Marcus Scholz

17. März 2020

Um 16 Uhr wurde es offiziell: Auch der HSV schickt seine Mitarbeiter geschlossen ins Home-Office. Für mindestens weitere sieben Tage sollen sich die Spieler, die allesamt mit individuellen Trainingsplänen ausgestattet wurden, zuhause selbst trainieren und ihren Fitnesslevel hoch halten. In der Pressemitteilung heißt es: 

Der Hamburger SV hat den Trainingsbetrieb bereits nach dem ausgefallen Auswärtsspiel bei der SpVgg Greuther Fürth (13. März) vorübergehend ausgesetzt und am heutigen Dienstag (17. März) in enger Absprache zwischen Vorstand, Trainerstab, Staff und Mannschaft entschieden, dass auch in den nächsten sieben Tagen im individuellen Bereich gearbeitet wird. In diesem Kontext wurde vereinbart, dass das nächste Training im Volkspark am Dienstag in einer Woche (24. März) stattfinden soll. HSV-Sportvorstand Jonas Boldt sagt dazu: „Nach intensiven Gesprächen haben wir uns gemeinsam dazu entschieden, die Trainingssteuerung auf die aktuellen Umstände anzupassen. Wir wollen unseren Beitrag zur Eindämmung des Virus' leisten. Dementsprechend werden die Spieler zu Hause im individuellen Bereich arbeiten. Uns ist wichtig, dass wir auf alle Eventualitäten vorbereitet sind und die Wettkampf-Fitness so gut wie möglich wahren.“ 

Eine vernünftige, fast schon alternativlose Entscheidung, wie ich finde. Zumal heute bekannt wurde, dass sich bei Hertha BSC Berlin ein Spieler positiv auf das Corona-Virus getestet wurde und daraufhin alle Spieler, die zuvor per Sondergenehmigung trainiert hatten, ab sofort in Quarantäne sind.

14 Tage lang eingeschlossen ins Trainingszentrum - das klingt vielleicht nach einem Traum für jeden Trainer mit großen Ambitionen. Allerdings ist es angesichts der weiter unklaren Situation in der Liga eher ein Hindernis, da fast alle Beteiligten trotz des vorübergehend nur bis zum 2. April ausgesetzten Liga-Spielbetriebes von deutlich längeren Ausfallzeiten ausgehen. Und überhaupt: Dass man wieder auf eine sportliche Beendigung der Saison hoffen kann, liegt auch an der heutigen Entscheidung der Uefa, die wie vermutet die für den Sommer geplante Europameisterschaft um ein Jahr auf 2021 verlegt hat. „Es war wichtig, dass die Uefa als Dachverband des europäischen Fußballs den Prozess anführte und das größte Opfer brachte. Die Verschiebung der EURO 2020 ist für die Uefa mit enormen Kosten verbunden, aber wir werden unser Bestes tun, um sicherzustellen, dass die lebenswichtige Finanzierung des Breiten- und Frauenfußballs und die Entwicklung des Spiels in unseren 55 Ländern nicht beeinträchtigt wird“, sagte Uefa-Präsident Aleksander Ceferin.

Uefa verschiebt EM und sorgt für neue Hoffnung

Und auch seitens der deutschen Fußballfunktionäre dürfte diese Entscheidung einhellig positiv aufgepasst werden. Abgesehen von den Kluboffiziellen, deren Mannschaften sich in Abstiegsbereichen befinden vielleicht - aber wenn man den gesunden Menschenverstand nutzt, war diese Entscheidung unumgänglich. Auch losgelöst von der dadurch entstehenden zeitlichen Entspannung für den DFB, die DFL und die anderen Landesverbände Europas. So haben allesamt die Möglichkeit, die jeweilige Saison auch nach dem offiziellen Ende weiter auszuspielen und so den größtmöglichen finanziellen Schaden von ihren Klubs abzuwenden. Vor allem aber entzieht man dem Corona-Virus so die Möglichkeit, sich über die Menschenmassen in den Stadion bei einer EM wieder bzw. weiter auszubreiten. Fraglich ist nur, wer für die rund 300 Millionen Euro aufkommen wird, die die Verlegung kosten soll. Aber dieses Thema interessiert aktuell eh nur am Rande.

 

Auch bei der Mannschaft kam der Entschluss, die rund 30 Mitarbeiter, die täglich zum Training zusammenkommen, nach Hause zu schicken, gut an. Sie alle hatten von ihrem Berliner Kollegen gehört und sich zudem selbst ihre Gedanken gemacht. Einige Spieler wie Martin Harnik sind sogar geschäftlich davon betroffen, da sie ihre Läden, die sie neben ihrem Job als Fußballprofi betreiben, schließen mussten. Darauf angesprochen wollte sich Harnik nicht groß äußern, sprach aber davon, dass es in diesem Zusammenhang weitaus wichtigere Themen als seine Tageseinnahmen zu bewältigen gebe. Und auch auf sportlicher Ebene ist der weiterhin offene Saisonausgang für Harnik ebenso wie für Louis Schaub beispielsweise „spannend“. Denn während der HSV Harnik bei einem Aufstieg verpflichten müsste, dürfte er es bei Schaub gar nur für den Fall, dass man aufsteigt. Bedeutet: Sollte die Saison letztlich nicht sportlich beendet werden können, würde also am Grünen Tisch über ihre sportlichen Schicksale der beiden entschieden werden.

Hoffmann-Interview mit Spannung erwartet 

Ähnlich wichtig ist der Saisonverlauf (wie für alle anderen Verantwortungsträger auf ihre Art auch) für Vorstandsboss Bernd Hoffmann . Das „Hamburger Abendblatt“ hatte berichtet, dass im Vertrag Hoffmanns eine Klausel integriert sei, die bei Nichtaufstieg greife und den eigentlich bis 2021 laufenden Vertrag Hoffmanns vorzeitig beenden könnte. Sollte der HSV den Aufstieg verpassen. Dann sei es möglich, den Vertrag mit Bernd Hoffmann vier Wochen vor Ende des Geschäftsjahres vorzeitig aufzulösen. Und schon die Tatsache, dass dieses brisante Vertragsdetail öffentlich geworden ist, hatte intern für Unruhe gesorgt.

In diesem Sinne, hoffen wir mal, dass der HSV nicht in der vielleicht größten Krise der Bundesligageschichte anfängt, seine Machtspielchen vergangener Tage neu aufleben zu lassen. Mir wurde zugetragen, dass sich Hoffmann in einem Interview morgen sehr kritisch zu den aktuellen Zuständen beim HSV äußern solle. Aber auf meine Frage, ob man hier etwas zu befürchten habe, antwortete Hoffmann mir eben gerade mit einem klaren Nein. Er habe sich lediglich kritisch zum Bekanntwerden von Interna geäußert, so der Vorstandsboss des HSV. Aber dazu dann morgen mehr. Dann mit den entsprechenden und nicht mehr nur kolportierten sondern faktisch vorhandene Zitaten der Protagonisten, die wir Euch schon früh in unserem MorningCall zur Verfügung stellen werden. Wie immer werden wir alles tagesaktuelle auch morgen ab 7.30 Uhr (online für alle via SoundCloud und Spotify sowie hier im Blog abrufbar) einordnen.

Bis dahin, Euch allen einen schönen Abend! Und vor allem: bleibt gesund!

Scholle

 

FAQs

 

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.