Marcus Scholz

26. Januar 2019

 

Ich mache heute Nachmittag den Fernseher an und höre fast im Minutentakt „Tor aus A…“ und „Tor aus… B“. Was für ein geiler Bundesligaspieltag, denke ich. Und plötzlich wird dieser torreiche Spieltag genau das Gegenteil: Ein Treffer nach dem anderen wird aberkannt. Mal zurecht - aber eben auch einige Male extrem fragwürdig. Millimeterentscheidungen, die erst in der 22. Wiederholung mit Zauberlupe und (pseudo)kalibrierter Linie wahrscheinlich, aber nicht immer garantiert richtig sind. Was für ein Scheiß! Ich werde mich wahrscheinlich nie daran gewöhnen, dass sich Spiele erst nach Minuten fortsetzen lassen, weil in Köln der Schiedsrichterassistent eingreift - und das manchmal auch noch entscheidend. Wenn ich zum Beispiel Nürnberg- oder Wolfsburg-Fan wäre - ich hätte heute wahrscheinlich gekotzt. So unfassbar knappe Abseitsentscheidungen, die nicht einmal in der Wiederholung und mit Lupe 100-prozentig sind - unfassbar. Nur gut, dass wir uns hierüber aktuell keine Gedanken machen müssen, denn in der Zweiten Liga gibt es keinen Videobeweis.

Wobei sich diese Situation natürlich schnellstmöglich ändern soll. Denn Ziel vor dem ersten Spiel 2019 gegen den SV Sandhausen am kommenden Mittwoch bleibt natürlich der direkte Wiederaufstieg. Und dafür ist der Start nach der Winterpause natürlich wichtig, wie nicht nur Hannes Wolf zuletzt immer wieder betont hatte. Ebenso wichtig scheint aktuell auch Aaron Hunt für die Mannschaft zu sein. Die Testspiele im Trainingslager waren beide nicht überzeugend, gegen Midtjylland war es zwar etwas besser. Aber wirklich gut siegt auch wieder anders aus. Es fehlte in allen Spielen der Taktgeber, der das Spiel beruhigte, es schneller machte - oder einfach einer, der den entscheidenden Pass spielte.

Berkay Özcan ist so einer. Sagen der Spieler selbst und Trainer Hannes Wolf. Özcan wurde heute anch dem Tra8ning vom Trainer auch noch mal gelobt und darf als weitere Option für die Offensive hoffen. Shinji Kagawa wäre definitiv so einer, der dem HSV sofort helfen würde. Und der Dortmunder steht beim BVB vor dem Aus, darf wechseln. Der Japaner könnte tatsächlich, so ist zu hören, für etwas mehr als zwei Millionen Euro wechseln. Er wäre also genauso teuer wie der 20 Jahre junge Özcan - nur eben qualitativ schon ein paar Schritte weiter.

Und obgleich bestätigt wird, dass Kagawa fit ist und einfach aus sportlichen Gründen von Trainer Lucien Favre keine Rolle mehr spielt, beim HSV aber selbst für den Fall eines Aufstiegs ein absoluter Leistungsträger sein könnte, ist er für den HSV unerschwinglich. Denn obgleich der international erfahrene Mittelfeldspieler gerade mal so viel Ablöse kosten würde wie Talent Özcan, steht er gehaltstechnisch auf einer unerreichbaren Stufe. Problem: Rund vier Millionen Euro verdient Kagawa jährlich.

Ergo: Kagawa hat eine Qualität, die dem HSV helfen kann, wenn sie ihn nicht sogar sofort eine ganze auch nur Stufe stärker macht. Er kostet so viel wie ein 20 Jahre junger Spieler vom VfB Stuttgart, der es auf gerade einmal 49 Minuten in dieser Saison gebracht hat und er verdient so viel wie Pierre Michel Lasogga mit einem Teil seiner Siegprämien zusammen. Und trotzdem kann der HSV nicht zuschlagen? Bitter eigentlich. Aber es ist das Ergebnis der Herren, die sich hier vor Sportvorstand Ralf Becker um den Niedergang des HSV besonders verdient gemacht haben und jedem halbwegs vernünftigen Bundesligaprofi Mondverträge gegeben haben. Es ist einfach nur traurig. Aber wie ich den neuen Vorstand kenne, wird sich hier niemand mehr damit beschäftigen. Jammern gehört nicht zum Repertoire eines Bernd Hoffmann und eines Ralf Beckers.

Und noch weniger passt es zu Hannes Wolf, der eine einerseits langweilig realistische Art an den Tag legt - der aber auf der anderen Seite diesem in den letzten Jahren oft hochmütig wirkenden HSV dazu verholfen hat, die notwendige Demut den Aufgaben in der Zweiten Liga gegenüber aufzubringen. Auch heute im Training fordere der HSV-Trainer seine Mannen immer wieder auf, nicht nachzulassen. Weder läuferisch, noch in Sachen Konzentration. Bei nasskaltem Wetter - Aufsichtsratschef Max Köttgen stand als Zuschauer am Rand -  ließ Wolf heute 90 Minuten lang trainieren. Und das zu Beginn auch wieder mit Aaron Hunt. Der Kapitän war nach seiner Faszienverletzung heute das erste Mal wieder mit der Mannschaft im Training. Am Vormittag die ganze Zeit und am Nachmittag zumindest beim Warmmachen. Als es zum zweikampf- und sprintintensiven Spiel auf verkürztem Feld ging, nahm Wolf den Kapitän ebenso wie Kyriakos Papadopoulos vorsichtshalber wieder raus und die beiden trainierten individuell. Und während der Grieche noch länger nicht zur Verfügung stehen soll, hofft Wolf weiterhin auf die Einsetzbarste Hunts, der auch morgen und am Montag (jeweils 11 Uhr öffentliches Training) wieder dabei sein soll.

Sollte nichts schlimmeres passieren und der Spielmacher spätestens am Montag wieder voll mitmachen können, wäre Hunt auch am Mittwoch dabei. Dann sogar von Beginn an - glaube ich zumindest. Apropos schlimm und dabei: Bobby Wood wurde heute von Hannovers Trainer Andre Breitenreiter aussortiert. Es deutet also alles weiter daraufhin, dass der drei Millionen Euro jährlich verdienende US-Amerikaner in der kommenden Saison wieder beim HSV dabei sein wird und den Gehaltsetat des HSV belasten wird. Von daher: Hoffen wir einfach mal, dass der nächste Hannover-Trainer mehr mit Wood anfangen kann. Denn die Entlassung von Breitenreiter dürfte - für mich nach dessen wiederholten verbalen Attacken gegen die Klubführung erstaunlich spät - seit dem 1:5 heute spätestens feststehen.

Noch unklar ist, wie schwer sich Hee-chan Hwang verletzt hat und ob der Südkoreaner nach dem gestrigen Asus bei den Asienmeisterschaften bis Mittwoch wieder fit ist. Hwang musste im Viertelfinale gegen Katar am Freitag wegen muskulärer Probleme (die Adduktoren sollen zwicken) passen und wird morgen Abend zurückerwartet. Demnach hätte er maximal noch Montag und das Abschlusstraining am Dienstag, um sich für das Spiel gegen Sandhausen anzubieten. Mit seinem Einsatz gegen Sandhausen rechne ich daher eher nicht einmal für den Fall, dass er nichts Schlimmeres hat und am Montag mittrainiert.

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird wie geschrieben um 11 Uhr öffentlich trainiert. Bis dahin, Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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