Marcus Scholz

11. Oktober 2018

Revanche geglückt. Und das sogar überzeugender als es das Ergebnis vermuten lässt: Mit 3:2 (0:1) besiegte der HSV heute auf dem Trainingsplatz den dänischen Tabellen-Fünften Aarhus GF mit 3:2. Und das, nachdem man unmittelbar nach Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit sogar mit 0:2 in Rückstand geriet. Der beste Mann auf dem Platz, Aaron Hunt (58.), sowie der eingewechselte Bakery Jatta (64./FE.) und Khaled Narey trafen für den HSV, der zudem etliche gute Gelegenheiten ausließ. „Mit dem Ergebnis bin ich nur bedingt zufrieden“, so Trainer Christian Titz im Anschluss, „dafür aber mit der Art und Weise, wie wir hier das Tempo hochgehalten haben. Das war ein sehr intensiver Test von uns, in dem wir uns für den betriebenen Aufwand deutlich früher hätten belohnen müssen.“

Und dieser (wegen fehlender Tribüne, Ordnungskräfte etc.) aus organisatorischen Gründen geheimgehaltene Test begann auch gut. Die Dänen mit elf Mann in der eigenen Hälfte und auf Konter lauernd kamen gar nicht erst ins Spiel. Stattdessen versuchte es der HSV immer wieder über die Außen. Links war Tatsuya Ito wieder dabei, und über die Rechte Seite kam Arianit Ferati. Beide Youngster wurden unterstützt von den defensiv hinter ihnen agierenden Douglas Santos und Khaled Narey. Und der HSV kam auch zu Chancen. Mehr über Links denn über rechts. Ito legte auf Lewis Holtby auf, der aus 15 Metern mit links ins lange, linke Eck zielte, den Ball aber nicht voll traf (7.). In der 15. Minute war es dann Ito (nach Pass von Hunt), der mit einem Schuss knapp rechts vorbei scheiterte. Es lief alles ihn eine Richtung, auch wenn der in der Spitze aufgebotene Pierre Michel Lasogga lange Zeit ohne Aktion blieb. Und es kam, was nicht kommen sollte: Aarhus konterte und traf.

Mit dem ersten Torschuss stellte Ryan Mmaee in der 27. Minute den Spielverlauf auf den Kopf und sorgte dafür, dass der HSV anschließend für knapp 15 Minuten den Faden verlor. Die Phase im Spiel, die Trainer Titz anschließend monierte - neben den beiden Gegentoren. „Wir haben es eigentlich lange Zeit recht ordentlich gemacht, uns aber nicht frühzeitig belohnen können. Und bei den Gegentoren haben wir nicht gut ausgesehen“, so Titz, der mit ansehen musste, wie zwei einfache, schnell vorgetragene Gegenstöße zu Gegentoren wurden. Und hätte Aarhus in der 41. Minute genauer gezielt, es hätte schon vor der Halbzeit 0:2 gestanden. Allerdings konnte Pollersbeck den Ball von Mustafa Bands noch an die Latte lenken.

Das zweite Gegentor fiel aber dennoch. Mit Beginn der zweiten Hälfte, in der vier Umstellungen (unter anderem kam Sakai) vorgenommen wurden, traf Casper Hojer (47.) zum 2:0 für die Gäste. Unter gütiger Mithilfe Sakais, der zu früh rausrückte, nicht an den Ball kam und den Konter so ermöglichte. Allerdings steigerte sich der Japaner fortan minütlich und zeigte am Ende eine ordentliche Partie. Wie eigentlich alle. Auch Tatsuya Ito zeigte, dass er doch noch an Toren beteiligt sein kann. Immer wieder setzte er sich über außen durch, um dann den letzten Ball - ob als Abschluss oder als Pass - nicht an den Mann bringen zu können.

Auch heute zunächst, mit wenigen Ausnahmen, wie in der 64. Minute. Da setzte er sich wieder im Eins-gegen-Eins durch, drang bis zur Grundlinie im gegnerischen Sechzehner ein und konnte von Aarhus-Verteidiger Martinus Mandal nur per Foulspiel gestoppt werden. Ein Elfmeter mit Ansage, den sich der eingewechselte Bakery Jatta schnappte und zum 2:2-Ausgleich einschob! Zuvor hatte Douglas Santos schon Aaron Hunt mit einer Flanke bedient, die dieser per Direktabnahme schön zum 1:2-Anschlusstreffer vollendet hatte (58.). „Wir haben das Tempo auch nach dem Rückstand dauerhaft hoch gehalten“, lobte Titz nach dem Spiel und sprach genau das an, was ich als den heute Sieg bringenden Faktor ansehe: Das Tempo.

In der zweiten Halbzeit war das sogar deutlich höher als in der ersten. Mit Bakery Jatta über rechts und Santos über links (Sakai wechselte nach Ito Auswechslung nach links hinten) war schon deutlich mehr Zug nach vorn, was durch den emsigen und pfeilschnellen Khaled Narey als einzige Spitze noch beinmal unterstützt wurde. „Mit den Dreien haben wir richtig Tempo vorn auf der letzten Linie gehabt und das auch gut gespielt“, freute sich Titz, der Lasogga im Umkehrschluss nicht kritisieren wollte, obwohl dieser bis auf ein (klares) Abseitstor komplett wirkungslos blieb. „Pierre hat sein Anlaufverhalten deutlich verbessert“, so Titz, „ich würde da von einer ordentlichen Leistung sprechen.“ Lasoggas Auswechslung sei zudem vorher abgesprochen gewesen, da der Angreifer zuletzt an einem kleinen Infekt gelitten hatte.

Dennoch war es schon auffällig, wie viel gefährlicher der HSV wurde, als er mit Tempo im Angriff agierte. Bakery Jatta, der zuletzt gar keine Rolle mehr gespielt hatte, war daran maßgeblich beteiligt. Mit seinem unorthodoxen Spiel und noch mehr mit seinem außergewöhnlichen Sprinttempo überraschte er die Dänen immer wieder und war auch abseits seines Elfmetertreffers ein Aktivposten. „Er ist nah dran am Kader“, lobte Titz den Angreifer nach Schlusspfiff und stellte klar: „Er war zuletzt immer wieder ein Kandidat in unseren Überlegungen. Auch gegen Darmstadt wollten wir ihn zuerst mitnehmen und haben ihn dann schweren Herzens doch rausgelassen. Sein unorthodoxes Spiel ist sehr interessant. Besonders für den Moment, wo man in Führung geht und er sein brutales Tempo und seine Wucht einsetzen kann.“ Heute tat er es - und das gefiel.

Ebenso wie das Spiel des HSV über 70 Minuten des Spiels. Dass man sich am Ende wenigstens noch mit dem 3:2-Siegtreffer belohnte - es war verdient. Und es freute die knapp 100 Zuschauer bei diesem geheimgehaltenen Test. Gotoku Sakai hatte sich über links freigespielt, passte quer auf Narey und dieser schon in der 89. Minute zum verdienten Sieg ein. „Das Spiel ist vom Ergebnis her zu niedrig ausgefallen“, kritisierte Titz, der sich  nach dem 0:1 schon einmal mächtig lautstark aufgeregt hatte. „Es gab vorher schon Ballverluste, die unnötig waren und die mich geärgert haben. Es hatte sich angedeutet. Das haben wir nicht gut verteidigt. Und so steht es 1:0 im Spiel, das wir kontrolliert hatten“, so Titz, der den Testgegner auch deshalb ausgepicht hatte, weil Aarhus genau so spielte wie es die Gegner in der Zweiten Liga machen: Mit allen elf Mann hinten rein - und kontern.

Auffällig heute: Vasilije Janjicic als Innenverteidiger. Der Schweizer löste seine Aufgabe sehr ordentlich und bot sich neben der Sechs auch auf dieser Position an. Dass er dort nicht allzu oft zum Einsatz kommen dürfte, logisch. Dafür sind andere Spieler vorgesehen. Heute war beispielsweise Leo Lacroix wieder dabei und ging abgesprochenermaßen nach 45 Minuten (wegen leichter Knieprobleme) vom Platz, während Rick van Drongelen und David Bates auf Länderspieltouren sind. Zudem sieht Titz den Schweizer weiter auf der Sechs. Wenn auch als Backup für Orel Mangala, „weil wir mit zwei Achtern doch gefährlicher sind“, so der insgesamt zufriedene Trainer, der seinen Spielern wie angekündigt bis Montag freigibt.

So lange werde ich nicht pausieren, im Gegenteil: Ich melde mich morgen wieder bei Euch und möchte diesen Blog mit ein, zwei Sätzen in eigener Sache abschließen: Gestern monierte jemand, ich würde mich zu selten in den Kommentarbereich einschalten. Das ist grundsätzlich auch korrekt. Allerdings weiß ich aus der Erfahrung der letzten Jahre, wo ich immer wieder auf Blogkommentare reagiert habe, dass diese Reaktionen zu dem Problem führen, dass einige beleidigt sind, weil ich eben nicht auf ihre Kommentare geantwortet habe. Es ist schwer, nein: es ist fast unmöglich, da einen gesunden Mittelweg zu finden. Daher lasse ich es zumeist ganz und biete immer wieder die Frage-Antwort-Runden an.

In diesem Sinne, bis morgen. Habt alle einen richtig schönen Abend und wundert Euch bitte nicht, dass ich nicht auf die Zitate von Joe Zinnbauer eingegangen bin. Sie sind momentan einfach nicht relevant genug für das Wohl und Wehe des HSV.

 

Bis morgen! Scholle

STATISTIK ZUM SPIEL:

HSV 1. Halbzeit: Pollersbeck - Narey, Lacroix, Janjicic, Santos - Steinmann - Ferati, Holtby, Hunt, Ito - Lasogga

HSV 2. Halbzeit: Mickel - Sakai, Ambrosius, Janjicic, Santos - Steinmann - Jatta, Holtby, Hunt (84. Kwarteng), Ito (84. Borges) - Narey

Tore: 0:1 Mmaee (27.), 0:2 Hojer (47.), 1:2 Hunt (58.), 2:2 Jatta (54., Elfmeter), 3:2 Narey (89.)

PARTNER VON

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

Kategorien