Marcus Scholz

19. April 2019

Und der Verlierer ist - erneut Fiete Arp. 22 Mann standen heute beim Abschlusstraining auf dem Trainingsplatz. Und obgleich ein paar Spieler (Lasogga, Hunt, Jung, Hwang) offenbar noch nicht hundertprozentig fit sind sind, sodass Trainer Hannes Wolf vorläufig 19 Mann für seinen Kader berief, ist Fiete Arp, der extra das U21-Spiel in Havelse aussetzte, keiner von ihnen. Stattdessen zählt Arp zu den dreien, die bei Wolf gar keine Rolle spielen. Nicht mal im Fall der Fälle. Eine Ansage, die deutlicher nicht hätte sein können. Rechnet man noch Tatsuya Ito hinzu, der heute nicht einmal das Abschlusstraining mitmachte, ist von dem einstigen Talente-Nachschub aus dem eigenen Nachwuchs nicht mehr viel übrig. Lediglich Josha Vagnoman und Köln-Torschütze Manuel Wintzheimer stehen im vorläufigen Kader. Aber des traf auch einen arrivierten Spieler, der sich darüber nicht freuen wird: Kyriakos Papadopoulos. Der Grieche wurde kurzerhand gestrichen - dürfte aber ob seiner Erfahrung für das Pokalspiel am Dienstag gegen das Bundesliga-Topteam aus Leipzig wieder interessant werden. Arp auch da eher nicht…

Hannes Wolf hatte angekündigt, den Druck hoch halten zu wollen. Der Druck sei eh da und würde seiner Mannschaft eher dazu verhelfen, wacher zu sein, als dass er lähmen könnte. Wolf: „Es geht um viel. Wir halten den Druck selbst auch oben. Das muss man schon abkönnen. Dazu zählt letztlich auch der Konkurrenzkampf intern. Dass ein Lacroix gegen Köln seine Chance aus dem Nichts - ich bleibe dabei: die Trainingsleistungen allein waren ganz sicher nicht ausschlaggebend - bekam und sie nutzte, führte jetzt sogar dazu, dass der erfahrene Grieche aus dem Kader gestrichen wurde. Rick van Drongelen als gesetzter Innenverteidiger sowie Lacroix und David Bates sind dabei, dazu könnte Gideon Jung als Innenverteidiger aushelfen. Zumal auf dessen zweiter Position, der Sechs im Mittelfeld, mit Orel Mangala und Vasilije Janjicic zwei Spieler deutlich die Nase vorn haben. Mehr noch: Jung hat sich mit den letzten Spielen für diese Position nicht wirklich anbieten können - nett formuliert. Wobei Jung für mich der erste Streichkandidat wäre, sollten die wackeligen Spieler alle einsetzbar sein.“

 

HSV-Pressekonferenz vor dem 30. Spieltag gegen Erzgebirge Aue

 

Wie vor jedem Spiel habe ich auch diesmal vor Aue  die Startelf getippt. Wohlgemerkt nicht die, die sich aufstellen würde, sondern die, von der ich bei Hannes Wolf ausgehe. Und ich glaube schon, dass er Lacroix für seine Leistung gegen Köln auf dem Platz lassen wird. Ich kann mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, dass er Manuel Wintzheimer bringt sofern Lasogga sich komplett gesund zurückmeldet. Und da Aaron Hunt in den letzten Tagen immer wieder betonte, dass er spielen kann, dürfte er von Beginn an ran.Stand jetzt ist er dabei. Er macht einen guten Eindruck, wird aber nicht 90 Minuten spielen können. Schön, dass wir einige Spieler zurückbekommen. Das hilft uns, wir haben dadurch mehr Breite im Kader.“ Klingt nicht zwingend nach einer Startelfnominierung Hunts. Belastungssteuerung ist das Stichwort.

Heute beim Abschlusstraining ließ Wolf zunächst auch Berkay Özcan in der A-Elf vor Mangala und Janjicic im Mittelfeldzentrum ran. Also auf der Position, die der ehemalige Stuttgarter deutlich besser spielen kann als wie zuletzt auf der Außenbahn oder im Sturmzentrum. Und da mit Aue am Sonnabend und Leipzig am Dienstag in kurzer Zeit zwei schwierige Spiele anstehen, könnte es mit drei Spielen in Folge zu viel sein für den eh verletzungsanfälligen Kapitän. Und dass sein Einsatz am kommenden Sonntag bei Union Berlin sicher der wichtigste dieser drei wäre ist unbestritten. Wobei, nicht ganz: Hannes Wolf versuchte heute deutlich zu machen, dass er nur noch von Spiel zu Spiel denkt, also immer mit der besten Startelf spielen will. „Aue fühlt sich an wie ein Endspiel. Wir verlangen morgen die Bereitschaft, über die Grenzen zu gehen. Erst danach denken wir erst über Leipzig nach.“

Zudem sagte Wolf heute einen interessanten Satz über Bakery Jatta. Der sei in den letzten Wochen durch die vielen Ausfälle in der Offensive etwas stärker belastet worden, als es dem Trainer tatsächlich lieb war. Und wenn man sich ansieht, dass der pfeilschnelle Gambier der fleißigste Sprinter der Liga ist, scheint Wolf hier sehr richtig zu liegen. Problem: Wenn beim HSV jemand in Ballbesitz nicht weiter wusste bot sich ein langer Ball auf den schnellen Jatta immer wieder an. Frei nach dem Motto: Bakery holt den schon. Und das stimmte ja auch in den meisten Fälle - führte aber eben auch dazu, dass Jatta in Wolfs Augen überbelastet wurde. Und das würde auch erklären (wenn auch nicht rechtfertigen!), weshalb Wolf seinen schnellsten Mann gegen Magdeburg auswechselte.

Apropos Jatta, der hatte im Hinspiel gegen Aue seinen ersten Bundesligatreffer (zum 3:1-Endstand)  erzielt und seither einen extrem positiven Entwicklungsverlauf genommen. Seit dem Aue-Spiel stand Jatta nur einmal (gegen den FC St. Pauli) nicht in der Startelf. Und Hannes Wolf war auch heute voll des Lobes für seinen Außenstürmer, setzte aber auch gleich hinzu: „Er ist Stammspieler. Er ist auf einem guten Weg und  extrem fleißig. Wir brauchen ihn in Topform. Das Beste muss jetzt kommen. Aber das gilt für alle Spieler.“ Und in diesem Zusammenhang nannte Wolf auch immer wieder die 120 gelaufenen Kilometer aus dem Köln-Spiel als Maßstab: „Die Bereitschaft an und über die Grenze hinauszugehen, das verlangen wir morgen.“

Und damit der Fokus wirklich ausschließlich auf das Spiel gegen Aue errichtet ist, werden während des Spiels auch keine Zwischenstände aus den anderen Stadien geben. Hintergrund: Paderborn tritt parallel in Kiel an und Union Berlin muss zeitgleich bei Greuther Fürth ran. Bei optimalem Verlauf könnte der HSV sechs Punkte zwischen sich und die Konkurrenz legen. Genauso gut könnte man aber auch überholt werden. „Ablenkung können wir nicht gebrauchen", begründet der 38-Jährige HSV-Trainer die Maßnahme, „die ganze Energie muss in das Spiel gehen.“

Zumal der HSV dort auf einen Gegner trifft, der sich auf ein „Highlight freut vor einer stattlichen Kulisse“ freut. „Da hast du rein vom Papier her gar nichts zu verlieren“, sagte Trainer Daniel Meyer, der vom HSV-Spiel in Köln beeindruckt war. „Wir haben uns ein paar Spiele angeschaut und dabei auch die Heimniederlagen. Und wenn man mal etwas genauer hinschaut, dann haben beide Teams auch eine Menge Glück gehabt, um in Hamburg zu punkten.“ Dennoch sei er selbst für das Gastspiel seiner Veilchen in Hamburg optimistisch, da sich die Personalsituation entspannt habe und seine Mannschaft vor großer Kulisse immer ordentliche Leistungen abgerufen habe. Hintergrund: Für die Partie sind bereits 50.000 Tickets abgesetzt. Aber hört und seht selbst:

 

Pressekonferenz des FC Erzgebirge Aue vor dem Spiel beim HSV

So viel für heute! Morgen melde ich mich dann nach dem Spiel aus dem Volksparkstadion bei Euch. Und vorher werde ich auf Wunsch den MorningCall doch schon um 7.30 Uhr veröffentlichen, damit möglichst alle von Euch den hören können. Also auch diejenigen, die morgen früh arbeiten müssen.

Insofern: Bis gleich!

Scholle

 

 

P.S.: Wenn ich die Startelf für morgen auswählen dürfte, sähe sie so aus: Pollersbeck - Vagnoman, Jung, van Drongelen, Santos - Janjicic, Mangala - Narey, Özcan, Jatta - Lasogga. So könnte im Spielverlauf Hwang für eine der beiden Außenbahnen kommen, Hunt für Özcan oder bei negativem Spielverlauf auch für Janjicic. Und Wintzheimer bleibt als Joker auf Abruf.

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.