Marcus Scholz

9. Juni 2019

Heute vor 40 Jahren begann, was heute nicht mehr da ist: die große Zeit des HSV. Mit der ersten Deutschen Meisterschaft in der Bundesliga schwang sich der HSV auf, zu einem Schwergewicht der Liga zu werden und international Erfolge zu sammeln. Rund zehn Jahre hielt diese Phase an, seither gab es nur noch Zwischenhochs - aber konstant blieb seither eher die Enttäuschung. Zumindest in den letzten Jahren. Geblieben ist zumindest die Erinnerung an schöne Erfolge von damals - und wenigstens die haben wir einigen anderen tatsächlich noch voraus. Aber sie haben mit der Gegenwart so viel zu tun wie Donald Trump mit gesunder Politik. Und offenbar wissen das hier in Hamburg langsam auch die allerletzten HSV-Freunde, Fans und Funktionäre. Dafür waren die Tiefschläge in den letzten Jahren zu deftig, als dass das noch irgendwem entgangen sein könnte. Oder?

Betrachtet man die bisherigen Verpflichtungen des HSV, scheint dem zumindest so zu sein. Auch der seit heute heiß gehandelte Engländer Jordi Osei-Tutu. geht es nach der Zeitung „The Sun“, dann ist der Wechsel an sich schon fix und es ginge demnach nur noch darum, ob der Halb-Brite und Halb-Ghanaer auf Leihbasis zum HSV wechselt oder fest verpflichtet wird. Ein junger Rechtsverteidiger, der zwar schon angedeutet vhat, wozu er fähig ist, der aber den beweis noch schuldig ist, dass er sich wirklich auf Profiebene behaupten kann. Also genau das Regal, in das der HSV in seiner aktuellen Situation greifen darf. 

Und es ist ein klares Zeichen an Gotoku Sakai. Der Japaner hatte zuletzt offen gelassen, ob er weiter beim HSV spielen oder im Sommer wechseln würde. Auch, weil er am letzten Spieltag - für mich in der Form bis heute völlig indiskutabel - ausgepfiffen worden war. „Ich bin schon enttäuscht“, sagte der Defensiv-Allrounder, „sich einen Spieler herauszupicken, ist fragwürdig. Was meine Zukunft betrifft, ist alles offen.“ Ich halte es für sehr gut möglich, Sakai in seine Heimat nach Japan zurückkehrt. Zumal seine Frau und die beiden Töchter schon letzten Sommer zurückgezogen sind. Da jetzt mit Osei-Tutu nach Bochums Jan Gyamerah bereits der zweite Rechtsverteidiger kommen könnte, scheint die sportliche Perspektive für Sakai, der in den letzten Wochen und Monaten auch unglücklich wirkte, ungünstig.

Wer aber ist der Jordi Osei-Tutu?

Der Rechtsverteidiger wechselte in der U18  aus der Akademie des FC Reading zum FC Arsenal und spielte dort für alle weiteren Nachwuchsteams bis zur U23, für die er beim Titelgewinn 2017/18 insgesamt 18 Partien und in der letzten Saison elf Spiele in der Premier League 2 bestritt. Als Belohnung reiste er zuletzt sogar mit den Profis im Rahmen der Sommervorbereitung nach Singapur und zählte in der Europa League zum Kader. Auf Einsätze brachte er es allerdings noch nicht. Die sollen und könnten jetzt schon bald beim HSV folgen, wenn der Wechsel tatsächlich zustande kommt. Der „Sun“ zufolge wollten der schottische Meister Celtic Glasgow sowie der englische Zweitligist FC Brentford Osei-Tutu ebenfalls ausleihen, der 20-Jährige soll sich aber für den Weg nach Deutschland zum HSV entschieden haben. 

Sportlich, um hier gleich einmal Euren Fragen zuvor zu kommen, kann ich über Osei-Tutu leider nichts sagen. Ich kennen ihn nicht und  habe auch nicht genug Videomaterial finden können, um ihn auch nur annähernd (schon gar nicht objektiv) beurteilen zu können. Ich habe allerdings einen sehr guten Bekannten, der seit knapp 20 Jahren in London lebt und sich dort bis zur vierten Liga nahezu alle Fußballspiele anschaut, die er in seiner Freizeit zu fassen bekommt. Der sagte mir gerade, dass er den Rechtsverteidiger namentlich kennen würde und wüsste, dass dieser immer wieder hoch gehandelt wäre - nur live gesehen hat auch er ihn noch nicht. Und da es vom HSV zu diesem Namen wie gewohnt keine Bestätigung gibt, bleibt uns nichts, als abzuwarten.

Rein nominell indes wäre dieser Transfer - sofern er preislich stimmig bleibt - sehr passend. Denn man würde einen Spieler, der in den letzten Jahren zu einem von vielen Gesichtern des Misserfolges geworden ist, durch ein frisches und hoffnungsvolles Talent ersetzen. Aber das nur zwischendurch und in aller Kürze an einem richtig schönen, sonnigen Pfingstsonntag, den Ihr hoffentlich ab sofort wieder besser zu nutzen wisst, als mit irgendwelchen HSV-Themen. Die kommen in den nächsten Tagen schon von ganz allein. Und: Es reicht ja auch, wenn einer hier so bekloppt ist … ;-)

In diesem Sinne, bis morgen. Euch allen bis dahin noch einen richtig schönen Pfingstsonntag. Genießt die (HSV-)freie Zeit!

Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
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