Derby

Nach dem Derby ist vor dem Derby

Zugegeben: Normalerweise sollte man doch heute schon heiß sein. Heiß auf das Derby am Sonnabend. Aber irgendwie ist diese Anspannung noch nicht bei mir angekommen. Schon im Hinspiel dauerte es bis kurz vor den Spieltag selbst, bis sich diese Vorfreude einstellte. Weil es eben kein Erstliga-Derby mehr ist, sondern „nur“ auf Zweitligaebene. Da ist es wahrscheinlich wie mit allem, was man schon größer, doller, besser erlebt hat - Abstufungen mag keiner. Zumindest ich nicht.

Ein Nordderby unter unerwarteten Vorzeichen

Die Vorfreude ist aber nicht nur bei Martin Harnik da. Unabhängig davon, ob das Spiel als Nordderby gewertet werden darf (Martin Kind) oder eben nicht (Rick van Drongelen), sind Spiele bei Hannover 96 für einige HSVer, die dort bereits spielten oder trainierten, etwas Besonderes. HSV-Trainer Dieter Hecking betonte das heute auf der Pressekonferenz auch noch einmal, nahm dem Ganzen aber zugleich auch jegliche überbordende Bedeutung. Dennoch dürfte gerade er sich auf das Duell freuen. Denn er ist als Coach seit neun Duellen (sieben Siege, zwei Remis) gegen Hannover 96 unbesiegt - so lange wie gegen keinen anderen Club im deutschen Profifußball. Zudem reisen rund 15.000 Anhänger diesmal aus Hamburg mit an - eine Zahl, die es sonst bei kaum einem Auswärtsspiel gibt. Nicht einmal in der Ersten Liga zieht ein Auswärtsspiel des HSV regelmäßig so viele HSV-Anhänger. Es wird also ein Zweitligaspiel vor Erstligakulisse mit Derbycharakter. Und ich habe für Euch neben den Pressekonferenzen der beiden Trainer hier noch einmal die wichtigsten Daten und Fakten zusammengestellt:

Harnicks Rückkehr

„Lasst mich erst einmal liefern - dann können wir immer noch reden.“ Mehr wollte Martin Harnik heute nicht sagen. Und das, obgleich es für ihn am Sonnabend zu einem Ex-Klub geht und er unmittelbar vor der Rückkehr in die Startelf steht. Zumindest deutet sich das bislang im Training so an.

Die Zeit ist reif für Vagnoman

Der Moment ist gut. Okay, das klingt so kurz nach der Derby-Niederlage vielleicht etwas seltsam - ist aber so. Denn diese Mannschaft bietet genau das, was man braucht, um junge Spieler langsam aber eben auch nachhaltig an die Bundesliga (oder wie jetzt Zweite Liga) heranzuführen. Adrian Fein hat das bereits erfahren und ist nach sechs Wochen Vorbereitung schon zu einem Führungsspieler herangewachsen. Gegen den FC St. Pauli durfte zudem mit Josha Vagnoman ein weiterer Youngster ran. Er spielte zwar leider nur eine durchwachsene Partie.

2:0 - HSV gibt Stadtmeisterschaft (vorläufig) ab

Unerlaubtes Feuer von den Rängen – aber zu wenig vom HSV auf dem Platz. Dazu ein paar unglückliche Szenen, wenig Mut, verpasste Großchancen zu Beginn der zweiten Halbzeit und zwei absolut vermeidbare Gegentreffer – so schnell kann man diese erste Niederlage des HSV im Profifußball am Millerntor zusammenfassen. Kapitän Aaron Hunt machte es dann aber doch etwas ausführlicher: „Pauli ist im ersten Durchgang verdient in Führung gegangen. Nach unseren guten Phasen vor und nach der Pause waren wir beim 0:2 einfach zu unaufmerksam. Unterm Strich haben wir heute leider verdient verloren.“ So war es.

Der Direktvergleich - HSV siegt 10:4

Es sind nur noch wenige Stunden, nur noch wenige Momente bis zum nächsten Showdown auf Stadtebene: Das Derby zwischen dem FC St. Pauli und dem HSV wird heute um 20.30 Uhr am Millerntor angepfiffen. Ein Duell, das nicht nur die Zuschauer vor Ort elektrisieren wird, sondern noch viele Hunderttausende außerhalb des Millerntorstadions. Bis weit über die Stadtgrenzen hinaus. Die Rautenperle hat sich in der letzten Woche bereits 24/7 der Rundum-Berichterstattung verschrieben und heute wollen wir Euch zum Abschluss noch den direkten Vergleich bieten: Wer ist besser aufgestellt?

Publikumsliebling Petric über seinen Derby-Moment

Fünfmal schellen - dann nimmt Mladen Petric (38) am anderen Ende der Leitung ab: „Hallo?“ Er isst gerade zu Mittag, daher ist es für ihn zunächst unpassend, um über das anstehende Stadtderby zu sprechen: „Ruf gerne noch einmal in einer halben Stunde an.“ Gesagt - getan. Mit dem 61-fachen Torschützen für den HSV haben wir über seinen persönlichen Derby-Moment, die aktuelle Situation in der zweiten Liga und seine eigene Zukunft gesprochen.

Diesmal gelingt der Balanceakt

Es ist so ein wenig die Ruhe vor dem Sturm. In sieben Tagen trifft der HSV am Millerntor auf den FC St. Pauli. Und nachdem heute Laktattests anstanden, geht es auch erst morgen wieder auf den Trainingsplatz. Zweimal wird öffentlich trainiert. Es sind die ersten beiden von insgesamt sechs Einheiten bis zum Stadtderby. Zum Vergleich: Der FC St. Pauli trainiert achtmal - wobei die zwei Einheiten mehr heute stattfanden, wo der HSV seine Laktattests machte. Insofern: Kein Grund zur Sorge für diejenigen, die mehr Training auch immer mit besserer Leistung verbinden. Im Gegenteil: Beide Trainer geben ihrer Mannschaft sogar am Donnerstag noch einen freien Tag, da das Spiel erst am Montag ist. Viel mehr Grund zur Sorge besteht ohnehin für die Zeit danach. Denn die letzten beiden Derbysieger (St. Pauli 2011) und der HSV im März kollabierten jeweils im Anschluss an die Derbysiege. Der FC St. Pauli stieg damals in die Zweite Liga ab - der HSV gab seinerseits die Tabellenführung noch ab und rutschte am Ende sogar aus den Aufstiegsrängen der Zweiten Liga.

Vorteil dank Raumbesetzung

Derbysieg! Es war ein überraschend einseitiges Spiel im Millerntor-Stadion. Dass der HSV die Partie derart dominieren konnte, lag auch am veränderten Spielsystem. Hannes Wolf stellte seine Mannschaft richtig ein. Wenn HSV-Fans nach zwei Dritteln der Saison eins gelernt haben, ist es die Tatsache, dass die Zweite Liga alles andere als ein Spaziergang ist. Wer als Traditionsteam aus der Ersten Liga herunter stolpert, sieht sich plötzlich einem Haufen hart arbeitender, gut verteidigender Gegner gegenüber. Der Hamburger SV tat sich in dieser Saison entsprechend schwer, gegnerische Defensivreihen zu knacken. Siege mit mehr als einem Tor Unterschied waren eine Seltenheit.

Ein außergewöhnliches Spiel bei einem ganz normalen Zweitligisten

Manchmal ist weniger mehr.  Und auch diesmal wäre etwas weniger schon deutlich besser gewesen. Finde ich. Denn beim Lesen der Tageszeitungen fiel mir das Doppelinterview von St. Paulis Klubpräsident Oke Göttlich mit Marcell Jansen auf. Immer wieder betonte Göttlich darin, wie viel Geld der HSV ausgegeben habe. Er deutete an, dass die Stadt den Verein finanziell bevorzugen würde und dass die unterschiedlichen Etathöhen den Wettbewerb ungleich werden ließen. Der Diplom-Sportwirt versuchte in diesem Interview ein Bild zu bemühen, das es so schon längst nicht mehr gibt. das von dem etwas anderen Fußballverein.  Denn eines steht fest: Der „etwas andere Klub“ vom Millerntor ist inzwischen ein komplett normaler Zweitligist geworden. Finanziell erfolgreich und kommerzialisiert bis ins kleinste Teilchen - und das ist auch völlig okay. Solange man es nicht leugnet.

Noch ist alles sehr harmonisch

Das war zu knapp geplant. Und ich hätte es eigentlich auch besser wissen müssen. Denn so ein Stadtderby ist eben kein normales Spiel. Im Gegenteil: Es kurbelt die Berichterstattung rund um die beiden Hamburger Zweitligaklubs so an, als würde man Erste Liga, wenn nicht gar in der Champions League spielen. Vereinspräsidenten werden gegeneinander geschnitten, ehemalige Toptorjäger wie Ivan Klasnic und Sergej Barbarez sind bei Sky ebenso gefragt, wie in unserem Rautenperle-Talk, den Ihr morgen ab 16 Uhr auf unserem Kanal sehen könnt. Zudem werden alle Parallelen und Schnittmengen zwischen beiden Klubs aufgezeigt.

Titz' System ist entschlüsselt

Das Derby ist ein paar Tage her, die Emotionen kühlen langsam ab. Zeit, sich dem 0:0 sachlich zu nähern. Auch wenn das Spiel gegen Erzfeind St. Pauli kaum Höhepunkte bot, steht es doch sinnbildlich für die aktuelle Lage des Hamburger SV. Nach der Hälfte der Hinrunde scheinen Hamburgs Gegner die perfekte Anti-Titz-Taktik gefunden zu haben. Dem HSV fehlt dummerweise die passende Antwort.

Sicherheit ist Trumpf

Die Sicherheit ist das wahrscheinlich größte Thema beim HSV derzeit. Dort vor allem natürlich in Hinsicht auf das Stadtderby am Sonntag. Und dafür fand heute im Volksparkstadion die große Sicherheits-Pressekonferenz statt, in der die Bundespolizei, die Hamburger Polizei, die beiden Pressesprecher sowie Stadionmanager Kurt Krägel Auskünfte gaben (siehe Video). Auskünfte, die weiterhin den Verdacht nähren, dass vor, während und nach dem Derby mit massiven Ausschreitungen bzw. einem stark erhöhten Risiko diesbezüglich zu rechnen ist.

Einfach mal die Ruhe bewahren

Eigentlich sollten heute und eventuell auch morgen noch (je nach Themenlage) Blogpausen eingelegt werden. Und bis zum Spiel des FC St. Pauli gegen Köln, das ich mir heute live angesehen habe, war ich auch fest davon überzeugt, dass das ginge. Geht aber nicht. Denn das Spiel der Kölner hat gezeigt, wie man in der Zweiten Liga aufsteigt: Wenn man auch in den brenzligsten Situationen die Ruhe bewahrt und seiner Überzeugung folgt.

FAQs

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.