Marcus Scholz

21. November 2019

Und das in einem Spiel, in dem erst nach mehr als einer Stunde eingewechselt wurde und das sogar noch mit 0:1 gegen Fußballzwerg Lettland verloren ging: Lukas Hinterseer hat es doch ein wenig doller erwischt. „Eine stärkere Prellung“ sei der Grund, weshalb der Angreifer auch heute nicht mittrainieren konnte. Das ließ der HSV zumindest offiziell so verlautbaren. Ergo: Es läuft aktuell wirklich nicht rund für Lukas Hinterseer, der beim HSV nach nur zwei Treffern aus den letzten neun Ligaspielen intern wie extern in die Kritik geraten ist. Selbst der Trainer hatte von ihm eine Leistungssteigerung gefordert. Und der Trainingsausfall gestern wie heute lässt die Chancen auf seinen Startelfeinsatz am Sonnabend gegen Dresden nicht steigen - das ist klar. Bleibt nur noch die Frage: Wer ersetzt ihn in diesem Fall? Harnik? Oder doch Wood? Meine Antwort Stand heute: Beide!

Zumindest probierte Trainer Dieter Hecking heute beide Angreifer nebeneinander aus. Zwei Stürmer vor einem Vierer-Mittelfeld, dessen Besetzung Hecking im Trainingsverlauf mehrfach wechselte. Auch dabei: Aaron Hunt. Der Kapitän wirkte ebenso wie Harnik voll belastbar und könnte dementsprechend auch am Sonnabend von Beginn an spielen. Sollte er beginnen, würde das allerdings bedeuten, dass entweder Sonny Kittel auf die Bank rotiert - oder die Idee von einer Doppelspitze Wood/Harnik verworfen würde. Egal wie - Hecking hat trotz des schmerzlichen Ausfalls von Bakery Jatta offensiv viele Alternativen und ausreichend Variationsmöglichkeiten, um Dresdens Defensive zu beschäftigen.

Und die ist gewarnt. Trainer Cristian Fiel auf die Frage nach den Stärken des HSV: „Der HSV hat Erfahrung, individuelle Qualität und Power. Kommt mir auch nicht mit dem Ausfall von Jatta. Der Ausfall von Jatta wird durch nicht weniger Qualität ersetzt. Das Schwere gegen so einen Gegner ist, dass man selbst, wenn man über einen langen Zeitraum gut spielt, dass die dich bei einem Fehler so bestrafen, dass sie dich umbringen. Daher lasst uns lieber nicht über die Stärken des HSV sprechen.“

Richtig auf eine Sache einstellen kann man sich laut Fiel beim HSV eh nicht. Zumal das Personalkarussell beim HSV tatsächlich gerade ordentlich in Fahrt gekommen ist. Vergleichsweise viele Aufstellungsmodelle stehen derzeit im Raum - auch der Austausch der Innenverteidigung. Wir hatten es hier angesprochen, dass Rick van Drongelen so wirkte, als könne er mal eine Pause gebrauchen. Andererseits ist es bei einem so elementaren Bestandteil der Stammelf auch immer eine Gratwanderung: Helfe ich ihm, wenn ihn draußen lasse oder entziehe ich ihm gefühlt damit Vertrauen, dass ihm gebührt? Heute im Training ließ Hecking van Drongelen auf der einen Seite spielen - und auf der anderen Seite eine Dreierkette aus Timo Letschert, Gideon Jung und Ewerton. Also das, was er auch im Test gegen Aalborg ausprobiert hatte. Und: In dieser Dreierkette wäre es ein Leichtes, Ewerton auf der Bank zu lassen und dafür van Drongelen einzubauen. Ich weiß, dass viele von Euch hier eine klare Aussage von mir erwarten - aber das wäre nicht seriös. Festlegen kann ich mich hier jedenfalls so noch nicht.

 

Zumal heute auch Tim Leibold fehlte. Der Linksverteidiger musste aus privaten Gründen passen, ist aber nicht verletzt und wird am morgigen Freitag beim nicht öffentlichen Training wieder dabei sein können.  Auch deshalb nutzte Hecking die Gunst, was Neues zu probieren - und ich finde den Gedanken, mit einer Dreierkette zu agieren, weiterhin charmant. Leibold und Narey sind von der Veranlagung her eh fast schon die Prototypen für Offensive Außenverteidiger. Beide verfügen über die Erfahrung als Außenverteidiger und besitzen die Qualitäten, mit ihrem Tempo,  ihren Flanken und ihren Torschüssen in der Offensive selbst für Gefahr zu sorgen. Aber: Da Hecking zuletzt immer ein wenig ablehnend auf das Thema Dreierkette reagierte, spricht abgesehen von der heutigen Trainingsformation nicht allzu viel für diese Variante.

Vielmehr scheint auch Christoph Moritz im Mittelfeld wieder eine Alternative darzustellen. Der Edeltechniker, der eine gute Mischung aus defensiver Struktur und spielgestalterischer  Fähigkeit mitbringt, ist eine gute Alternative, um die Abwehrketten tief stehender Gegner mit seinem sicheren Pass- und Kombinationsspiel auszuhebeln. Mit Fein auf der Sechs, Dudziak und Moritz auf der Acht sowie Hunt oder eben Kittel auf der Zehn hätte der HSV allemal die fußballerische Qualität auf dem Platz, gegnerische Bollwerke zu knacken.  Heute im Training durfte Moritz zumindest schon einmal im vermeintlichen A-Team ran. Und ich glaube, das wird er auch am Sonnabend gegen Dresden. Mehr noch: Mich würde es sehr freuen, da ich ein Freund von seiner Stabilität bin, die er mit seiner außergewöhnlichen Passsicherheit, seiner Technik, seiner Übersicht sowie seiner Ruhe auf den Platz bringt. Und gegen vermeintlich tief stehende Gegner, wie es fast alle Mannschaften im Volksparkstadion sein werden, kommt auch seine fehlende Sprintfähigkeit nicht so stark zum Tragen.

Entscheidend wird eh sein, ob Dynamo Dresden am Sonnabend in dem bereits mit mehr als 50.000 verkauften Tickets gut gefüllten Volksparkstadion defensiv auftritt oder erneut versucht, sich mutig spielerisch zu behaupten. Trainer Cristian Fiel gilt als Freund des gepflegten Fußballs, der an sich im Abstiegskampf eher selten zu sehen ist. Dafür kassierte der Trainer des aktuell Vorletzten der Zweiten Liga zuletzt immer wieder auch Kritik. Oft hieß es, der Trainer würde den Spielstil nicht den Möglichkeiten anpassen, die sein Kader anbietet. Und trotzdem hielt Fiel an seinem System fest. Trotz fünf Niederlagen am Stück setzte er im Abstiegsduell gegen Wehen Wiesbaden auf Ballbesitz und spielerische Lösungen - und gewann. Zwar nur mit 1:0, weil der Videobeweis mächtig half. Aber das kleine Erfolgserlebnis sorgte zumindest dafür, dass der Dresdner Coach die Länderspielpause mit seiner Mannschaft in Ruhe nutzen konnte, um sich vorzubereiten. Aber hört und seht (auch das nette Interview mit Oliver Kreuzers Sohn und Dynamo-Verteidiger Niklas) selbst:

 

Und bevor ich den Blog abschließe, noch ein Wort in eigener Sache. In dem oben eingestellten Community Talk könnt Ihr meinen Kollegen Janik leider nur sehr schlecht hören - was ja eigentlich für alle Beteiligten einen großen Vorteil darstellt. Aber im Ernst: Der Tonausfall liegt daran, dass uns unsere Technik reingelegt und gleich zweimal im Stich gelassen hat. Soll heißen, obwohl wir einen kurzen, erfolgreichen Testlauf gemacht haben, ist uns ein Mikro im Laufe der Sendung abgeschmiert. Das sollte natürlich nicht passieren - kann aber immer mal vorkommen. Leider. Und letztlich hoffen wir, Euch mit den Antworten trotzdem weitergeholfen zu haben.

In diesem Sinne, bis morgen! Da melde ich mich wie immer pünktlich um 7.30 Uhr mit dem MorningCall bei Euch und werde Euch über unsere Facebook-Seite auch wieder live mit der Pressekonferenz beim HSV (ab 15 Uhr) mit Trainer Dieter Hecking versorgen. Vielleicht lässt der Trainer da ja schon durchblicken, wie er gegen Dresden personell umzubauen gedenkt. Aktuell hat er sich - in der Defensive ebenso wie im Mittelfeld und dem Angriff - allerdings noch wirklich alles offengehalten.

Bis dahin!

Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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