Marcus Scholz

23. November 2019

Aller guten Dinge sind drei – selten passte dieses Sprichwort so gut auf ein HSV-Spiel wie heute.  Denn erst im dritten Versuch schaffte es der HSV, regulär den Siegtreffer zu erzielen. Und obgleich dieser Treffer erst in der vierten Minute der Nachspielzeit fiel, war der Sieg letztlich absolut verdient. Hart für die im Abstiegskampf steckenden Dresdner (Dresdens Coach Fièl: „Sehr bitter, wie wir das Spiel am Ende verlieren“)– gut für den HSV, der durch das parallele 1:1 der Bielefelder gegen Sandhausen wieder die Tabellenführung übernahm. „Wir sind sehr gut reingekommen, sind dann hinterhergelaufen. Wir mussten Wucht aufbauen – das hat die Mannschaft hervorragend gemacht“, war Hecking nach dem Spiel zufrieden. Mit Grund, denn es war das erste Mal, dass der HSV ein Spiel nach Rückstand drehen konnte. Hecking: „Diese Qualität brauchst Du, wenn die erfolgreich sein willst.“

 

Und genau so begann das Spiel dann auch. Gleich in der ersten Minute setzte das HSV-Mittelfeld die Dresdner im Spielaufbau unter Druck. Bobby Wood bekommt den Ball, läuft auf das Dresdner Tor zu, zögert leider einmal, hat aber Glück, dass sein Ball zu Moritz durchkommt – der aber knapp verzieht. Kaum drei Minuten später das gleiche Bild. Wieder erobert der HSV den Ball, diesmal ist Harnik durch, wird aber etwas zu weit nach außen gedrängt – wieder kein Tor. Aber: Das erwartet druckvolle Spiel des HSV kam in Fahrt. Auch, weil im Mittelfeld richtig gut gegen den Ball arbeitete.

Der HSV beginnt stark, lässt nach - und gerät in Rückstand

Allerdings, der große Makel: Das Ganze hielt nur ein paar Minuten. Dann verflachte die Partie aus HSV-Sicht. Stattdessen kam Dresden plötzlich zu zwei sehr guten Gelegenheiten. Erst zwang Kulke HSV-Keeper heuer Fernandes zu einer Parade (11.), dann konnte  van Drongelen einen Kreuzer-Schuss blocken (12.). Mehr noch: Hätte Dresdens Angreifer Moussa Kone seinem Nebenmann Baris Atik in der 14. Minute den Ball nicht vom Fuß genommen – der HSV wäre hier wohl in Rückstand geraten.

So aber blieb der HSV im Spiel und kam in der Schlussphase der ersten Halbzeit wieder besser in Fahrt. Erst köpfte Martin Harnik eine Flanke von Tim Leibold zu zentral in die Arme von Dynamo-Keeper Kevin Broll (40.). Und keine drei Minuten später zwingt Dudziak den Dresden-Keeper mit einer Direktabnahme von der Strafraumgrenze zu einer Glanzparade (43.). Ansonsten passierte hier nichts mehr.

Zumindest nicht bis zur Halbzeit. Aber direkt nach Wiederanpfiff passierte, was nicht passieren sollte: Dresen ging in Führung. Zunächst hatte Heuer Fernandes einen Klingenburg-Schuss noch gut parieren können. Den Nachschuss , der eigentlich als Flane gedacht war, unterschätzte der HSV-Keeper dann allerdings fatalerweise so, dass er im langen Eck einschlug. Das 0:1 in der 47. Minute. Torschütze: Niklas Kreuzer, der Sohn von Ex-HSV-Sportchef Oliver Kreuzer.

Das 0:1 weckte den HSV - Kittel trifft, zwei Treffer zählen nicht

Ein Tor mit Wirkung, denn der HSV wurde jetzt wieder griffiger, nahm das Spiel wieder in die Hand – und Trainer Hecking wechselte. Samperio und Hunt kamen für den guten Moritz und den komplett wirkungslosen Wood ins Spiel. Und mit ihnen kam Schwung. Van Drongelen scheiterte in der 61. Minute freistehend per Kopf mehr an sich als an allem anderen, dann aber traf der HSV.  Leibold bediente den durchstartenden Kittel, der den Ball technisch stark direkt verwandelte (67.). Der Videoassistent wurde zwar bemüht, konnte dem HSV aber kein Vergehen nachweisen – anders als in den folgenden Minuten.

 

 

Denn der HSV  traf weiter. Zweimal, um genau zu sein. Problem hierbei: Beide Male entschied der Schiedsrichter nach Video-Studium seiner Kollegen in Köln auf Abseits. Und während es bei Harniks Treffer in der 69. Minute noch eine Millimeterentscheidung war, war es bei Hunts Treffer deutlicher. Wobei es diesmal nicht der Torschütze war, sondern Flankengeber Leibold, der zuvor im Abseits war (83.).

Kinsombi lässt den HSV spät jubeln - Leibold überragt

Und so mussten sich im Volksparkstadion 51.586 Zuschauer bis in die fünf Minuten lange Nachspielzeit gedulden, ehe der HSV dann doch noch seinen Lucky-Punch setzen konnte. Selten passte ein Sprichwort so gut wie diesmal, denn heute waren tatsächlich aller guten Dinge drei. Denn beim dritten Anlauf zum Siegtreffer hatten selbst die Kölner Kollegen nichts auszusetzen. Der beste Mann auf dem Platz, der wieder sehr agile Tim Leibold (er war an allen vier Toren beteiligt!) setzte sich über links durch, zog aufs kurze Eck ab und zwang Broll zu einer Glanzparade. Der Abpraller hiervon allerdings landete beim gerade erst  eingewechselten Kinsombi, der per Kopf zum 2:1-Siegtreffer vollendete.

 

 

Ein kaum mehr erwartetes, aber ein absolut verdientes Happy-End, das dem HSV zudem die Tabellenführung zurückbringt. „Wir haben versucht, den Gegner vor Aufgaben zu stellen, haben den Druck bis zum Schluss sehr hoch gehalten“, bilanzierte Torschütze Sonny Kittel, „und am Ende haben wir den Sieg erzwungen. Das wird uns für die kommende Woche guttun.“ Stimmt. Denn dieser Sieg hat allen noch einmal gezeigt, worum es geht. „Im Herbst geht es nicht mehr um Schönspielen, sondern um Punkte. Und die haben wir heute geholt“, so Hecking.

In diesem Sinne, genießt den Sonnabend und habt ein schönes Wochenende! Bis morgen!

Scholle

 

Das Spiel im Stenogramm:

HSV: Heuer Fernandes - Narey, Letschert, van Drongelen, Leibold - Fein, Moritz (60. Hunt), Dudziak (84. Kinsombi), Kittel - Harnik, Wood (60. Samperio)

Dynamo Dresden: Broll - Müller, Hamalainen, Ehlers - Kreuzer, Nikolaou, Burnic, Kulke (65. Wahlqvist) - Atik (35. Klingenburg) - Koné (85. Löwe), Jeremejeff

Tore: 0:1 Kreuzer (47.), 1:1 Kittel (68.), 2:1 Kinsombi (90.+4)

Zuschauer: 51.586

Schiedsrichter: Marco Fritz (Korb)

Gelbe Karten: Moritz (48.) / Kreuzer (54.), Burnic (63.), Nikolaou (67.)

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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