Marcus Scholz

4. Juli 2018

Der HSV hat bei seinem zweiten Testspiel den zweiten Sieg eingefahren. Gegen den Hamburger Dauer-Meister TuS Dssendorf (5. Liga) gab es im traditionsreichen Stadion „Sander Tannen“ einen 10:0-Sieg vor ausverkaufte Haus. Dabei sahen die 3622 Zuschauer einen flotten Kick, bei dem allerdings einige Stammspieler des HSV fehlten. Lewis Holtby musste beispielsweise mit Problemen am Schienbein passen. „Lewis hat Flüssigkeit im Schienbein. Durch eine Fehlbelastung führt das zu Beschwerden in den Leisten. Er hat vor einigen Tagen einen Tritt dagegen und erst mal weiter trainiert. Jetzt haben wir ihn aber mal zwei, drei Tage rausgenommen, damit er sein Bein hochlagert. Nichts Schlimmes. Die Flüssigkeit muss raus“, so Trainer Christian Titz.

Ebenfalls heute in Bergedorf nicht dabei: Aaron Hunt. „Oberhalb seiner alten Verletzung (Adduktorenbereich, d. Red.) hat er Probleme. Wir wollen kein Risiko eingehen, dass etwas reißt. Vielleicht ist er Freitag wieder dabei. Aber wir werden das vernünftig steuern.“

Fiete Arp war in Bergedorf dabei, was an sich keine Meldung wäre. Da ihm Trainer Titz am Mittag aber noch freigegeben hatte, wunderten sich nicht wenige über den Youngster. Immerhin hatte Arp hatte am Vorabend seine Abi-Feier gehabt und Trainer. Titz gesagt: „Er hat frei. Abifeier hat man nur einmal im Leben. Das hat er sich verdient.“ Warum Arp am Abend doch dabei war? Weil er unbedingt spielen wollte

Vernünftig wären auch Verkäufe weiterer Spieler, wie der HSV intern festgelegt hat, nachdem diese beiden Spieler selbst ihre Wechselabsichten verdeutlicht hatten. Daher sollen  Bobby Wood und Kyriakos Papadopoulos nach Möglichkeit abgegeben werden. Ob das schon bis zum am Sonntag beginnenden Trainingslager in Österreich klappt? „Das kann man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sicher beantworten. Beide haben erklärt, dass sie sich verändern möchten. Bei ‚Papa’ gibt es die Absprache, dass er mit unserem Athletiktrainer arbeitet – auch auf eigenen Wunsch. Er wird nicht mitfahren und mit dem Fitnesstrainer in Hamburg arbeiten. Die beiden haben uns mitgeteilt, dass sie sich verändern und weiterhin Bundesliga spielen möchten. Bei Bobby warten wir die Gespräche ab, ob es in den kommenden Tagen zu einem Transfer kommt.“

Dass Papadopoulos mit dem Athletiktrainer arbeitet, hat auch egoistische Gründe, denn der Grieche ist nicht fit. Im Gegensatz zu Wood. Eine schwierige Situation für Trainer Titz und Sportvorstand. Titz: „Papa wird mit dem Athletiktrainer arbeiten. Bei Bobby waren die Werte gar nicht so schlecht. Trotzdem heißt es: Wechselt er den Verein oder nicht? Wenn nicht, setzen wir uns mit ihm zusammen, was am sinnvollsten ist – wie wir den Fitnessaufbau gestalten. Und wenn er sich entscheidet, hier zu bleiben, dann ist er Mitglied der Mannschaft. Stand heute ist aber, dass er Gespräche mit anderen Vereinen führt.“ Ebenso wie Mergim Mavraj, der egal wie bei Titz keine Rolle mehr spielt: „Auch da ist der Stand: Er führt Gespräche mit anderen Vereinen. Da haben wir gesagt, dass wir uns am Donnerstag kurzschließen, wie der Stand der Dinge ist.“

Offen ist noch, ob erst nach einem weiteren Verkauf bzw. einer weiteren Gehaltseinsparung neue Spieler geholt werden können, oder ob für Wunschspieler Jairo Samperio eine Ausnahme gemacht wird. Fakt ist, dass der HSV diesen Transfer realisieren will. Schnellstmöglich und am besten noch vor dem Trainingslager. Der Trainer über den Spanier, der ablösefrei wäre: „Ich kennen ihn. Er ist ein guter und interessanter Spieler. Die Spieler, mit denen wir uns beschäftigen, die habe ich alle gesehen und intern intensiv besprochen. Wir wollen behutsam mit Zugängen umgehen. Wir wollen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, bei Transfers richtig zu liegen. Deswegen lassen wir uns lieber etwas länger Zeit. Wir haben nicht so viele Versuche. Die wirtschaftliche Situation des Vereins ist bekannt. Wir würden dann auch eher nichts machen, wenn wir nicht vollkommen überzeugt sind. Nur etwas zu machen, um etwas zu machen, macht keinen Sinn.“ Dennoch wird erwartet, dass der Transfer des Spaniers sehr zeitnah über die Bühne geht.

Vielleicht auch bei Andreas Ivan. Dem Rumänen, der zu gefallen wusste, hatte der HSV einen Vertrag für die U21 angeboten. Der Außenstürmer, der zuletzt in der Regionalliga für Waldhof Mannheim spielte, lehnte ab, weil er nur zu den Profis wolle. „Er führt Gespräche mit anderen Vereinen. Ende der Woche besprechen wir uns noch mal, ob er sich für eine andere Option entscheidet oder ob er mit uns ins Trainingslager fährt. Ich würde mich freuen, wenn er mitfährt“, so Titz. Dabei hätte Ivan noch mal die Chance, sich für einen Profivertrag anzubieten.

Anbieten sollten sich auch einige HSV-Profis bei der WM. Und das taten sie sehr unterschiedlich. Allein Albin Ekdal ist mit seinen Schweden noch im Turnier vertreten, während Gotoku Sakai mit Japan als Ergänzungsspieler bereits raus ist. Und während Sakai gerade seinen vertrag beim HSV verlängert hat, erhofft sich der HSV vom stark aufspielenden (weil mal länger gesunden) Ekdal eine gute Ablösesumme. Vor allem aber wünscht Titz seinem Spieler, wie er sagt, viel Glück: „Ich habe heute Morgen noch mit ihm (Albin Ekdal) kommuniziert und ihm viel Glück für den weiteren Turnierverlauf gewünscht. Er hat geschmunzelt und meinte: ‚Der Schweden-Express rollt.’ Auch dank Albin Ekdal, das muss man sagen. Er macht das sehr gut. Das freut mich für ihn.“

Derweil sei es schade für Sakai, bei dem Titz versucht, das Positive am Ausscheiden zu sehen: „Man ist immer hin und hergerissen. Auf der einen Seite sagt man, es wäre schön, wenn er weiterkommt. Aber für uns bedeutet das Aus von Japan, dass ‚Go’ noch in der Vorbereitung zu uns stoßen kann. Er ist ein Spieler, der in einem wirklich guten Zustand ist. Er hat auch nicht so viel gespielt. Er bekommt aber auch eine Woche frei, in der er nichts machen muss. Danach hat er seinen Laufplan. Wenn er wieder da ist, nehmen wir die Werte und schauen, wie wir ihn integrieren.“

Dass die Mannschaft noch Verstärkungen braucht, wurde am Abend in Teilen wieder erkennbar. Obwohl man gegen den Hamburger Serienmeister TuS Dassendorf vor 3622 Zuschauern im ausverkauften Stadion an den Sander Tannen in Bergedorf deutlich mit 10:0 gewann, war das Spiel des HSV vor allem in der ersten Hälfte defensiv eine Mischung aus riskant und fahrlässig. Dass es am Ende dennoch deutlich wurde lag vor allem daran, dass bei den in der ersten Hälfte noch sehr physisch auftretenden Dassendorfern in der zweiten Halbzeit die Kräfte nachließen. Zweimal Lasogga (15., 19. FE) und einmal Marco Drawz nach schönem Pass von Matti Steinmann trafen zum 3:0-Halbzeitstand (34.), ehe in der zweiten Halbzeit die (Dreiviertel-)Stunde der Premieren-Tore begann. Nach Bakery Jatta (66., 87.) trafen auch die Zugänge Wintzheimer (73., 85.), Christoph Moritz (71.) und David Bates (77.), während der ansonsten gute Dassendorfer Joe Warmbier ein Eigentor fabrizierte (69.).

Spielerisch war das Spiel heute noch nicht ausreichend. „Wir haben zu viele Fehlpässe gespielt und vergessen, das Einfache zu machen. Auch deswegen war der Trainer in der Halbzeit nicht zufrieden“, so Moritz, der in der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde und selbst davon sprach, dass man kein gutes Spiel gemacht habe. Aber hört selbst:

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um 11.30 Uhr am Volksparkstadion trainiert.

Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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