Marcus Scholz

26. Oktober 2018

Hannes Wolf war natürlich ein gefragter Mann. Nach dem 1:0-Sieg in Magdeburg und der damit einhergehenden Tabellenführung ebenso wie schon vor seinem ersten Spiel als Tabellenführer. Und er stellte sich den Fragen - diesmal denen der Sky-Kollegen. HDabei gab er heute zu, doch erst einmal überlegt zu haben, als man ihm den Trainerjob beim HSV anbot. „Ich habe überlegt, freue mich aber auf die Herausforderung“, so Wolf, der die Frage nach der Bindung der Mannschaft zum alten Trainer genauso beantwortete, wie man sie beantworten muss: „Es ist normal, dass es da eine gute Bindung gibt und einige traurig sind“, so der neue HSV-Trainer, „aber es wissen auch alle, dass ich nichts dafür kann und es am Ende Profifußball ist.“ Er habe in Hamburg jedenfalls die Offenheit angetroffen, die er sich erhofft und erbeten habe.

Was ebenfalls für Wolf spricht, ist seine ehrliche Art. Er verzichtet auf aktionistische Veränderungen und brachte zu Beginn nur lasogga für Ito und begründete die nur eine Änderung ehrlich: „Es gibt auch vieles, worauf wir zurückgreifen können, das schon gut funktioniert hat.“ Und das funktionierte auch heute. Gegen schwache Magdeburger schaffe es der HSV trotz rund 40 Minuten langer Unterzahl (Bates flog vom Platz) ziemlich ungefährdet mit 1:0 in Magdeburg zu gewinnen und damit zumindest bis morgen die Tabellenführung in der Zweiten Liga zu übernehmen.

Auf dem Weg dahin setzte der HSV erneut auf Ballbesitz, spielte aber erkennbar häufiger auch den langen Ball. Auch auf Lasogga, der den Ball festmachen und ablegen oder schnell verlängern sollte. Und der bullige Angreifer machte seine Sache nach knapp 15 Eingewöhnungsminuten auch ordentlich. Insgesamt erhöhte der HSV in der bis dahin ausgeglichen Partie nach rund einer Viertelstunde den Druck. Und hätte Hunt nach 17 Minuten etwas weniger Dampf in seinen Pass auf den durchstartenden Hwang gelegt, der Südkoreaner wäre wohl allein vor dem FCM-Keeper und Ex-HSVer Alexander Brunst aufgetaucht und hätte die Führung besorgt. Flanken in den Sechzehner? Bis auf die 18. Minute, wo ein Magdeburger gerade noch zur Ecke klären konnte, Fehlanzeige.

Stattdessen wurde es vor allem über Khaled Narey und vereinzelt auch über (den immer noch fremd wirkenden) Hee-chan Hwang gefährlich, wenn diese mal etwas Tempo aufnahmen. In der 23. Minute beispielsweise legte Lasogga auf Narey, der aus vollem Lauf aus rund 18 Metern an Brunst scheiterte. Dann war es Hee-chan Hwang, der mit der bist dahin größten Möglichkeit in der 29. Minute eine Hunt-Ablage aus 12 Metern freistehend aufs Tor brachte, wo ein Magdeburger kurz vor der Linie für den geschlagenen Keeper retten konnte. Lasogga? Ohne dabei abzufallen (weil er Räume freilief) hatte er nur einen Torschuss. In der ersten Minute - aus dem gepfiffenen Abseits heraus. Und da ein elfmeterreifes Foul von Hunt an Magdeburgs Beck nicht geahndet wurde und auch Mangala in der 45. Minute mit seinem Schuss aus 18 Metern nach seinem sehenswerten Sololauf weit verzog, blieb es beim 0:0. Fazit der ersten Halbzeit vor 23.132 Zuschauern in der MDCC-Arena: Die Richtung stimmte, aber zwingend war es trotz knapp 70 Prozent Ballbesitz gegen harmlose bis schwache Magdeburger noch nicht.

Übrigens: Ich verzichte an dieser Stelle auch auf Vergleiche von Spielen unter Titz und dem heutigen unter Wolf. Zumindest mache ich das Spiel noch nicht an dem neuen Trainer fest, der gerade einmal zwei Trainingseinheiten mit der neuen Mannschaft hatte. Hannes Wolf hat den Respekt verdient, den alle neuen Trainer in Form eines Vertrauensvorschusses verdient haben.

Und die zweite Halbzeit begann wie die erste: Mit einem Torschuss von Lasogga, diesmal zwar nicht aus dem Abseits, aber gefühlt 50 Meter am Tor vorbei (46.). Lasogga war es auch, der in der 48. Minute die erste brauchbare Flanke in den Sechzehner schlug - dort aber logischerweise als Abnehmer fehlte. Und in der 49. Minute hatte der HSV etwas Glück, als der bis dahin wieder sehr starke, präsente Orel Mangala den Ball an der Mittellinie verlor und Magdeburgs Torjäger Beck den Ball lang über den vor seinem Tor stehenden Pollersbeck schoss und nur knapp (wobei ich glaube, Pollersbeck hätte den Ball letztlich auch pariert) das Tor verfehlte. Das war knapp - ebenso wie der Schuss Holtby aus der Drehung in der 50. Minute aus kurzer Distanz.

Und dann kam, was sich schon früh im Spiel angedroht hatte: David Bates flog vom Platz (53.). Der Schotte, der in der zweiten Minute Gelb (Ellenbogen zu hoch beim Kopfballduell) gesehen hatte, foulte Magdeburgs Blüten mit einem gestreckten Bein und erhielt die zweite Gelbe. Eine regelkonforme, aber auch sehr harte Entscheidung von Schiedsrichter Timo Gerach (Landau), die das Spielfeld öffnete. Denn plötzlich wollten die spielerisch (sicher nur dem HSV) weit unterlegenen Magdeburger ihre  numerische Überzahl nutzen und offensiver spielen. Zwar verpasste Beck in der 63. Minute (und foulte dabei Sakai) nur knapp eine Flanke, aber ansonsten kam nicht viel von den Gastgebern. 

Der Platzverweis in der 53. Minute

Der HSV musste ob des Platzverweises umstellen.  Logisch. Sakai wechselte daher in die Innenverteidigung, Narey auf die Rechtsverteidigerposition. Und in der 68. Minute kam Bakery Jatta für den, man muss es leider so sagen, mal wieder enttäuschenden Hwang. Der Gambier sollte als zusätzlicher Konterspieler für Torgefahr sorgen und brauchte für seinen ersten Torschuss gerade einmal 60 Sekunden -  Brunst konnte Jettas Schuss aber ebenso parieren (70.) wie den von Mangala zwei Minuten später (72.). Allerdings war der Ex-Hamburger fünf Minuten später machtlos gegen Nareys Schuss. Der HSV-Offensivspieler schob dem Ex-Hamburger aus sieben Metern den Ball flach durch die Beine. Bemerkenswert: Pierre Michel Lasogga hatte Narey, der nach dem Platzverweis mal eben die komplette rechte Seite übernahm, mit einem traumhaften Lupfer freigespielt und so das 1:0 in der 77. Minute eingeleitet.

Und während alle jubelten, musste Fiete Arp die schlechte Nachricht akzeptieren, nun doch nicht eingewechselt zu werden, obgleich er schon umgezogen am Rand stand. Statt des Angreifers kam jetzt Innenverteidiger Leo Lacroix, um das Ergebnis über die Zeit zu bringen. Und das für Lasogga, der nicht viele Szenen hatte, dafür aber gute. Das war okay heute!

Der HSV spielte jetzt mit Fünfer-Abwehrkette und dem pfeilschnellen Jatta als Konterspieler in der Spitze. Und während parallel Kreuther Fürth in Darmstadt den zweiten Gegentreffer hinnehmen musste, lief in Magdeburg alles nach Plan für den HSV, der mit diesem Sieg vorerst die Tabellenführung übernimmt und selbst bei Siegen der direkten Konkurrenten Union Berlin, St. Pauli und dem 1. FC Köln auch nach Ende dieses Spieltages zumindest Fürth überholt und einen Tabellenplatz gutgemacht haben wird.Daher: Herzlichen Glückwunsch an die Mannschaft und natürlich an Neu-Trainer Hannes Wolf, der als erster Trainer seit Mirko Slomka 2014 sein HSV-Debüt gewinnen konnte. das Schlusswort überlasse ich heute Pierre Michel Lasogga: "Wir hatten es eigentlich schon in der ersten Halbzeit gut gemacht. Am Ende haben wir uns dann trotz der Unterzahl verdient durchgesetzt. Die Mannschaft hat die Vorstellungen des Trainers gut umgesetzt.“

In diesem Sinne, freuen wir uns einfach über den Moment! Ich wünsche Euch allen auf jeden Fall einen schönen Freitagabend.

Scholle

 

DAS SPIEL IM STENOGRAMM:

1. FC Magdeburg: Brunst - Butzen, Bregerie, Schäfer, Niemeyer - Rother (82. Kwadwo), Weil (66. Ignjovski) - Türpitz, Bülter - Costly (74. Lohkemper), Beck

HSV: Pollersbeck - Sakai, Bates, van Drongelen, Santos -  Mangala - Hwang (69. Jatta), Hunt, Holtby, Narey - Lasogga (81. Lacroix)

Tor: 0:1 Narey (77.)

Zuschauer: 23.132 (ausverkauft)

Schiedsrichter: Timo Gerach (Landau)

Gelbe Karten: Weil (24.), Beck (85.), Niemeyer (90.) / Bates (2.)

Gelb-Rote Karte: - / Bates (53.)

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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