Marcus Scholz

26. Januar 2018

Unter Markus Gisdol holte der HSV in 48 Bundesliga-Spielen 52 Punkte (14 Siege, 10 Remis, 24 Niederlagen); er reihte sich mit dieser Bilanz (1,08 Punkte pro Spiel) nahtlos in die seiner Vorgänger ein: Unter Bruno Labbadia waren es 1,15 Punkte, unter Joe Zinnbauer 1,04, Mirko Slomka kam auf 0,75 und Bert van Marwijk auf 0,8. Besonders in der Offensive krankte es: In den 48 Gisdol-Spielen erzielte der HSV nur 46 Tore; das ist die schwächste Ausbeute aller HSV-Trainer, die mindestens 25 Bundesliga-Spiele an der Seitenlinie standen. Noch mehr Schreckenszahlen: 17 der 18 Bundesliga-Klubs haben 2018 mindestens einen Punkt geholt und 17 der 18 Bundesligisten haben mindestens ein Tor erzielt – nur der HSV noch nicht. 3 Niederlagen zum Rückrundenstart musste der HSV bisher nur 2000/01 und 2013/14 hinnehmen, vor 4 Jahren gelang in den ersten 3 Partien noch nicht einmal ein Tor. Bis jetzt.

Bis Bernd Hollerbach. Der neue HSV-Trainer soll neuen Schwung bringen und sorgte mit seiner Kaderbestellung heute zumindest kurzfristig für etwas Aufsehen. Denn in den Trainingseinheiten drängt sich der Verdacht auf, dass gerade zuletzt aussortierte Spieler wie Lewis Holtby wieder eine reelle Chance haben. Aber Hollerbach entschied sich gegen den Linksfuß. Zusammen mit Sven Schipplock, Luca Waldschmidt und Bakery Jatta schaffte es Holtby nicht in den 16.Mann-Kader. Dafür sicher dabei und weiterhin ein heißer Kandidat für die Startelf: Walace. Der Brasilianer soll vor der Dreierkette abräumen und sich somit trotz seines zuletzt geäußerten dringenden Wechselwunsches voll reinhauen. „Er gibt 100 Prozent für uns“, ist sich Hollerbach sicher. Und ich hoffe es sehr.

Und so übel der Fehlstart mit zwei Niederlagen für den HSV aktuell auch war, auch Leipzig hat in dieser Bundesliga-Saison schon fast genauso oft verloren (6-mal) wie in der ganzen letzten Saison (7-mal). RB hat 11 Punkte weniger auf dem Konto (31) als zur gleichen Zeit der letzten Saison (42). Eine erneute Champions-League-Teilnahme wird keineswegs ein Selbstläufer. Dementsprechend heiß werden sie sein, gegen den HSV wieder zu gewinnen. Einzige Gemeinsamkeit dieser grundsätzlich konträr geführten Vereine: Der Tabellenvierte und der Vorletzte kassierten gleich viele Gegentore (je 28); trotzdem holte RB Leipzig mehr als doppelt so viele Punkte (31) wie der HSV (15). Und: Den Hamburgern gelangen in 19 Spielen nur 15 Tore, das ist die zweitschlechteste Ausbeute der Klubgeschichte (nur 2014/15 waren es noch weniger); in den letzten sechs Partien traf der HSV sogar nur 2-mal. Kein einziger Hamburger (!) erzielte mehr als 2 Saisontore, bei allen anderen Bundesliga-Teams hat der Top-Torschütze mindestens 4 Treffer auf dem Konto.

So viel zu den Fakten und Daten, bei denen ich es heute erst einmal belassen will, nachdem Ihr hier auch schon einen sehr lesenswerten Beitrag meines Freundes und Leipzig-Reporters Carsten Germann lesen konntet. Danke dafür noch mal, Carsten!! Und morgen werden wir sehen, inwieweit diese Daten auch dem Kräfteverhältnis entsprechen. Beim Training heute war allerdings nichts zu erkennen. Hollerbach verlegte die Einheit nach einer kurzen Aufwärmphase von knapp 20 Minuten ins Stadioninnere, um sich den Augen der wenigen Zuschauer zu entziehen, und geheim zu halten, was geheim zu halten ist. Und ehrlich gesagt: So sehr es meine Arbeit für heute schwerer gemacht hat, so recht ist es mir, wenn es am Ende hilft, endlich wieder wichtige Punkte zu holen.

Ich freue mich zudem, Euch morgen im Anschluss an das Auswärtsspiel wieder zum HSV-Talk „Rautenperle.tv live“ begrüßen zu dürfen. Meine Gäste sind der Schatzmeister des HSV e.V. und Präsidiumsmitglied Dr. Ralph Hartmann, den baldigen Aufsichtsrat und Ex-Profi Marcell Jansen sowie meinen Freund Thomas Reiher, der in Hamburg der erste Zeuge von Bernd Hollerbach als Trainer war und viele nette Anekdoten von damals zu erzählen hat.

Beenden möchte ich den heutigen Blog dann noch mal in eigener Sache. Es geht dabei um unser Miteinander auch hier im Kommentarbereich. Aber lest selbst, was wir auch schon via Facebook veröffentlicht haben:

Liebe Rautenperlen,

Wie ihr bemerkt habt, haben wir uns auf dem Blog bisher mit Konto-Sperrungen zurückgehalten – ganz bewusst. Wir haben vielmehr frühzeitig an einem Voting-System gearbeitet, das der Gemeinschaft die Stimme in die Hand gibt.

Leider hatte das Voting-System - so wie es umgesetzt war - an der Stelle klar versagt. Was nicht heißt, dass wir den Versuch aufgegeben haben an so ein System zu glauben. Und genau daran arbeiten wir auch täglich weiter.

Solange diese Mechanik jedoch noch nicht im Einsatz ist, werden wir ab sofort wieder manuell einschreiten müssen.

Denn der Umgangston einiger Mitglieder ist deutlich zu „ruppig“ geworden und deshalb so nicht mehr hinnehmbar. Trotzdem glauben wir immer noch an demokratische und soziale Werte, die in der Anonymität des Internets leider nicht immer umsetzbar sind.

Daher entschuldigt bitte schon einmal heute unsere Vorgehensweise für mögliche kommende Handlungen - sie sind nicht unser Wunsch, vorübergehend aber leider nötig.

 

In diesem Sinne, bis morgen. Dann hoffentlich wieder mit deutlich erfreulicheren Dingen vom rein sportlichen Bereich.

 

Bis dahin,

Scholle

 

P.S.: Meine Startelf von heute Mittag (hatte ich bei Facebook gepostet) hat sich natürlich durch die Nicht-Nominierung von Luca Waldschmidt verändert. Deshalb tippe ich für morgen auf folgende Startelf: Pollersbeck – Jung, Papadopoulos, van Drongelen – Sakai, Walace, Hunt, Santos – Hahn, Kostic – Wood.

 

PARTNER VON

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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