Marcus Scholz

4. Oktober 2019

Trainer Dieter Hecking führte seine Mannschaft an, als es heute um 13.15 Uhr zum Abschlusstraining auf den Platz ging. Und alle warteten auf die beiden noch offenen Personalien: Kann Gideon Jung mittrainieren und seine Chance auf einen Einsatz gegen Fürth doch noch wahren? Und was ist mit Daniel Heuer Fernandes? Hält er die komplette Einheit durch. Die Antworten: Nein - und ja. Jung war heute schon nicht mehr dabei und steht auch nicht im Kader, während Heuer Fernandes im Training einen sehr guten Eindruck hinterließ.

Für Jung rutschte der wieder genesene Kyriakos Papadopoulos in den Kader und trainierte heute auch durchgehend an der Seite des gesetzten Abwehrchefs Rick van Drongelen. Nachdem am Mittwoch noch Jonas David die ganze Einheit als zweiter Innenverteidiger absolvierte scheint sich Hecking auf den Faktor Erfahrung festgelegt zu haben. Zumal Papadopoulos seit Dienstag ordentliche bis gute Einheiten hinlegte.

Was aber machen die Gäste vor der bislang erst 41.000 Zuschauern im Volksparkstadion? Der Check vor dem Spiel von Christian und mir:

 

Die Ausgangslage

Greuther Fürth: 11 Punkte aus acht Spielen - eine ordentliche Zwischenbilanz für Greuther Fürth. Im vergangenen Jahr kämpften die Fürther nach einem tollen Start noch gegen den Abstieg, nun befinden sie sich im gesicherten Mittelfeld. Allerdings ist der jüngste Trend mit zwei Niederlagen in Serie durchaus alarmierend. Darunter auch die herbe und blutleere 0:3-Schlappe gegen Holstein Kiel. Zum Spiel beim HSV, der aus den bisherigen Heimpartien zehn von zwölf möglichen Punkten geholt hat, reisen die Fürther als klare Außenseiter. Das muss aber bekanntlich nicht viel bedeuten.

HSV: Mit Tabellenplatz zwei ist ist man hier noch voll im Soll- Allerdings musste die Punkteausbeute nach dem Derby in Regensburg die zweite Delle hinnehmen. Zudem fällt Gideon Jung aus und zwingt Trainer Dieter Hecking somit zur nächsten Umbesetzung seiner Viererkette, nachdem schon Josha Vagnoman für den dauerverletzten Jan Gyamerah ins Team gerutscht war. Zuletzt blieb der HSV in drei Heimspielen bei acht eigenen Treffern und ohne Gegentor siegreich. Lediglich Darmstadt schaffte beim 1:1 am ersten Spieltag einen Treffer als Gast im Volksparkstadion. Der HSV ist auf dem Weg, seine neue Heimstärke zu manifestieren.

 

 

Das größte Problem

Greuther Fürth: „Manchmal ist es gar nicht so schlecht, so einen Nackenschlag zu kassieren“, hatte Marco Caligiuri der Nürnberger Zeitung gesagt und damit die Kiel-Pleite zuhause gemeint. Caligiuri muss es als erfahrener Mann und Leader innerhalb des Teams wissen. Gegen Kiel zeigten die Fürther einen beängstigenden Auftritt: Einstellung, Kampfgeist, Kommunikation - nichts stimmte. Verstärkend hinzu kommt: Diese Leistung passte nicht in das eigentliche Gesamtbild der Saison und hat nachhaltig Spuren und Fragen hinterlassen, die nur durch einen couragierten Auftritt gegen den HSV behoben werden können. 

HSV: Trotz der schwachen ersten Halbzeit fing sich der HSV in Regensburg mit Beginn der zweiten Hälfte und ging sogar in Führung. Klingt zunächst einmal gut. Allerdings war es nach dem Derby schon das zweite von drei Spielen, in denen der HSV dem Gegner die erste Hälfte bzw. die ersten 30 Minuten komplett überließ. „Wir müssen sehen, dass wir mal wieder von der ersten Minute an hellwach sind und nicht pennen“, hatte Adrian Fein nach dem Spiel in Regensburg gefordert. Und genau darum wird es gehen. Der HSV muss den Druck von Beginn an hoch halten und defensiv stabil stehen. So, wie gegen Aue zuletzt.

 

Der Lichtblick

Die mannschaftliche Geschlossenheit in der bisherigen Saison und die Erinnerungen an den starken Auftritt beim VfB Stuttgart, wo man nicht unbedingt verdient mit 0:2 verloren hatte. 

Neben der Verbesserung, auch Rückschläge verkraften zu können, stabilisiert sich auf der rechten Seite gerade Josha Vagnoman. Der Youngster wurde jetzt sogar erstmals für die deutsche U21-Nationalmannschaft berufen und war beim 2:2 in Regensburg noch einer der Besseren. Zudem hat der HSV in der Offensive alle Zutaten, um Spiele für sich zu entscheiden.  19 Treffer insgesamt und sieben Weitschusstore auf zehn verschiedene Torschützen aufgeteilt sind der Bestwert unter allen Zweitligisten. Insbesondere auf der Außenbahn (Harnik, Jatta, Samperio, Kittel, Narey) verfügt Hecking über mehr überdurchschnittliche Auswahl als nötig.

 

 

Das spannendste Duell

Nummer 1: Das Duell der Torjäger im Sturmzentrum. Lukas Hinterseer ist beim HSV gesetzt und hat seine Treffertauglichkeit schon nachgewiesen. Auch Daniel Keita-Ruel und Havard Nielsen auf Fürther Seite sind klasse Zweitligastürmer. Gegen Hamburg ist es wahrscheinlich, dass Keita-Ruel beginnen darf. Hinterseer gegen Keita-Ruel - auf dieses Duell in der Sturmspitze dürfen die Fans gespannt sein. 

Nummer 2:  Die Rückkehr von Mergim Mavraj zum HSV, den er mit einer Schelte in Richtung Ex-Trainer Christian Titz verlassen hatte. Zitat: „Titz ist menschlich eine Katastrophe.“ Wirklich beliebt hat sich Mavraj beim HSV mit dieser Aussage nicht gemacht, nachdem er zuvor auch sportlich trotz guten Starts enttäuschte. Man darf gespannt sein, wie Mavraj von den HSV-Fans empfangen wird. Vor allem aber darf man gespannt sein, wie das direkte Duell mit voraussichtlich Hinterseer ausgehen wird. Vom Spielertyp passen beide so gut zusammen, dass sie sich gegenseitig neutralisieren könnten.

 

Taktik

HSV: Heuer Fernandes - Vagnoman, Papadopoulos, van Drongelen, Leibold - Fein - Harnik, Haunt, Dudziak, Kittel - Hinterseer.

Greuther Fürth: Burchert (Ja, der mit den zwei Flugkopfbällen bei Hertha gegen Hamburg 2009/2010) - Sauer, Caligiuri, Mavraj - Wittek - Sarpei, Seguin - Hrgota, Mohr - Green - Keita-Ruel

 

Ausblick

Greuther Fürth: Gegen den HSV will Fürth für eine Überraschung sorgen. Mut dürften die Erinnerungen an den vergangenen Auftritt in Hamburg machen, als man unnötig und unverdient verlor und stark aufspielte. Bei einer Niederlage würde der Druck auf Trainer Stefan Leitl zunehmen - es wäre dann die dritte Pleite in Serie.

HSV: Für Trainer Dieter Hecking würde es auch bei einer Niederlage ruhig bleiben. Allerdings stehen dem HSV im Anschluss an das Fürth-Spiel mit Bielefeld und zweimal VfB Stuttgart (Pokal und Liga) drei Hammerspiele bevor. Hecking hofft, dass in der dazwischenliegenden Länderspielpause sowohl Jung (sicher) und Ewerton (sehr wahrscheinlich) in den Kader zurückkehren. Mit Letztgenanntem hätte er seinen potenziell stärksten Innenverteidiger erstmals in dieser Saison gesund dabei. Damit würde sich eine so breite Auswahl wie aktuell in der Offensive bis in die Innenverteidigung ziehen. Zumal bis dahin auch Timo Letschert endgültig bei 100 Prozent sein sollte.

 

In diesem Sinne, bis morgen. Da melden wir uns live via Facebook 30 Minuten vor dem Spiel mit letzten Fakten und werden Euch natürlich mit unserer Halbzeitanalyse ebenso auf dem Laufenden halten, wie im Anschluss mit dem Tagesblog und dem Blitzfazit noch einmal alles zusammenfassen, was sich dort auf dem Rasen des Volksparkstadion abgespielt hat. Bis dahin wünsche ich Euch allen im Namen von Christian, Janik, Kevin und mir einen richtig schönen Abend und einen mindestens genauso guten Start ins Wochenende!

 

Bis morgen!

Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.