Marcus Scholz

1. Dezember 2018

 

„Ich bin sehr glücklich. Vor dem Spiel habe ich mir Druck gemacht, weil ich lange nicht getroffen habe. Schön dass endlich wieder mit einem Tor geklappt hat.“ Worte des sichtbar glücklichen Siegtorschützen Hee-chan Hwang, der das 2:0 beim letztlich unnötig knappen 2:1-Auswärtssieg in Ingolstadt erzielt hatte. Dass er dafür keine Glanzleistung zeigen musste, war stellvertretend für die ganze Mannschaft des HSV, der mit David Bates neben Rick van Drongelen in der Innenverteidigung begann. Leo Lacroix musste nach seinen zuletzt schwachen Leistungen dafür zunächst auf die Bank. Ansonsten beließ es Trainer Hannes Wolf bei jener Startelf, die am Montag gegen Union in der Schlussminute den bitteren 2:2-Ausgleichstreffer hinnehmen musste. Der HSV-Coach setzt auf Konstanz - und Trainingsleistungen, was sich auf dem Platz in den ersten 45 Minuten auch sehr positiv auswirkte.

Denn ohne sich dabei verausgaben zu müssen, demonstrierte der HSV gegen den Tabellenletzten, bei dem der Interimstrainer Daniel Pätzold sechs Umstellungen und etliche Zweitligadebütanten aufbot, seine spielerische Überlegenheit. Dennoch dauerte es vor 13.500 noch schweigenden, maximal applaudierenden Zuschauern im ausverkauften Audi-Sportpark, dauerte es bis zur 25. Minute, bis der HSV das erste Mal aufs Tor schoss. Bakery Jatta verzog aus knapp 20 Metern aber weit.

Dennoch ging der HSV völlig verdient in Führung. Aaron Hunt, der wieder einmal 15 Minuten Anlaufphase (inkl. vieler unnötiger Ballverluste) brauchte, um warm zu werden, traf in der 28. Minute zur Führung. Der bis dahin unauffällige Hee-chan Hwang war knapp 22 Meter vor dem Tor gefoult worden und Buntic hatte seine Mauer zu zentral postiert. So zentral, dass der HSV-Kapitän den Ball mit links halbhoch links um die Mauer herum zu seinem dritten Saisontreffer verwerten konnte. Und hätte der agile Bakery Jatta in der 38 Minute etwas tiefer gezielt, er hätte das 2:0 erzielt. So traf er nur die Querlatte des FCI-Gehäuses. So aber blieb es zur Halbzeit beim verdienten 1:0.  

Die zweite Halbzeit begann - mit Stimmung von den Rängen. Denn bis hierher hatten die Fanlager beider Klubs aus Protest gegen die Zerstückelungen der Spieltage darauf verzichtet, von den Rängen Stimmung zu machen. Und die zweite Spielhälfte begann mit einer großen Chance für die Schanzer: Nach einem Freistoß von Gaus von rechts kommt Ingolstadts Angreifer Kaya aus acht Metern zum Kopfball. Pollersbeck kann per Glanzparade  nur nach vorne abwehren, wo Osawe mit rechts zum Nachschuss - aber wieder kann Pollersbeck (im Verbund mit van Drongelen) abwehren (46.). Es war die bislang größte Chancen für den Gastgeber, der  fünf Minuten später den nächsten HSV-Treffer hinnehmen mussten. Khaled Narey hatte sich den Ball im Mittelfeld erkämpft, sein Ballverlust landete beim mitlaufenden Holtby. Der auf Hwang querlegte - das 2:0, weil der Südkoreaner seinen Gegenspieler Gimber ins Leere rutschen ließ und den Ball durch die Beine von FCI-Keeper Buntic. Die Vorentscheidung?

Nein. Noch nicht. Im Gegenteil: Ingolstadt konterte direkt mit dem Anschlusstreffer. Ingolstadts Spielmacher Kittel zirkelt findet mit seiner  Freistoßflanke von der linken Seite im Strafraumzentrum wieder Kaya, der den Ball für Pollersbeck unhaltbar links unten einköpft. Das  1:2 gerade einmal 60 Sekunden nach dem zweiten HSV-Treffer. Und das auch, weil sowohl der zu langsame van Drongelen als auch der unter dem Ball hindurchspringende Bates indisponiert waren. Die  Szene, die noch einmal verdeutlichte, dass der HSV auf der Position des Innenverteidigers neben van Drongelen aktuell im Ausschlussverfahren entscheidet, wer beginnt und wer zunächst auf der Bank Platz nimmt. Bates jedenfalls ließ heute seine Kernqualität, sein eigentlich ordentliches Kopfballspiel, komplett vermissen.

Und die Ingolstädter schöpften jetzt Mut, während sich der HSV auf schnelle Gegenstöße verlagerte. Einen davon hätte Khaled Narey, nachdem er sich gegen drei Ingolstädter durchgesetzt hatte, zum 3:1 nutzen können, verpasste aber aus 13 Metern knapp (67.), während Douglas Santos FCI-Keeper Buntic in der 70. Minute mit einem Schuss aus 18 Metern zu einer Glanzparade zwang. Allerdings blieb das HSV-Spiel, wie zuletzt schon gegen Union nicht sicher wie zuvor. Ingolstadt spielte machte es Union Berlin vom Montag gleich und suchte sein Glück in vielen langen Bällen, während HSV-Trainer Wolf den offensiveren Holtby gegen den defensiven Janjicic ausgewechselt hatte.

#Die einzige echte Torchance hatten die Gastgeber dann allerdings aus einer guten Kombination, als Kerschbaumer halblinks im Strafraum plötzlich frei abziehen konnte und Pollersbeck mit einem starken Reflex abwehren konnte. „Wir hatten das Spiel lange Zeit im Griff, haben uns das Leben aber dann durch den Gegentreffer selbst schwer gemacht. Die zweite Halbzeit war nicht unsere beste, aber am Ende zählt der Sieg“, analysierte Hunt anschließend ebenso treffend wie der erfrischend selbstkritische Trainer Hannes Wolf: „Im Gegensatz zum Union-Spiel war der Unterschied, dass Polle den letzten Angriff der Ingolstädter in der Nachspielzeit gehalten hat. Wir müssen für die nächsten Spiele daran arbeiten, dass es bei Führungen am Ende nicht mehr so spannend wird.“

Am Ende rettete also Pollersbeck den verdienten Auswärtssieg des HSV, der in den Schlussminuten noch einmal sehr pickelig wurde. Immer wieder angetrieben von dem fußballerisch starken und ansonsten unmöglich auftretenden Ingolstädter Kittel, der dafür auch Gelb bekam, kam es zu Wortgefechten und Reibereien. Selbst nach Spielschluss ging es noch eine Weile so weiter. Es wurde ein unwürdiges Ende eines ansonsten eher unspektakulären Spieles, das der HSV verdient gewann und damit dank 31 Punkte seine Tabellenführung gegen die ebenfalls siegreichen Kölner (30 Punkte nach 4:0 gegen Fürth), Berliner (27 Punkte nach 3:1 gegen Darmstadt) sowie den FC St. Pauli (25 Punkte nach 1:1 gegen Dresden) verteidigte.

In diesem Sinne, einfach mal genießen. Morgen gehts dann wieder in die Analyse, wenn Trainer Hannes Wolf spricht und seine Schlüsse zieht.

Bis dahin Euch allen einen schönen Sonnabend, Scholle

P.S.: Morgen früh wird es um 9 Uhr ein „MorningCall spezial“ zum Thema Präsidentschaftswahl geben.

Das Spiel im Stenogramm:

FC Ingolstadt: Buntic - Ananou, Kotzke, Gimber, Gaus - Pintidis (83. Kerschbaumer), Cohen - Osawe, Kittel - Kutschke (46. Röcher), Kaya (66. Lezcano)

HSV: Pollersbeck - Sakai, Lacroix, van Drongelen, Santos -  Mangala - Narey (85. Arp), Hunt, Holtby (68. Janjicic), Jatta - Hwang (90.+2 Lacroix)

Tore: 0:1 Hunt (28.), 0:2 Hwang (51.), 1:2 Kaya (54.) - Zuschauer: 13.500 - Schiedsrichter: Tobias Reichel (Stuttgart) - Gelbe Karten: Kutschke (17.), Gaus (63.), Kotzke (78.), Kittel (90.+3)/ Holtby (34.), Narey (73.), Janjicic (76.)

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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