Marcus Scholz

5. Dezember 2019

Beim Abschlusstraining mischte Lukas Hinterseer das erste Mal wieder voll mit. Der Österreicher ist, wenn er denn selbst Grünes Licht gibt, überraschend ebenso wie Aaron Hunt, Xavier Amaechi und Jatta nach seiner abgesessenen Rotsperre wieder einsetzbar, wenn morgen das Spitzenteam des 1. FC Heidenheim im Volkspark zu Gast ist. Bislang wurden 41.000 Tickets abgesetzt, nur 400 davon gingen nach Heidenheim. Und nicht nur Trainer Dieter Hecking erwartet ein Duell nahezu auf Augenhöhe.

Der Trainer stand heute bei der Pressekonferenz Rede und Antwort. Dabei verriet er unter anderem, dass Bakery Jatta nach abgesessener Rotsperre beginnen wird. „Baka ist nach seiner Rotsperre wieder einsatzbereit. Ich fand es gut, dass er letztes Wochenende noch einmal 90 Minuten bei der U21 gespielt hat. Dass er wichtig für uns ist, ist keine Frage. Er hat in den letzten Wochen und Monaten noch einmal einen richtigen Entwicklungsschritt genommen und spielt eine sehr auffällige Saison. Ich bin froh, dass er am Freitagabend wieder in der Startelf stehen wird, da mache ich kein Geheimnis draus.“

Zusammen mit Christian habe ich hierzu wie immer die wichtigsten Daten und Fakten vor dem Spiel zusammengetragen. Zudem ordnen wir heute noch einmal die wichtigsten Kommentare der Pressekonferenz in unserem neun Format „Rautenperle PK+“ für Euch ein. Viel Spaß!

Die Ausgangslage

Heidenheim: Der 1. FC Heidenheim mischt im Aufstiegskampf der zweiten Liga mittlerweile kräftig mit. Nach einem - für Heidenheim-Verhältnisse - eher schwächeren Saisonstart ist die Mannschaft von Frank Schmidt mittlerweile Vierter in der Tabelle. Der Rückstand auf den HSV beträgt lediglich sechs Punkte - ein Sieg wäre also eine große Chance, um noch dichter an den direkten Konkurrenten heranzurücken. Nach der Niederlage und dem Rückschlag bei Jahn Regensburg (2:3) feierte die Schmidt-Elf zuhause gegen Fürth am vergangenen Wochenende eine gelungene Wiedergutmachung: 1:0 lautete der Endstand vor eigenem Publikum.

HSV: Zuhause hop, auswärts eher Flop. Solange man das vom Tabellen-Vierten der Auswärtstabelle so sagen kann. Zumindest aber gab es zuletzt nur vier Punkte aus sechs Auswärtspartien - und das ist eindeutig zu wenig für den eigenen Anspruch. So sieht es auch Trainer Dieter Hecking, der auf der anderen Seite zuletzt sechsmal in Folge im Volksparkstadion als Sieger vom Platz ging. Und obgleich morgen gegen Heidenheim ein Heimspiel ansteht, weiß beim HSV jeder, dass es ein harter Gang wird. Heidenheim hat sich gefangen und könnte bis auf drei Punkte an den HSV heranrücken, der seinerseits zusehen muss, den Abstand auf Tabellenführer Bielefeld zu verringern bzw. auf Stuttgart mindestens beizubehalten.

 

Das größte Problem

Heidenheim: Jeder Fußballtrainer sieht auch in guten Phasen von eigenen Mannschaften immer viele Probleme und Ansätze zur Verbesserung. Sollte FCH-Trainer Schmidt also diese Zeilen lesen, würde er uns wahrscheinlich entnervt anrufen und uns widersprechen. Aber die Realität lautet: In Heidenheim gibt es aktuell kaum Probleme. Selbst personell können die Heidenheimer fast aus den Vollen schöpfen. Bis auf die Langzeitverletzten Denis Thomalla und Maximilian Thiel sind alle Spieler einsatzbereit für den Knaller gegen den HSV. Einzig die Auswärtsbilanz macht den Heidenheimern zu schaffen: Seit dem ersten Spieltag konnten sie in der Fremde keine Partie mehr gewinnen. Und nun müssen sie zum Top-Heim-Team der zweiten Bundesliga: zum HSV.

HSV: Der Kopf. In Wiesbaden, Kiel und zuletzt Osnabrück war der HSV mental nicht so frisch, wie es nötig ist. Von Blockade will Trainer Hecking dennoch nichts wissen und versuchte unter der Woche im Training die zuletzt fehlende Härte im Spiel aufzubauen. Zweikampfintensive Spiele auf verkürztem Feld standen auf dem Programm. Das Tempo war jedesmal maximal hoch und sollte dazu führen, dass die Mannschaft gar nicht erst in die Situation kommt, zu viel nachdenken zu können. Am Freitagabend sollen dann zudem die zurückkehrenden Routiniers wie Aaron Hunt, Timo Letschert und auch Außenstürmer Bakery Jatta auf dem Platz wieder Verantwortung übernehmen, die zuletzt zu stark auf dem einen oder anderen lagerte.

 

Der Lichtblick

Die Kontinuität auf der Trainerbank, innerhalb der Mannschaft und im gesamten Umfeld. Seit Jahren wird in Heidenheim in aller Ruhe kontinuierlich gearbeitet. Die Folge: Die Mannschaft von Frank Schmidt, seit 2007 im Verein und damit der dienstälteste Trainer im Profi-Fußball in Deutschland, hat sich dadurch vom Dauer-Außenseiter zur etablierten Spitzenkraft im deutschen Unterhaus entwickelt. Mit diesem Selbstverständnis und diesem Selbstvertrauen haben die Heidenheimer bereits das eine oder andere Mal für Furore gesorgt (DFB-Pokal-Spiel gegen Bayern vergangene Saison). Warum nicht auch in Hamburg?

HSV: Das Heimpublikum, die Rückkehrer - es gibt mehrere positive Faktoren. Zudem geht es gegen eine Mannschaft, die sich auch beim HSV nicht nur hinten reinstellen wird, sondern den Anspruch hat, auch fußballerisch Lösungen zu finden. Ich persönlich glaube, dass die Rückkehrer am Freitag entscheiden sein können. Insbesondere Jatta sorgt dafür, dass die gegnerische Abwehr schon ob seiner Präsenz auf dem Platz gestresst ist. Auch Hunts Rückkehr sowie die Unberechenbarkeit eines Sonny Kittel sorgen dafür, dass der HSV immer in der Lage ist, einen Treffer zu erzielen. Offensiv hat der HSV wieder die Power, die ihn zuletzt zuhause hat funktionieren lassen. Zudem hat man endlich auch wieder Alternativen auf der Bank. Für die Innenverteidigung steht Ewerton wieder parat und für die Offensive könnte Lukas Hinterseer wieder dabei sein - wenn er grünes Licht gibt. Ergo: Der HSV ist gut aufgestellt.

Das spannendste Duell

Heidenheim: Das ist der direkte Vergleich beider Mannschaften selbst. Flutlicht, Hamburg, Spitzenspiel - die Rahmenbedingungen vor dieser Begegnung könnten wohl kaum besser sein. Die Zuschauer dürfen sich auf ein höchstwahrscheinlich tolles Spiel freuen.

HSV: Es gibt sehr viele Duelle, die Hochspannung versprechen. Zum einen das mit sich selbst. Bekommt der HSV nach dem schwachen Auswärtsspiel in Osnabrück wie zuletzt nach schwachen Auswärtsspielen wieder die Kurve? Und: Wie spielt Heidenheims Niklas Dorsch gegen seinen vermeintlich neuen Kollegen in spe? Der Sechser, der schon im Sommer beim HSV auf dem Wunschzettel stand, soll erneut das Interesse der Hamburger geweckt haben. Völlig zurecht, wie ich finde. Denn der U21-Nationalspieler hat alles, was ein guter Sechser braucht. Vor allem könnte er den wahrscheinlichen Abgang von Adrian Fein  kompensieren. Problem hierbei: Dorsch will kommende Saison erste Liga spielen - und die kann der HSV (noch) nicht garantieren. Zudem hat der Mittelfeldspieler beim FCH noch einen Vertrag bis 2021 und eine festgeschriebene Ablösesumme von drei Millionen Euro. Dennoch: Im Duell mit Hunt und Kittel am Freitagabend kann er beim HSV noch einmal Werbung für sich machen. Muss er aber nicht - wenn es nach mir geht. Ich finde ihn auch so richtig gut.

Taktik

Heidenheim: Müller - Theuerkauf, Hüsing, Mainka, Busch - Kerschbaumer, Griesbeck, Dorsch, Schnatterer - Kleindienst, Leipertz

HSV: Heuer Fernandes -  Narey, Letschert, van Drongelen, Leibold - Fein - Dudziak, Hunt - Jatta, Harnik, Kittel

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych.

Ausblick

Mit einem Sieg könnte Heidenheim den Rückstand auf den HSV auf lediglich drei Zähler verringern und dadurch die Hamburger weiter unter Druck setzen sowie die schwierige Phase weiter verschärfen. Derc HSV indes wird bemüht sein, den Abstand auf Tabellenführer Bielefeld zu verringern und den auf Verfolger Stuttgart wenigstens beizubehalten. Zumal anschließend noch zwei unangenehme Auswärtsspiele beim SV Sandhausen und Darmstadt 98 anstehen.

Euch und uns allen erst einmal einen schönen Donnerstagabend sowie natürlich morgen ein schönes Spiel. Ich melde mich morgen früh noch einmal mit dem MorningCall bei Euch und werde am Abend dann wieder aus dem Volksparkstadion berichten. Bis dahin!

Scholle

FAQs

 

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.