Tobias Escher

21. Mai 2019

 

 

21,5. So lautete das Durchschnittsalter der zehn Feldspieler, die Hannes Wolf im finalen Saisonspiel gegen den MSV Duisburg auf das Feld schickte. Es ging für den Hamburger SV nur noch um einen versöhnlichen Abschluss einer verkorksten Saison. Da erschien es logisch, der Jugend eine Chance zu geben. Das Spezielle an der Situation des HSV: Fast alle dieser jungen Spieler waren bereits in dieser Saison fester Bestandteil des HSV-Kaders – und ein Großteil von ihnen wird im kommenden Jahr das Rückgrat der HSV-Elf stellen. Und doch wird der entscheidende Akteur den HSV verlassen. Es lohnt sich also, Hamburgs Abschlussspiel unter die Lupe zu nehmen.

4-3-3/4-4-2-Mischsystem

Wolf entschied sich, für sein finales Saisonspiel zu jener Formation zurückzukehren, die er in seinen ersten Wochen beim HSV spielen ließ. Der HSV begann mit einer Mischung aus 4-3-3 und 4-4-2. Bei Ballbesitz agierte Berkay Özcan im zentralen Mittelfeld neben Gideon Jung. Im Spiel gegen den Ball rückte er auf eine Höhe mit Stürmer Manuel Wintzheimer.

Ohne den Druck der vergangenen Wochen konnte der HSV befreit aufspielen – und das spürte man auch. Ihr Passspiel war direkter und flacher angelegt, schnelle Kombinationen prägten das HSV-Spiel. Douglas Santos stellte in seinem Abschiedsspiel noch einmal seine fußballerische Klasse unter Beweis: Als ins Zentrum einrückender Linksverteidiger war er an fast allen erfolgsversprechenden Angriffen der Hamburger beteiligt.

Interessant war vor allem sein Zusammenspiel mit Mats Köhlert. In den vergangenen Wochen agierte häufig Bakary Jatta als Linksaußen, ein Spieler mit hohem Tempo, der immer für ein wahnwitziges Dribbling zu haben ist. Santos wollte Jatta dementsprechend häufig ins Dribbling schicken. Köhlert ist als Spielertyp weniger spektakulär, seine kurzen Pässe sind aber präzise und er hat einen sauberen ersten Kontakt.

Somit war das Spiel der Hamburger auf den Flügeln gänzlich anders ausgerichtet: Köhlert bot sich an der Seitenlinie an und spielte den Ball mit einem Kontakt zurück ins Zentrum. Mit Doppelpässen kombinierten sich Köhlert, Santos und Özcan in den Strafraum. Das gelang auch deshalb, weil die Duisburger nicht allzu körperlich verteidigten. Sie übten im eigenen 4-3-3-System zwar ein hohes Pressing aus, ließen aber am eigenen Strafraum die Kompaktheit vermissen.

Taktische Aufstellung MSV-HSV

 

Duisburger Konter

Ähnliches lässt sich jedoch auch für den Hamburger SV sagen. Köhlert und Jann-Fiete Arp interpretierten ihre Position offensiv. Duisburg kam zu einigen gefährlichen Kontern. Sie versuchten, den einrückenden Rechtsaußen Stoppelkamp einzusetzen. Rick van Drongelen überzeugte jedoch als Abfangjäger.

Nach der Führung zogen sich die Hamburger etwas zurück. Sie agierten nun fast durchgängig aus einem defensiven 4-4-2-System. Nun verkam das Spiel tatsächlich zum lauen Sommerkick, den viele Fans erwartet hatten. Nach der Pause jedoch rückte der HSV wieder weiter vor. Arp war nun bestrebt, sich noch stärker ins Offensivspiel einzuschalten. Er verließ teilweise sogar seine Position auf der rechten Seite.

Nach den Treffern zwei und drei nahm der HSV das Tempo wieder heraus. Wolf gab noch einmal Spielern wie Pierre-Michel Lasogga und Bakary Jatta die Möglichkeit, sich den Fans zu präsentieren. Das führte zur taktisch seltsam anmutenden Konstellation, dass Arp am Ende auf der Sechs spielen musste. Angesichts des schwindenden Widerstands der Duisburger war auch das kein Problem.

Fazit

Was sind nun die Lehren aus dieser Partie? Der HSV besitzt genügend Talent, um direkten und schnellen Flachpass-Fußball auf den Rasen zu zaubern. Besonders Özcan und Köhlert nutzten die Chance, ihre Fähigkeiten am Ball zu präsentieren. Schwer zu ersetzen sein dürfte wiederum Santos. Der nominelle Linksverteidiger war erneut der Verbindungsspieler im Mittelfeld; eine Rolle, die taktisch eigentlich hätte ausgefüllt werden können von Gideon Jung oder Vasilje Janjicic.

So lautet die große Frage, die sich zum Abschluss der HSV-Saison stellt: Wohin wird sich der Verein entwickeln – außerhalb, aber auch auf dem Platz? In dieser Saison wählte der HSV einen spielerischen Ansatz, versuchte vor allem durch das eigene Ballbesitzspiel Erfolg zu haben. Dass der Kader das Talent hergibt für guten Fußball, bewies das finale Saisonspiel. Doch unter Druck konnten die Spieler nie ihre technischen Stärken und ihre Passgenauigkeit ausspielen. Die Frage wird sein: Schaffen sie es in der kommenden Saison? Fortsetzung folgt.

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
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