Marcus Scholz

14. April 2019

Pierre-Michel Lasogga wird nicht spielen können. Es ist einfach so, dass er nicht bei 100 Prozent ist – und dann macht es keinen Sinn.“ Deshalb reiste der HSV ohne seinen Toptorjäger nach Köln. Für Lasogga nominierte Hannes Wolf Manuel Wintzheimer. „Manuel Wintzheimer wird in Köln dabei sein, er hat zuletzt in der Regionalliga gut gespielt und auch getroffen“, so die Begründung von Trainer Hannes Wolf heute. Wintzheimer also, der bislang 22 Minuten in Kiel ran durfte. Sonst noch nicht. Und das wird sich, so deute ich die heutige Pressekonferenz, vorerst auch nicht ändern. Zumindest betonte mir Wolf mindestens einmal zu oft heute, dass man sehr wohl auch mit einer so genannten „falschen Neun“, also einem nominell nicht als Mittelstürmer ausgebildeten Spieler agieren könne. „Es geht für uns darum, das Beste aus der Situation zu machen“, so Wolf, „vielleicht spielen wir mit einer ‚falschen Neun‘, da basteln wir an einer Lösung. Wir sind weit in unseren Überlegungen.“

Wie gestern thematisiert spielt Fiete Arp hierfür keine Rolle in Wolfs Planungen. „Wir haben entschieden, dass er in der U21 zum Einsatz kommt, weil er einfach Spiele braucht“, so die Erklärung des Trainers, der sich der Kritik (ausdrücklich auch von mir) erwehrt, er würde ein junges Talent nicht ausreichend fördern: „Ich versuche ihn bestmöglich zu begleiten, wir haben die Verantwortung, dass er Praxis bekommt. Er war zuletzt in einer Zwiddersituation, und braucht einfach Spielzeit.  Deshalb haben wir uns entschieden, dass er heute in der U21 kickt. Es ist immer so, dass wir es gut mit unseren Spielern meinen.“

Aber, so besagt es nicht nur das Sprichwort, sondern so ist es hier auch: Gute meinen ist nicht gleich gut machen. Und im Falle Arp bleibe ich dabei, dass man nicht einmal einen Bruchteil dessen aus Arp herausgeholt hat, was drin gewesen wäre. Wolf über Arps Reaktion: „Natürlich ist er geknickt, aber er lässt sich nicht hängen.“ Heute in der U21 war Arp wieder fleißig, aber auch wieder glücklos. In der zweiten Hälfte vergab er die Riesenchance zum 2:0, als er allein auf Oldenburgs Torwart zulief und an eben jenen den Ball verlor. Dennoch siegten Arp und seine alten/neuen Kollegen mit 1:0 auswärts beim VfB Oldenburg und rückten in der Tabelle der Regionalliga Nord mit nunmehr 42 Punkten auf Rang sieben vor.

Größere Sorgen um den Rest der Saison muss man sich aber noch nicht machen. Stand heute wird der gelbgesperrte Lewis Holtby sowieso und auch Hee-chan Hwang sowie Lasogga gegen Aue im Heimspiel am kommenden Sonnabend wieder dabei sein können. Wolf: „Ich glaube, dass Lasogga und Hee-Chan Hwang im Verlauf der Woche wieder voll einsteigen. Bei Aaron Hunt wird es knapp.“ Der Kapitän war auch heute wieder nicht auf dem Platz, trainierte individuell ohne Ball und soll aller Voraussicht nach erst nach Aue wieder voll ins Mannschaftstraining einsteigen. Auch, weil er vorgestern eine Reaktion auf die Belastungen gezeigt und über erneute Rückenprobleme geklagt hatte.

Gar keine Sorgen hat derweil der 1. FC Köln - tabellarisch und in der Offensive ganz sicher nicht. Dort stehen mit Terodde (28) und Cordoba (16) die beiden erfolgreichsten Angreifer der Liga an der Spitze der Torjägerliste - dachte ich. Bis HSV-Kandidat Lukas Hinterseer beim 3:2-Sieg des VfL Bochum gegen Kreuther Fürth mal eben drei Tore erzielte und nunmehr 17 Saisontore hat. Ein Empfehlungsschreiben an den HSV, der seit Jahren keine stabile Offensive mehr hinbekommen hat? Wolf verschwendete daran keinen Gedanken, sondern machte sich eher Gedanken darüber, wie man die bärenstarke Offensive des Tabellenführers in den Griff bekommen könne. „Wir müssen alle zusammen sehr hart arbeiten, wenn man ihnen viele Abschlüsse gibt, dann treffen sie auch“, so Wolf, „das ist eine Prüfung, der wir uns stellen und aus der wir Kraft ziehen wollen. Das ist eine große Herausforderung, aber wir haben auch Verteidiger, die schon auf allerhöchstem Niveau gespielt haben.“

Pressekonferenz des 1. FC Köln vor dem Spiel gegen den HSV

Zum Beispiel Kyriakos Papadopoulos, den Wolf zuletzt lobte - und den er jetzt dennoch auf die Bank zu setzen scheint. Zumindest deutete sich im Training an, dass Wolf wie im Hinspiel wieder auf Leo Lacroix zu setzen scheint. Er lobte dann auch gleich mal den Schweizer dafür, dass er körperlich fit und gesund ist. Lacroix habe zudem gut trainiert, so der Trainer, der sich in Sachen Aufstellung aber heute natürlich nicht öffentlich äußerte. Zum Thema Papadopoulos sagte er nur: „Ich bin froh, dass er dabei ist, dass er gesund ist und schon zwei Spiele machen konnte. Wie es in Köln genau aussieht, wird sich dann zeigen.“ Was sonst soll er auch sagen?

Ich bin in Sachen Lacroix sehr skeptisch, da ich dessen Entwicklung in den letzten Wochen nicht so gesehen habe wie der Trainer, der aber weiß, dass das Spiel in Köln sehr wichtig sein könnte - wenn man es gewinnt oder zumindest einen Punkt mitnimmt und damit den bisherigen Abstand auf die Verfolger Union Berlin, den FC St. Pauli und Holstein Kiel  beibehält. Durch den Sieg Paderborns wären allerdings plötzlich auch die nur noch drei Punkte entfernten Paderborner in der Situation, den HSV bei seinem nächsten Patzer mit einem eigenen Sieg zu überholen. Zudem muss der HSV noch nach Paderborn. Und in Sachen Torverhältnis ist der SC Paderborn (ebenso wie Kiel und Berlin) eh schon besser. „Der HSV muss und wird auf Sieg spielen“, mutmaßte Kölns Trainer Markus Anfang (siehe dazu die eingebettete Pressekonferenz) , der nach dem Herzinfarkt seines Vaters beim letzten Spiel wieder das Mannschaftstraining leitete und morgen beim Spitzenspiel auf der Bank sitzen wird. Was den HSV sonst noch beim 1. FC Köln erwartet, könnt ihr Euch anhören. Ich habe dafür eben gerade mit meinem Kollegen vom 1. FC Köln, mit Marc L. Merten gesprochen. Marc bist seit Jahren als FC-Reporter hautnah dran am Geschehen und er erzählt uns, wie sich Köln auf das Spitzenspiel vorbereitet hat und was den HSV dort erwartet:

 

Der "MorningCall Spezial": Vor dem Spitzenspiel in Köln verrät uns FC-Insider Marc Merten, wie der HSV gewinnen kann

 

In diesem Sinne, bis morgen. Da melde ich mich wie gewohnt um 7.30 Uhr mit dem MorningCall bei Euch und werde Euch schnellstmöglich über alles das in Kenntnis setzen, was dort über den HSV geschrieben und gesagt wird. Am Abend melden wir uns dann nach dem Spiel mit einem Blog und dem Blitzfazit zum Spiel bei Euch!

Bis dahin!

Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.