Marcus Scholz

26. April 2019

Hannes Wolf plant wieder etwas. So scheint es zumindest. Und nachdem der HSV gegen RB Leipzig am Dienstag positionell wie personell für einige Überraschungen gut war, ist ähnliches auch diesmal nicht ausgeschlossen. Zumindest ließ Hannes Wolf heute entgegen erster Ansagen nach 30 Minuten Warmmachen auf dem Trainingsplatz den Rest der Einheit unter Komplettverschluss im Stadion absolvieren. Vor dem Spitzenspiel bei Union Berlin am Sonntag will sich Wolf nicht in die Karten schauen lassen und den Vorteil nutzen, durch seine letzten Aufstellung - sowohl personell wie positionell - den kommenden Gegner im Unklaren zu lassen, wie er spielen lassen will und wird. Insofern hatten die Umstellungen schon zum Zwecke der Gegnerverwirrung etwas positives.

Aber auch sportlich konnte der HSV zuletzt punkten. Mit einer Dreierkette sowie Douglas Santos auf der Sechs wurde Leipzig bespielt - und es wird sicher in der Form gegen Union Berlin nicht passieren. Heute im Training fehlten neben den zur U21 abgestellten Fiete Arp und Tatsuya Ito (Wolf: „Sie müssen auf den Platz, spielen…“) auch Kyriakos Papadopoulos (Knie) und Orel Mangala (Zeh-Pressling). „Bei Papa wird es eng bis Sonntag“, ließ Wolf heut durchblicken, während er bei Orel Mangala alles offen ließ. Der Spieler selbst wirkte indes sehr zuversichtlich, gegen Union am Sonntag dabei sein zu können. „Es ist nicht so schlimm“, so der Belgier, der bei der nächsten Gelben Karte gesperrt wäre. Daher wäre es vielleicht gar nicht so schlecht, wenn Mangala gegen Union dabei ist und sich gegebenenfalls in der Hauptstadt seine Fünfre Gelbe abholt. Die Sperre würde er dann i Heimspiel gegen Ingolstadt absitzen und liefe so nicht mehr Gefahr, im letzten Spitzenspiel der Saison beim SC Paderborn gesperrt zu sein. Oder eben immer dabei und gar nicht erst gesperrt. Das wäre natürlich auch okay…

Pressekonferenz des HSV vor dem Spiel bei Union Berlin

Aber im Ernst: Gegen Berlin braucht der HSV zwingend das Beste, was der Kader derzeit zu bieten hat. Ich habe mir das letzte Heimspiel gegen Jahn Regensburg angesehen, das die Berliner kurz vor Schluss wenigstens nich mit dem Treffer zum 2:2 ausgleichen konnten. Dabei war ebenso zu erkennen, was Union Probleme bereitet. Aber es wird eben auch deutlich, mit welcher Power sie agieren können. Zumindest war der Druck, den Union in den letzten 15 Minuten entwickelte, mehr als der HSV bislang zustande gebracht hat. Nachdem man es zuvor spielerisch nicht hinbekommen hatte, spielte man plötzlich Karo einfach. Also: Lange, hohe Bälle in den Sechzehner - also immer in Richtung Gefahrenzone. Mit den langen Abwehrspielern, dem Schweden Sebastian Andersson und dem gerade eingewechselten Sebastian Polter wurde fast jeder Flankenball gefährlich - und einer führte letztlich auch zum Ausgleich durch Polter. Union Berlin gelang bei Eckbällen und Freistößen bislang 18 Tore. Und allein das macht mir schon große Sorgen. Denn angesichts der Defensivschwäche des HSV bei Standards (18 der 33 Gegentore kassierte der HSV nach Standards) droht hier Ungemach.

Und das weiß auch Wolf. Deshalb trainierte er erneut Standards. Sie seien ein Dauerthema, so der Trainer. „Das ist eine gute Mannschaft“, warnte Wolf heute, „wir haben das im Hinspiel gesehen. Da haben wir ei 0:1 gedreht, 2:1 geführt - und dann ganz spät noch das 2:2 kassiert. Das wird ein Duell auf Augenhöhe, es wird sehr physisch.“ Auch deshalb könnte der längste HSV-Profi, Leo Lacroix, in Berlin wieder sehr wichtig werden werden. Obgleich er im Berlin-Hinspiel maßgeblich an beiden Gegentreffern beteiligt war, könnte er bei hohen Bällen helfen. Trainer Hannes Wolf: „Er macht das die letzten Wochen wirklich gut. Ich bin froh, dass er da ist. Wir brauchen ihn am Sonntag. So einen Verteidiger mit der Physis brauchen wir.“ Ebenso wie Rick van Drongelen und alle anderen. Ich war ob der Kopfballstärke der Berliner ehrlich gesagt auch davon ausgegangen, dass Pierre Michel Lasogga beginnen würde, da er zu den kopfballstärksten Hamburgern zählt und bei Defensivstandards gebraucht würde. Heute aber deutete Wolf an, dass Lasogga durchaus auf der Bank bleiben könnte. „Pierre hatte immer mal wieder muskuläre Probleme“, so HSV-Trainer Wolf heute auf der Pressekonferenz. „Wir müssen schauen, wie wir es machen. Wir haben mehrere Möglichkeiten. Wir müssen eine Entscheidung fällen und dann Vollgas geben.“

Klingt ein wenig so, als würde Manuel Wintzheimer wieder anstelle Lasoggas beginnen. Der zweifellos etwas laufstärkere Angreifer wäre für Konter gegen zumeist im 4-1-2-3-System agierende Berliner geeigneter. Ebenso wie Hee Chan Hwang, dessen Position für mich keine andere sein darf als die auf der neun. Zumindest so lange nicht, bis der Südkoreaner sich dem HSV-Spiel anpasst und aufhört bzw. verinnerlicht, wie er ein funktionaler teil des Teams werden kann. Allerdings gibt es bei dem Offensivspieler wohl nicht nur auf dem Platz Anpassungsprobleme. Zusammengefasst kann man festzuhalten: Hwang bringt sportlich alle Zutaten mit, um eine große Hilfe zu sein. Aber: Er hat sie bislang noch nicht ein einziges mal wirklich abgerufen und avanciert weiterhin zum Fehleinkauf. Leider.

Apropos: Heute vermeldeten die Kollegen der BILD, dass der HSV Leo Lacroix nun plötzlich doch verpflichten will. Nach zwei guten Spielen - inklusive dem Köln-Hinspiel waren es drei gute Spiele - soll bei dem langen Schweizer die Kaufoption gezogen werden. Hannes Wolf äußerte sich heute nicht dazu, aber er betonte noch mal, dass er mit den letzten Eindrücken Lacroix’s sehr zufrieden ist. Dass das am Ende tatsächlich dazu führen soll, das Lacroix verpflichtet wird, halte ich im Moment für schwer nachvollziehbar. Zumindest bis jetzt. Sollte sich Lacroix tatsächlich auf dem Niveau der letzten Wochen stabilisieren - okay. Dann wäre er sportlich für die Zweite Liga sicher eine Verstärkung. Aber mit der vereinbarten Summe von zwei Millionen Euro als Kaufoption würde der HSV meiner Meinung nach selbst dann noch zu teuer einkaufen. Aber vielleicht haben Wolf und Becker ja wie schon bei Jatta eine bevorstehende Entwicklung erkannt, die ich mir so einfach noch nicht vorstellen kann… Auf mich wirkt das wie so oft beim HSV, als würde man sich zu sehr vom Momentum beeindrucken lassen.

Schwer vorzustellen ist auch, wie Wolf letztlich in Berlin beginnen wird. Kommt Sakai wieder ins Team? Wird wieder mit Dreierkette agiert? Beginnt Wolf wirklich mit Santos erneut auf der Sechs und mit Kapitän Aaron Hunt davor? Wobei, wenigstens zur letztgenannten These kann ich sagen, dass es aus meiner Sicht eine gute Lösung wäre, um endlich wieder einen Hauch von Kreativität ins Aufbau- bzw. Offensivspiel zu bekommen. Dazu mit Mangala einen Achter und einen richtigen Sechser, der abräumt - für die Balance zwischen Offensive und Defensive. Ich fand auch die Lösung gegen Leipzig zu Beginn, wo sich Jatta auf der Außenbahn auch immer wieder in die Abwehrreihe einsortierte  sehr charmant. Aber: Über die Außen sollte der HSV weiter auf maximales Tempo achten, um zumindest die Chance darauf zu haben, mal durchzubrechen. Aber morgen mehr zur möglichen Startelf.

Bis dahin wünsche ich Euch allen einen schönen Freitagabend und freue mich darauf, Euch morgen wieder ein „MorningCall spezial“ anbieten zu können. Ich werde dafür mit dem Union-Insider Daniel Roßbach sprechen und wir werden hören, wie die Stimmung bei dem HSV-Verfolger derzeit ist, wer spielt und wer ausfällt bzw. wie Union-Trainer Urs Fischer gegen den HSV zu spielen gedenkt. Und am Sonntag kommen wir dann das erste Mal mit unserer „Auswärtscouch“ zu Euch nach Hause - wenn Ihr uns denn sehen wollte. Aber mehr dazu im Anhang. Und wer sich die Pressekonferenz der Berliner ansehen will, kann das HIER machen.

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

 

Moin zusammen!

Für unseren HSV geht es in die heiße Schlussphase der Liga. Mit Union Berlin und dem SC Paderborn stehen zwei direkte Konkurrenten um den Aufstieg auf dem Programm. Zwei überaus spannende und für das Saisonziel umso wichtigere 6-Punkte-Spiele stehen uns bevor.

Diese Endspurt-Krimis finden jedoch nicht im heimischen Wohnzimmer „Volksparkstadion“ statt, sondern in weiter Ferne. Die meisten von euch verfolgen die Partien wohl am heimischen Fernseher. Gefiebert, gehofft, gefeiert wird dann eher allein. Viel besser wäre es doch, wenn wir die Kracherpartie gemeinsam verfolgen könnten, oder?

Darum möchten wir euch heute herzlich zu unserem Live-Event #Auswärtschouch einladen! Wir schauen das Spiel gegen Union Berlin bei YouTube im Live-Stream, zusammen mit euch im Live-Chat und mit zwei fabelhaften Gästen: Nils Bomhoff von Rocket Beans TV und Taktikexperte Tobias Escher! Während ihr also am heimischen TV die Partie verfolgt, nehmt den Laptop, das Tablet oder Smartphone mit auf die Couch und genießt unsere Kommentare zum Spiel und fiebert selbst via Live-Chat und Twitter mit. Unbändige Emotionen und knallharte Analysen erwarten euch!

Das Event startet am Sonntag, den 28.04. um 13:00 Uhr mit unserer Vorbesprechung der Partie. Zwischen den Halbzeiten gibt es dann natürlich die Halbzeitanalyse. Nach Abpfiff werden wir euch mit einem Live-Blitzfazit versorgen und mit unseren Gästen - und euch im Chat sowie via Social Media - über das Spiel diskutieren. Das wird ein ganz wunderbarer Fußball-Nachmittag! Drücken wir die Daumen, dass unser HSV diesen mit einem Dreier abrundet.

Habt ihr Bock mit @boedefeld_, @TobiasEscher und @Scholle0003 zusammen die Partie #FCUHSV live zu schauen? Wir auch! Darum am Sonntag um 13 Uhr auf YouTube einschalten, wenn wir uns auf die #auswärtscouch lümmeln. Emotionen, Analysen, Aufstiegskampf! #nurderHSV

— Rautenperle (@rautenperle) 24. April 2019

 

Zum Live-Stream gelangt ihr am Sonntag wie gewohnt direkt über unseren YouTube-Kanal und hier im Blog. Um auf Nummer sicher zu gehen, dass ihr das Event auch nicht verpasst, abonniert am besten hier kostenlos unseren Kanal und folgt uns auf Twitter. Unter dem Hashtag #auswärtscouch twittern wir zum Event und wollen euch (neben dem Live-Chat) auch darüber in die Sendung holen.

Auf geht’s! 

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FAQs

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.