Marcus Scholz

7. Juli 2018

„Es ist schon ein Abenteuer. Also genau das, was ich gern mache.“ Zwei Sätze, die den Neuen beim HSV sehr gut beschreiben. Okay, an seinem Nachnamen kommt man nicht vorbei. Aber Maik Goebbels hat sehr viel mehr Auffälligkeiten anzubieten, als nur den. Der Belgier, der den HSV als zweite Cotrainer ab sofort unterstützt, ist ein Tausendsassa in Sachen Sport. Goebbels erwarb Diplome beim Deutschen Fitness- und Aerobic-Verband. Zudem ist er lizenzierter Yoga- und Schwimm-Lehrer, er bietet Nordic-Walking-Kurse an und ist ausgebildeter Ernährungsberater. Zudem ist er Sportmasseur und begeisterter Bergsteiger. Vor allem aber war er ein erfolgreicher Unternehmer, bis er beim HSV einstieg.

Der 41-Jährige hat bis zuletzt ein gut laufendes Fitnessstudio in Belgien betrieben. „Und plötzlich stand ich vor der Entscheidung, das aufzugeben und in einen Bereich zu wechseln, der nicht zwingend für langfristige Sicherheit steht“, so Goebbels, der innerhalb einer Woche einen adäquaten Vertreter für sich finden musste. Er habe natürlich überlegt, da er parallel zu seiner Selbständigkeit auch noch Frau und zwei kleine Kinder (1 und 3 Jahre alt) hat und ein Haus baut. „Da hängt schon viel dran. Die Frau ist plötzlich allein mit Kindern und Hausbau. Die Wahl, aus einer Komfortzone herauszutreten, hat auch immer mit Stress zu tun. Es war nicht so, dass der HSV gerufen hat und ich los bin. Ich habe schon überlegt. Aber meine Frau stand und steht von Beginn an hinter der Entscheidung, nach Hamburg zu gehen.“

Am vergangenen Mittwoch bot ihm der HSV dann einen Zweijahresvertrag. „Ralf Becker hatte mich zum Gespräch gebeten und ich war schon etwas überrascht. Ich hatte mit einem Einjahresvertrag gerechnet und dann auch darum gebeten. Ich will sehen, wie es läuft. Mit Sport, Familie, Erfolg. Es war ein sehr offenes Gespräch und mir geht es nicht um die Abfindung, wenn es nicht so läuft, sondern darum, dass es funktioniert. Und wenn nicht, dann gehe ich zurück.“

Aktuell wohnt Goebbels im Hotel, seine Familie pendelt. „Sie sind eine Woche lang hier, dann wieder zuhause“, so Goebbels, der sich der Schwere der neuen Aufgabe bewusst ist: „Hamburg ist auch ein Abenteuer. Hier herrscht auch eine ganz, ganz schwierige Situation. Hier im Verein müssen auch viele aus der Komfortzone heraustreten und ihr Verhalten verändern. Man muss neue Sachen probieren, um erfolgreich zu sein“, so der Cotrainer, der gern Neues probiert.

2010 beispielsweise hat er sich zum Snow-Kajak-WM angemeldet. Als einziger Belgier wurde er auch genommen. Ohne Equipment, statt Fahreranzug diente eine Motorradausstattung als Outfit, war eigentlich schon nach der ersten Kurve Schluss. „Ich habe den Abflug gemacht und war erst einmal eine halbe Stunde raus. Aber nachdem die anderen drei schon lange im Ziel waren, habe ich es irgendwann auch gerade noch geschafft.“ Nur aufgeben war nie eine Option für ihn. Ob das der Grund sein könnte, weshalb Titz ihn ausgewählt hat? „Wir kennen uns seit zehn Jahren. Ich glaube, mein Wesen ist komplementär zum Job des Cotrainers. Mal andere Perspektiven schaffen. Aber Christian hat da klare Vorstellungen, die wir auch so klar absprechen werden.“

Goebbels ist smart. Braungebrannt entspricht er äußerlich so ein wenig meinem klischeebehafteten Bild eines Skilehrer. Finde ich. Also ein wenig dem Typ Lebemann. In Wirklichkeit aber ist Goebbels ein sehr höflicher, erwachsener, geradliniger und wie er sagt, auch ein sehr loyaler Typ. Und das hätte ihm im Sommer fast seine Karriere gekostet. „Im Jahr 2014 hat mein damaliger Klub (FF Norden, Luxemburg, d. Red.) in der Sommerpause meinen Cotrainer entlassen, dem ich sehr viel zu verdanken hatte. Ich bin dann zum Präsidenten gegangen und habe darum gebeten, dass mein Cotrainer wieder eingestellt wird. Aber der Präsident hat ihn nicht zurückgeholt und ich stand vor der Entscheidung, Karriere oder Charakter. Alle haben mir gesagt, ich solle es nicht machen, weil meine Karriere sonst unterbrochen wäre. Und so war es dann ja auch. Ich bin gegangen und meine Karriere war unterbrochen. Aber das sind so Entscheidungen, aus dem Bauch heraus. In dem Jahr kam nichts mehr, dann nur vierte oder fünfte Liga. Und das wollte ich nicht. Und wenn man dann mal eine Zeit lang raus ist, kennt einen bald keiner mehr. Das war der Preis für die Charakterentscheidung.“

Und bis vor einer Woche hatte Goebbels, wie er selbst sagt, eigentlich schon mit dem Thema Profifußball abgeschlossen. „Aber offenbar meint es da oben einer gut mit mir. Nein, mit dem HSV meint er es sogar sehr gut mit mir“, freut sich Goebbels auf die neue Aufgabe, vor der er großen Respekt hat – aber definitiv keine Angst. Denn das entspricht dem Bergsteiger nicht, der schon zweimal den Kilimandscharo bezwungen hat. Als Reiseleiter mit einer Gruppe, die er die 5895 Meter nach oben führte. Und wer weiß, vielleicht schafft er es ja zusammen mit seinen Trainerkollegen auch, den HSV bis an die Spitze der Zweiten Liga zu führen.

Heute gab es ansonsten nicht viel Neues. Dass Alen Halilovic zum AC Mailand wechseln würde, stand schon länger fest. Heute wurde es offiziell verkündet. Der Linksfuß wechselt ablösefrei nach Italien und unterschrieb dort einen Dreijahresvertrag. Morgen werde ich Euch aus Österreich schreiben. 

Gegen frühen Nachmittag sind wir vor Ort in Bad Erlach. Die Mannschaft bezieht dort bis zum 15. Juli im 4,5-Strene-Hotel „Linsberg Asia“ (s. Foto) Quartier und bestreitet am Mittwoch gegen ZSKA Moskau und am kommenden Sonnabend gegen Rapid Wien noch mal zwei sehr interessante Testspiele.

Ich werde Euch wie gewohnt von Vor Ort berichten. Hier und via Facebook sowie Twitter werde ich Euch Tag für Tag von allen Geschehnissen rund um die Mannschaft berichten. Vom Morgenbericht über die Trainingsberichte bis hin zum Tagesblog wird alles dabei sein. Und wenn der HSV mitspielt, dann wird es on top auch wieder ein Video-Tagebuch mit einem Spieler geben.

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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