Marcus Scholz

28. November 2019

HSV-Trainer Dieter Hecking ließ das Feld heute beim Abschlussspiel bewusst klein. Er wollte simulieren, was am morgigen Freitag an der Bremer Brücke auf den HSV wartet. Denn der VfL Osnabrück hat nicht erst beim 1:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart zuletzt bewiesen, wozu er vor heimischem Publikum in der Lage ist. Worauf es in Osnabrück ankommt, was den HSV erwartet, wer ausfällt, wie Hecking spielen lassen will, und noch viele Mehr - wie immer im Spieltags-Check von Christian (Osnabrück) und mir:

Die Ausgangslage

VfL Osnabrück: Der VfL erfüllt - oder übertrifft - derzeit alle Erwartungen der Experten und wahrscheinlich auch die eigenen. Nach 14 Spieltagen steht die Elf von Daniel Thioune mit 17 Zählern auf dem elften Tabellenplatz - eine mehr als beachtliche Zwischenbilanz für den Aufsteiger. Zwar beträgt der Abstand auf die Abstiegsregionen lediglich drei Zähler, aber das Fundament in Osnabrück stimmt: Seit fünf Spielen ist die Thioune-Elf ungeschlagen (1 Sieg, 4 Unentschieden) - darunter der fulminante und überraschende 1:0-Heimerfolg gegen den VfB Stuttgart. Der HSV dürfte gewarnt sein.

HSV: Beim HSV sprechen einige vom Auswärtsproblem, nachdem die Hecking-Elf zuletzt fünfmal in Folge auf fremdem Platz nicht gewinnen konnte. „Wir sind Tabellenzweiter in der Auswärtstabelle“, merkte Hecking heute an und betonte noch einmal, dass es keine Krise geben würde. Vielmehr wollen van Drongelen und Co. am Freitag vorlegen und den Druck auf die Verfolger - interessanterweise spielen die ersten Fünf der Tabelle (auch Bielefeld, Stuttgart, Aue und Regensburg) allesamt auswärts - erhöhen, punkten zu müssen.

 

Das größte Problem

VfL Osnabrück: Verletzungspech und Chancenverwertung. Zum Auswärtsspiel gegen den VfL Bochum reiste Osnabrück personell stark gebeutelt an. Die Probleme vor dem Spiel gegen den HSV verringern sich zwar und einige wichtige Spieler kehren zurück, dennoch fehlt ihnen natürlich noch die Spielpraxis und der Rhythmus. „David Blacha, Joost van Aken und auch Kevin Friesenbichler sind wieder vollkommen genesen. Nils-Jonathan Körber ist wieder voll im Training", zählte Thioune auf. Auch Anas Ouahim wird bis zum Anpfiff wohl fit werden. Ergo: Die Chancenverwertung und das Toreschießen stellen derzeit also die größeren Probleme dar. Erst 15 Treffer stehen nach 14 spielen zu Buche - in den vergangenen sechs Partien blieben die Osnabrücker sogar dreimal ohne eigenes Tor. Auch zuletzt gegen Bochum hatten sie vor allem in der ersten Halbzeit viele Chancen, nutzen sie aber nicht.

HSV:  Gegen Dresden scheiterte der Versuch mit zwei Spitzen, der vor allem dem fehlenden Vertrauen in Wood als einzige Spitze geschuldet war. Hecking  sah aber dieses Projekt schnell als gescheitert an und stellte wieder auf das gewohnte 4-3-3-System um. Dabei sorgte insbesondere die Einwechslung von Kapitän Aaron Hunt für die notwendige Ordnung und Struktur im Spiel - und das sollte auch in Osnabrück so sein. „Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass Aaron begonnen hätte“, so Hecking heute unmittelbar nachdem er verkündet hatte, dass sein Kapitän erneut passen muss. Fieber. Daher muss Hecking erneut umstellen. Im Abschlusstraining ließ er sogar Dreierkette üben. Übrigens: Hier besonders auffällig heute war David Kinsombi. Vielleicht hat er sich ja in letzter Sekunde doch noch den Platz des ausfallenden Hunt anstelle Christoph Moritz’ sichern können. Relativ deutlich aber ist, dass Hecking seinem Angreifer Bobby Wood noch mal eine Chance geben will. Auch deshalb lobte er den US-Amerikaner heute in der Pressekonferenz explizit.

 

 

Der Lichtblick

VfL Osnabrück: Ganz klar der Zusammenhalt. Die Mannschaft des VfL Osnabrück ist absolut intakt. Selbst schwerwiegende personelle Ausfälle steckt sie weg - wie zuletzt in Bochum. Seit dem Aufstieg in die zweite Bundesliga ist jedem Spieler und Verantwortlichen klar: Es geht nur um den Klassenerhalt. Diesem Ziel ordnet jeder Einzelne alles unter - das ist momentan der Schlüssel zum Erfolg.

HSV: Gegen Dresden stemmte sich die personell gebeutelte Mannschaft bis weit in die Nachspielzeit gegen den drohenden Punktverlust. Mit Erfolg. Auch deshalb lobte Hecking in dieser Woche immer wieder die mannschaftliche Geschlossenheit und die gezeigte Moral. Im Training legte Hecking besonderen Wert auf Zweikämpfe, Härte und Einsatz. Immer wieder bildete er Pärchen, die sich über den ganzen Platz verfolgen und bearbeiten mussten. Denn Fakt ist: In Osnabrück wird dem HSV alles abverlangt werden, was eine nominell unterlegene Mannschaft in die Waagschale werfen kann.

Das spannendste Duell

VfL Osnabrück: Das wird auch in dieser Begegnung auf der Trainerbank ausgetragen. Wie schon gegen Dresden trifft HSV-Trainer Dieter Hecking auf einen seiner ehemaligen Spieler. Dieses Mal nicht Christian Fiél, sondern Daniel Thioune.

HSV: Mit gerade einmal 13 Gegentreffern hat der HSV die beste Abwehr der Liga - zusammen mit Osnabrück übrigens. Insofern wird es spannend sein, welche Defensive im direkten Duell am längsten Standhält. Sollte Bobby Wood tatsächlich beginnen, wird es zudem interessant sein zu sehen, wie sich der US-Amerikaner diesmal präsentiert. Denn trotz aller Lobhudeleien des Trainers auf seinen letzten Angreifer präsentierte dieser sich heute im Abschlusstraining wieder zögerlich. Er traf zwar einmal. Aber in Osnabrück wird es auch darauf ankommen, dass Wood mit Laufwegen Räume für seine Mitspieler schafft und vorn schon den Gegner im Spielaufbau stört. Im Training zeigt Wood nur selten, welche Athletik er eigentlich mitbringt. Er lief seine Gegenspieler zwar immer wieder mit Tempo an, stoppte aber immer unmittelbar bevor er tatsächlich in den Zweikampf hätte gehen können/müssen. Es war wie bei Wood in den letzten Jahren so oft: nichts Halbes und nichts Ganzes.

 

Taktik

VfL Osnabrück: Kühn – Ajdini, Heyer, van Aken, Agu – Blacha, Taffertshofer, Amenyido, Ouahim– Granatowski, Alvarez

HSV: Heuer Fernandes - Narey,  Letschert, van Drongelen, Leibold - Fein - Harnik, Dudziak, Moritz, Kittel - Wood

 

 

Ausblick

„Endlich wieder Brückentag“, lautet das Motto für das Heimspiel gegen den HSV. Mit einem weiteren Überraschungserfolg könnte die Thioune-Elf den Vorsprung auf die Abstiegszonen vergrößern und die ungeschlagene Serie fortsetzen. Und die Statistik macht dem VfL Mut: Drei seiner vier Siege in dieser Zweitliga-Saison holte man an der heimischen Bremer Brücke. Überhaupt verlor der VfL nur 1 seiner letzten 6 Heimpartien (3 Siege, 2 Remis). Und: Gegen einen jeweils aktuellen Tabellenführer hat der VfL an der Bremer Brücke nur eins von 14 Zweitliga-Heimspielen (8 Siege, 5 Remis) verloren: und das war im Mai 2004 mit 3:4 gegen den 1. FC Nürnberg. Der HSV wird dementsprechend gewarnt sein. Allerdings kann auch der HSV auf eine starke Serie von acht Spielen ohne Niederlage verweisen. Vor allem hat man in der vergangene Woche gezeigt, dass sie Siege auch erzwingen kann.

In diesem Sinne, Euch und uns allen wünsche ich einen schönen Donnerstag und vor allem morgen Abend ein schönes, spannendes, interessantes Auswärtsspiel beim VfL Osnabrück, der mir irgendwie sympathisch ist. Allerdings nicht sympathisch genug, um ihm auch nur einen Punkt im direkten Duell zu gönnen. Ich melde mich morgen früh wieder mit dem MorningCall bei Euch und werde dann am Abend zusammen mit Janik, Kevin und („Mathe-)Lars wieder mit einem sehr spannenden Gast auf der Auswärtscouch das Spiel verfolgen. Diesmal dabei: Der Ex-HSV-Profi und zuletzt Sportchef des VfB Lübeck, Stefan Schnoor. Zudem werden wir wieder Christian live aus Osnabrück dazuschlagen, um uns über alles Aktuelle vor Ort auf dem Laufenden zu halten.

 

Bis morgen! Scholle

 

Spieltagstipp:

Ich habe meinen Tipp schon abgegeben und bin bei der Rautenperle-Challenge dabei, wie Ihr im Community-Talk sehen könnt! Wenn Ihr gegen mich antreten und die Chance auf zwei HSV-Tickets, eine HSV-Trikot nach Wunsch oder einen Gutschein über 50€ beim besten Griechen der Stadt gewinnen wollt, dann schaut einfach einmal kurz ins Erklär-Video rein. Es ist ganz einfach. Vor allem aber kostet es nichts - und es macht Spaß!

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FAQs

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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