Marcus Scholz

2. November 2019

Das Wichtigste vorweg: Er war dabei! Adrian Fein gehörte zu den Spielern, die heute auf den Trainingsplatz kamen und dementsprechend zum Kader für das Spiel morgen beim Tabellenletzten SV Wehen Wiesbaden gehören. warum ich das erwähne? Ganz einfach: Fein hatte gestern das Training zehn Minuten vor dem Rest abgebrochen - und keiner hatte es so recht bemerkt. Zumindest meine Kollegen und ich nicht. Erst, als ich abends von einem Blog-User (bzw. dessen Tochter) darauf aufmerksam gemacht wurde, fragte ich beim HSV nach. Dort teilte man mir mit, dass Fein zwar früher aufgehört habe, dass das aber wohl eher präventiv gewesen sein soll. Genaueres wurde für heute angekündigt - und da lieferte Fein wie für ihn üblich wieder. „Er wird seine Pause bekommen“, hatte HSV-Trainer Dieter Hecking am Freitag angekündigt und nachgeschoben: „Aber noch braucht er sie nicht.“ Zum Glück.

Fein kann spielen - und muss wieder mit Härte rechnen

Denn Fein zählt zu den bislang auffälligsten HSVern, wenn er nicht gar der auffälligste Mann beim HSV derzeit ist. Im Mittelfeld ackert er defensiv eine Menge weg und lenkt das HSV-Spiel als Schnittstellenspieler zwischen Defensive und Offensive immer wieder geschickt. Zumindest so geschickt, als dass er zu den „Gejagten“ gehört und seitens der Gegner zunehmend Härte einstecken muss. „Wenn Du am meisten gefoult wirst, ist das ein Kompliment“, hatte mir Verbandstrainer Ralf Schehr mal gesagt und hinzugefügt, dass eben nur die gefoult werden, die zu gut sind, als dass man sie mit normalen Zweikämpfen vom Ball trennt. Und sollte Schehr hier wirklich Recht haben, dann darf sich Fein offenbar zu den Besten der Liga zählen…

Wobei, das bestätigt Fein von Woche zu Woche als mit Abstand stabilster Spieler einer insgesamt stabil wirkenden Mannschaft, die in Wiesbaden das Kontrastprogramm zu den Spitzenspielen in Bielefeld und zuletzt gegen den VfB Stuttgart erfahren wird. Die Wiesbadener BRITA-Arena, die derzeit auf ein Fassungsvermögen von 15.000 Zuschauer ausgebaut wird, fast derzeit 8200 Zuschauer. Um das Stadion erstmals in dieser Saison (Höchstwert war bisher beim Saisonstart gegen den KSC 6871 Zuschauer) voll zu bekommen, haben die HSV-Fans zu ihren ursprünglichen 1500 Tickets Weitere Tickets bekommen. „Mindestens 2200 HSV-Fans“ hatte Pressesprecher Till Müller bei der gestrigen PK angekündigt, seien im Stadion. Und auch deshalb dürfte es für die HSV-Profis ein gefühltes Heimspiel werden, was sicher kein Nachteil ist.

Erstmals im Kader dabei ist Ewerton. Nicht dabei sein wird indes Julian Pollersbeck, der wieder mit Tom Mickel die Plätze tauscht, nachdem er zuletzt im Pokal gegen den VfB Stuttgart das erste Mal in dieser Saison bei den Profis als Ersatz auf der Bank Platz genommen hatte. Alles, was Ihr sonst noch über das Duell morgen wissen müsst und ein Hinweis auf die vielleicht stimmungsvollste HSV-Auswärtscouch morgen mit „Der Sievi“ und Helm Peter, hier:

 

Die Ausgangslage

Wehen Wiesbaden: „Absteiger Nummer eins“, „nicht genügend Qualität“, „Schießbude der zweiten Liga“: Alle diese Attribute treffen nicht mehr auf den SV Wehen Wiesbaden zu. In der Tabelle der zweiten Liga, die nur die vergangenen vier Spiele berücksichtigt, liegt der SV Wehen auf dem starken dritten Rang - darunter die zwei Siege gegen Osnabrück und das hart erkämpfte 2:1 beim damaligen Tabellenführer VfB Stuttgart. Seit vier Partien und mehr als einem Monat ist die Mannschaft von Rüdiger Rehm zudem ungeschlagen. Die Brust ist vor dem Duell mit dem HSV dementsprechend groß.

HSV: Nach der Niederlage am Dienstag gegen den VfB Stuttgart wird Trainer Dieter Hecking voraussichtlich wieder „zurück-rotieren“. Die vier Wechsel gegenüber dem 6:2 vom Sonnabend griffen nicht. Jairo Samperio enttäuschte ebenso wie David Kinsombi, Aaron Hunt und Lukas Hinterseer. Personell kann der HSV bis auf die Rechtsverteidiger Jan Gyamerah und den frisch langzeitverletzten Josha Vagnoman aus dem Vollen schöpfen. Und Druck, gewinnen zu müssen, hat der HSV eigentlich nicht - obgleich die interne wie externe Erwartungshaltung sicher einen Sieg als klares Ziel vorgibt. Allerdings blieb man zuletzt auswärts drei Spiele in Folge ohne Sieg und möchte diese Serie beenden.

Das größte Problem

Wehen Wiesbaden: Im direkten Vergleich mit dem HSV ist die Mannschaft des SV Wehen Wiesbaden auf jeder Position schwächer besetzt. Auf lange Sicht könnte das in der Partie zum großen Problem werden. Aber auch nur dann, wenn der HSV von Beginn an konzentriert und aggressiv spielt.

HSV: Gegen tief stehende, aggressive Gegner - und das wird Wiesbaden aller Voraussicht nach sein - hatte der HSV zuletzt Probleme, das eigene Spiel durchzudrücken. Zudem ist man bei hohen Bällen wieder auffällig anfällig. Und die Gastgeber werden wissen, dass sie es weniger spielerisch denn über Standards und hohe Bälle schaffen können.

 

Der Lichtblick

Wehen Wiesbaden: Manuel Schäffler. Der Wehen-Stürmer ist der Top-Knipser der zweiten Bundesliga. In neun Spielen hat Schäffler bereits acht Mal getroffen. Unter Trainer Rehm ist die Quote sogar noch beachtlicher: Wehens Nummer neun bringt es da in 107 Spielen auf insgesamt 65 Treffer. Die Ausrichtung und Philosophie ist beim SV Wehen komplett auf Schäffler zugeschnitten. Er ist der größte Lichtblick, doch wenn er nicht funktioniert, lahmt die Offensive. An dieser Stelle ist also auch eine gewisse Abhängigkeit erkennbar.

HSV: Die Flexibilität in der Offensive. Mit Adrian Fein hat sich ein weiterer Spieler als Torschütze eingetragen. 12 verschiedene HSV-Profis trafen somit in dieser Saison schon, was diesen HSV offensiv noch schwerer ausrechenbar macht. Mit Dudziak und Kittel kehren zudem zwei Spieler in die Startelf zurück, die Eins-gegen-Eins-Situationen zu lösen wissen. Zudem ist Kittel der torgefährlichste Hamburger und immer in der Lage, aus einem einfachen Standard die entscheidende Szene zu kreieren. Beide sorgen auch dafür, dass das Tempo im Spiel nach vorn hoch bleibt, wovon wiederum der pfeilschnelle Bakery Jatta stark profitiert.

 

Das spannendste Duell

Wehen Wiesbaden: Der Letzte in der Tabelle empfängt den Ersten. Die stärkste Offensive reist zur schwächsten Defensive. Alleine diese zwei unterschiedlichen Welten, die aufeinanderprallen, machen dieses Duell spannend. David gegen Goliath - Wehen Wiesbaden hat in dieser Partie nichts zu verlieren und will den HSV ärgern.

HSV: Wie verteidigt der HSV den Toptorjäger Schäffler? Und: Wie stellt sich das Lautstärke-Kräfteverhältnis auf den Rängen dar? Fragen, die morgen schnell beantwortet werden dürften. Interessant wird auch zu sehen sein, ob sich der Trend bei Adrian Fein fortsetzt und er wieder einige deftige Fouls einstecken muss. Zudem muss sich der HSV Lösungen einfallen lassen, einen tief stehenden Gegner mit Geduld und noch mehr Kreativität zu knacken.

 

Taktik

Aller Voraussicht nach wird Rehm gegen den HSV seine Mannschaft mit einer Fünferkette in die Partie schicken. Auch wenn er selbst gegenüber der „hessenschau" sagte: „Wir wollen nicht nur den Bus parken.“ Das ist die voraussichtliche Aufstellung:

SV Wehen Wiesbaden: Lindner - Kuhn, Mockenhaupt, Dams, Medic, Niemeyer - Titsch Rivero, Mrowca - Aigner, Dittgen - Schäffler

 

Beim HSV muss Hecking  zweimal umbauen gegenüber dem Pokalspiel, da Hunt und Vagnoman verletzt ausfallen. Zudem bedarf es in Wiesbaden zentral mehr Kreativität, weshalb Jeremy Dudziak aller Voraussicht nach wieder ins Team rückt. Sollte Kittel wieder auf die linke Außenbahn rücken, wäre Christoph Moritz die spielstärkste Lösung neben Dudziak und vor Adrian Fein, der gesetzt ist. Die voraussichtliche Aufstellung:

HSV: Heuer Fernandes - Narey, Jung, van Drongelen, Leibold - Fein - Jatta, Moritz, Dudziak, Kittel - Harnik.

 

Ausblick

Wehen Wiesbaden: Niemand erwartet etwas vom SV Wehen - und genau hier liegt die Chance. Die niedrige Erwartungshaltung gepaart mit dem neuen Selbstvertrauen machen Wehen zu einem richtig unangenehmen Gegner für den HSV. Mit einem Überraschungssieg könnten die Wiesbadener noch dazu einen Satz aus dem Tabellenkeller machen.

HSV: Der Monat November bringt ein Heimspiel - und drei Auswärtsspiele. Im Anschluss an das Auswärtsspiel in Wiesbaden ein folgt weiteres Auswärtsspiel in Kiel, ehe eine Länderspielpause für etwas Entspannung vor dem Heimspiel gegen Dynamo Dresden  sorgt. In Wiesbaden können Sonny Kittel und Co. den Vorsprung auf Rang vier durch das Remis von Erzgebirge Aue gegen Heidenheim (heute 1:1) ausbauen und will die Tabellenführung gegenüber dem Verfolger-Duo Bielefeld und Stuttgart (spielen parallel gegen Kiel bzw. Dresden) wenigstens verteidigen.

 

In diesem Sinne, bis morgen. Da melden wir uns wie immer bei Auswärtsspielen mit der Auswärtscouch. Diesmal mit geballter HSV-Liebe im Gepäck und unseren Gästen „Der Sievi" sowie Helm Peter. Mehr Leidenschaft geht nicht...! Und dazu noch ein Wort in eigener Sache: Die teilweise respektlosen Reaktionen auf unsere Gäste-Ankündigung gestern haben mich nicht schockiert, sondern in meiner Gäste-Auswahl bestätigt. Ich freue mich nämlich auf die beiden Vollblut-HSVer und einen entsprechend leidenschaftlichen HSV-Nachmittag auf der Couch. Und alle, die das auch so sehen, sind ganz herzlich dazu eingeladen, dabei zu sein! Wie? Das seht Ihr im Anhang. Allen anderen wünsche ich schon jetzt ein schönes Wochenende!

Scholle

 

Aufsteiger gegen Aufstiegsaspirant

Der HSV trifft auf den SV Wehen Wiesbaden - der Ausstiegsaspirant auf den Aufsteiger. Es wird sicher kein leichtes Spiel werden. Die Hessen haben schon gezeigt, dass sie in der Lage sind, die Spitzenclubs der Liga ordentlich zu ärgern. Gelingt dem HSV der Auswärtsdreier? Zusammen mit euch, dem "lautesten HSV-Fan Deutschlands", dem YouTuber Der Sievi, und HSV-Kultfan Helm-Peter geht es wieder auf die Couch. Am Sonntag ab 13.00 Uhr könnt ihr verfolgen, ob Der Sievi unser Trommelfell auf der Couch platzen lässt, was Helm-Peter zum Spiel der Rothosen loswird und ob der HSV die nächsten drei Punkt einfahren kann.

Dazu gibt es natürlich unsere Analysen, den Talk nach Abpfiff - und euch! Via Live-Chat und Twitter könnt ihr am Treiben auf der Couch teilhaben, mitfiebern und eure Fragen stellen. Dem Fußballfest steht nichts mehr im Wege!

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Die Timecodes zum Stream

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Im Anschluss an den Live-Stream zeichnen wir Scholles Blitzfazit zur Partie auf und stellen es euch hier zur Verfügung.

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.