Marcus Scholz

2. Dezember 2019

Dieter Hecking wollte das Thema nicht. Ganz eindeutig. In aller Deutlichkeit lehnte er am Tag nach dem 1:2 in Osnabrück jede Frage nach möglichen Neuzugängen im Winter ab. Und anstatt über mögliche neue Spieler zu sprechen, wurden die anwesenden, enttäuschenden Spieler geschützt. Bobby Wood zum Beispiel, wie ich Euch ja gestern schon im Blog beschrieben hatte. Zurecht. Dennoch darf das eine das andere nicht ausschließen, denn am Ende steht über allen Einzelschicksalen doch noch der Erfolg des HSV. Und der ist in dem Moment gefährdet, wo Fehler deutlich und erkannt - aber eben nicht behoben werden. Also so, wie im vergangenen Winter, wo eigentlich alle erkannt haben wollten, dass man personell nachbessern müsse, das aber nicht getan wurde. Als Tabellenführer hofften Sportchef Ralf Becker, Trainer Hannes Wolf und der Rest der Verantwortlichen darauf, dass einige Verletzte zurückkehren und die Mannschaft stabilisieren würden.

Allein: Wirklich daran geglaubt haben sie nicht. Und so ist es auch diesmal, wenn Hecking das Gespräch über mögliche Zugänge ablehnt. Denn Fakt ist: Der HSV muss im Winter nachbessern, um sein Ziel Wiederaufstieg nicht unnötig zu gefährden. Das wissen alle. Und das Thema wird intern auch schon intensiv angegangen. Ein Stürmer stand zunächst auf der Agenda ganz oben. Inzwischen wurde diese Personalie durch die zwei schwereren Verletzungen von den Rechtsverteidigern Jan Gyamerah und Josha Vagnoman überholt. Ein Rechtsverteidiger oder am besten ein variabler Außenverteidiger wird vorrangig gesucht. Wobei der Druck, einen neuen Neuner zu holen, von Spiel zu Spiel deutlicher und dringlicher wird. Bobby Wood war sportlich nicht in der Lage, den Ausfall von Lukas Hinterseer zu kompensieren. Martin Harnik könnte das eher, fehlte so aber auf der Außenbahn. Und beim eigenen Nachwuchs ist derzeit kein Spieler zu sehen, der als Mittelstürmer für Höheres berufen sein könnte.

Hunt, Amaechi und Hinterseer sind wohl wieder einsetzbar

Umso besser, dass Lukas Hinterseer und Xavier Amaechi vor ihrer jeweiligen Rückkehr ins Mannschaftstraining stehen. „Bei Xavier ist es sogar so, dass wir damit rechnen, dass er am Dienstag voll ins Mannschaftstraining einsteigt“, sagte uns Hecking heute nach dem Training und ergänzte: „Bei Lukas sieht es auch ganz gut aus. Die beiden konnten heute individuell gut arbeiten und wir warten jetzt ab, wie es morgen bei Lukas aussieht.“ Sollte der Bluterguss nicht wieder schlimmer werden, soll der Österreicher am Dienstag zumindest Teile des Mannschaftstrainings mitmachen. Zumindest aber scheint die Wahrscheinlichkeit, dass Hecking am Freitag wieder auf die beiden zurückgreifen kann, sehr hoch zu sein. Da zudem auch Aaron Hunt wieder zurück ist und Bakery Jatta seine Rotsperre abgesessen hat, stehen dem HSV-Trainer für Freitag offensiv wieder alle Türen offen.

 

Selbst Harnik, der heute wegen eines Risses an der Achillesferse (musste genäht werden) nicht mittrainieren konnte, soll schon am Dienstag wieder dabei sein können. „Es sieht so aus, als würden wir wieder voller“, so Hecking im Hinblick auf das bevorstehende letzte Heimspiel 2019 gegen den 1. FC Heidenheim am Freitag (18.30 Uhr), in dem dem HSV wieder ein Team gegenüberstehen wird, das kompakt steht und mit robuster Spielweise punkten kann. Heidenheim ist quasi das fußballerisch bessere Osnabrück. Auch deshalb wird es nicht nur auf den HSV-Angriff ankommen, sondern auch wieder auf die Defensive, in der Ewerton gerade ein wenig stärker geredet wird, als er es meiner Meinung nach schon ist.

Ewerton hat läuferisch noch Probleme - wird aber zur Alternative

Dabei bin ich ein bekennender Freund der Spielweise Ewertons. Seine Souveränität am Ball, sein Aufbauspiel und seine Kopfballstärke sind allesamt Attribute, die seinen Konkurrenten auf der Position des Innenverteidigers fehlen. Aber, und das wird auch deutlich h: Ewerton ist läuferisch schwach. Noch zu schwach, um in der Startelf zu stehen. Wobei ich mir vorstellen kann, dass Hecking und sein Trainerteam den Brasilianer durchaus schon für das Heidenheim-Spiel als Alternative in Betracht ziehen. Zumindest soll er am Mittwoche beim Spiel der U21 in Lüneburg nicht eingesetzt werden. Der Regenerationszeitraum bis zum Freitag wäre zu kurz… Insofern stehen dem HSV-Trainer bis Freitag einige schwierigere personelle Entscheidungen bevor. Hinten hat er die volle Auswahl, vorne ebenso, sofern Hinterseer und Amaechi es wie erwartet pünktlich schaffen, einsatzbereit zu sein.

 

Für mich wäre es vorn nicht allzu schwer. Ich würde Wood rausnehmen und Harnik ins Zentrum stellen, während Hinterseer später als zusätzliche oder ersetzende Kraft kommen könnte/würde. Auf den Außenbahnen wären Jatta rechts vor Narey und Kittel vor seinem kongenialen Partner Tim Leibold auf links gesetzt, während Aaron Hunt im Zentrum die Fäden ziehen würde. Zusammen mit dem zweiten Achter Jeremy Dudziak und Adrian Fein auf der Sechs hätte der HSV allemal genügend Kreativität auf dem Platz, um die massierte Abwehrt des FCH zu knacken. Und in der defensive muss Hecking das Wackel-Duo Gideon Jung/Rick van Drongelen ersetzen. Ewerton in diesem Fall einzusetzen würde zwar die Lufthoheit im eigenen Sechzehner stärken, aber das Tempo in der Innenverteidigung noch einmal schwächen. Soll heißen: Neben Ewerton müsste ein schneller Spieler auflaufen. Und hier ist Jung sicher der schnellste vor Letschert und van Drongelen.   Also Ewerton und Jung? Ich hätte ehrlich gesagt bei allen Kombinationen meine Zweifel. Am ehesten gefallen haben mir noch  van Drongelen und Letschert als Team.

Wen würdet Ihr in die Innenverteidigung stellen?

Aber okay, noch sind es ein paar Tage, die Hecking dazu nutzen kann, um zu probieren. Und das wird er. Ganz sicher. Wobei es mich wirklich mal interessieren würde, wen Ihr hinten sehen wollte:

Jung/van Drongelen

Jung/Letschert

Jung/Ewerton

Ewerton/Letschert

Ewerton/van Drongelen

Van Drongelen/Letschert

Schreibt doch in den Kommentaren einmal, wen Ihr als bestes Innenverteidiger-Duo erachtet. Ich melde mich dann morgen früh um 7.30 Uhr wieder mit dem MorningCall bei Euch, ehe ich ab 10 für Euch zum Training stapfen und von dort berichten werde. Bis dahin!

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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