Marcus Scholz

3. November 2018

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber für mich ist es immer noch sehr ungewohnt, um 13 Uhr den Fernseher anzumachen, um die HSV-Konkurrenz live zu erleben. Mein Bio-Rhythmus ist noch immer auf 15.30 Uhr getrimmt. Wobei ich mir das auch inzwischen 43 Jahre lang antrainiert habe. Dennoch, heute war ich wieder zu spät dran mit der Zweiten Liga live. Aber aus gutem Grund, denn der HSV hat heute Vormittag schon trainiert. Flanken und Torabschlüsse standen im Mittelpunkt des heutigen Trainings, dem auch Hee-chan Hwang die ersten Minuten lang angehörte, ehe er ins parallel angesetzte Individualtraining wechselte.

Und es sieht tatsächlich so aus, als würde Hang morgen ins Mannschaftstraining voll einsteigen können. Er absolvierte Läufe, Sprünge und vor allem intensives Balltraining - ohne erkennbare Probleme. Im Gegenteil: Nach dem Training lief Hwang noch ein paar lockere Runden und wirkte zum einen zufrieden. Aber vor allem: null kaputt, obgleich die vielen kurzen Läufe, Sprünge etc. es in sich hatten. Ein guter Belastungstest, der andeutete, dass der HSV gegen den 1. FC Köln fast auf seine Bestbesetzung (Langzeitausfälle Jairo, Jung und Papadopoulos mal herausgerechnet) zurückgreifen kann. Mit einer Ausnahme: David Bates. Der Schotte ist gelbrot-gesperrt und soll von Leo Lacroix ersetzt werden, der in Hamburg bislang nicht nicht viel zeigen konnte.

Und das lag zum einen daran, dass er nur zweimal über 90 Minuten (zuzüglich zwei Einwechslungen in den Schlussminuten) ran durfte. Zurecht allerdings, wenn man die Trainingsleistungen zugrunde legt. Denn der Schweizer, den Ralf Becker im Sommer aus St. Etienne per Leihgeschäft und mit großen Vorschusslorbeeren versehen loseiste, ist im Training einfach selten gut. Vorsichtig formuliert. Sein Passspiel ist ähnlich unsicher wie das von Bates, der an sich keine unüberwindbare Konkurrenz auf der Position des IV darstellt, der aber einfach mutiger spielt. Bates traut sich einfach auch an die Dinge ran, die er bisher nicht konnte. Lacroix scheint im Umgang mit den Kollegen einen guten Stand zu haben. Immer wieder scherzt er mit Kollegen und unternimmt auch drumherum viel mit den Mitspielern. Aber sobald es an den Ball geht, ist der Zitterfuß da.

Auch deshalb loben die Kollegen bei ihm auffällig intensiv, wenn es mal was zu loben gibt. Und ich behaupte, auch Trainer Hannes Wolf wird das Gespräch mit dem Schweizer suchen, um zu sehen, inwieweit er mit einer solch wichtigen Aufgabe wie der von Montag betraut werden kann. Das sollte er zumindest, obgleich er selbst betont hatte, auf intensive Vier-Augen-Gespräche nicht zu viel Wert zu legen sondern seine Ansagen kurz halten zu wollen. Wolf wird sich ein Gefühl holen müssen, ob Lacroix auf dem Platz auch vom Kopf her funktioniert und inwieweit er oder andere dem Schweizer den Einstieg beim HSV - also muss man das ja noch immer nennen - noch leichter machen können. Denn eines ist klar: Gegen die treffsicherste Zweitligamannschaft vom 1. FC Köln wird die HSV-Defensive massiv gefordert sein.

Dennoch legte Wolf heute den Fokus aufs Offensivspiel. Hinten heraus per Diagonalball auf die Außenbahn, von wo aus in die Mitte geflankt und dort versenkt werden sollte. Narey und Sakai über rechts, Santos und Arp im Wechsel über links flankten, und in der Mitte hatte Pierre Michel Lasogga die mit weitem Abstand höchste Trefferquote (vor Wintzheimer, Holtby, Hunt, Moritz, Vagnoman und Co.). Und auch wenn  ich immer alles klappte im Zusammenspiel, wenn man hört und sieht, wie Lasogga und Arp zusammenspielen, dann scheint das ein Duo zu sein, das sich nicht nur sehr schätzt, sondern auch extrem pushen kann. Auf jeden fall vermitteln mir die beiden einen Spaß an der (gemeinsamen) Arbeit, auf den man sehr gut aufbauen kann.

Gute Arbeit hat heute auch die U21 abgeliefert. Gegen Hannovers U23 gewann die Mannschaft von Trainer Steffen Weiss mit 3:0. Christian Stark, Mats Köhlert und Aaron Opoku trafen im Heimspiel gegen die Niedersachsen und verhalfen der U21 zum (vorläufigen) Sprung auf Rang 11. Glückwunsch zum Sieg von dieser Stelle und ich hoffe, dass das ein gutes Omen für Montag ist…!

Ich verabschiede mich an dieser Stelle und melde mich morgen wieder bei Euch. Dann auch ab 13.30 Uhr via Facebook live von der Pressekonferenz mit Trainer Hannes Wolf, ehe ich selbige im Laufe des Nachmittags auch hier reinstellen werde. Bis dahin Euch allen noch einen schönen Sonnabend!

Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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