Marcus Scholz

18. November 2019

Auch heute stand beim HSV wieder eine Spielform mit vielen Torabschlüssen auf verkürztem Feld auf dem Trainingsplan. Denn sie treffen zu selten. Für Stürmer sind Tore entscheidend. Und davon gab es in dieser Saison noch deutlich zu wenig. Zumindest werden das Bobby Wood, Lukas Hinterseer und Co. so sehen. Und auch hier sind wir uns alle einig gewesen, dass beispielsweise ein Zweitliga-Toptorjäger wie Lukas Hinterseer allein schon vier, fünf Tore mehr hätte machen müssen. Oder? Obgleich Hinterseer mit vier Treffern und drei Assists immerhin an jedem vierten HSV-Treffer beteiligt ist, wird gemeckert. „Ich selbst versuche mir weniger Gedanken zu machen“, sagte der Österreicher, der morgen sein Länderspiel-Comeback nach drei Jahren für sein Heimatland geben soll und der beim HSV von Trainer Dieter Hecking zuletzt ganz offen Kritik einstellen musste, dazu. „Er kann das besser“, so die kurze aber knackige Ansage des HSV-Coaches, der nachschob, dass sein Schützling es sogar besser machen müsse, wenn er seinen Stammplatz behalten wolle.

 

Aber der Reihe nach. Heute standen Martin Harnik und Aaron Hunt wieder auf dem Trainingsplatz und hinterließen einen guten Eindruck. „Man merkt schon, dass den beiden noch ein wenig fehlt“, so Hecking heute im Anschluss, „aber wir haben ja noch ein paar Tage bis zum Spiel.“ Und wir hier haben vor Hinterseer noch ein paar Spieler, die nicht in der Spitze aber eben über die offensiven Außenbahnen kommen und die ich hier bewerten möchte. Khaled Narey beispielsweise absolvierte sechs Spiele als Rechtsaußen. Er traf zweimal und bereitete ein Tor vor. Seine Quote ist also tatsächlich ganz okay. Allerdings wirklich überzeugen konnte er aber nur sehr bedingt, was ihn nach der Verpflichtung Martin Harniks schnell einen Platz auf der Bank bescherte. Gesamtnote: 4

Harnik hat Narey schnell abgelöst - und sich festgesetzt

Besser gemacht hat das ganz sicher Martin Harnik. Zunächst als Rechtsauen, aber eben auch in der Spitze. Der Zugang aus Bremen bringt eine Torgefahr mit, die beim HSV ansonsten fehlte - Kittel und Hinterseer mal ausgenommen. Aber Harniks wilde, laufintensive Spielweise ist ebenso unkonventionell wie zielführend. Zumindest kann sich kaum ein Gegner auf klare Laufwege einstellen. „Die Trainer werden oft etwas nervös, weil ich Dinge mache, die so nicht angesagt waren“, erzählte uns Martin Harnik im Rautenperle Talk, und Trainer Dieter Hecking ergänzte kurz danach: „Martin hat seine Quote überall gehabt - und das wird seine Gründe haben.“ Soll heißen: Harnik darf weiter so wild spielen. Zudem hat er Youngster Josha Vagnoman als Rechtsverteidiger geführt. „Martin spricht viel. Das hilft“, so Vagnoman, der nach anfänglichen Problemen immer besser ins Spiel fand. Zumindest, bis er sich verletzte. Harnik macht das HSV-Spiel unausrechenbarer, gefährlicher. Sein verletzungsbedingter Ausfall war in den letzten Wochen deutlich zu spüren. Ergo: Der HSV ist mit Harnik stärker und hat ohne ihn Probleme. Gesamtnote: 2-

Da ich Kittel bereits im Mittelfeld bewertet hatte und bei dem sich nur sehr langsam herantastenden Xavier Amaechi ob der fehlenden Einsätze noch der Welpenschutz greift, muss man bei Bobby Wood ein  wenig weiter ausholen. Problem hierbei ist: Er genießt keinen Welpenschutz sondern kam on top noch mit der Hypothek eines millionenschweren Vertrages und einem ersten HSV-Auftritt, der unterirdisch war nach Hamburg zurück. Aber: Hier sammelte er zunächst Pluspunkte, indem er nimmermüde Vollgas ging im Training. Noch immer übrigens. Im Gegensatz zu seinem ersten HSV-Aufenthalt öffnete er sich zudem seinen Mitspielern und legt offenbar großen Wert darauf, ein Teil der Mannschaft zu sein. Sportlich allerdings scheint Wood aktuell wieder an seine Grenzen zu stoßen. Anders ist es zumindest schwer zu erklären, dass er trotz Verletzungsfreiheit und vollem Einsatz keine Spielzeit bekommt. Er wurde und wird von Hecking immer mal gelobt. Aber das große Vertrauen genießt Wood ob seiner fußballerischen Schwächen nicht, auch wenn sein letzter Kurzauftritt in Kiel ordentlich war. Seine Verbleib in Hamburg über seinen auslaufenden Vertrag hinaus ist mehr als unwahrscheinlich. Bis dahin scheinen sowohl Spieler als auch HSV-Verantwortliche das Beste daraus machen zu wollen. Wissend, dass das jetzt und wohl auch künftig nicht reicht. Gesamtnote: 5

Samperio braucht noch - Jattas Note ist in Stein gemeißelt

Noch nicht wieder dran ist Jairo Samperio. Bei dem Spanier dachten wir nach der Vorbereitung alle, dass er jetzt kommen würde. dennoch schonte Trainer Hecking den lange verletzten Außenstürmer zunächst - und das offenbar zurecht.Denn nach ein, zwei sehr guten Kurzauftritten fiel er zuletzt beim Spiel gegen Stuttgart massiv ab und ist auch im Training nicht mehr so unbeschwert wie vorher. Die Leichtigkeit ist ihm abhanden gekommen, und die Wettkampfhärte fehlt noch. So reicht das noch nicht. Gesamtnote: 4-

Besser macht es da Bakery Jatta. Sportlich ist der Gambier die große positive Erscheinung im Offensivbereich. Zumal er ob der Affäre um seine Herkunft und seinen Namen wochenlang mehr einstecken musste, als wir es uns vorstellen können. Da einen klaren Kopf zu behalten ist schon einen Eins wert. Und das völlig unabhängig von Recht oder Unrecht - denn öffentlich so massiv infrage gestellt zu werden, das belastet. Dass Jatta sich dabei auf seine Mannschaftskollegen und die vereinsverantwortlichen stützen konnte, die unbedingt zu ihm hielten, es half. Aber Jatta zahlte es zurück. Seine Art, Fußball zu spielen, ist für jeden Gegner brutal. Allein sein Tempo verändert die Spielweise der gegnerischen Viererkette jedesmal, weil man einem Jatta keinen Meter Vorsprung geben darf, ohne Gefahr zu laufen, deklassiert zu werden. Diese Unsicherheit löst Jatta jedesmal beim Gegner aus. Und das ist für Trainer Hecking ein Pfund, das er anderen Zweitliga-Kollegen voraus hat.

Es wird sich in den nächsten zwei Spielen, in denen Jatta gesperrt fehlen wird, zeigen, wie wichtig er für das HSV-Spiel ist. Sein Tempo ist unvergleichbar und auch seine Passqualitäten sind absolut beachtlich. Jatta macht keine Mätzchen, er spielt keine Maradona-Pässe - aber er macht, was er kann. Ich bin mir nicht sicher, inwieweit dieses oft etwas eindimensionale Spiel erstligatauglich ist - aber darum geht es hier und heute auch nicht. Denn das, was er macht, das macht er sehr gut. Und das sage ich trotz der dummen Roten Karte in Kiel. Dass er dazu auch noch defensiv Qualitäten hat und den Gegnern mit auffälliger Leichtigkeit Bälle abjagt, es unterstützt mich in meiner Einschätzung nur. Unter Berücksichtigung aller Faktoren kann das nur bedeuten,  Gesamtnote: 1

Hinterseer ist auf der Suche nach seiner alten Torgefahr

Davon ist Hinterseer noch weit entfernt. Sagen viele. Dabei sehe ich Hinterseer tatsächlich nicht ansatzweise so schwach wie viele andere hier. Im Gegenteil: Eine Zeitlang war es sogar so, dass der Zugang aus Bochum zwar nicht traf, dafür aber immer wieder extreme Wege auf sich nah, die unter anderem dafür sorgten, dass die nachrückenden Spieler freie Räume hatten. Er opferte seine Position in der Spitze sozusagen, um Räume zu schaffen. Und das fand ich gut. Zumal der HSV mit Sonny Kittel beispielsweise einen Spieler hatte, der genau in diese Räume reinzustoßen wusste. Die acht Treffer bei dem Mittelfeldspieler sind zu einem Teil auch der uneigennützigen Art Hinterseers geschuldet, der Kittel zudem zwei Treffer direkt auflegte. Dass Problem bei Hinterseer ist, dass er in acht von 13 Spielen an keinem Tor beteiligt war. Zuletzt gleich dreimal in Folge.

Was für mich in der Beurteilung Hinterseers ebenfalls wichtig ist, ist die Tatsache, dass er immer Chancen hat. Er hat den Instinkt dafür nicht verloren, sondern sein eigenes Spiel m.M.n. mannschaftsdienlich dem des HSV untergeordnet. Zu sehr vielleicht - und jetzt sucht er den Weg zurück. Aber er ist in jedem Spiel läuferisch einer der stärksten und hat über Jahre bewiesen, dass er weiß, wie man Torchancen nutzt. Von daher ist das für mich eine kurze Torflaute - aber längst noch keine Krise. Hinterseer wird kommen und treffen. Da bin ich mir sicher. Gesamtnote: 3-

Nationalspieler Mittwoch wieder dabei, Fein bekommt frei

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird zweimal öffentlich trainiert. Erst um 10 und dann noch um 15.30 Uhr. Noch nicht dabei sein werden die Nationalspieler, die erst am Mittwoch zur Mannschaft stoßen sollen. Ebenso noch nicht dabei sein wird Adrian Fein, der zwar schon wieder zurück ist, der aber von Trainer Hecking nach seinen Dauereinsätzen für den HSV und die DFB-U21-Nationalmannschaft einen Tag frei bekam.

Ich melde mich natürlich morgen früh pünktlich um 7.30 Uhr mit dem MorningCall wieder bei Euch und werde am Abend dann das Zwischenzeugnis abschließen. Dann wahrscheinlich auch mit weiteren guten Nachrichten von Trainerseite. Denn während der 1. FC Köln heute Markus Gisdol als neuen Trainer verpflichtet hat, steht Hannes Wolf unmittelbar vor der Vertragsunterschrift bei KRC Genk. Damit würde der Ex-HSV-Coach von der Gehaltsliste des HSV genommen werden können und dem HSV so rund 350.000 Euro Gehlat einsparen. Somit blieben „nur“ noch Stefan Wächter und Maik Goebbels als freigestellte Ex-(Co-)Trainer auf der HSV-Gehaltsliste.

Bis morgen!

Scholle

 

P.S.: Ewerton soll am Mittwoch für die U21 in Hannover in der Regionalliga auflaufen, um weitere Spielzeit zu sammeln.

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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