruch gegen die Spielwertung ihrer Partien gegen den HSV zurückgezogen. Die Mitteilung der Nürnberger, die sich in der ganzen Angelegenheit in den letzten Wochen besonders hervorgetan haben, im Wortlaut:

Größe kann man nicht lernen

Der Tag der Entscheidung, der D-Day - oder einfacher formuliert: Der letzte Tag der Transferperiode. Der heutige 2. September hatte auch beim HSV noch einmal Nachrichten parat. Zum einen die Wechsel auf Leihbasis von Berkay Özcan zu Besaksehir Istanbul (ein Jahr zzgl. Kaufoption über 4 Mio. Euro) und Manuel Wintzheimer (für ein Jahr zum VfL Bochum, ohne Kaufoption). Und zum  anderen den 12. Neuzugang in diesem Sommer: Martin Harnik wechselt auf Leihbasis für ein Jahr von Werder Bremen zum HSV. Im gefühlt 20. Anlauf hat es also doch noch mit Harnik und dem HSV hingehauen.

HSV: Dominant gegen Hannover 96

Hamburg steht stabil! Dieses Fazit lässt sich vor der ersten Länderspiel-Pause der jungen Saison ziehen. Drei Gegentore musste das Team von Dieter Hecking erst hinnehmen, in drei von fünf Partien blieb der HSV ohne Gegentreffer. Auch gegen Aufstiegskonkurrent Hannover 96 legte die stabile Defensive den Grundstein für den ungefährdeten 3:0-Erfolg. Aber auch die Abteilung Attacke verstand es, die gegnerischen Schwächen auszunutzen.

Ein Sieg für Jatta

„Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey – hey“, schallte es von den Rängen, als sich die HSV-Mannschaft geschlossen in Richtung Nordtribüne aufmachte, um zusammen mit den Fans den verdienten 3:0-Erfolg gegen Hannover 96 zu feiern. Einen Sieg, der viele Gesichter hatte – aber eines, das alles überstrahlte. Denn Bakery Jatta, der in den vergangenen Wochen von bösen Verdächtigungen medial getrieben wurde und leider noch getrieben wird, konnte gar nicht aufhören, sich zu freuen. Er war es, der mit dem Treffer zum 3:0 den sportlichen Schlusspunkt gesetzt und das mit 54.732 Zuschauern gut gefüllte Volksparkstadion in Ekstase versetzt hatte. Er war es, der auch Minuten nach Schlusspfiff noch von den eigenen Fans gefeiert wurde. Womit? Mit Recht! „Wir sind heute gegen eine sehr starke Mannschaft ein wenig unter die Räder gekommen“, fasste Hannovers Trainer Mirko Slomka das Spiel zusammen. Und er hatte Recht. Aber, wie immer, der Reihe nach:

Derbytime!

Wie vor jedem Spiel, werden wir auch diesmal vor dem Nordderby am Sonntag gegen Hannover 96, einen Vergleich machen, der die kennzeichnenden Merkmale des bevorstehenden Spiels beinhaltet. Den Gegner durchleuchtet dabei wieder mein Blog-Copilot Christian Hoch. Und ich bin froh, dass sich an der offensichtlich entlastenden Situation für Bakery Jatta nichts geändert hat und ich an dieser Stelle darauf verzichten kann, erneut über dieses Thema zu berichten. Meine Meinung dazu dürfte inzwischen ja auch der letzten leserin und dem letzten Leser hier klar sein. Von daher: Ab ins Nordderby...

Trotz neuer Beweise: Nürnberg legt Protest ein

Es wird. Langsam. Aber es läuft endlich in die richtige Richtung. Emotional auf der einen Seite: Aus Hannover hat sich der Dachverband der 96-Fans zu einem Appell an die eigenen Fans entschlossen und zu einem fairen Umgang Bakery Jatta gegenüber aufgerufen. Stuttgarts Trainer Walter lederte heute auf der Pressekonferenz des VfB (im unten eingestellten Video ab Minute 15:40 zu hören) vor der Partie gegen Bochum gegen alle Klubs, die Widerspruch eingelegt haben. Aber auch faktisch scheint sich Jatta - so paradox das in einem Rechtsstaat auch klingt - endlich entlasten zu können.

AC Mailand jagt HSV-Toptalent Borges - Jatta bleibt Thema

Ich habe es selbst im MorningCall gesagt  - das Thema Bakery Jatta wird uns noch sehr lange begleiten. Mindestens bis zur nächsten Anhörung am 9. September vor dem DFB-Kontrollausschuss werden wahrscheinlich jeden Tag neue Themen auftauchen. Wie zum Beispiel heute, wo sich Kai Schiller für das Hamburger Abendblatt die Mühe gemacht hat, die bisherigen „Zeugen“ zu durchleuchten und ihre Glaubwürdigkeit bzw. das Zustandekommen ihrer Aussagen zu hinterfragen. Mit höchst interessanten Ergebnissen, wie dem Vorwurf des zitierten Trainers Suleiman Kuyateh zum Beispiel.

DFB - wo Sport und Politik eben doch nicht getrennt werden

„Da kommt er“, rief ein kleiner Junge im rosa Auswärtstrikot, als Bakery Jatta um 15.48 Uhr an der Seite von Tom Mickel die Treppen zum Trainingsplatz hinunterstiefelte.  Im Nachhinein habe ich mich geärgert, den Jungen nicht nach seinem Namen und seinem Alter gefragt zu haben, aber entscheidend sind diese Rahmendaten wie so oft im Leben auch in diesem Fall nicht. Viel wichtiger war meiner Meinung nach, dass der von mir frei auf fünf- oder sechs Jahre geschätzte Junge ganz offenbar das Bedürfnis hatte, Jatta unterstützen zu müssen.

Der DFB muss jetzt handeln

Die Nachrichten sprudeln derzeit beim HSV. Als Tabellenführer ja ganz logisch, sollte man meinen. Aber es sind schon allein ob der Causa Bakery Jatta längst nicht nur gute Nachrichten. Obwohl der HSV sportlich derzeit das zeigt, was man sich erhoffen durfte, rückt das Sportliche immer nur am Wochenende in den öffentlichen Fokus. Unter der Woche wird derweil über Einsprüche der HSV-Gegner diskutiert oder wie heute darüber, dass sich der Fall Jatta verhandlungstechnisch noch lange hinziehen könne. Der DFB-Kontrollausschussvorsitzende Anton Nachreiner sagte der Tageszeitung „Die Welt“, er befürchte ein langwieriges Verfahren im Fall des geflüchteten Gambiers. „Aus meiner Sicht ist nicht klar, ob eine abschließende Entscheidung ergehen kann oder ob man nicht sagen muss, das Verfahren muss man doch wieder aussetzen, bis etwa die Ausländerbehörde zu einem definitiven Ergebnis kommt. Der Fall Jatta könnte sich zu einer unendlichen Geschichte entwickeln“, sagte der 63 Jahre alte Jurist und lässt mich kopfschüttelnd zurück.
Subscribe to

PARTNER VON

FAQs

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.