Marcus Scholz

28. Januar 2019

 

Dass er in den ersten Partien ausfallen könnte, damit hatten die HSV-Verantwortlichen schon gerechnet. Allerdings aus dem Grund, dass Südkorea bei den Asienmeisterschaften weit kommt. Auch deshalb nahm man das überraschende Aus Südkoreas am vergangenen Freitag gegen Katar mit einem weinenden, aber eben auch einem lachenden Auge zur Kenntnis. Plötzlich bestand sogar wieder die Hoffnung, dass Hee-chan Hwang gegen Sandhausen im Kader stehen könnte. Eine Hoffnung, die nach der gestrigen Rückkehr und der heutigen Untersuchung jäh unterbrochen wurde. „Hee-Chan wird uns einige Wochen fehlen“, verkündete Trainer Hannes Wolf auf der ersten Pressekonferenz 2019. „Er hat eine muskuläre Verletzung mitgebracht“, so Wolf über den Einriss des Hüftbeugers, der den Angreifer für mindestens zwei, eher drei oder gar vier Wochen aus dem Spielbetrieb nehmen wird. Der 23-Jährige verpasst somit nach Sandhausen auch das Pokalspiel gegen den 1. FC Nürnberg sowie die Spiele in der Zweiten Liga gegen Dresden und in Heidenheim. Eine bittere Diagnose - für den HSV und für Hwang.

Für Fiete Arp, der aktuell noch immer den (eigenen) Erwartungen hinterherläuft, bietet sich damit die Chance, über Kurzeinsätze als Ersatz auf sich aufmerksam zu machen. Und das, obwohl der junge Angreifer nicht besonders gut trainiert hat. Er hat zweifellos den Ehrgeiz und die Zutaten, ein richtig guter Angreifer zu sein. Er bekommt es nur nicht auf den Platz. Selbst der deutlich weniger talentierte Manuel Wintzheimer hat mit seiner robusten, kämpferischen und fleißigen  Art zuletzt mehr auf sich aufmerksam machen können, als der HSV-Youngster. Leider. Auch deshalb darf Hannes Wolf sich glücklich schätzen, dass sich zumindest Pierre Michel Lasogga gesund durch die komplette Vorbereitung geschlagen hat und somit auch für den kommenden Mittwoch zur Verfügung steht.

Ansonsten machte Wolf heute noch mal klar, dass niemand den ersten Gegner 2019 unterschätzt. Abgesehen von den Fans, die dem wenig glamourösen Gegner Sandhausen ebenso wenig abgewinnen können wie dem unglücklichen Auftakttermin an einem Mittwochabend um 20.30 Uhr. Für die hat Wolf sogar Verständnis. Es wundert ihn nicht, dass mit aktuell gerade einmal 34.500 verkauften Tickets ein Minusrekord erwartet wird: „Mittwochabend, 20.30 Uhr, dazu ist es kalt. Das sind doch weiterhin fantastische Zahlen, vielleicht werden es 40.000 Besucher. Wir werden alles dafür tun, um sie glücklich nach Hause zu schicken.“

 

Dazu gehöre es auch, den Gegner sehr ernst zu nehmen. Auch, wenn das Hinspiel mit 3:0 deutlich für den HSV ausfiel, warnt er: „Niemand sollte aus dem 3:0 im Hinspiel schließen, dass es leicht wird“, so Wolf, dem ich hinzufügen würde, dass das Hinspiel im Ergebnis deutlich war als im Zustandekommen. Wolf weiter: „Wir müssen voll da sein, eine Top-Leistung zeigen. Sie sind körperlich stark und gut im Umschaltspiel. Wir haben in Kiel zuletzt ja erlebt, was passiert, wenn man nicht alles abruft. Und ganz sicher werden wir Sandhausen nicht unterschätzen, das ist für mich nicht vorstellbar.“ dafür seien alle Spieler durch die lange Vorbereitung einfach zu heiß auf den Ligabetrieb. Und das gelte völlig unabhängig vom Namen des Gegners…

Im Training heute war nicht viel zu erkennen von dem, was Wolf für Mittwoch plant. Nach einem längeren Aufwärmprogramm wurde mit vier  bunt gemischten Mannschaften auf zwei verkürzten Spielfeldern gespielt. Viele Zweikämpfe, viele Torabschlüsse - und damit auch viele Torerfolge  (gut fürs Selbstvertrauen) standen auf dem Plan. Anschließend wurde dann noch eine reine Torabschlussübung mit Flanken von den Außenbahnen absolviert - also alles in allem ein Training, das den Spaßfaktor erhöht.

Ebenfalls viel Freude löste die Rückkehr Jairo Samperios aus. Von den Kollegen gefeiert, absolvierte der seit Saisonbeginn verletzte Offensivspieler heute  ein individuelles Lauftraining und erste Runden um den Platz. Auch Wolf freute sich: „Der Laufstil sah gut und rund aus. Natürlich freuen wir uns darüber, dass er nach dieser schweren Verletzung wieder auf dem Platz war“, so der HSV-Trainer, der bei aller Freude aber auch darauf hinwies, dass der Spanier trotzdem noch mitten in der noch länger andauernden Reha-Phase stecke.

Abgesehen von Hwang, Samperio und natürlich Kyriakos Papadopoulos stehen dem HSV-Trainer somit tatsächlich alle 23 Feldspieler aus dem heutigen Training zur Verfügung. Auch Aaron Hunt. „Ich bin sehr froh, dass er es rechtzeitig geschafft hat“, so Wolf, der betonte, dass Hunt schon das volle Programm im Training absolvieren konnte und es bei einem etwaigen Einsatz am Mittwoch kein Kaltstart sei. Ob Hunt beginnen wird, ließ er dennoch offen. Sollte Hunt gegen Sandhausen wider meine Erwartungen nicht beginnen, wäre tatsächlich Tatsuya Ito die erste Alternative. Zumindest sagte Wolf heute, dass Neuzugang Berkay Özcan eher noch nicht so weit ist: „Es wird sicher der Moment kommen, dass er auf dem Platz steht. Wann es so weit ist, werden wir sehen“, so der Coach heute bei der Pressekonferenz, die ich Euch hier auch als Video reingestellt habe.

Stand heute gehe ich davon aus, dass Wolf gegen Sandhausen so beginnt: Pollersbeck - Sakai, Jung, van Drongelen, Santos - Mangala - Narey, Hunt, Holtby, Jatta - Lasogga. Und diese erste Elf sollte allemal in der Lage sein, mit einer guten Leistung die sympathischen Gäste aus Sandhausen (offiziell reisen 177 Fans mit nach Hamburg) zu schlagen. Ich bleibe da ganz bei Comeback Aaron Hunt, der in der Winterpause sagte: „Wenn wir es gut machen, entscheiden am Ende wir, wie es ausgeht.“ In diesem Sinne, bis morgen! Da wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Ich melde mich wie immer um 7.30 Uhr mit dem MorningCall bei Euch und am Abend dann mit dem tagesaktuellen Blog.

Wobei, nein, eine Sache habe ich noch: 

Zum Thema Rathausbalkon habe ich mich im MorningCall zwar schon geäußert, aber hier gern noch mal: Ich halte es für völlig deplatziert, heute darüber zu philosophieren, was man nach dem Aufstieg macht. Für noch schwieriger halte ich es, dass der Erste Bürgermeister in Dubai schon Offizielle des HSV-Hauptsponsors einlädt für den Fall des Aufstieges. Denn genau die hier fehlende Demut und der fehlende Respekt den Konkurrenten der Zweiten Liga gegenüber wurde dem HSV zuletzt immer wieder vorgeworfen. Und jetzt, wo man mit Wolf, Becker, Hoffmann und Co. eben jene Demut endlich lebt, wird diese vom Bürgermeister unterwandert. Also alles in allem eine sehr unglückliche - wenn auch zweifellos nett gemeinte Aktion des Herren Peter Tschentscher.

Ich persönlich würde heute wirklich noch gar nichts planen. Jede Vorbereitung würde konterkarieren, was Wolf tag für Tag gebetsmühlenartig predigt: Niemand darf sich sicher sein. Ich glaube zudem, dass sich so eine Sache sehr kurzfristig entscheiden lässt. Je nachdem, wie groß der Bedarf ist, kann dabei am Ende meinetegen auch eine große Party mit zigtausenden Fans dabei herauskommen. Ob das dann unbedingt auf dem Rathausmarkt sein muss, wo man einst die größten Vereinserfolge gefeiert hat und jetzt ja im Grunde nur die Reparatur des größten Unfalls der Vereinsgeschichte erreicht hätte - das lasse ich mal offen. Ich würde versuchen, das (wo)anders zu lösen.

Bis dahin,

Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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