Marcus Scholz

18. Oktober 2019

Zwei Tage war Papadopoulos schon Thema. Hier und in allen anderen Medien. Was doch eigentlich nicht wahr sein kann... Oder? Doch, kann es! Der Grieche ist sogar heute indirekt Thema. Zumindest ist es seine Position, denn die ist beim HSV weiter hart umkämpft. Und während heute die erste große Frage beim Training – kann Aaron Hunt gegen Bielefeld am Montag spielen? -  schnell durch dessen Abwesenheit beim Training mit „nein“ beantwortet war, wurde im Anschluss daran weiter der Partner vom immer stärker werdenden Rick van Drongelen gesucht. Der Niederländer, der sich seit Saisonbeginn zusehends steigert, gilt inzwischen in der Innenverteidigung als gesetzt. Und da Ewerton für das Bielefeld-Spiel nach Aussage Heckings noch nicht so weit ist, streiten sich nunmehr drei Verteidiger um eine Position.

Als da wäre: Gideon Jung. Der aus seiner Verletzung zurückkehrende Innenverteidiger konnte heute wieder voll mittrainieren und hatte von Trainer Dieter Hecking sogar in Abwesenheit großes Lob erfahren. „Rick und Gideon haben das einfach sehr gut gemacht“, hatte der HSV-Trainer am Rande des Testspieles vergangene Woche in Braunschweig in Hinblick auf die zukünftige Rolle von Ewerton gesagt. Schon dort hatte Papadopoulos keine Rolle mehr in den Planspielen Heckings eingenommen.

Anders Timo Letschert, der in diesem Test seine Form aus dem Fürth-Spiel bestätigte. Und der Niederländer war es dann auch, der heute das gesamte Training über neben van Drongelen im vermeintlichen A-Team trainierte. Gideon Jung? Der agierte durchgehend  im B-Team. Teilweise im Mittelfeld auf der Sechs, während Letschert seine Sache wie zuletzt auch heute ordentlich machte. Geht man nach Dieter Heckings bisheriger Vorgehensweise, möglichst wenig zu ändern, was funktioniert hat, dann dürfte er auch nach der Rückkehr Jungs weiter sehr gute Chancen haben, seine Position zu behalten.

Jonas David betreibt weiter eindrucksvoll Eigenwerbung

Am stärkste von allen Kandidaten wirkte auf mich heute allerdings der Kandidat, der abgesehen von Papadopoulos wahrscheinlich die geringsten Chancen auf einen Einsatz hat: Jonas David. Der Youngster marschiert weiter geradewegs nach vorn, seitdem man ihm von Vereinsseite im Sommer noch einen Wechsel nahegelegt hatte. Technisch ist er wahrscheinlich sogar der beste Innenverteidiger, den der HSV hat.

Der Rechtsfuß, der beim HSV in der Jugend sowie in den Juniorennationalteams des DFB im Mittelfeld spielte, verfügt über Tempo, über Zweikampfstärke und über die technischen Fähigkeiten, die ihn ein Spiel von hinten heraus kontrolliert eröffnen lassen. Was ihm fehlt ist Erfahrung – und damit beißt sich die Katze in den Schwanz. Denn für Erfahrung braucht er Spiele. Diese aber bekommt er auch deshalb nicht, weil er eben keine Erfahrung hat. Dennoch: Geht man allein nach den Entwicklungsschritten der letzten Monate, dann hätte sich David seine Chance redlich verdient.

 

 

Der einzige, der in Sachen positive Entwicklung hier noch gegenhalten kann, ist Rick van Drongelen. Der Niederländer ist seit Sommer für mich neben/kurz nach Adrian Fein einer der größten Gewinner dieser Mannschaft. Und das strahlt er auch aus. In den Trainingseinheiten ist er immer auffällig, weil körperlich und verbal extrem präsent. „Ich habe in den letzten Jahren gelernt, das zu dosieren. Früher war ich immer heiß, aggressiv - und manchmal eben auch zu sehr“, erinnert sich van Drongelen an seine heiße Phase zurück, „inzwischen weiß ich das gut zu kontrollieren und kann es sogar in positive Energie umzusetzen. Ich pushe mich damit.“

Vor allem aber nimmt er die Rolle des Führungsspielers in der Viererkette an. Sehr gern sogar, wie er selbst sagt. „Natürlich will ich jedes Spiel machen, und ich spiele auch viel. Aber mir ist noch wichtiger, dass wir da stehen, wo wir stehen.“ Ob es was zu bedeuten habe, dass sein Kumpel Gideon Jung heute in der B-Elf trainiert hat? Van Drongelen lacht: „So habt ihr das gesehen, oder? Aber das heißt ja nicht, dass es am Ende auch so ist.“ Er selbst würde sich zumindest freuen, wenn die heutige Aufstellung nichts zu sagen hätte: „Gidi und ich sind gut aufeinander abgestimmt. Es macht Spaß, mit Gidi zusammenzuspielen. Auch abseits des Platzes sind wir sehr gut miteinander. Aber auf dem Platz suchen wir immer nach Lösungen. Am Ende zählt hier völlig unabhängig von der Aufstellung nur der Erfolg.“

Van Drongelen: "Montag wird's schwer - aber es wird noch nichts entschieden."

Und der wird am Montag schwer genug in der ausverkauften Schüco-Arena zu holen sein. Das weiß auch van Drongelen: „Es ist ein wichtiges Spiel, aber am Montagabend wird noch nichts endgültig entschieden. Unabhängig vom Ergebnis. Letztes Jahr haben wir uns da schwergetan, dieses Jahr wollen wir da anders auftreten. Dazu haben wir die Qualität. Letztes Jahr waren wir zwar auch stark - aber jetzt haben wir schon mehr Tore als in der ganzen Halbserie letztes Jahr. Zudem bekommen wir wenig Gegentore. Wir sind stabiler.“

Fürwahr. Dennoch, Montag wird es voraussichtlich schwerer als zuletzt in Regensburg oder gegen Fürth. Bielefelds Offensivspieler Jóan Símun Edmundsson rechnet sich für sein Team gute Siegchancen aus. „Ich gehe von einem sehr intensiven Spiel aus. Der HSV hat jede Menge individuelle Qualität. Mit der vollen Schüco Arena im Rücken haben wir aber eine gute Chance“, sagt der Färöer, der es auf bislang drei Saisontore bringt. Und obgleich der HSV in Sachen Gegentore weiterhin die beste Abwehr hat, hatte man zumeist dann Probleme, wenn der Gegner über schnelle oder kopfballstarke Spieler vorn verfügte. Und Bielefeld hat offensiv genau diese Mischung mit dem pfeilschnellen Andreas Voglsammer sowie dem extrem abschluss- und vor allem kopfballstarken Fabian Klos.

So will der HSV gegen Klos und Voglsammer verteidigen

Besonders Letztgenannter könnte den defensiv kopfballschwachen HSV vor große Probleme stellen. „Er ist natürlich sehr groß“, sagt van Drongelen, um genauer zu werden: „1,94 Meter. Da ist es klar, dass er stark ist im Kopfball.“  Wie man es trotzdem verteidigen kann? Indem man aus Fehlern lernt, hier insbesondere aus dem Fehler vor dem 2:2-Ausgleichstreffer von Regensburg zuletzt in Regensburg. Da hatte sich van Drongelen 22 Meter vor dem eigenen Tor in ein Kopfballduell locken lassen, anstatt seinen deutlich längeren Gegenspieler den Ball verlängern zu lassen und dahinter einfach auf den zweiten Ball zu warten. „Es ist nicht unmöglich, das zu verteidigen. Im Strafraum muss ich immer dran sein. Das ist klar. Aber außerhalb nicht immer. Da kann ich auch mal nicht hingehen und ihn einfach köpfen lassen, um auf den zweiten Ball zu setzen.“

Dass van Drongelen vom Typ her schon sehr selbstbewusst ist, ist bekannt. Und dieses Selbstvertrauen hat er mit seinem U21—Tordebüt in Norwegen gleich noch einmal verbessert. „Es hat Spaß gemacht, ich habe lange darauf gewartet“, so der Niederländer, „immerhin hatte ich noch nie ein Tor für die Nationalmannschaft gemacht. Nicht mal inklusive der 40 Spiele in der U17-Nationalmannschaft.“ Und jetzt klappte es gleich zweimal - und das in einem Spiel.  „Ich habe zu unserem U21-Trainer danach gesagt, dass ich bereit bin, wenn er noch einen Stürmer braucht“, scherzt van Drongelen, ehe er stolz hinzufügt: „Mein Vater war schon sehr stolz. Er hatte schon häufiger gesagt, dass ich endlich auch mal für die Nationalmannschaft treffen soll.“ Und diesen Auftrag habe er jetzt endlich erledigt.

Am Montag indes würde es allen reichen, da bin ich mir sicher, wenn van Drongelen seine Abwehr wieder so lenkt, dass hinten die Null steht. Auch seinem Vater. Wer ihn dabei auf dem Platz in der Innenverteidigung unterstützen wird - es ist noch offen. Hecking wird das Geheimtraining morgen dafür nutzen, noch einmal genauer hinzusehen, wer hier die Nase vorn hat. Und ich werde Euch davon berichten. Morgen.

 

Bis dahin!

Scholle

 

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"Schwarz-weiß-blau, Arminia und der HSV!"

Am Montag Abend kommt es zum Spitzenspiel in der 2. Bundesliga. Der HSV trifft auswärts auf die drittplatzierte Arminia aus Bielefeld. Es heißt also wieder: "Ab auf die Couch, Freunde!"  Ab 20.00 Uhr könnt ihr verfolgen, wie Ex-HSV-Spieler Bastian Reinhardt und die Instagram-Jungs von HSV1887tv mit den Rothosen fiebern und auf die nächsten drei Punkt hoffen. Dazu gibt es natürlich unsere Analysen, den Talk nach Abpfiff - und euch! Via Live-Chat und Twitter könnt ihr am Treiben auf der Couch teilhaben, mitfiebern und eure Fragen stellen. Die wegweisenden Wochen können beginnen!

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.