Marcus Scholz

14. Dezember 2019

Im Abschlusstraining hat Trainer Dieter Hecking in den letzten Wochen und Monaten eher selten die Startelf gezeigt. Vielmehr versuchte er immer, den Gegner zumindest nicht zu früh wissen zu lassen, wie er beginnen lassen würde. Und so ist es auch diesmal. Heute im Abschlusstraining hat der HSV-Coach zunächst mit Ewerton neben Letschert in der Innenverteidigung und parallel dazu vorn Kittel statt Hunt im Zentrum (Harnik auf Außen, Hinterseer im Sturmzentrum) spielen lassen. Das änderte er im Verlauf aber noch mal und ließ Jung in der Innenverteidigung neben Letschert agieren sowie Fein im Zentrum auf der Sechs, während Hunt Kittel ersetzte - und das gut machte. 

Sicher ist, dass statt Tom Mickel diesmal Julian Pollersbeck mit nach Sandhausen fährt. Und irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass Hecking seinen zentral-defensiven Mittelfeldmann Fein beim SV Sandhausen für Jung auf die Bank setzt. Andererseits scheint der HSV-Trainer an Jung so großen Gefallen gefunden zu haben, dass er ihn irgendwie unterbringen will. Und so wahrscheinlich Jung dann wohl in der Innenverteidigung beginnen wird (neben Letschert) so trotzig stelle ich Ewerton auf. Und Fein. Und Hinterseer im Sturmzentrum mit Hunt dahinter. Mit Sonny Kittel hätte man demnach von der Bank noch richtig Qualität nachzuschieben.Im Übrigen eine Situation, die jeder Trainer mag. Aber schauen wir mal, was es zum Spiel morgen beim Sandhausen noch so zu sagen gibt, das nicht nur Sportvorstand Jonas Boldt zu einem  „kleinen Befreiungsschlag" nutzen will. Die wichtigsten Zahlen, Fakten und Duelle auf einen Blick:

 

Die Ausgangslage

SV Sandhausen: Der Gastgeber empfängt den HSV mit ordentlich Selbstvertrauen. Seit sechs Spielen ist die Mannschaft von Uwe Koschinat ungeschlagen. Dabei gewann Sandhausen zuletzt gegen den VfB Stuttgart das letzte Heimspiel und ist im eigenen Stadion seit sieben Partien ungeschlagen. Nur ein Heimspiel (1:2 am 2. Spieltag gegen Osnabrück) ging daheim verloren. Mit dem achten Tabellenplatz übertreffen die Sandhäuser derzeit alle Erwartungen. „Wir spielen eine sehr solide Saison“, sagt Ex-HSVer Dennis Diekmeier und untertriebt - meint aber vor allem die Art und Weise. „Wir sind nicht mehr das Team, das sich hinten reinstellt und den Ball lang rausholst in der Hoffnung, dass vorn schon irgendwas passiert. Wir spielen Fußball. Und den entwickelt unser Trainer mit uns von Woche zu Woche weiter. Auch gegen den HSV wird er einen klaren Plan für uns haben.“

HSV: Daniel Heuer Fernandes und Co. müssen zusehen, die letzten beiden Auswärtsspiele besser zu gestalten als die letzten sechs Auswärtspartien (vier Punkte/kein Sieg), um nach nur fünf Punkten (ein Sieg/zwei Unentschieden/zwei Niederlagen) aus den letzten fünf Spielen den Anschluss an Tabellenführer Bielefeld sowie nicht zu viele Punkte auf die Verfolger Aue, Heidenheim und Stuttgart zu verlieren. Tabellentechnisch ist der HSV ob der Schwächephase zum Jahresende noch einmal stark unter Druck. Zufrieden sein kann hier (und ist hier!) keiner - und das spiegelt sich in den Meldungen der letzten Tage und Wochen, in denen es immer wieder auch um Verstärkungen in der Winterpause geht, wieder. Heckings dauerhaft beruhigende Art, Themen zu entschleunigen, wird von den Kritikern mit jeder weiteren Niederlage bzw. mit jedem weiteren, enttäuschenden Spiel mehr infrage gestellt werden. Ein Sieg würde zumindest fürs Erste die Seelen beruhigen - darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der HSV für ganz oben im Winter für die Spitze und die Außenverteidigerposition noch nachbessern muss.

 

Der Lichtblick

Sandhausen: Das ist eindeutig die Form: Sechs Spiele, vier Remis, zwei Siege - eine super Bilanz. Zum Vergleich: Der HSV schaffte nur einen Sieg in genau derselben Zeitspanne. Sollten die Sandhäuser diese Form mit in das Duell gegen den HSV nehmen, dann haben sie gute Chancen. Mit zwei Ex-Hamburgern haben die Sandhäuser besonders gute Erfahrungen gemacht, denn sowohl der Ex-Paulianer Aziz Bouhaddouz als auch Dennis Diekmeier sind beim SVS zu Führungsspielern gewachsen. Diekmeier ist inzwischen als Mannschaftskapitän für Trainer Koschinat eine Stütze. „Der Trainer vertraut mir und lässt mich genau das spielen, was ich kann. Ich muss nicht mehr so defensiv denken und spielen, sondern kann die Linie rauf und runter laufen. Das ist mein Spiel und dieser Fußball Macht mir Spaß. Auch der beim FC St. Pauli aussortierte Bouhaddouz ist als Torjäger (sechs Tore) wieder in Form ist. Zudem steht mit Kevin Behrens ein Offensivspieler im Diekmeier-Team, der derzeit überragt (7 Tore/ drei Assists).

HSV: Es ist schwer, in so einer Phase einen Lichtblick zu finden. Muss man auch nicht immer. Wobei ich zumindest einen großen Vorteil dieser Mannschaft gegenüber der von letzter Saison sehe: Den Zusammenhalt und den Willen, sich immer weiterentwickeln zu wollen. Anstelle der „fertigen Stars“ stehen inzwischen junge, dafür eben auch formschwankende Spieler wie Adrian Fein, van Drongelen, Dudziak, Kittel. Aber allesamt werden von Trainer Hecking, der als schillerndste Persönlichkeit hier aktuell in Hamburg über allem steht -  intern ebenso scharf kritisiert wie im selben Moment über Vertrauensvorschüsse wieder aufgebaut. Ein Vorgehen, das schnell Früchte tragen kann. Aktuell hat dieser HSV keine Stars in der Mannschaft - die Mannschaft ist der Star. Niemand nimmt sich raus, niemand kritisiert die anderen. Alle sind sich bewusst, dass sie liefern müssen.

 

Das spannendste Duell

Dennis Diekmeier gegen Khaled Narey und Bakery Jatta oder ggf. Sonny Kittel - das ist das spannendste Duell dieser Partie. Der Ex-Hamburger spielt zum zweiten Mal gegen seinen Ex-Verein, zum ersten Mal im heimischen Hatdtwaldt-Stadion. Narey ist als Rechtsverteidiger gesetzt und wird die Vorstöße von Sandhausen Top-Flankengeber immer wieder einschränken müssen. Auf der anderen Seite wird Diekmeier mit seinem Tempo ans Limit gehen müssen in Laufduellen mit Jatta. Im Rückspiel vergangener Saison war Jatta nach dem Spiel der gefühlte Punktsieger - obgleich Diekmeier einen Elfer herausgeholt hatte. Sollte Kittel beim HSV auf Linksaußen beginnen, müsste sich Diekmeier dessen technischer Finesse erwehren. Zudem muss sich die voraussichtlich wieder angestellte HSV-Innenverteidigung den zwei treffsicheren Angreifern der Sandhäuser - Bouhaddouz und Behrens - stellen.

 

Taktik

Sandhausen: Fraisl – Diekmeier, Zhirov, Nauber, Paqarada – Linsmayer, Paurevic, Halimi, Türpitz – Behrens, Bouhaddouz.

HSV: Heuer Fernandes - Narey, Ewerton, Letschert, Leibold - Dudziak, Fein, Hunt - Jatta, Hinterseer, Harnik

 

Die Trainer:

Sandhausen: Uwe Koschinat gibt sich nach sechs ungeschlagenen Spielen selbstbewusst. „Der HSV  ist zu Beginn der Saison mit einer sehr hohen Selbstverständlichkeit aufgetreten ist. Sie hatten immer die Kontrolle über die Partie, genau das ist ihnen in den letzten Wochen aber nicht so sehr gelungen. Wir dürfen nicht nur defensiv denken, sondern brauchen auch eine mutige, aktive Spielidee bei eigenem Ballbesitz. Wir müssen an die Leistung aus dem Heimspiel gegen Stuttgart anknüpfen“, sagte Koschinat auf der Pressekonferenz:

 

HSV: Dieter Hecking führt den Kampf wider die Kritiker, deren Haltung er für überzogen negativ hält. Es scheint der seit Jahren wiederkehrende Kampf entfacht zu sein zwischen HSV-Führung und öffentlicher Beurteilung. Zumindest  versucht der HSV-Coach weiterhin, die von außen an die Mannschaft herangetragene Stimmung nicht durchzulassen und stellt sich wie schon in den letzten Wochen  auch vor dem Sandhausen-Spiel vor sein Team:

 

Die Bilanz

Bislang gab es erst zwei Spiele gegeneinander - beide konnte der HSV für sich entscheiden. Das Hinspiel Ion der vergangenen Saison gewann man in Sandhausen mit 3:0 (2 x Narey, van Drongelen), im Rückspiel besorgte Pierre Michel Lasoggas Doppelpack den knappen und glücklichen 2:1-Erfolg (Wooten hatte nach Foul an Diekmeier per Elfmeter ausgeglichen).

 

Ausblick

Sandhausen: Mit einem Sieg könnte Sandhausen das siebte Spiel in Folge ungeschlagen bleiben und den HSV weiter in die Krise stürzen - dabei selbst den Abstand auf die Abstiegsränge vergrößern.

HSV: Mit einem Sieg würden Hecking und Co. den Bielefeldern nach deren 0:0 von heute wieder bis auf zwei Punkte heranrücken. Am kommenden Wochenende geht es dann noch einmal auswärts beim SV Darmstadt um drei Punkte. Für den HSV gilt es, die Tabellenspitze nicht zu weit davonziehen zu lassen - oder sie bestenfalls sogar wieder zu erklimmen.

 

In diesem Sinne, bis morgen! Da melden wir uns wie immer um 13 Uhr im Rahmen der "Auswärtscouch" mit dem letzten News vor dem Spiel beim SV Sandhausen. Unsere Gäste sind diesmal Ex-HSV-Profi und Nationalspieler Christian Rahn sowie unser Freund von Radio Hamburg, Stübi.  Ab 13.30 Uhr geht es dann mit Euch zusammen auf die Couch! Wir freuen uns auf Euch. 

Aber, bevor ich jetzt diesen Blog für heute abschließe, noch ein Hinweis: Wir sammeln weiter Eure schönsten HSV-Momente 2019. Einige tolle Videos haben wir schon bekommen und hoffen, dass auch Ihr noch einige schöne Erinnerungen habt, die Ihr gern mit uns teilt. Sollte das so sein, einfach per Video (egal ob nacherzählt oder als zufällig mitgeschnittenes Video) an uns (0163-3124720).

Wir freuen uns auf Eure Beiträge, die wir dann über die Weihnachtstage veröffentlichen werden!

Bis morgen,

Scholle

FAQs

 

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.