Christian Hoch

16. Juli 2019

​​​​​15 Minuten mussten sich die geschätzten 250 Fans am Volkspark gedulden. Dann hörten sie endlich das Klackern von den Stollen der HSV-Spieler auf den Treppen, die vom Stadion zum Trainingsgelände führen. Während Aaron Hunt, Tom Mickel und Co. dann so langsam ihren Dienst auf dem Platz aufnahmen, lief parallel schon die Einheit der U21-Mannschaft auf dem Nebenplatz. Aufmerksame Kiebitze schauten sich da jedoch vergeblich nach zwei Spielern um, die in Zukunft aber definitiv häufiger dort zu sehen sein werden: Tatsuya Ito und Vasilije Janjicic.

Bereits am Dienstagmorgen berichtete die „BILD“-Zeitung, dass die beiden Spieler in die U21 degradiert werden sollen und sich einen neuen Verein suchen können. Am Nachmittag dann die Bestätigung von einem HSV-Sprecher: Tatsuya Ito wird nach seiner Rückkehr nach Hamburg unmittelbar bei der U21 mittrainieren, obwohl sich Trainer Dieter Hecking bislang kein eigenes Bild von Ito gemacht hat. Der Japaner kehrte am Dienstag aus dem Urlaub zurück und verabschiedete sich erst einmal von seinen Mannschaftskollegen. Auch Janjicic wird früher oder später zur Reserve stoßen. Beim ersten Training nach dem Trainingslager in Kitzbühel war der Schweizer aber noch mit den Profis auf dem Platz und absolvierte gemeinsam mit Gideon Jung, Ewerton und David Kinsombi ein individuelles Programm. Janjicic soll zunächst nach seiner Verletzung noch mit Profi-Reha-Trainer Sebastian Capel aufgebaut werden.  

Ito und Janjicic auf Vereinssuche - Fans zeigen teilweise Unverständnis  

Dass Janjicic und Ito wirklich die Saison bei der U21 des HSV bringen werden, gilt als ziemlich ausgeschlossen. Beide werden sich bis zum Ende der Transferperiode am zweiten September bemühen, einen neuen Verein zu finden, was auch im Sinne der Verantwortlichen des HSV sein dürfte, um frisches Geld für weitere Transfers zu generieren. Bei Ito sollen sich Klubs aus Belgien und den Niederlanden gemeldet haben. Auf dem Instagram- und Facebook-Kanal der Rautenperle haben wir euch gefragt, wie ihr die Entscheidung beurteilt. Bei Blogschluss stimmten 57% und damit die Mehrheit für „schlecht“ - 44% der Teilnehmer sehen die Degradierungen von Ito und Janjicic dagegen als richtig an.

Sowohl der 22-jährige Japaner als auch der 20-jährige Schweizer reihen sich in die lange Liste von unerfüllten Talenten in Hamburg ein. Besonders Ito hatte in der Abstiegssaison aus der Bundesliga vor zwei Jahren zum Saisonende Sehnsüchte im Fanlager geweckt. Bei seinem Startelfdebüt am 30. September 2017 gegen den SV Werder Bremen bekam er nach seiner Auswechslung jede Menge Applaus und Ovationen - die frechen Dribblings und der starke Antritt brachten eine bis dato nicht vorhandene Komponente in das Hamburger Spiel.

Durchbruch unter Titz - doch Entwicklung stagniert schon länger

Unter Förderer Christian Titz schaffte Ito dann sieben Spieltage vor dem Ende der Bundesligasaison 2017/2018 endgültig den Durchbruch. Mit drei Partien über die volle Distanz und drei Torvorlagen wies er zumindest in dieser Phase seine Bundesligatauglichkeit nach und galt als großer Hoffnungsträger für die Mission „Direkter Wiederaufstieg“. Doch diese Hoffnungen lösten sich während der vergangenen Saison in der zweiten Bundesliga in Luft auf. Bis zur Entlassung von Titz spielte Ito zwar kontinuierlich, zeigte aber nie im Ansatz seine zuvor gezeigten Qualitäten. Nach dem Trainerwechsel zu Hannes Wolf blieben dann auch die Spielminuten aus.

Der 1,63 Meter große Linksaußen blieb in elf Spielen ohne Einsatz im Kader. Wenn er mal spielen durfte, dann meist als Einwechselspieler, versagte er und reihte sich nahtlos in die Reihe seiner Teamkollegen ein. Die ständige Abwärtsspirale hat nun ihren Tiefpunkt erreicht: Degradierung in die U21, also in das Team, wo der Stern von Ito beim HSV, auch damals unter Titz, aufging. Der jetzige Profi-Trainer Dieter Hecking plant ohne den quirligen Linksfuß - auch ohne sich ein eigenes Bild gemacht zu haben. Öffentlich äußern wollte sich Hecking zur Entscheidung noch nicht, wird das in den kommenden Tagen aber nachholen. Auch in Bezug auf Janjicic wird er sich erklären.

Entwicklung bei Janjicic überraschender

Das Schweizer Mittelfeldtalent hatte einen schweren Start in Hamburg. Ihm wurde oftmals unprofessionelles Verhalten und ein schlechter Lebensstil nachgewiesen. Es ist keine Überraschung mehr in Hamburg, dass der 20-Jährige auch nach dieser Sommerpause wieder mit etwas Übergewicht zurückgekehrt ist. Im Februar 2018 dann der Mega-Skandal, der ihn erst einmal vollkommen ins Abseits stellte.

Der damals 19-Jährige raste betrunken und ohne Führerschein auf der A7 durch den Elbtunnel und baute einen Unfall. Es gab Verletzte und eine Vollsperrung der Autobahn. Bei der Vernehmung durch die Polizisten log er dann noch, gab sich als sein Bruder aus. Der Vorfall schlug hohe Wellen und Janjicic blieb außen vor. Doch danach entwickelte er sich positiv. In der vergangenen Saison machte er 22 Spiele, war auch unter Hannes Wolf gesetzt. Doch auch er enttäuschte in der entscheidenden Saisonphase. Deswegen heißt es nun endgültig: Endstation in Hamburg.

Neues HSV-Trikot offiziell vorgestellt

Noch ein Randaspekt: Am Abend veröffentlichte der HSV offiziell das Heimtrikot für die kommende Saison, was ab sofort im Online-Shop erhältlich ist und ab Mittwoch auch im Shop zu kaufen ist. Am Sonnabend soll es bei der Saisoneröffnung gegen den RSC Anderlecht zum ersten Mal zum Einsatz kommen. Preis für Erwachsene: 89,95 Euro. Kinder zahlen „nur“ 69,95 Euro.

Wir melden uns morgen früh um 7:30 Uhr wieder mit dem Morning-Call bei euch. Bis dahin noch einen schönen Abend.

Bleibt anständig!

Christian

 

 

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.