Marcus Scholz

4. Februar 2018

Bernd Hollerbach wusste selbst nicht so recht, was er mit diesem Spiel nun anfangen sollte. Er konnte sich irgendwie nicht freuen. Zwar war seine Mannschaft gegen Hannover nach einem Rückstand erneut zurückgekommen. Allerdings offenbarte das 1:1 gegen bei Hollerbachs Heimdebüt gegen Hannover erneut, welche qualitative Mängel der HSV offensiv hat. So ideenlos, so uninspiriert wird es gegen jeden Gegner schwer, behaupte ich. Aber der Reihe nach:

Eine Änderung gab es gegenüber der Partie in Leipzig, erzwungenermaßen. Denn Albin Ekdal rutschte für den weiterhin verletzten Gideon Jung (Hexenschuss) ins Team und sollte neben Walace das defensive Mittelfeld sortieren. Ansonsten setzte Hollerbach in der Startelf auf seine Formation vom 1:1 in Leipzig. Auch taktisch blieb es bei der vermuteten Dreierkette, die defensiv in einer Fünferkette zuzüglich zwei defensiver Mittelfeldspieler mutierte. Insgesamt stand der HSV heute von Beginn an sehr tief. Anstatt Druck zu machen überließ man den Hannoveranern weitgehend den Ball und stand zwischenzeitlich sogar mit allen elf Spielern in der eigenen Hälfte. Safety first – also erst hinten die Null absichern, und dann sollte es über Bobby Wood und Kostic schnell nach vorn gehen. Ging es aber lange nicht.

Und deshalb entwickelte sich die Partie auch nur sehr, sehr zäh. Torraumszenen gab es quasi keine, nehmen wir die zwei Fernschüsse von Sakai (13.) und Hunt (18.) mal aus. Bobby Wood war zwar gut in Bewegung, offenbarte aber immer wieder seine fußballerischen Mängel. Und trotzdem war es der US-Amerikaner, der in der 30. Minute sowas ähnliches wie die erste Torchance hatte. Douglas Santos hatte von links eine schöne Flanke geschlagen und Wood war schneller als sein Gegenspieler – köpfte den Ball aber deutlich links vorbei. Und dann kam, was kommen musste: Hannover ging mit der ersten halbwegs gefährlichen Aktion in Führung. Mathenia lenkte einen Füllkrug-Ball gerade noch zur Ecke lenken konnte, sah aber beim anschließenden Ball nicht gut aus. Mal wieder nicht. Sakai hatte die Ecke herausgeköpft, genau vor die Füße von Hannovers Iver Fossum, der den Ball annehmen konnte und aus rund 20 Metern abzog. Nicht besonders hart, aber relativ platziert traf Fossum zum 1:0 für die Gäste. Und Mathenia muss sich den Vorwurf gefallen lassen, wieder einen haltbaren Ball kassiert zu haben.

Letztlich blieb es bis zur Halbzeit beim 1:0 für Hannover. Allerdings auch nur, weil der weiterhin diskutable Videobeweis nicht funktionierte. Behaupte ich. Denn ansonsten hätte der HSV in der Nachspielzeit der ersten Hälfte einen Elfmeter kriegen müssen. Eine Grätsche von Hannovers Sané war in Echtzeit wohl nicht als Foul zu erkennen, zumindest hatte ich es nicht sehen können. Insofern lasse ich Schiri Stegemann hier raus. Aber per Videobeweis, der anschließend zu Rate gezogen wurde, war zu erkennen, dass der Hannoveraner zuerst Kostics Beine trifft und dann den Ball. Bitter. Zumal es vorher schon ein Handspiel gegeben haben soll...

Zur Halbzeit wechselte Hollerbach dann. Tatsuya Ito kam für Diekmeier und der HSV stellte auf Viererkette um. Und auch Mathenia war jetzt wach. In der 48.Minute lenkte der HSV-Keeper einen von Santos per Kopf gefährlich aufs kurze Ecke abgefälschten Flankenball von Hannovers Julian Korb mit einem guten Reflex ab. Und gerade einmal drei Minuten später war Mathenia zum zweiten Mal Retter in größter Not, als Bebou plötzlich völlig frei vor ihm auftauchte (51.) und der HSV-Keeper hielt. Mathenia hielt den HSV hier zweimal gerade noch im Spiel, während Hannover es verpasste, die Unordnung in der HSV-Defensive zur Vorentscheidung zu nutzen. 

Nach vorn ging beim HSV, der inzwischen auch Fiete Arp für Hunt gebracht hatte (Kostic ging dafür auf die linke Seite), leider wenig bis nichts. Auch, weil die HSV-Offensive viel zu statisch agierte. Immer wieder standen vier Offensive neben ihren Gegenspielern in der gegnerischen Viererkette, während der Ball hintenrum gespielt wurde. Keiner kam entgegen, niemand forderte den Ball. Ergebnis: Keine Ideen, viele Fehlpässe und zu viele lange Bälle. Vor allem aber null Torgefahr. Und, so ehrlich müssen wir sein: So hat in der Ersten Bundesliga keine Mannschaft Probleme, gegen den HSV die Null zu halten. Dass in diesem Winter tatsächlich nichts für die Offensive dazugeholt wurde – unfassbar. Fahrlässig.

Und so mussten die gerade mal 46.016 Zuschauer darauf hoffen, dass ein Standard oder sonstein glücklicher Umstand zum HSV-Treffer führt. So, wie in der 86. Minute, als beides zusammenkam. Der eingewechselte Sejad Salihovic schlug von halbrechts einen Freistoß scharf in die Mitte, Walace verlängerte den Ball zum zweiten Pfosten, wo Kostic freistehend einschob. Das 1:1, an das ich ehrlich gesagt schon nicht mehr geglaubt hatte.

Am Ende flog Papadopoulos noch mit Gelbrot vom Platz und es blieb beim 1:1. Ein Punkt für die Moral, aber letztlich auch zwei zu wenig, um einen kleinen Schritt hinter den davoneilenden Konkurrenten im Abstiegskampf zu machen. Jetzt kommen mit Dortmund, Leverkusen und Werder drei deutlich schwerere Aufgaben als das heutige Spiel gegen Hannover.

In diesem Sinne, bis später. Im Anhang findet Ihr die Abschlussarbeit von Jonathan, der die letzten drei Wochen an meiner Seite sein Schülerpraktikum absolvierte und mir dabei eine große Hilfe war. Viel Spaß beim Lesen!

 

Scholle

 

Kein Befreiungsschlag: HSV hilt nur einen Punkt gegen Hannover

Text von Jonathan Blomqvist

 

Die Ausgangslage war klar vor dem Spiel. Der HSV muss gewinnen um nicht den Anschluss zum rettenden Ufer zu verlieren. Es herrschte Party Stimmung vor dem so wichtigem Spiel gegen Hannover, da der Stadionsprecher Lotto King Karl Geburtstag hatte.

Bernd Hollerbach setzte heute auf nahezu die gleiche Aufstellung und Taktik, wie zuletzt beim 1:1 in Leipzig, einzige Änderung war, dass Albin Ekdal zurück war im Team. Er musste ja wegen einer Verletzung 3 Wochen pausieren. Hollerbach hoffte natürlich, dass der erfahrene Schwede mit seinem Passspiel überzeugen kann und Stabilität in die Mannschaft bringt. Eine Überraschung heute hingegen war heute, dass Andre Hahn nicht im Kader war bei den Rothosen.

Das Spiel begann hektisch, man merkte dem HSV an, dass hier viel auf dem Spiel stand. Der starke Aufsteiger Hannover 96 versuchte von Anfang an das Spiel zu kontrollieren mit Ballbesitz. In den ersten 15min neutralisierten sich die Mannschaften gegenseitig. Den ersten nennenswerte Torschuss hatte der Linksverteidiger Douglas Santos, dessen Schuss aber direkt in den Arme von Keeper Tschauner landete.

In der 18. Minute kombinierte der HSV ganz ordentlich und letztendlich bekam Aaron Hunt die Möglichkeit aus der Distanz zu schießen, der Schuss geht aber ein Stück drüber. Die Partie litt am Anfang unter vielen kleinen Fouls von beiden Teams, aber der HSV war bemüht das Spiel zu machen. Der HSV war wie so oft bemüht, aber wirklich gefährlich wurden sie lange vorne nicht. Dann aber endlich mal hatte der HSV die Chance in der 30min. Santos bekommt den Ball auf links zugespielt von Walace und er bringt die Flanke rein auf den reinlaufenden Wood doch der köpft den Ball am linken Pfosten vorbei.

Der HSV machte weitestgehend das Spiel, aber es fehlte bislang an der Durchschlagskraft im Offensivspiel. Vom Gegner Hannover war bislang nicht viel zu sehen, sie standen hinten sicher und warteten auf ihre Möglichkeiten. Diese kam in der 36. Minute, die 96er stürmen an und eine Kopfballverlängerung von Füllkrug bringt die HSV Abwehr in Gefahr, denn Van Drongelen schlug über den Ball und hinter ihm bringt Felix Klaus den Ball irgendwie aufs Tor mit dem Knie und Mathenia lenkte den Ball mit den Fingerspitzen auf die Latte und drüber. Das Problem, es gab die Ecke für die 96er, die Sakai zunächst klärte, aber zu kurz, denn der Ball kam zu Fossum, der den Ball Volley nahm und traf. Ein großer Schock für den HSV, der danach erstmal das verdauen musste.

 In der 44. Minute bekam der HSV die größte Chance des Spiels bisher. Nach einem Fehler im Spielaufbau bei Hannover, kam es zu einer 3 gegen 2 Situation, wo Aaron Hunt auf den zum Tor laufenden Wood spielt, der frei vor Tschauner stand aber kläglich vergab. Solche Chancen muss man im Abstiegskampf und bei Wood sieht man, dass er auch bisher unter Hollerbach einfach nicht seine Form findet.

In der Nachspielzeit kam es dann zu einer heiklen Szene. Kostic wurde im Strafraum von Sane abgeräumt, aber er spielte wohl den Ball. Man kann drüber streiten, aber meiner Meinung nach ist das leider kein Elfer, der Videoschiedsrichter wurde übrigens auch eingeschaltet, aber letztendlich gab es keinen Elfmeter. Am Ende gab es eine Rudelbildung auf dem Weg in die Kabine und es wurde diskutiert über die Elfer-Szene. Der HSV lag mal wieder hinten, mal sehen wie sie dismal reagierten….

Die zweite Hälfte beginnt mit einer Chance für Hannover, wo Mathenia aber nach einer abgefälschten Flanke gut reagierte. Der HSV war sehr verunsichert und in der 51. Minute hatte Bebou die Mega Chance zur Vorentscheidung, doch im 1 gegen 1 blieb Mathenia der Sieger. Ein Glück für den HSV.

Sie mussten reagieren und Hollerbach brachte die beiden Hoffnungsträger Arp und Ito. Hunt und Diekmeier verließen das Spielfeld. Der HSV war total hektisch und man schaffte es überhaupt nicht durch das Abwehr Bollwerk der Hannoveraner. Die Fans waren aber muss man ehrlich Weltklasse, sie sangen und unterstützten die Mannschaft.

Das System von Hollerbach, dass man nach vorne spielen wolle, aber nicht in Konter laufen wolle ging momentan gar nicht auf. Man schmiss schon jetzt alles nach vorne und spielte die Bälle blind nach vorne und lief in mehrere Konter rein, so wie in der 61. Minute, wo Papadopoulos aber dann seine 10. gelbe Karte zog. Der Abwehrchef wird in der nächsten Partie fehlen, auch das noch..

Der HSV hatte überhaupt keine Ideen und die Passquote war ganz schlimm. Die letzten 20min standen an, man hatte das Gefühl, dass der HSV hier nichts mehr reißen würde. Die erste „Chance“ für den HSV gab es erst in der 72. Minute! Dort konnte Wood die Flanke von Kostic aber nicht verwerten. Hollerbach versuchte alles und brachte noch Salihovic für den bassgebliebenen Ekdal. Es passierte aber nicht viel mehr in der Schlussphase, der HSV konnte sich keine echte Chance erarbeiten.

Es war richtig frustrierend für alle HSVer. Doch dann das Wunder! Der HSV bekam einen Freistoss und der eingewechselte Salihovic brachte den Ball scharf rein und der Ball rutschte durch alle durch und am hinteren Pfosten stand Kostic und machte den Ball rein. Ekstase in Hamburg, man glaubte auf einmal wieder daran! Die Fans waren sowieso immer Lautstark dabei auch vor dem Treffer.

Die Nachspielzeit lief und der HSV gab nochmal alles, aber sie liefen mal wieder in einen Konter rein und Papadopoulos zog die Notbremse und sah die Gelb-Rote Karte. Außerdem gab es in der letzten Aktion des Spiels eine richtig gefährliche Freistossposition, doch Fossum schoß rüber und das Spiel endetete mit einem 1:1.

Naja, der HSV rettete einen Punkt, aber das ist deutlich zu wenig. Der HSV war zwar sehr bemüht und man merkte ihnen an, dass sie gewinnen wollten, aber spielerisch war das auch heute wieder einfach zu wenig. Es erinnerte an das Köln Spiel, planlos und naiv. Hannover musste heute kein gutes Spiel machen um hier was zu holen, sie mussten nur hinten relativ ordentlich stehen und auf die Konter lauern. Auch die Spielmacher Hunt und Ekdal konnten überhaupt nichts reißen.

Fazit: Der HSV rettet einen Punkt durch eine Standardsituation, man spielte aber heute sehr planlos und ohne die Durchschlagskraft vorne. Insgesamt reicht das gekicke nicht für die Bundesliga, die Mannschaft muss sich deutlich steigern, sonst wird es ganz eng in dieser Saison.

 

Partner von

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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