Marcus Scholz

20. Oktober 2019

Die Verfolger haben allesamt geschwächelt - Aue im direkten Duell gegen Nürnberg mit einer unfassbaren Nachspielzeit mal ausgenommen. Aber da der VfB Stuttgart heute gegen Kiel zuhause verloren hat, steht das Spitzenspiel morgen in Bielefeld unter zusätzlich verschärften Vorzeichen. denn plötzlich kann die Arminia mit einem Sieg sogar an die Tabellenspitze rauschen, während sich der HSV seinerseits mit einer Sieg sogar vom Tabellenzweiten auf drei und auf den Dritten sogar mit fünf Punkten Vorsprung absetzen könnte.

Die Ausgangslage

Bielefeld: Die Arminia ist Verfolger Nummer eins der beiden Aufstiegsfavoriten HSV und VfB Stuttgart. Letztgenannte Schwaben haben bekanntlich gegen Kiel verloren. Und nach neun Spieltagen hat die Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus bereits satte 18 Punkte, damit nur zwei weniger als der VfB und der HSV, gesammelt. Mehr Kampf um die begehrten Plätze zur Qualifikation für die Bundesliga geht also am kommenden Montag (20:30 Uhr, live bei Sky) nicht. Mit einem Dreier in der heimischen Arena könnten die Ostwestfalen sogar am HSV vorbeiziehen.

HSV: Trainer Dieter Hecking sieht in Bielefeld eine spiel- und körperlich starke Mannschaft. Sie sei stärker einzustufen als beispielsweise der FC. St. Pauli, wo der HSV auswärts verlor. Überrascht über die Platzierung der Bielefelder als Tabellendritter ist der HSV-Coach nicht. „Rechnet man die Rückrunde der letzten Saison dazu, ist Bielefeld die beste Zweitligamannschaft 2019. Also brauche ich gar nicht mehr dazu zu sagen. Das ist alles keine Überraschung. Und sie bestätigen meine Meinung in den ersten Spielen der Saison. Von daher ist es völlig zurecht, dass sie vorn mit dabei sind“, warnt auch Trainer Dieter Hecking, der gegen Bielefeld auf Aaron Hunt verzichten muss. Dafür ist Christoph Moritz wieder fit und konnte sich mit einem starken Auftritt für die U21 am Sonnabend in Jeddeloh wieder für die Profis empfehlen und steht wieder im Kader. Ebenfalls wieder gesund ist Gideon Jung, der auch dabei sein wird, während Ewerton noch ein paar Trainingseinheiten mit Physiotrainer Sebastian Capel absolvieren soll und eventuell für die Partien gegen den VfB Stuttgart wieder einsetzbar.

Das größte Problem

Bielefeld: Auf den ersten Blick scheinen bei Arminia Bielefeld aktuell keinerlei Probleme vorhanden zu sein. Doch Trainer Uwe Neuhaus (59) will diesen Eindruck gar nicht erst entstehen lassen: „Im Erfolg werden die größten Fehler gemacht. Und ich bin jeden Tag auf der Suche, sie zu entdecken.“ Das sei der schwierigste Teil bei der gemeinsamen Arbeit mit der Mannschaft aktuell. Wir finden: Wer solche Probleme hat, kann sich durchaus mehr als glücklich schätzen.

HSV: Und das ist tatsächlich auch eine gute Überleitung zum HSV, wo Trainer Hecking eher die Qual der Wahl hat - durch personellen Überschuss. Sein allergrößtes Problem hat sich mit dem Ausfall von Hunt quasi erledigt - Kittel wird wieder zentral beginnen. Dafür muss der HSV-Coach jetzt überlegen, wie er Konstanz in die Viererkette bringt. Lässt er den zuletzt gut spielenden Letschert neben van Drongelen beginnen? Oder darf Gideon Jung beginnen, weil er es bis zu seinem Ausfall neben van Drongelen ebenfalls gut gemacht und dafür sogar Extralob vom Trainer eingeheimst hatte?

Der Lichtblick

Bielefeld: Neben der Erfahrung von Neuhaus, der mit Rot-Weiss Essen, Union Berlin und Dynamo Dresden in die zweite Bundesliga aufgestiegen ist, ist das größte Plus der Arminia, dass die Mannschaft schon sehr lange zusammen ist und dementsprechend sehr gut eingespielt ist. Das macht sich momentan auch auf dem Platz bemerkbar: Die Pässe funktionieren blind, die Automatismen greifen, die Laufwege sind bekannt. Auch Abnutzungserscheinungen machen sich nicht bemerkbar. Jeder Spieler gibt alles für den großen Traum, ganz lange um den Aufstieg mitzuspielen.

HSV: Die mannschaftliche Geschlossenheit wurde in Hamburg in den letzten Wochen immer wieder genannt - nach nunmehr zehn Spieltagen darf man sie auch als gefunden bezeichnen. Selbst Spieler wie Xavier Amaechi, Bobby Wood und jetzt auch Christoph Moritz lassen sich nicht hängen, sondern geben weiter Gas. Im Erfolgsfall - wie aktuell beim HSV - hat natürlich auch niemand Argumente, die Trainerentscheidungen in Frage zu stellen. Aber selbst wenn mal gar nichts mehr geht - dann wird erst intern eine Lösung gefunden und diese dann gemeinsam verkündet. Wie im Fall Kyriakos Papadopoulos geschehen.

Das spannendste Duell

Bielefeld: Die Mannschaften des HSV (21 Tore) und von Bielefeld (20 Tore) sind die Ballermänner der zweiten Liga und die beiden bislang besten Offensiven des deutschen Unterhauses. Wenn sich beide Teams am kommenden Montag gegenüberstehen, lautet die spannendste Frage also: Welche Offensive ist im direkten Duell die bessere? Der HSV besticht bislang durch viele verschiedene Torschützen und die herausragende Statistik von Sonny Kittel (5 Tore, 2 Vorlagen), bei der Arminia steht besonders das Sturm-Duo Voglsammer/Klos (Klos: 6 Tore, 4 Vorlagen) im Vordergrund.

HSV: Aus HSV-Sicht wird es vor allem darum gehen, Voglsammers Tempo und Klos’ Kopfball- und Abschlussstärke in den Griff zu bekommen. Ob des Tempos vom Bielefelder Voglsammer, der auch beim HSV mal auf dem Wunschzettel stand und schon Erstliga-Angebote hatte, spricht einiges für die Aufstellung von Jung anstelle Letscherts in der Viererkette neben van Drongelen. Schon um gar nicht erst in die Bredouille zu kommen, ließ Trainer Hecking im Training immer wieder Offensivpressing einstudieren. Da noch mit Letschert im A-Team, aber immer nach dem Motto: „Was Du gar nicht erst zulässt, musst du hinten auch nicht verteidigen“.

 

Voraussichtliche Aufstellungen:

Bielefeld: Ortega - Brunner, Pieper, Nilsson, Hartherz - Prietl, Edmundsson, Hartel - Clauss, Voglsammer, Klos

HSV: Heuer Fernandes - Vagnoman, Jung, van Drongelen, Leibold - Fein - Harnik, Kittel, Dudziak, Jatta - Hinterseer

 

Ausblick

Bielefeld: Im Vorfeld der Partie deuteten die Arminia-Spieler bereits an, dass sie enorm auf den Vergleich mit dem HSV brennen. Dazu kommt: Sie wissen, wie die Rothosen zu schlagen sind. In der vergangenen Rückrunde gab es zuhause einen verdienten 2:0-Erfolg gegen den HSV, damals noch unter Trainer Hannes Wolf. Sollte das am Montag unter Flutlicht erneut gelingen, würde die Arminia am HSV vorbeiziehen und nach zehn Spieltagen auf einem direkten Aufstiegsplatz stehen. Gegen dieses Szenario wird der HSV jedoch einiges einzuwenden haben.

HSV: „Wir können uns etwas absetzen“, gibt Trainer Dieter Hecking zu, ohne dabei aber vorgreifen zu wollen. Immer wieder betonte er die Schwere der bevorstehenden Aufgabe. „Lassen sie uns erst einmal Bielefeld spielen, dann sehen wir weiter“, antwortete Hecking wiederholt auf die Frage nach der Bedeutung der Partien gegen Bielefeld am Montag und Stuttgart anschließend am Sonnabend in der Liga sowie am Dienstag dann im DFB-Pokal. Die Partie in Bielefeld ist ausverkauft (3500 Hamburger sind dabei), die Heimspiele gegen Stuttgart sind nahezu ausverkauft. Und so oft man hier in Hamburg versucht, den allergrößten Druck aus diesen Spitzenspielen zu nehmen, so klar ist auch, dass sie zumindest nicht verloren gehen dürfen, damit man nicht plötzlich wieder hinterherläuft. Erschwerend hinzukommt, dass nach diesen Spitzenspielen zwei Auswärtsspiele bei Wehen Wiesbaden (trotzte dem VfB gerade ein Remis ab) und Angstgegner Holstein Kiel (siegte am heutigen Sonntag in Stuttgart) anstehen.

 

In diesem Sinne, bis morgen. Da melden wir uns dann natürlich wieder um 7.30 Uhr mit dem MorningCall am Matchday bei Euch. Am Abend ab 20 Uhr melden wir uns zudem live mit unserer Auswärtscouch. Als Gäste diesmal sind Jonas Heiss (HSV1887tv) und der ehemalige HSV- und Bielefeld-Profi Bastian Reinhardt dabei. Zudem wird uns Christian, der sich hier um die Bielefelder Analyse gekümmert hat, von der Bielfelder Alm live aus dem Stadion berichten.

 

Bis dahin!

Scholle

 

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.