Marcus Scholz

31. Dezember 2018

Heute ist Silvester. Der Tag, an dem man letztmalig noch tolle Vorsätze für das neue Jahr mit auf den Weg geben kann. Und der Tag, an dem man noch einmal kurz zurück - aber dann vor allem vorausschauen sollte. Und das machen wir heute genauso. Kurz und bündig (am Ende ist es doch etwas länger geworden…) - aber vor allem nach vorn gerichtet, ehe es am 2. Januar mit dem offensiven Mittelfeld und am Donnerstag dann mit dem Angriff noch einmal Rückblenden geben wird. Von daher hier erst einmal meine Liste mit all dem, was uns das Jahr 2019 bis zum Saisonende noch bringen soll. Ich wünsche mir für Euch und uns alle zunächst einmal Gesundheit und Glück im neuen Jahr. Nichts ist wichtiger, ganz klar! Außer vielleicht der HSV? Wobei, nein, nicht wirklich. Aber hier soll es ja vorrangig um den HSV gehen, daher schwenke ich mal eher rabiat über und beginne mit dem Januar:

  • Dort wird der HSV seine Vorbereitung auf die Rückrunde aufnehmen und ich hoffe, dass mit Gideon Jung und Kyriakos Papadopoulos zwei Spieler gesund zurückkehren, die in der Hinrunde noch komplett gefehlt haben. Beide Verteidiger würden dem HSV defensiv zusätzlich Stabilität verleihen. Zudem würde Jung ein hohes Tempo und Papadopoulos auch ein gefährliches Offensiv-Kopfballspiel mit einbringen.
  • Zudem wird am 19. Januar (also am Tag der Rückkehr aus dem Trainingslager in La Manga) in Wilhelmsburg ein neuer HSV-Präsident gewählt. Also der Mann (mit Jürgen Hunke, Marcell Jansen und Dr. Ralph Hartmann wurden ja nur Männer nominiert), der die Dreiviertelmehrheit der AG-Anteile vertreten soll. Zumindest dann, wenn der für diese Veranstaltung eingereichte Supporters-Antrag durchgeht, dass ein Verkaufsstopp bei 24,9 Prozent der Anteile in der Satzung verankert wird. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Wählenden hier auf die Inhalte der Kandidaten kaprizieren und eine schon fragwürdig niveaulose Veranstaltung wie di letzte Mitgliederversammlung zu Beginn 2018 vermieden werden kann. Ich hoffe, und da schließe ich mich dem heute im Abendblatt von Bernd Hoffmann geäußerten Wunsch an, dass die Mitglieder auf der Mitgliederversammlung zwar kontrovers diskutieren, aber letztlich eine Geschlossenheit demonstrieren, wie sie sie von der Mannschaft auf dem Feld erwarten.
  • Zudem hoffe ich, dass der HSV bei seinem ersten Spiel der Rückrunde 2019 auf alle Spieler (die bis Saisonende ausfallenden Jairo Samperio und Stephan Ambrosius natürlich ausgenommen) zurückgreifen kann. Also auch auf den bei den Asienmeisterschaften eingebundenen Hee-chan Hwang. Dass der Südkoreaner nach verpasster Vorbereitung und Reisestress dann im ersten Heimspiel gegen Sandhausen (Mittwoch, 30. Januar, 20.30 Uhr) nicht beginnen wird, ist sehr wahrscheinlich. Aber das ist auch nicht schlimm. Offensiv hat der HSV mit Pierre Michel Lasogga und Fiete Arp ausreichend Alternativen.

 

Gehen wir weiter in den Februar, der das nächste Highlight der Rückrunde 2019 bringt:

  • Wobei, bevor es um das Pokalspiel gegen Nürnberg geht hoffe ich, dass Sportvorstand Ralf Becker am 1. Februar auf eine Wintertransferphase zurückblicken kann, die maximal erfolgreich war für den HSV. Und so unwahrscheinlich es auch sein mag, so sehr hoffe ich, dass der HSV im Winter die Weichen für die neue Saison (zumindest anfänglich) schon erkennbar stellen kann. Insbesondere die Position von Orel Mangala sowie die in der Sturmspitze muss so schnell wie möglich angegangen werden. Vorn, weil die Verträge von Lasogga und Hwang auslaufen. Hier braucht man eine (neue) Lösung. Und im defensiven Zentrum, weil Orel Mangala aktuell eine derart zentrale Rolle einnimmt, dass ein kompletter Neuanfang in der Sommervorbereitung ein Rückschritt wäre und jedes weitere Spiel den Belgier - das vermute ich zumindest - teurer machen wird. Vielleicht schafft es Becker ja tatsächlich, den Belgier weiter an den HSV zu binden oder zumindest erste Schritte einzuleiten, ihn zu halten. Dass hierbei zweigleisig geplant werden muss macht das Ganze natürlich nicht leichter für ihn. Im Gegenteil.
  • Zudem hoffe ich, dass der HSV es im Januar geschafft hat, seinen Nachwuchsbereich personell zu verstärken. Denn die Abgänge der beiden führenden Personen (Bernhard Peters und Dr. Dieter Gudel) sind mit Bordmitteln nicht einfach neu zu besetzen, ohne an anderen Stellen inakzeptable Einschnitte machen zu müssen. Zumal der Nachwuchs trotz des Campus bundesweit noch immer weit hinterherhinkt. Als Vergleich: Was beim FC Schalke schon als Krise gilt, hat der HSV hier als langfristiges Ziel. Dort werden jedes Jahr Spieler herausgebracht, die es in den Profibereich schaffen. Und immer wieder auch welche, die richtig teuer verkauft werden (Draxler, Özil, Neuer, Sand etc.). Aber seht, hört und vergleicht selbst, was unser Freund Christian Alexander Hoch zu diesem Thema in der Schalke-Reportage zu sagen hat. Nein, hier gilt es, schnellstmöglich strategische Partner zu finden, die die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, damit sich der HSV explizit und verstärkt um die Infrastruktur (vor allem im Scoutingbereich!) im Nachwuchs kümmern kann. Zum einen, um die eigene Identifikation wieder voranzutreiben, vor allem aber, weil es der einzige Weg in eine autarke Zukunft ist. Zumindest theoretisch. Und bei allem Verständnis dafür, dass der HSV im Profibereich extrem viel zu tun hat: Das MUSS passieren, bevor der HSV die ersten Schritte in die richtige Richtung aus den letzten Jahre wieder einbüßt und den mühsam erarbeiteten Anschluss wieder komplett verliert.
  • Und dann hoffe ich natürlich, wie oben angekündigt, dass der HSV die kleine Sensation (wobei oberste Zweite Liga gegen unterste Erste Liga ist nah beieinander) schafft, und am 5. Februar um 18.30 Uhr im Volksparkstadion gegen den Erstligisten 1. FC Nürnberg die nächste Runde im DFB-Pokal erreicht. Möglich ist das allemal. Und finanziell würde es dem Klub sehr guttun.

 

Womit wir eigentlich sehr gut in den März überleiten können, der dem HSV gerade auf dem finanziellen Sektor alles abverlangen wird.

  • So hoffe ich, dass der HSV der DFL im März ein schlüssiges Finanzkonzept vorlegen kann. Ein Konzept, für welches nicht auf Millionenspritzen von außen zugegriffen werden muss, die ihrerseits wieder langfristige Verpflichtungen und Verbindlichkeiten nach sich ziehen. Fakt ist auf jeden Fall, dass der HSV in Person von Finanzvorstand Frank Wettstein aufzeigen können muss, wie man die im September zur Auszahlung anstehende Fan-Anleihe von 17,5 Millionen Euro bedienen will, ohne die Liquidität für den laufenden Spielbetrieb zu gefährden. Stand jetzt soll das durch das Aufsetzen einer neuen Fan-Fan-Anleihe passieren, mit der man die alte bezahlt. Aber wirklich voran kommt man hier auf diese Weise wieder nicht. Ergo: Man muss weiter auf ein kleines Wunder hoffen.
  • Zudem steht im März das einzige Duell an, das zumindest annähernd so wichtig ist wie das Gesamtziel der Saison: Das Derby am Millerntor gegen den FC St. Pauli. Aus dem schwachen Hinspiel im Volksparkstadion, bei dem sich der FC St. Pauli spielerisch verweigerte und der HSV keine passenden Ideen fand, die gegnerische Abwehr zu knacken, haben alle Akteure für das Spiel am Sonntag den 10. März noch reichlich Wiedergutmachungspotenzial im Gepäck. Wobei, wenn das Spiel letztlich hässlich wird und der HSV gewinnt, soll es mir auch recht sein.

Womit wir zum April kommen, der ligatechnisch sicherlich schon der Moment der Vorentscheidung werden kann.

  • Denn sollte der HSV seinen Vorsprung in der Tabelle bis hierhin gehalten haben, könnte er in den direkten Duellen beim 1. FC  Köln und bei Union Berlin (zudem geht es zuhause gegen Magdeburg und Erzgebirge Aue) sicher schon eine (kleine) Vorentscheidung herbeiführen.
  • Ein ganz persönlicher Traum wäre es, wenn es Fiete Arp auf Vorlage von Josh Vagnoman klarmachen würde. Aber mir würde es bei den beiden schon reichen, wenn sie regelmäßig Spielzeit bekommen.
  • Und so sehr ich mich immer wieder über spannende Partien freue, in Sachen Aufstieg kann ich gar nicht früh genug Klarheit bekommen. Und das nicht, weil ich es für mich will - vielmehr geht es mir darum, dass Sportvorstand Ralf Becker den Kader für die neue Saison planen muss. Und je schneller er weiß,  für welche Liga zu planen ist, desto eher kann er die ganzen Vorgespräche, die jetzt schon geführt werden ,müssen und die er hoffentlich führt, finalisieren. Jede Sekunde früher hilft dabei, den bestmöglichen Kader zum bestmöglichen Preis zusammenzustellen.

Und damit kommen wir in den letzten Monat unserer Vorschau, den Mai.

  • Der soll am 19. Mai damit vergoldet werden, dass der HSV im letzten Heimspiel der Saison gegen den MSV Duisburg den Wiederaufstieg in die Erste Liga feiert. Am besten mit der Schale für die Zweitligameisterschaft, aber vor allem mit der Nachricht, dass der HSV die Lizenz ohne Auflagen erteilt bekommen hat. Und natürlich mit der Nachricht, dass Orel Mangala beim HSV bleibt. Quasi als Türöffner für weitere so tolle Talente, die den Weg zum HSV suchen, um hier groß rauszukommen. Es könnte auf jeden Fall zum zweiten Mal nach dem Mai 2018 im Stadion eine Stimmung aufkommen, als ginge die positive Zukunft gerade los. Diesmal sogar mit einem echten Grund zum Feiern im Gepäck. Es wäre einfach zu schön…

In diesem Sinne, ich wünsche Euch allen einen wunderschönen Silvesterabend und hoffe, dass wir uns hier im neuen Jahr (der nächste Blog erscheint am Donnerstag!)  alle wieder gesund treffen und da anknüpfen, wo wir 2018 aufgehört haben. Denn neben dem HSV in der zweiten Liga haben auch wir hier über das gesamte Jahr gesehen eine tolle Entwicklung genommen. Und damit spreche ich zuallerletzt die steigenden Zahlen an. Viel wichtiger ist mir und uns, dass wir hier alle zusammen eine Diskussionskultur geschaffen haben, die sich immer weiter in Richtung emotionalisierte Sachlichkeit bewegt. Dafür ziehe ich an dieser Stelle auch gern virtuell meinen Hut vor Euch allen!!

Natürlich wird es immer wieder Vorfälle geben, die sanktioniert werden müssen. Dafür ist das Thema HSV letztlich auch zu emotional aufgeladen. Und dafür haben wir unsere Regeln ja auch aufgestellt. Aber zu sehen, wie viele Userinnen und User sich hier schon personalisiert haben und wie viele hier tagtäglich dazukommen, um kontrovers aber respektvoll zu diskutieren, das ist großartig. Das ist Motivation pur - und das macht uns sehr stolz.

Danke dafür - an Euch alle!

Auf ein noch schöneres, gemeinsames 2019! 

Euer Scholle

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FAQs

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.