Marcus Scholz

25. Oktober 2018

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Und (fast) täglich grüßt der Wolf: Gerade einmal 33,5 Stunden nach seiner ersten Pressekonferenz - seiner Präsentation musste sich der neue HSV-Trainer Hannes Wolf heute wieder den Fragen der Journalisten stellen. Und wie schon am Dienstag bei seiner Vorstellung machte der neue HSV-Trainer Hannes Wolf auch heute bei seiner ersten Spieltags-Pressekonferenz wieder einen guten Eindruck. Er antwortete höflich, ausführlich - und das alles, ohne zu viel zu verraten. Und vor allem Ohne zu viel zu versprechen. Im Gegenteil, der neue HSV-Cheftrainer, der mit nur zwei Trainingseinheiten einen Blitzstart in Magdeburg hinlegen muss, mahnte immer wieder an, dass man demütig und mit 100 Prozent an die Aufgabe herangehen müsse. Auch morgen in Magdeburg. Dass sich die Fragen vor allem darum drehen würden, wie seine ersten Eindrücke von der Mannschaft sind, wie er spielen und die Torgefahr erhöhen wolle, logisch. Und Wolf hatte sich seine Antworten auf die wenig überraschenden Fragen schon vorher gut zurechtgelegt und sagte, was alle seine Vorgänger an selber Stelle auch sagten: Er habe einen sehr positiven Eindruck. Was soll er auch sonst sagen?

Dennoch, bei aller Zurückhaltung, die bei dem 37-Jährigen manchmal sogar ein wenig schüchtern wirkt, ist Wolf auf dem Platz genau das Gegenteil. Er gibt klare Anweisungen und pfeift sofort zurück, wenn diese nicht wie gefordert umgesetzt werden. Er setzt auf Disziplin, wie er auch heute während der PK noch einmal bestätigte. „Es ging darum, die Mentalität und den Zusammenhalt, den du für die Partie morgen brauchst, hervorzurufen, wachzukitzeln und zu sensibilisieren. Das waren kurze Gespräche auf den Punkt. Viel Zeit zum Philosophieren hatten wir eh nicht“, so Wolf. Man werde aus einer Kompaktheit mit Kampf und Einsatz sowie mit Schärfe und Aggressivität arbeiten und daraus fußballerische Lösungen entwickeln wollen. „Sehr konstant sein im Kopf, das ist das Ziel“, so Wolf, der Aaron Hunt als seinen Kapitän bestätigte („Ich sehe überhaupt keinen Anlass, etwas zu verändern.“). Er habe auch kein steifes Konzept, kein prinzipielles Spielsystem, mit dem er den HSV agieren lassen wird. „Wir suchen eine Struktur, die alles anbietet. Es ist ein wenig von allem“, so Wolf, der sich auch Tore aus allen Lagen erhofft. Also in ungefähr das, wovon der HSV aktuell am weitesten entfernt schien.

Dass dabei Pierre Michel Lasogga helfen kann, ist klar. Und er soll es voraussichtlich auch. Ob der bullige Angreifer beginnen werde? Wolf verweigerte eine Antwort auf derlei Personalfragen, fügte aber ein wenig kleinlaut hinzu, dass wir ja eh alles hätten sehen können. Auch das nicht öffentliche Geheimtraining. Es hätte so ausgesehen, als ob Lasogga spielen würde, fügte mein Freund und Kollege Jurek Rohrberg hinzu und erntete ein alles andere als fröhliches Lächeln des neuen HSV-Trainers: „Ja, bei dem geschlossenen Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das klappt auch super hier…“

Der Kader für das Spiel morgen in Magdeburg ist identisch mit dem der letzten Woche. Und bis auf Pierre Michel Lassogga im Angriff erwarte ich tatsächlich zunächst kaum Veränderungen. Demnach erwarte ich folgende Startelf:

Pollersbeck - Sakai, Bates, van Drongelen, Santos - Mangala - Narey, Holtby, Hunt, Hwang - Lasogga.

Auf der Bank Platz nehmen würden demnach Mickel (ETW), Lacroix, Janjicic, Moritz, Ito, Arp, Jatta. Was diese 18 HSV-Profis und uns in Magdeburg erwartet, habe ich Alex gefragt. Alex betreibt in Magdeburg seit einigen Jahren den sehr erfolgreichen FCM-Blog www.nurderfcm.de und war so nett, mir einige Fragen zum morgigen Gegner zu beantworten. Vielen Dank für das nette Gespräch, Alex! Aber lest selbst - und bis morgen!!

 

Bei den vorherigen Gegnern wurden die Spiele gegen den HSV Immer als Highlights gefeiert. Ist das Spiel gegen den HSV in Magdeburg etwas Besonderes? Wenn ja, warum?

Das kann ich mit einem ganz klaren „ja!“ beantworten. Das Stadion war, nachdem der Vorverkauf begann, relativ schnell ausverkauft und, und das sagt eine ganze Menge: Zusammen mit dem HSV-Spiel gingen auch die Tickets für das Heimspiel gegen Dynamo Dresden in den Verkauf. Auf diese Paarung (gegen Dynamo) haben sich auch sehr, sehr viele Clubfans sehr gefreut, schließlich hat die Rivalität zur Sportgemeinschaft aus der sächsischen Landeshauptstadt schon noch mal eine besondere Qualität (in jedwede Richtung). Dass das HSV-Spiel vorher ausverkauft war, zeigt zumindest mir deutlich, dass man extrem heiß darauf ist, Euch in der schönsten Stadt an der Elbe begrüßen zu dürfen. Die Frage nach dem „warum“ ist, denke ich, auch schnell beantwortet. Der HSV ist selbstverständlich einer der ganz großen Namen im deutschen Fußball. Wenn alles normal läuft, so ehrlich kann man sein, wird es erst einmal das erste und letzte Zusammentreffen im Rahmen eines Punktspiels im Heinz-Krügel-Stadion sein. Insofern werde zumindest ich diese Partie sehr genießen. Die andere Sache ist, dass wir nach der Wiedervereinigung 25 Jahre im Amateurfußball unterwegs waren. Jetzt in einem Punktspiel (!) gegen den HSV zu spielen, ist vor diesem Hintergrund tatsächlich immer noch so ein bisschen surreal.

Mit welchen Zielen ist man in Magdeburg in die Saison gegangen? Welche Ziele hat man aktuell?

Das Ziel hieß und heißt ganz klar und ausschließlich „Klassenerhalt“.

Was ist stellvertretend für die Kultur des traditionsreichen 1. FCM? Wie wird der FCM vereinsintern gelebt? Und was zeichnet die Anhängerschaft bzw. das Verhältnis Fans/Verein aus?

Bei uns spielt natürlich der Europapokalsieg 1974 fankulturell noch eine große Rolle - egal, ob Du 15 oder 75 bist, dieser Erfolg ist definitiv Teil der Fan-Sozialisation. Die Mannschaft bestand damals ausschließlich aus Spielern aus dem Bezirk Magdeburg; davon, so eine Mannschaft mit ausschließlich lokalen Spielern noch mal zu erleben, träumen nicht Wenige (wohl wissend, dass diese Zeiten selbstverständlich lange vorbei sind). Ansonsten lässt sich vielleicht noch sagen, dass die Anhängerschaft des Clubs, insbesondere gemessen an den (quasi nicht vorhandenen) Erfolgen in der Nachwendezeit, wirklich groß ist. Man darf nicht vergessen: Es gibt bei uns eine ganze „Generation Amateurfußball“ und trotzdem waren die Zuschauer*innen-Zahlen in den letzten Jahren zuverlässig fünfstellig. Magdeburg lebt den FCM, der Verein ist mit den Menschen in der Stadt meiner Wahrnehmung nach eng verbunden. Das hat auch historische Gründe, schließlich war der 1. FC Magdeburg in der ehemaligen DDR *die* Fußballadresse der Stadt; drei Meisterschaften und sieben Pokalsiege haben sicher auch nicht geschadet. In der DDR war es ja üblich, dass die Fußballclubs Trägerbetriebe hatten, in denen die Spieler offiziell angestellt waren. In Magdeburg war das das „Schwermaschinenbaukombinat Ernst Thälmann“ (SKET) mit mehreren 10.000 Beschäftigten. Einige sagen, dass sich die sportlichen Leistungen der Mannschaft seinerzeit tatsächlich direkt auf die Produktivität der Arbeiter*innen ausgewirkt haben.

Zur Fankultur: Tonangebend sind auch bei uns im Stadion die Ultras, die sich hinter der Fahne von „Block U“ versammeln. Allerdings ist unser Stadionerlebnis dadurch gekennzeichnet, dass in der Regel *alle* Tribünen mitmachen; ich gehe davon aus, dass Ihr das am Freitagabend auch erleben werdet. Ansonsten ist die Welt des geneigten Clubfans in der Regel entweder schwarz oder weiß, Zwischentöne gibt es selten. Gewinnen wir 2 Spiele in Folge, wähnen wir uns in 2, 3 Jahren in der Champions League. Verlieren wir ein paar, kann man den Verein eigentlich direkt vom Spielbetrieb abmelden. Positiver ausgedrückt: Wir machen halt keine halben Sachen ;-).

Wofür steht Deiner Meinung nach der HSV? Wie nimmst Du ihn wahr, und wie wird er allgemein bei Euch wahrgenommen?

Ich hab’s oben schon mal angedeutet: Für mich gehört der HSV zu den ganz großen Namen im deutschen Fußball und auch nicht in die 2. Liga. Aber: Von ganz weit weg und außen betrachtet macht es den Anschein, als wäre beim HSV permanent Unruhe und gäbe es dauernd irgendwelche Machtspielchen, die sich dann natürlich nicht positiv auf die sportliche Entwicklung auswirken. Ich habe lange gedacht, der HSV wäre quasi „too big to fail“, bis es Euch dann letzte Saison doch erwischt hat. 6 Punkte müsst Ihr in der Saison leider noch abgeben, ansonsten könnt Ihr gern alles gewinnen und nächste Saison wieder in der Bundesliga spielen. Also dort, wo der HSV für mich hingehört. Ob meine Sicht auf den HSV auch der allgemeinen Wahrnehmung in der Magdeburger Fanszene entspricht, möchte ich mir nicht anmaßen, zu beurteilen; ich vermute aber, dass das viele Leute recht ähnlich sehen wie ich.

Der HSV ist Fünfter, zwei Punkte hinter dem Tabellenführer - und feuert den Trainer. Wie hat man diese Meldung bei Euch aufgefasst?

In meiner Blase haben das viele Leute, mich eingeschlossen, nicht verstanden, aber wir sind natürlich auch alle sehr weit weg von den Entwicklungen in Hamburg. Es ist zumindest mal ziemlich ungewöhnlich. In Bezug auf das Spiel jetzt am Freitag war mein erster Gedanke: „Hätten die damit nicht noch eine Woche warten können?“

Mit welchen Mitteln/Spieler-/Qualität will der FCM den HSV knacken?

Achtung, Phrase: Hinten sicher stehen und vorne Nadelstiche setzen. Mit dem Trainerwechsel ist der HSV natürlich jetzt eine große Wundertüte für unser Trainerteam; in diese Richtung hatte sich Chefcoach Jens Härtel heute auch in den lokalen Medien geäußert. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so, weil wir uns dann eben auf unsere eigenen Stärken und unser eigenes Spiel konzentrieren müssen. Wenn wir es schaffen, mehr Ballsicherheit insbesondere im Mittelfeld zu bekommen, und unsere schnellen Außenspieler so einsetzen, dass es über die Flügel gefährlich wird, kann auch (und gerade zuhause) gegen den HSV etwas drin sein. Persönlich gespannt bin ich, ob wir Marius Bülter in der Anfangsformation sehen. Als Einwechselspieler auf der linken Seite hat er in den letzten Spielen ordentlich Akzente setzen können und mit ein paar sehr guten Ideen im ansonsten eher leicht ausrechenbaren Offensivspiel geglänzt. Marius Bülter kam vor der Saison aus der Regionalliga zu uns und spielt jetzt, mit 25, das erste Mal 2. Liga. Schöne Geschichte irgendwie, und wenn er dann womöglich noch gegen den HSV trifft, wird es vielleicht langsam mal Zeit für ein Drehbuch ;-).

Wie realistisch ist es,  mit dem Umfeld des FCM irgendwann den Erstligafußball wieder zu etablieren?

Naja, „wieder“ kann sich nur auf die DDR-Oberliga beziehen, in der gesamtdeutschen Bundesliga durften wir bisher noch nicht mitmischen und auch in der 2. Liga geben wir ja jetzt gerade unsere Premiere. Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten, weil es ein bisschen davon abhängt, was Du mit „Umfeld“ meinst. Gemessen an den Fans, die die Mannschaft auch auswärts regelmäßig in vierstelliger Zahl begleiten, sicher eher heute als morgen. Infrastrukturell muss aber noch einiges passieren, bevor wir realistisch von der 1. Liga träumen dürfen. Noch im Laufe dieser Saison wird es z.B. Baumaßnahmen bei uns im Stadion geben, um die Zuschauerkapazität zu erhöhen und die Nordtribüne (wo Block U zuhause ist) hüpfsicher zu machen. Die Trainingsbedingungen sind leider noch nicht die besten, es fehlen ein Kraftraum und eine Sauna/Regenerationsbereich im Stadion und leider gab es zu Beginn der Saison auch die eine oder andere Schwierigkeit im Umgang mit Gästefans. Sprich: Da gibt es insgesamt schon noch einiges zu tun; so ein Klassenerhalt würde da natürlich sehr helfen. Ich persönlich wäre sehr zufrieden, wenn wir uns erstmal in der 2. Liga etablieren könnten. Klappt das, kann man vielleicht in 5 Jahren mal auf höhere Aufgaben schielen.

Auf was für ein Spiel bereitest Du Dich vor bzw., was erwartet der Trainer?

Wie gesagt, die Vorbereitung des Trainers ist ja nun erst einmal über den Haufen geworfen… Ich persönlich erwarte tatsächlich einen mutigen Auftritt unsere Mannschaft. Auch wenn wir zuhause noch auf den ersten Sieg warten und insbesondere das Spiel in Heidenheim vom Ergebnis her nicht so toll war, können die zweiten Halbzeiten der letzten beiden Partien eigentlich Mut machen. Das Stadion ist ausverkauft, der Gästeblock wird voll sein, das Stadion wird kochen, dazu gibt’s Flutlicht - das muss für unsere Jungs eigentlich eine Riesenmotivation sein. Ich glaube auch (oder möchte es mir einreden), dass der Trainerwechsel bei Euch für uns vielleicht sogar ein Vorteil ist. Am Freitagabend sind wir schlauer, ich freue mich auf jeden Fall auf die Partie und wünsche mir ein intensives, faires und lautstarkes Duell.

 

Solltet Ihr Alex folgen wollen oder über den 1. FC Magdeburg einfach nur bestens informiert werden, schaut mal rein bei ihm! Es lohnt sich!!

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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