Marcus Scholz

16. April 2019

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„Wir müssen gegen Aue voll am Limit arbeiten. Es wird nicht leichter. Jetzt ist richtig Druck drauf, den müssen wir aushalten, daraus Energie machen und wieder auf unsere beste Leistung kommen. Jetzt spitzt sich alles zu, jetzt ist Dampf drin. Ich hoffe, dass die Situation die Sinne schärft.“ Das sagt Hannes Wolf. Heute. Der Trainer baut bewusst Druck auf. Anstatt den Druck herunterzuschrauben, dreht Wolf auf. Warum er das macht? „Weil es nunmal so ist. Die Situation jetzt zu leugnen wäre Blödsinn“, sagt Wolf und fügt hinzu, dass seine Mannschaft diesen Druck sogar braucht. Wie in Köln. Oder wie in den ganzen anderen großen Spielen im DFB-Pokal, beim Stadtderby und anderen heiß angepriesenen Spielen dieser Saison. Immer wieder spielte der HSV hier , gut - ganz im Gegensatz zu den Spielen gegen vermeintlich kleine Gegner wie Darmstadt und Magdeburg. In genau diesen Spielen ließ der SV die Punkte liegen. die es verhindert haben, heute schon sicher für die Erste Liga planen zu können.

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Wolf macht aus der Not eine Tugend: Er baut Druck auf statt ab

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Fünf Spiele sind es noch bis Saisonende, den Pokal nicht mitgerechnet. „Und das sind nunmal alles Endspiele. Woche für Woche“, so Wolf, der in den letzten Spielen ausgemacht haben will, dass Druckabfall bei seiner Mannschaft dazu führte, dass man das eigene Spiel plötzlich schleifen ließ und verlor. Die besten Beispiele dafür seien die letzten Heimspiele Darmstadt und Magdeburg, wo man das Spiel mehr als deutlich dominierte und plötzlich völlig ohne Not alles aus der Hand gab. „Bei der Führung gegen Darmstadt hatte ich ein bisschen das Gefühl, dass wir es so machen wollten wie Köln gestern. Als würden wir meinen, das würde schon gut gehen. Aber das klappt nicht.“ Er wolle vermeiden, dass die Mannschaft von dem Druck plötzlich überrascht wird, sagt Wolf. „Es ist viel schlimmer, wenn Du den Druck wegredest und dann kommt er. Dann doch lieber vorher sagen, dass es so ist. Darin steckt ja auch die Kraft, über die eigenen  Grenzen hinaus zu gehen. Das kann sehr bereichernd sein, wenn sich die Jungs gegenseitig pushen, wenn sie sich gegenseitig mitziehen. Es ist nunmal die Endphase der Saison. Da ist das so, da steigt der Druck automatisch. Wir haben jetzt nur noch Endspiele, nur noch Finals. Und so wollen wir auch Aue angehen.“

 

PRESSEKONFERENZ NACH DEM 1:1 BEIM 1. FC KÖLN

 

Während man in den letzten Jahren immer davon sprach, den hemmenden Druck von der Mannschaft nehmen zu wollen bzw. diesen ein wenig kleiner redete, als er war, setzt Wolf auf die offensive Herangehensweise. Er glaubt, der Druck schärft die Sinne seiner Spieler und ist leistungssteigernd: „Wenn richtig Druck da ist, sind wir richtig gut. Und jetzt ist richtig Druck drin. Fünf Spiele, drei Punkte Akte Vorsprung und das schlechtere Torverhältnis - also ist es wie ein Finale. Diesen Druck musst du aushalten, den bauen wir auf. Und daraus musst du dann Energie machen und  nicht auf irgendwas zurückgerufen aus Köln.“ Auch in vermeintlich weniger spektakulären Spielen wie dem jetzt am Sonnabend gegen den Tabellen-14., dem abstiegsgefährdeten FC Erzgebirge Aue. „Das ist ein ganz anderes Spiel“, erklärt Wolf und es klingt so banal wie richtig: „Da werden wir anders gut spielen müssen. Wir dürfen nicht so tun. als würde es jetzt leichter. Dafür brauchen wir die körperliche Frische, aber vor allem auch die Mentalität und den Mut, den Zug nach vorn zu haben. ich hoffe, dass diese Situation die Sinne schärft. Es geht viel um Mentalität und Mut. Das hat man gestern gesehen. In diesem Druck steckt die Kraft drin, auch 120 Kilometer zu laufen. Und wir müssen voll am Limit arbeiten.“ So wie er, der sogar seinen Geburtstag komplett ausfallen lässt. „Es ist jetzt Zeit des Arbeitens. Meine Frau kennt das schon, die hat mich so gebucht. In fünf Wochen können wir das nachholen.“

 

 

Klingt gut. Wie eigentlich immer bei Wolfs Analysen nach den Spielen: Er bringt es auf den Punkt. Und in Köln brachten die vorgenommenen Wechsel auch endlich mal wieder die erhofften Verbesserungen ins Spiel. Dass es in Köln trotzdem sportlich wieder Probleme gab wie beispielsweise mit Gideon Jung, der erneut indisponiert wirkte, oder auch beim formschwachen Gotoku Sakai und dem positionell völlig verloren wirkenden Berkay Özcan - Wolf wollte heute nicht zu sehr auf einzelne Personen eingehen. Auch, weil er weiß, dass die Rückkehrer den von ihm heute zum Kernthema stilisierten „Druck“ intern in Form von Konkurrenzkampf hochhalten. Lacroix beispielsweise habe sich über das Training angeboten und so seine Chance verdient und genutzt. Ebenso Wintzheimer, den Wolf heute noch mal explizit lobte. „Manu ist hat Gas gegeben und es ist schön, dass er sich und uns belohnt. Er kann sehr gut abschließen, hat einen sehr guten Schuss“, lobte Wolf heute seinen Youngster, um ihn auch gleich wieder zu erden: „Er muss sich auf dem Niveau natürlich erst noch stabilisieren - aber das ist auch normal. Wichtig ist, er bringt sich sehr gut ein.“

Das gilt auch für Lewis Holtby, der nach seiner Gelbsperre am Sonnabend zusammen mit den wieder genesenen Pierre Michel Lasogga und Hee Chan Hwang wieder dabei sein kann. Hofft Wolf. „Lasogga und Hwang können Optionen werden. Genaues kann ich zwar noch nicht sagen. Aber ich hoffe.“ Genau wie ich darauf, dass Wolf weiter auf Josh Vagnoman setzt, ihn in den nächsten Wochen und Monaten konstant bringt und ihm Spielpraxis ermöglicht. denn auch gestern hat man bei dem jüngsten Spieler im Kader wieder gesehen, dass er das wahrscheinlich kompletteste Paket aller Talente beim HSV anzubieten hat. Er ist robust, schnell, git am Ball - und außergewöhnlich cool. In Druckphasen wie diesen können solche Eigenschaften noch Gold wert sein. Zumal ich auf der rechten Seite noch eine Menge Luft ich oben sehe. Und ganz nebenbei: Vagnoman kann auch sehr gut hinten rechts in der Viererkette spielen…

Okay, warten wir ab, wer am Sonnabend wieder dabei sein wird. Morgen um 11 Uhr werden insbesondere die Spieler belastet, die in Köln wenig oder nicht gespielt haben, während der Stamm leistungsgesteuert trainieren soll. beginn  ist um 11 Uhr am Volksparkstadion und das Training ist öffentlich. Ich melde mich natürlich morgen früh um 7.30 Uhr wieder pünktlich mit dem MorningCall bei Euch und werde Euch über alles in Kenntnis setzen, was so über den HSV geschrieben und gesagt wird. Anschließend ist Training und am Abend wird uns Tobias Escher in seiner großen Taktikanalyse noch einmal darstellen, was der HSV in Köln besser als sonst gemacht hat und warum er es besser gemacht hat.

Bis dahin!

Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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