Marcus Scholz

28. Mai 2018

Als um 15.15 Uhr heute die Tür zum Raum der Pressekonferenz aufgeschlossen wurde, wussten alle, wer da kommt. Auf der einen Seite ein alter Bekannter, Bernd Hoffmann. Auf der anderen Seite ein in Hamburg zwar bereits länger Gehandelter, aber dennoch Neuer - Ralf Becker. Und beide einte eines: Beide sitzen ab sofort im neuen drei Mann starken Vorstand des HSV, der durch die Unterschrift Beckers heute feststeht. Sie sind neben Trainer Christian Titz diejenigen, die den HSV wieder auf Kurs Erste Liga bringen sollen.

Und Becker machte heute auf dem Podium einen sehr aufgeräumten, klaren und guten Eindruck. Zunächst bedankte er sich bei seinem vorherigen Arbeitgeber, Holstein Kiel. Er dankte dafür, dass der dortige Aufsichtsrat den Mut hatte, ihn als Sportchef zu installieren. Und dann blickte er voraus. Dass er sich parallel Fragen nach seiner Vergangenheit stellen musste, logisch. Becker löste seine Aufgabe hoch professionell und er stellte dabei klar, dass es in der Vergangenheit noch kein nachhaltiges Aufeinandertreffen mit Bernhard Peters gegeben habe, die das heutige Verhältnis zu dem Direktor Sport beeinträchtigen würde.

Dass das Verhältnis aktuell dennoch schwierig ist, ist unbestritten. Und deshalb wird es in Kürze einen Versuch geben, Peters und Becker zu arrangieren. Becker vermied heute nähere Auskunft zu diesem Thema gekonnt. Und so, wie Becker von seinen ehemaligen Kollegen beschrieben wird, bleibt das auch so. Zumindest, bis es das Gespräch mit Peters gab, dürfte sich das auch nicht ändern. Aber hört und seht selbst:

Zumal Becker in den letzten Wochen Anstand bewiesen hat. Trotz laufenden Vertrages hatte er vor einigen Wochen intern den Holstein-Verantwortlichen mitgeteilt, dass er den Verein verlassen werde. Noch bevor er beim HSV als neuer Vorstand Sport feststand. Becker ist kein Mann für halbe Sachen. Deshalb wird er auch nur dann mit Peters weiter zusammenarbeiten, wenn er von dem Erfolg dieser Zusammenarbeit überzeigt ist. Und ehrlich gesagt: Das ist sein gutes Recht. So schade es in diesem Fall um Peters wäre. Denn bei aller Kritik an seiner Forderung via Abendblatt-Interview, ist er maßgeblich dafür, dass der HSV im Nachwuchsbereich in den letzten Jahren endlich wieder positive Schlagzeilen gemacht hat. Becker und Peters zusammen – dazu Titz, der mit beiden gut kann – das hätte eine große Chance, richtig gut zu werden...

Und das denke ich genau so.

Ich lasse mir hier auch heute nichts anderes andichten. Seit Jahren schon nicht – und deshalb wird sich das auch sicher nicht mehr ändern. Und wenn mir jemand dafür, die Situation eindeutig zu beschrieben, nachsagen will, ich würde Störfeuer legen wollen, dann hat er nichts verstanden. Diesen „Trumpismus“, das heißt: leugnen, was einem nicht gefällt – überlasse ich denjenigen, für die die Wahrheit zu hart ist. Den anderen verspreche ich, weiterhin das zu kritisieren, was falsch läuft, bzw. das zu kritisiere, was ich für falsch erachte. Und: Die neue Besetzung des Vorstandes mit Bernd Hoffmann als Vorsitzenden, Frank Wettstein für die Finanzen und seit heute Ralf Becker für den Bereich Sport, halte ich zwar im Zustandekommen für falsch, weil hier die Wahrheit gebogen wurde. Das wiederum bedeutet aber nicht, dass es im Ergebnis eine schlechte Wahl ist. Im Gegenteil: Im Ergebnis kann das deutlich besser werden, als im Zustandekommen.

Denn Fakt ist, dass hier genau das vollzogen wurde, was Hoffmanns Kritiker im Zuge der Wahlen prognostizierten und was Hoffmann vehement dementierte. Inzwischen ist Hoffmann der Chef der Kompanie im operativen Bereich, dessen Neubesetzung er forcieren und den er laut Wahlkampfansage nur kontrollieren wollte. Hoffmann ist sogar nebenbei auch noch der Präsident des HSV e.V., weil er interimsweise zum Vorstandsvorsitzenden bestimmt wurde. Das lässt das A.G.-Recht so zu. Insofern hat Hoffmann tatsächlich keine vier Monate nach seiner Wahl auf einen Ehramtsposten beim HSV wieder alles unter seinen Fittichen. Oder anders formuliert: Beim HSV folgen ihm alle.

Und genau deswegen habe ich gestern den Blog so geschrieben, wie er geschrieben ist. Denn intern gab es ausreichend Gelegenheiten, andere Wege zu gehen. Und das wurde nach vielen Gesprächen und etlichen Diskussionen eben nicht gemacht. Wer jetzt trotzdem der Meinung ist, aus dem Rückraum schießen zu dürfen, der ist noch deutlich schlimmer als alles das, was er als Feindbild ausgemacht haben will.

Insbesondere der Aufsichtsrat, der diese Szenarien abgewickelt und abgenickt hat, steht in dieser Causa an erster Stelle in der Verantwortung. „Wir stehen vor einem brutal schwierigen Jahr und haben nun Topleute an Bord, von denen jedem einzelnen bewusst sein sollte und muss, dass wir ihn brauchen und dass wir nur als Einheit den Erfolgsweg einschlagen werden, den wir alle anstreben“, lässt sich der neue Aufsichtsratsvorsitzenden Max-Arnold Köttgen heute im Interview bei HSV.de https://www.hsv.de/news/meldungen/allgemein/mai-2018/wir-haben-einen-ko… zitieren. Und er führt aus: „Wir als Aufsichtsrat haben daher einen konkreten Auftrag an alle Führungskräfte: Bringt eure Stärken ein, spielt im Team und stellt persönliche Interessen hinten an, dann haben wir die größtmöglichen Erfolgschancen.“

Das bedeutet, entweder wir feiern die Kontrolleure in einem Jahr für ihre klugen Entscheidungen – oder sie müssen sich für den weiteren Niedergang verantworten. Das ist nicht neu, das ist eigentlich immer so bei denen, die die Entscheidungen treffen müssen. Und das wiederum kann ein Bernd Hoffmann. Er trifft Entscheidungen, wenn er der Meinung ist, sie seien richtig auch gegen Widerstände. Hoffmann ist definitiv konsequenter als die meisten seiner Vorgänger zusammen.

Insofern: Ich bin gespannt. Mit Ralf Becker wurde heute die erste wichtige Personalie neu besetzt. Und der „Ralf“, wie er zunächst in meiner Überschrift leider nur hieß, hinterließ wie gesagt einen sehr guten Eindruck. Mit Becker und Titz sitzen demnach schon mal zwei Leute am Ruder, die eine sehr interessante Idee haben, Fußball zu spielen und eine Mannschaft zu entwickeln. Insofern hoffen wir einfach mal darauf, dass es so weitergeht, wie es sich die Verantwortlichen erhoffen. Und wir ja auch...

 

In diesem Sinne, bis morgen.

Scholle

 

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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