Marcus Scholz

10. Dezember 2018

Heute war schon nach 60 Minuten Feierabend. Und was bei einigen seiner Vorgänger normal war, fiel beim aktuellen HSV-Cheftrainer Hannes Wolf auf. Darauf angesprochen, gab es auch gleich die Erklärung. Es war schlicht die Reaktion auf die Besuche der Spieler bei den Fanklubs sowie das anstrengende Spiel vom vergangenen Freitag. „Die Jungs waren am Wochenende wirklich überall unterwegs“, so der Trainer, „außerdem sind sie am Freitag gegen Paderborn insgesamt 125 Kilometer gelaufen.“ Deshalb also heute „nur“ 60 statt der ansonsten üblichen 90 bis 120 Minuten.

Und das mit einem neuen Torwart. „Ich wurde gefragt, ob er mittrainieren kann, und ich habe ja gesagt“, so Wolf über den japanischen Keeper Daiya Maekawa (24) vom Podolski-Klub Vissel Kobe (J1 League). Die Saison der J1 League ist Anfang Dezember beendet worden, Kobe wurde Zehnter und Maekawa, der nur die letzten vier Spiele absolvierte, trainierte zunächst bei der U21, dann am Sonnabend bei den Profis mit - und er gefiel. „Er hat vorgestern mitgemacht und ich fand ihn super, er hat Spaß gemacht. Da habe ich gesagt, er kann gern wiederkommen.“

Und während Maekawa auf eigepnem Wunsch dabei in Deutschland weilt, um sich fortzubilden, fehlte Aaron Hunt. Der Mannschaftskapitän, dessen Fitness ich nach 15 Spielen ohne Verletzung gerade heute morgen im MorningCall noch so gelobt hatte, fehlte heute Vormittag wegen leichter muskulärer Probleme. „Ja, es könnte vielleicht eng werden“, so Wolf über den Spielmacher, „wir müssen von Tag zu Tag schauen, wie es sich entwickelt.“ 

Es wäre gerade jetzt ein bitterer Ausfall, wie ich finde. Denn Hunt ist in einer sehr guten Verfassung. Auch Khaled Narey, der heute ab 20 Uhr bei mir im „Rautenperlen-Talk“ zu sehen und zu hören ist, hatte noch einmal die Bedeutung des Mittelfeldregisseurs hervorgehoben. Auch (und gerade jetzt) für das Spiel in Duisburg, wo man mit einem sehr holprigen Platz rechnen muss. „Seine Ballfertigkeiten, seine Pässe können jedes Spiel entscheiden“, so Narey, der als Stürmer immer wieder selbst von Hunt profitiert. „Sollte er ausfallen, wäre das sicher bitter“, so Narey, während Hannes Wolf vorher bereits sagte: „Und selbst wenn es so ist, dann werden wir damit umgehen. So ist Fußball.“

Was den Platz in Duisburg angeht, ist Wolf da schon ein paar Gedanken weiter. Die Mannschaft hat er bereits gewarnt vor dem holprigen Untergrund. „Es geht darum, dass die Mannschaft die Umstände annimmt und akzeptiert. Es darf niemanden überraschen. gerade jetzt nicht im Winter, und in der Zweiten Liga. Das ist noch mal anders als in der Ersten Liga.“ Zumal in Duisburg gleich drei Mannschaften darauf spielen (Duisburg, Uerdingen I und II). Wolf weiter: „Wir müssen uns darauf vorbereiten. Es geht noch mehr ums Durchsetzen und um das Duelle gewinnen, da darfst du dich nicht ärgern, wenn der Platz aufgeht. Der Fußball ist in der Zweiten Liga gerade im Winter einfach noch mal anders.“

Wolf warnt - das ist nicht neu. Das ist inzwischen schon ein lieb gewonnenes Stilmittel des Trainers, der damit verhindern will, dass hier irgendetwas als selbstverständlich genommen wird. „Der Trainer gibt uns kurze, klare Ansagen mit auf den Weg und warnt immer wieder davor, dass wir irgendetwas zu leicht nehmen“, so Narey über die Zweite Liga, die gerade in den Wintermonaten noch einmal Veränderungen mit sich bringen wird. Zumindest für alle diejenigen, die bislang in der Ersten Liga mit beheizten Rasenplätzen verwöhnt worden waren. „Wir haben das sehr gut angenommen“, so Narey heute vor der Sendung, „und wir werden das auch in den nächsten Wochen nicht vergessen. Im Gegenteil.“ Und bei Wolf bin ich mir diesbezüglich tatsächlich nahezu sicher.

Unsicher bin ich, wie die nächsten Wochen verlaufen werden. Zumindest gab es heute bei den Kollegen der „BILD“ schon den ersten Vorboten dessen, was schnell passieren kann. „Läuft da was gegen Marcell Jansen?“ wurde getitelt und es war die Rede davon, dass es wilde Gerüchte geben würde. Im Artikel selbst wird die Zeile indes nicht gestützt. Kein Gerücht wird genannt. Außer, dass es im Beirat Bedenken geben soll. Aber selbst das bleibt unbestätigt und es stellt sich zwingend die Frage, weshalb hier so eine Schlagzeile gewählt wurde. Will man einen öffentlichen Aufschrei erzeugen und so den Beirat unter Druck setzen, dass dieser Jansen gar nicht ablehnen kann bzw. zulassen muss? Der Verdacht liegt zumindest nahe und deutet an, was uns alle in den nächsten Wochen erwarten könnte: Viel Politik, und noch mehr Eigeninteressen. Und wenn es ganz doof läuft, geht es weniger um Inhalte, denn um Personen. Also um alles das, was man beim HSV in den letzten Jahren zu viel hatte.

Und genau deshalb werde ich an dieser Stelle nicht mitmachen. Ich werde allen zugelassenen Kandidaten hier die selben Möglichkeiten einräumen, sich vorzustellen bzw. zu erläutern. Ich kann an dieser Stelle auch sagen, dass ich einen Marcell Jansen für sehr interessant halte und auch ich mich wundern würde, wenn der Exprofi nicht zugelassen würde. Aber das gilt auch für viele andere Kandidaten und Kandidatinnen, die im Vorfeld genannt wurden. Und obgleich es hier ein personalisierter Blog ist, werde ich nicht in den üblichen Wahlkampf eintauchen und zusehen, dass letztlich der Kandidat bzw. die Kandidatin hier am besten wegkommt, von der ich mir persönlich die beste Zusammenarbeit verspreche. Das habe ich schon zu Zeiten Meier vs. Hoffmann vermieden, indem ich beiden Kandidaten die identischen Fragen gestellt und ihre Antworten darauf hier ungekürzt so abgedruckt habe, wie die Kandidaten geantwortet hatten.

Dass auch ich eine Meinung habe - logisch! Und ich werde diese am Ende auch argumentiert erläutern. Aber ich warne alle ganz ausdrücklich davor, diese eine Meinung mit einer Wahlempfehlung zu verwechseln. Denn das steht mir genau wenig wie anderen Einzelnen definitiv nicht zu. Und das möchte ich auch gar nicht. Ich hoffe nur, dass ein politisierendes Medium weniger - und das werde ich versuchen zu sein - am Ende die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass hier nicht mehr der- oder diejenige gewinnt, der/die am meisten mediale Unterstützung erfahren hat. Ich hoffe, dass Ihr Euch nicht von Schlagzeilen  leiten lasst, sondern die Kandidatinnen und Kandidaten inhaltlich beurteilt.  Denn darum geht es. Es geht vielleicht mehr denn je darum, die beste Option für einen HSV zu wählen. Denn der darf sich einfach keine Fehler mehr erlauben. Schon gar nicht auf derart wichtigen Positionen.

In diesem Sinne, Euch allen viel Spaß mit einer übrigens sehr guten Wahl von Sportvorstand Ralf Becker: mit Khaled Narey. Ab 20 Uhr könnt Ihr hier das interview mit dem auf dem Platz ebenso schnellen wie privat sehr bedachten Stürmers verfolgen. Viel Spaß dabei und bis morgen, wo ich mich um 7.30 Uhr wie immer mit meinem MorningCall bei Euch melde und wo um 11 Uhr öffentlich trainiert wird.

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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