Marcus Scholz

19. Dezember 2019

Es war seine letzte Spieltags-Pressekonferenz in Hamburg. Und Dieter Hecking hatte gleich eine schlechte Nachricht parat: Aaron Hunt wird ausfallen. der HSV-Kapitän hat sich im gestrigen Training einen Bänderriss im linken Fuß zugezogen und wurde von Hecking vorzeitig in den Winterurlaub entlassen. „Er soll jetzt mal einen dicken Strich unter das Jahr 2019 machen und ein paar Tage Urlaub nutzen, und dann hakst du das Jahr ab. Er soll es genau so machen. Nicht zu viel drüber nachdenken, sondern sich gut auf die Rückrunde vorbereiten. Dann haben wir dreieinhalb Wochen Vorbereitungszeit, wo er sich wieder in die Verfassung bringen kann, um die Alternative zu werden, die wir in ihm sehen und auch benötigen, um uns dann beim großen Ziel auch mehr zu helfen als im Jahr 2019“, so Hecking auf der Pressekonferenz, die wir Euch hier im Blog noch einmal zusammengefasst haben in unserem neuen Format „PK+“. Bis zur Wintervorbereitung am 6. Januar soll der Kapitän jedenfalls wieder voll belastbar sein.

Und das ist Hunt zu wünschen. Denn bei dem Kapitän ist in Sachen Belastbarkeit ein deutlicher Abwärtstrend zu verzeichnen. 2015/16 stand er noch 19-mal in der Startelf. 2016/17 waren es nur noch 14-mal. In der Erstliga-Abstiegssaison 2017/2018, in der Hunt seine bislang gesundeste HSV-Saison spielte, stand er zwar in 26 Partien von Beginn an auf dem Platz, also mehr als in allen anderen Serien für den HSV. Aber am Ende stand ausgerechnet hier der erste Bundesliga-Abstieg des HSV. Und so sehr es Hunt ehren mag, dass er diese Scharte wieder auswetzen wollte und blieb, die folgenden zwei Zweitligaserien laufen alles andere als gut.

Hunts Belastbarkeit ist nicht mehr ausreichend

2018/2019 schaffte es Hunt, 19-mal zu beginnen. In der aktuellen Saison sind es gerade erst sieben Startelfeinsätze - von 18 möglichen.Im gesamten Zweitligajahr 2019 (also von Januar bis Dezember) sind es 16 Einsätze bei 34 absolvierten Ligaspielen. Und hierbei stand Hunt gerade einmal sechsmal für 90 Minuten auf dem Platz. Viele Zahlen, die eigentlich nur eine Nachricht zulassen: Auf Hunt zu setzen, bedeutet, der Hoffnung mehr Raum zu schenken als der Wahrscheinlichkeit auf deren Erfüllung.

2018/2019 schaffte es Hunt, 19-mal zu beginnen. In der aktuellen Saison sind es gerade erst sieben Startelfeinsätze - von 18 möglichen.Im gesamten Zweitligajahr 2019 (also von Januar bis Dezember) sind es 16 Einsätze bei 34 absolvierten Ligaspielen. Und hierbei stand Hunt gerade einmal sechsmal für 90 Minuten auf dem Platz. Viele Zahlen, die eigentlich nur eine Nachricht zulassen: Auf Hunt zu setzen, bedeutet, der Hoffnung mehr Raum zu schenken als der Wahrscheinlichkeit auf deren Erfüllung.

Wobei man natürlich dazusagen muss, dass die aktuelle Verletzung Hunts nicht seiner Anfälligkeit geschuldet ist, sondern schlichtweg einem völlig überflüssigen, harten Foul von Youngster Xavier Amaechi, der gerade dabei ist, sich über mehr Körperlichkeit näher an die Startelf zu trainieren. „Da kann man sagen, dass er übermotiviert war“, so Hecking heute über den jungen Engländer, dem sein Foul gestern sofort unangenehm war. Dennoch, so unglücklich die Folgen auch sein mögen, Hecking lobte die härtere Gangart und sagte, dass er härtere Zweikämpfe sehr befürworte - selbstverständlich ohne schwere Verletzungen. Aber es sei keine schwere Verletzung bei Hunt, so Hecking heute. Es würde halt nur nicht für Darmstadt am Sonnabend reichen.

Kittel gegen Darmstadt als Hunt-Ersatz?

Auch deshalb probierte der HSV-Coach heute im Geheimtraining Alternativen aus. David Kinsombi, Adrian Fein, Jeremy Dudziak und Sonny Kittel könnten die frei gewordene Position übernehmen. „Aber auch Jairo kann da spielen“, ergänzte Hecking heute, nachdem sich der kleine Spanier zuletzt in Sandhausen mit ansprechenden 20 Minuten wieder empfehlen konnte. Dennoch scheint Kittel die wahrscheinlichste Lösung zu sein. Zumal Lukas Hinterseer - er soll die Mannschaft als Kapitän anführen - wieder vorn beginnen und Martin Harnik damit wieder auf eine der beiden Außenbahnen rücken dürfte, während Bakery Jatta die andere Außenbahn übernimmt.

 

Und Hecking täte gut daran, sich langsam mit einem Plan B zu beschäftigen, der zur Dauerlösung werden kann. Denn ebenso wichtig wie ein gesunder Hunt für den HSV ist, so zunehmend selten gibt es den. Und Älterwerden jenseits der 30 Lenze beschleunigt in aller Regel eher die Verletzungsanfälligkeit als dass es denjenigen robuster werden lässt. Eine These, die bei Hunt in Form der oben genannten Zahlen noch einmal untermauert wird.

Wobei man davon ausgehen kann, dass der HSV den Plan B sehr wohl im Hinterkopf hatte, als er Kittel im Sommer aus Ingolstadt nach Hamburg lotste. „Er hat es auf beiden Position gespielt. Links hat er gute Spiele gemacht, im Zentrum war es noch ein wenig durchwachsener, finde ich“, sagte Hecking heute, „aber er ist natürlich trotzdem eine Option fürs Mittelfeld.“ Soll heißen: Noch ist Kittel nicht der Spielmacher. Und daher bleibt die Frage, die offensichtlich nicht nur ich hier vor Wochen schon mit ‚nein“ beantwortet hatte, ob Kittel überhaupt die Voraussetzungen mitbringt, im Mittelfeld diese Führungsrolle zu übernehmen, die man sich von Hunt versprochen hat. Aktuell, son ist zu vernehmen,  schaut sich der HSV jedenfalls nach einem zentralen Mittelfeldspieler um, der Hunts Rolle übernehmen soll.

Hecking mit deutlichen Worten gen Aufsichtsrat

Für den Winter ist ein solcher Transfer dennoch eher unwahrscheinlich. Zumal man auf der Außenverteidigerposition (Gyamerah und Vagnoman werden beide nicht vor März wieder einsteigen können) eine noch größere Not hat und sich die Verantwortlichen auch noch nach einem Knipser umsehen. Rund drei Millionen Euro sollen zur Verfügung stehen. Vor zwei Wochen hatte zudem Aufsichtsratsboss Max Arnold Köttgen bestätigt, dass der Aufsichtsrat Mittel für zwei Neue abgenickt habe. Sehr zum Ärger Heckings, der vorgestern schon deutlich machte, dass nur drei Personen hier mitreden dürften: Er, Sportvorstand Jonas Boldt und Sportchef Michael Mutzel. Zudem habe Köttgen hier den normalen Abläufen vorgegriffen.

Und deswegen wurde Hecking heute deutlich: „Bevor wir etwas entscheiden können muss man erst einmal für sich entscheiden, was man will. Und dass wir uns erst einmal in der sportlichen Leitung zusammensetzen müssen, bevor wir etwas entscheiden können. Darüber habe ich mich geärgert, dass vor drei Wochen etwas in der Zeitung stand.“ Darüber habe er mit Aufsichtsratsboss Max-Arnold Köttgen gesprochen, der für den angesprochenen Artikel verantwortlich war. „Der erste Weg muss sein, dass wir entscheiden, was wir wollen“, so Hecking, der mit dem „wir“ Mutzel und Boldt mit einbezog. Hecking weiter: „Wir drei müssen es besprechen und dann die entsprechenden Gremien mit einbinden, die letztlich entscheiden, ob es wirtschaftlich machbar ist.“

 

Beginnen soll die Suche konkret schon ab Sonntag, also am Tag nach dem letzten Spiel dieses Jahrzehntes für den HSV. Vorher steht morgen um 12 Uhr noch das Abschlusstraining an. Ich melde mich morgen um 7.30 Uhr wieder mit dem MorningCall bei Euch und werde Euch natürlich am Abend zusammen mit Christian noch einmal über alles informieren, was im Zusammenhang mit dem Spiel bei Darmstadt 98 noch wichtig ist.

In diesem Sinne, Euch allen erst einmal einen schönen Donnerstagabend und bis morgen!

Scholle

 

FAQs

 

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.