Marcus Scholz

6. Februar 2018

Es war eine harmonische Sitzung. Sagen zumindest die Beteiligten. Und am Ende wurde einstimmig beschlossen, was vorher schon angekündigt war. In der Pressemitteilung hieß es gegen 13.50 Uhr:

Neuer HSV-Aufsichtsrat steht fest

Die Hauptversammlung der HSV Fußball AG wählt das Kontrollgremium – Michael Krall ist neuer Vorsitzender des Rates.

Am heutigen Dienstag fand in den Räumlichkeiten des Volksparkstadions die ordentliche Hauptversammlung der HSV Fußball AG für das Geschäftsjahr 2016/17 statt, bei der die Wahl des neuen Aufsichtsrates auf der Tagesordnung stand. Die Hauptversammlung, bei der die Gesellschafter der HSV Fußball AG vollständig vertreten waren, entlastete den Vorstand und den Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2016/17 einstimmig.

Anschließend wählte die Hauptversammlung die fünf vom amtierenden Aufsichtsrat vorgeschlagenen Kandidaten ebenfalls einstimmig: Michael Krall, Felix Goedhart, Marcell Jansen, Max-Arnold Köttgen und Dr. Andreas C. Peters. Jens Meier ist in seiner Funktion als Präsident des HSV e. V. geborenes Aufsichtsratsmitglied und komplettiert das sechsköpfige Kontrollorgan, das für die kommenden fünf Jahre im Amt ist. Meier dankte den ausgeschiedenen Aufsichtsräten Karl Gernandt, Dieter Becken und Bernd Bönte für ihr geleistetes Engagement. Die drei bisherigen Kontrolleure hatten frühzeitig erklärt, dass sie nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stünden.

Im Anschluss an die Hauptversammlung fand die konstituierende Sitzung des neuen Aufsichtsrates statt, bei der Michael Krall einstimmig zum Vorsitzenden des Gremiums gewählt wurde. Jens Meier wird als sein Stellvertreter fungieren. „Die Aktionäre haben uns heute ihr Vertrauen ausgesprochen. Wir sind uns der Bedeutung der Aufgabe bewusst und beginnen morgen mit der Arbeit“, sagt Michael Krall.

Also: Alles schickilacki. Oder?

Ganz sicher nicht überall. Denn Bernd Hoffmann und sein Präsidiumsteam werden das anders sehen. Bei der Präsentation seiner Kandidatur hatte Hoffmann wiederholt Kritik an dem diskutablen Zeitpunkt der Aufsichtsratswahlen geäußert. Immerhin wurden diese Kandidaten noch von dem Präsidenten des HSV e.V. vorgeschlagen, der sich in 12 Tagen erst einmal der Stichwahl gegen Hoffmann stellen muss: Jens Meier. Und sollte Hoffmann am 18. Februar die Wahl für sich entscheiden können, würde er mit einem Aufsichtsrat konfrontiert, der noch nach den Maßstäben des abgewählten Präsidiums zusammengestellt worden wäre.

Und das wiederum könnte einen nervigen Prozess nach sich ziehen. Denn um das zu ändern, müsste Hoffmann eine außerordentliche Gesellschafterversammlung einberufen, dort als Mehrheitsvertreter des HSV e.V. die Neubesetzung durchsetzen und anschließend im Beirat seine Wunschkandidaten durchbekommen. Ob Hoffmann derartiges vorhabe wollte er noch nicht abschließend beantworten. Kann er auch eher nicht. Denn egal wie, bis zur endgültigen Umbesetzung würde unabsehbar viel Zeit verstreichen. Seiner Zusammenarbeit mit den Kontrolleuren würde so ein Vorhaben sicher nicht zuträglich sein. Und im Gegensatz zur Gesellschafterversammlung, wo Hoffmann mehr als 76 Prozent des Stammkapitals vertritt, hat er im Aufsichtsrat nur eine von sechs Stimmen.

Es ist wie so oft beim HSV: Auf der einen Seite wird etwas aufgebaut (in diesem Fall der Aufsichtsrat um Jens Meier), auf der anderen Seite wird das Aufgebaute aber durch eine Neubesetzung (im Falle der Hoffmann-Wahl) wieder eingerissen. Und dabei möchte ich ganz bewusst wertfrei bleiben, ob jetzt das Meier- oder eben doch das neue Hoffmann-Konstrukt besser wäre. Fakt ist aber, dass man sich beim HSV wieder selbst im Weg steht. Und diese Aufsichtsratswahl vor die Wahl des Präsidiums zu legen, ist schon abenteuerlich. Zumal so unmittelbar vorher. Vielleicht sollte man hier überlegen, die Taktung zu verändern und den Aufsichtsrat immer um ein halbes oder auch ein ganzes Jahr hinter die Präsidentschaftswahl zu legen.

Egal wie, es ist nicht so. Und deshalb wird der Wahlkampf ums Präsidentschaftsamt in vollen Zügen weitergehen. Wie genau, das ergänze ich an dieser Stelle später noch. Ich muss jetzt los zum HSV, der um 15.30 Uhr ein internes Testspiel bestreitet mit und gegen die eigenen Amateure. Übrigens: Mit dabei sein wird auch Rodolfo Cardoso – als neuer Cotrainer von Bernd Hollerbach. Der Argentinier, der schon jahrelang als Profi mit Bernd Hollerbach für den HSV aktiv war, war zuletzt als Scout für den HSV tätig. „Rodolfo konnte bereits auf allen Ebenen Trainer-Erfahrungen sammeln. Er spricht die Sprache der Spieler und genießt das Vertrauen von Bernd Hollerbach.“ Cardoso selbst, der 136 Pflichtspiele für den HSV bestritt und anschließend neben einigen Jugendmannschaften unter anderem auch die Amateure sowie interimsweise die Bundesligaprofis betreute, freut sich: „Ich freue mich sehr, wieder auf dem Platz zu stehen und werde alles dafür geben, dem Verein zu helfen, gemeinsam aus der schwierigen Situation herauskommen.“

 

In diesem Sinne, bis später. Dann ergänzt um das Testspiel und etwaige Entwicklungen in und um den HSV herum.

Scholle

 

***ERGÄNZUNG: U21-Youngster ärgern die Profis***

„Einfach mal komplett tauschen – lasst doch die U21 nach Dortmund fahren. Dae wird im Zweifel besser“, rief einer der Trainingskiebitze heute während des Testspiels der Reservisten gegen die U21. Wobei in den drei Dritteln á 20 Minuten auch gewechselt wurde. Allerdings, und deshalb erwähne ich diesen wahrscheinlich nicht wirklich ernst gemeinten Ausruf, im letzten Drittel spielte eine U21 mit Sven Schipplock gegen die Profis. Und die Youngster dominierten das Spiel, gewannen das zweite und dritte Drittel auch jeweils mit 1:0, nachdem das erste Drittel 1:1 geendet hatte. Die Tore erzielten Holtby für die Profis, die „Leihspieler“ Waldschmidt und Arp sowie U21-Toptorjäger Knöll für die Youngster.

Die Fragen, die sich in dem durchaus engagierten Spiel stellten, waren unterschiedlich. Wer aus der U21 oder der U19 (auch Josh Vagnoman mischte mit) kann sich empfehlen – und wer von den Profis. Lewis Holtby war wieder sehr aktiv, traf auch. Ansonsten aber blieb nur sein Einsatz in Erinnerung. Anders sah es da bei Julian Pollersbeck aus, der sich heute nicht zu empfehlen wusste. Der unter Bernd Hollerbach gleich wieder degradierte Keeper hängt im Formtief fest. Bei Rückpässen wackelig und bei den Gegentoren unglücklich – das war nicht sein Spiel, während mir heute HSV-U19-Kicker Marco Drawz ebenso positiv auffiel wie ein alter Bekannter: Mohamed Gouaida. Im Zusammenspiel vor allem mit Matti Steinmann sortierte der Routinier unter den U21-Kickern das eigene Spiel hervorragend und hatte sogar noch die Qualität, den finalen Pass zu spielen. Das war schon auffällig gut.

Immer am Rand dabei: der neue Cotrainer von Bernd Hollerbach, Rodolfo Cardoso. Der Argentinier wird seinen Freund und früheren Zimmernachbarn aus gemeinsamen aktiven HSV-Zeiten von heute an unterstützen. „Bis Saisonende“, so Cardoso, der sich heute bei der Mannschaft vorgestellt hat und gleich das Gespräch mit den Südamerikanern gesucht hat. Cardoso, der seit 1,5 Jahren als Scout für den HSV aktiv war, nachdem er zuvor etliche Jugendmannschaften und ja auch zweimal als Interimstrainier die Bundesligamannschaft übernommen hatte, weiter: „Sie brauchen etwas mehr Gespräche, um sich hier wohlzufühlen. Da muss man schon etwas sensibler sein.“ Sein Ziel mit dem HSV? „Klassenerhalt, klar“, sagt er sofort, während er auf die Frage nach seinen speziellen Aufgabenbereich beim HSV etwas zögert, dann aber sagt: „Ich bin immer in Hollers Nähe.“ Na dann, herzlich Willkommen zurück, Rodolfo!

Und bei Euch verabschiede ich mich für heute mit dieser Ergänzung. Bis morgen! Da wird um zehn Uhr das letzte Mal in dieser Woche öffentlich trainiert.

Die Teams im Überblick:

Team A: Pollersbeck – Diekmeier (41. Ito), Thoelke, Mavraj, Pfeiffer (21. Ambrosius), Vagnoman – Janjicic, Holtby, Salihovic – Hahn (21. Waldschmidt), Arp (21. Schipplock, 41. Arp).

Team B: Mickel (41. Hirzel) – Mundhenk (30. Behounek), Abrosius (21. Pfeiffer), Haut (30. Storb), Gmeiner (30. Ronstadt) – Jatta (21. Drawz), Steinmann (30. Mohssen), Gouaida (30. Kwarteng), Ito (41. Ferati) – Waldschmidt (21. Arp, 41. Knöll), Schipplock (21. Hahn, 41. Schipplock).

 

 

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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