Marcus Scholz

30. Januar 2019

 

„Wir wollen sofort gut spielen und gewinnen, nicht erst in ein paar Wochen“, hatte Trainer Hannes Wolf vor dem Auftakt 2019 gegen den SV Sandhausen gefordert. Seine Mannschaft setzte das über weite Teile des Spieles auch um und gewann vor 36.564 Zuschauern (Negativrekord) verdient gegen einen Gegner, der erschreckend harmlos auftrat. Pierre Michel Lasogga war es, der mit seinen Zweitligatreffern Nummer acht und neun in dieser Saison das Spiel entschied. Trainer Hannes Wolf: „Wir haben eine gute 1. Halbzeit gespielt, auch wenn oft die finale Aktion, der finale Pass, der finale Schuss gefehlt haben. Die 2. Halbzeit war dann nicht mehr so sauber von uns. Das Spiel ist dadurch eng geblieben. Es ist nie leicht, das erste Spiel des Jahres nach einer Vorbereitung zu gewinnen. Wenn wir uns heute dennoch etwas vorwerfen müssen, dann dass wir aus den vielen guten Chancen kein Kapital in Form von mehr Toren geschlagen haben.“

Mit Jung - ohne Hunt. Dafür mit Tatsuya Ito auf der zentral-offensiveren Position neben Lewis Holtby. So begann der HSV, und es passte zu Beginn. Ito als dauerhaft beweglicher Anspielpunkt verlor zwar noch zu viele einfache Bälle, versuchte sich aber zumeist darin, die Bälle schnell und kurz zu spielen, während Holtby aus der Halbposition immer wieder auch mit Bällen in die Tiefe und über die Sandhauser Viererkette hinweg für Gefahr sorgte.

Der stellvertretende Kapitän war es sogar selbst, der die erste Hundertprozentige auf dem Fuß hatte, als er in der 9. Minute nach schönem Pass von Douglas Santos allein vor dem Sandhauser Tor auftauchte. Sein Schussversuch gegen die Laufrichtung von SVS-Keeper Schuhen war dann aber doch zu zentral und konnte vom besten Sandhauser mit dem Fuß pariert werden. Schuhen war es dann auch, der in der ersten Halbzeit fast bis zum Abpfiff alles parierte, was auf ihn zugeflogen kam. Selbst dann, wenn die HSVer aus dem Abseits kamen. Der HSV machte es gut. Einziges Problem: Die Tore fehlten. Denn mit mehr als 80 Prozent Ballbesitz und allein bis zur 30. Minute drei Großchancen sowie vielen Halbchancen demonstrierte  der HSV seine Überlegenheit deutlich. Allein der oder sogar die Führungstreffer, fehlten.

Bis unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff dann doch das Tor fiel. Piere Michel Lasogga war es, der den Bann in der 45. Minute brach. Allerdings musste er den von Bakery Jatta nach schönem Santos-Pass quergelegten Ball nur noch einschieben. Bitter für Sandhausen: Es roch beim Pass von Santos auf Jatta nach Abseits. Bitter für den HSV: Jatta verletzte sich in dieser Szene offenbar am Fuß. Er musste auch kurz behandelt werden, konnte dann aber in der Zweiten Halbzeit doch weitermachen.  

Der HSV spielte in der ersten Halbzeit genau das, was man gegen einen derart unterlegenen, destruktiven Gegner spielen muss. Geduldig, ohne die eigene Defensive zu vernachlässigen, wartete man auf die sich bietende Lücke. Insbesondere über Jatta gab es diese auch immer wieder. Und der Gambier zeigte, dass auch ein zweifellos extrem schneller Gegenspieler wie Ex-HSVer Dennis Diekmeier gegen ihn Probleme hat, wenn er ins Laufen kommt. Wie beim 1:0. Einzig den Lothar-Matthäus-1990-Gedächtnis-Sprint, als Jatta vom eigenen Sechzehner bis in den gegnerischen Sechzehner an vier Sandhausern vorbeisprintete, wusste Diekmeier im letzten Moment mit einer Grätsche noch zu stoppen - weil Jatta zu zögerlich abschloss.

Gemessen an den ersten 45 Minuten versprach die Partie hier und heute wenig Spannung. Der Gegner, dessen Ausflüge in die HSV-Hälfte so torgefährlich  waren wie es Dennis Diekmeier in seinen acht Jahren für den HSV war, versuchte es in den ersten Minuten der zweiten Hälfte zwar, kam aber über eben jenen Versuch selten bis nie hinaus. „Wem kann man denn da noch eine Vier geben“, fragten sich meine Kollegen auf der Tribüne gegenseitig und fanden einhellig die Antwort: „Keinem“. Zumindest keinem Feldspieler, denn Keeper Schuhen hatte sich sogar eine bessere Note verdient. Aber auch nur er. Trotzdem dauerte es bis zur 61. Minute, bis der HSV wieder zu einer Torchance kam. Holtby hatte den Ball im Sechzehner auf Narey quergelegt, der sofort abschloss. Problem nur: Mit Rick van Drongelen stand der eigene Mann im Weg und blockte ungewollt.

Und während alle auf den zweiten Treffer warteten, kam, was nicht kommen durfte: Sandhaufen glich aus. Aus dem Nichts. Jatta hatte Probleme, den ball aus dem eigenen Sechzehner zu bekommen, Diekmeier kam mit dem Fuß dazwischen und wurde von Jatta getroffen. Im Sechzehner leider,  daher gab es Elfmeter. Und den verwandelte Andrew Wooten zum 1:1. Bitter für den HSV, dass der allererste Torabschluss für die Gäste gleich saß (65.). Noch bitterer kam es aber für Sandhausen, denn der HSV antwortete prompt. Der heute gute, sehr fleißige Holtby legte den Ball mit der Fußspitze auf Lasogga in den Sechzehner und der Angreifer traf keine drei Minuten nach dem Ausgleich zur erneuten Führung (68.) halbhoch ins linke Eck. Einfach schön dieser Treffer!

Sandhausen versuchte jetzt alles in ihrer Macht stehende - und das meine ich nicht despektierlich. Denn wirklich heraus kamen kaum nennenswerte Torszenen. Und das, obwohl der HSV etwas nachließ, vermehrt leichte Bälle verlor. „Wir entscheiden am Ende immer selbst, was passiert“, hatte Aaron Hunt zum Ende der Hinrunde ganz passend analysiert. Und auch heute war es der HSV selbst, der diesen sicheren Sieg in Gefahr bringen konnte. Ehrlich gesagt muss man die letzten zehn, 15 Minuten auch intern aufarbeiten - aber auf Pollersbeck war aber Verlass.

Am Ende reichte es auch deshalb zu einem insgesamt sehr verdienten 2:1-Sieg, bei dem das Beste neben den drei Punkten mehr Vorsprung auf den FC St. Pauli für mich war, dass auch die Rückkehrer wieder reaktiviert sind. Gideon Jung, der es ordentlich machte trotz vereinzelter Stellungsprobleme. Aber auch Aaron Hunt, der in der 70. Minute eingewechselt wurde, zusammen mit Zugang Berkay Özcan. Alle drei hatten also ihre Spielminuten, um sich wieder an den Ligabetrieb zu gewöhnen.

 

Nicht im Kader standen heute übrigens Leo Lacroix und (etwas überraschend) auch Christoph Moritz. Beide Spieler könnten den HSV in letzter Sekunde noch verlassen. Wohin es Laxcroix zieht ist noch offen. Dem Vernehmen nach sind englische Klubs interessiert. Bei Moritz soll ein Wechsel zu Darmstadt 98 bevorstehen, vermeldet der Kicker in seiner Donnerstagausgabe. Klar ist, dass beim HSV kein Neuer mehr dazukommen wird. Und, wenn wir schon bei den Randerscheinungen sind, eine gute Nachricht gab es auch: Die bedauernswerte Auflösung der Ultra-Gruppierung „Poptown“ wurde auf der Nordtribüne sehr gut kompensiert.

Kurzum: Es war ein erfolgreicher Auftakt mit einer guten und einer ausreichenden Halbzeit gegen einen viel zu harmlosen Gegner, bei dem Dennis Diekmeier nach Schlusspfiff doch noch vom HSV offiziell verabschiedet wurde. Ebenso schade wie verständlich bei dem nasskalten Wetter, dass sich das Stadion zu diesem Zeitpunkt schon fast geleert hatte.

In diesem Sinne, bis morgen! Scholle

Das Spiel im Stenogramm:

HSV: Pollersbeck - Sakai, Jung, van Drongelen, Santos -  Mangala - Narey (69. Özcan), Ito (69. Hunt), Holtby (87. Vagnoman), Jatta - Lasogga

SV Sandhausen: Schuhen - Diekmeier, Verlaat, Knipping, Dieckmann (58. Schleusener) - Kulovits (82. Vollmann), Taffertshofer - Gislason, Förster (82. Behrens), Paqarada - Wooten

Tore: 1:0 Lasogga (45.), 1:1 Wooten (65./FE), 2:1 Lasogga (68.)

Zuschauer: 36.564

Schiedsrichter: Sören Storks (Velen)

Gelbe Karten: Gislason (58.)

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.