Lars Pegelow

11. Januar 2018

HSV-Trainer Markus Gisdol setzte am Mittag sein strahlendes Lächeln auf. Ob er Sorgen oder Anspannung verspüre vor dem Start in die Bundesliga-Rückrunde, wurde der Coach gefragt. Sorge sowieso nicht, Anspannung langsam immer mehr, antwortete Gisdol. „Aber vor allem kribbelt es vor Vorfreude. Geil, dass es wieder losgeht. Ich habe mir den richtigen Beruf ausgesucht!“ Mit dieser und anderen Aussagen untermauerte Gisdol seinen Optimismus vor den anstehenden 17 Spielen. Ob dieser Optimismus berechtigt ist, scheint zweifelhaft. Echte Ansätze, die mit großer Sicherheit den erneuten Klassenerhalt versprechen, sind schwer zu finden.

Wahrscheinlich ist eine andere Aussage Gisdols diejenige, die alle Fußball-Fans in den kommenden Monaten begleiten wird. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendeine Mannschaft, die im Moment etwa auf unserem Niveau ist, abreißen lässt.“ Markus Gisdol erwartet einen Abstiegskampf auf Augenhöhe, und wenn es tatsächlich so kommt, dass niemand anderer dem HSV den Gefallen tut, einzubrechen, so ist es ebenso unwahrscheinlich, dass der HSV (oder ein Konkurrent) mit einer Siegesserie schnell aller Sorgen ledig sein wird. In Hamburg geht das ganze sogar noch einen Schritt weiter: Nachdem es im Herbst vergangenen Jahres trotz einer Misserfolgsserie in Wahrheit nie um den Job von Markus Gisdol ging, ist die Situation jetzt im Januar 2018 nicht ganz so rosig und in Blei gegossen für den Trainer.

Gisdol muss darauf vertrauen, dass die Verbesserungen im Zusammenhalt und in der Geschlossenheit der Mannschaft endlich fruchten. Wenn man so will, hat Gisdol bereits die Maßnahmen eingeleitet, die im Abstiegskampf – manchmal auch durch einen Trainerwechsel – zum Erfolg führen: Zurück zu den Basics. Konsequentes Pressing gegen den Ball, es dem Gegner schwer machen, Chancen erzwingen. Beim HSV wird beschworen, dass dieser Spielweise nur das i-Tüpfelchen fehle, nämlich die Tore im entscheidenden Moment. „Was wir an Punkten unglücklich liegen gelassen haben, müssen wir uns in der Rückrunde einfach nehmen“, so Gisdol. Doch genauso möglich ist es, dass der HSV nicht konstant an seiner kraftraubenden Spielweise festhalten kann – die Folgen könnten fatal sein.

An einzelnen Figuren kann die Hoffnung kaum festgemacht werden. Arp ist in der Bundesliga schon ein bisschen bekannt. Vor Janjicic, der Albin Ekdal vertreten könnte, dürfte der FC Augsburg wahrscheinlich nicht schlottern. Hahn und Wood müssen erst beweisen, dass sie ihre Formtiefs hinter sich haben. Gerade bei Bobby Wood hat es in der kurzen Winter-Vorbereitung dafür kaum einen Ansatz gegeben.

Möglicherweise wird Markus Gisdol gerade aus diesem Grund, um eben überhaupt einen personellen Impuls von außen setzen zu können, einen Tausch im Tor vornehmen. Er habe sich bereits entschieden, teilte der Trainer heute mit, werde seine Entscheidung aber erst am morgigen Freitag nach dem Abschlusstraining bekannt geben. Pollersbeck als Signal? Das wäre eine Möglichkeit. Bislang konnte sich der U-21-Europameister in Hamburg noch nicht unter Wettkampfbedingungen empfehlen. Allerdings: Eine sichere Bank, soviel Selbstkritik wird Christian Mathenia allemal haben, war die bisherige Nummer 1 in der Hinrunde eben nicht.

Sportchef Jens Todt wird bis zum Wochenende in Spanien bleiben zur Spielersichtung. Einen echten Hoffnungsträger könnte der Verein nur haben, wenn es Todt tatsächlich gelingt, einen vielversprechenden Mann für die Offensive auszubuddeln. Es ist ein wenig irreführend, wenn die Hamburger Verantwortlichen in den vergangenen Wochen immer erzählt haben, im Winter sei es sowieso schwierig, echte Verstärkungen zu finden. Aber: Köln holt Terodde, Stuttgart holt Gomez, Mainz holt Ujah. Eine Tor- und Erfolgsgarantie gibt es auch von diesen Stürmern nicht, aber sie vermitteln doch zumindest Hoffnung – Hoffnung, die beim Tabellen-Vorletzten HSV erst konstruiert werden muss.

Dass der Verkauf von Michael Gregoritsch für den HSV ein herber Verlust sein würde, hatte im Sommer nicht Jedermann geglaubt. Aber so ist es gekommen. Mit acht Treffern und fünf Vorlagen avancierte der Österreicher zu einem Top-Einkauf der Schwaben. Sein „Ersatz“ in Hamburg, Andre Hahn, brachte es lediglich auf zwei Tore. „So etwas wie mit Gregoritsch passiert im Fußball“, zuckte Markus Gisdol mit den Achseln, der die Rolle des Verlierers in diesem Spiel aber nicht übernehmen möchte. „Auf der anderen Seite haben wir hier Papadopoulos als absoluten Führungsspieler, der in Leverkusen und Leipzig nicht zum Zuge kam.“ Gregoritsch wird gegen den HSV übrigens als zentrale Spitze auftreten, weil der Isländer Alfred Finnbogason aktuell verletzt ist und wohl nicht einmal auf der Ersatzbank sitzen wird. Das hat heute zumindest der Augsburger Trainer Manuel Baum gesagt.

Michael Gregoritsch selbst sagte heute, er spiele lieber auf der Zehn als in der Sturmspitze – seinem Ex-Verein wird er aber so oder so auf sicher allzu gern einen oder mehrere einschenken wollen. Ein gutes Wort hat er dabei für seinen ehemaligen Zimmerkollegen übrig. „Chris Mathenia ist einer meiner besten Freunde“, so ‚Gregerl‘. „Ich würde mich deshalb freuen, wenn er im Tor steht.“ Was die Fähigkeiten von Michael Gregoritsch angeht, hat sein Trainer in Augsburg einen Erklärungsansatz geliefert. „Was er mit dem Ball kann, weiß man seit Jahren“, sagte Baum. „Was er gegen den Ball kann, hat er vielleicht selbst nicht gewusst. Dieses defensive Bewusstsein zu entwickeln, war der größte Schritt in seiner Entwicklung.“ So ähnlich hatte Markus Gisdol in Hamburg vor einigen Monaten auch mal Bobby Wood gelobt. Ist eine Weile her…

In ferner Zukunft liegt aus aktueller Sicht dagegen die Rückkehr des Brasilianers Walace. Einem schnellen Comeback des Zu-spät-Kommers schob Markus Gisdol heute einen dicken Riegel vor. Körperlich sei Walace noch nicht auf dem nötigen Stand. „Und vor allem ist er mental nicht voll bei der Sache. Er wird ganz sicher nicht zum Kader gehören fürs das Spiel in Augsburg“, gab der Trainer bekannt. Auch hier wird eine Parallele erkennbar – zu seinem Landsmann Douglas Santos. Der war in der vergangenen Sommer-Wechselperiode abwanderungswillig und, nachdem die Geschichte geplatzt ist, wochenlang auf dem Abstellgleis. Erst eine Systemänderung hat dem Linksfuß wieder in die Startelf gebracht. Walace ist nach allem, was wir bisher beobachten konnten, allerdings aus einem anderen Holz geschnitzt als Co-Olympiasieger Walace.

Morgen wird noch einmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert, ehe sich das Team am Nachmittag Richtung München verflüchtigt. Der Auftrag ist klar. Markus Gisdol: „Zweifelsohne sind die Spieler in der Pflicht zu liefern!“

Bis morgen! Da meldet sich Scholle wieder bei Euch. Wobei, nicht ganz, eines haben wir dann noch:

 

Vielen, vielen Dank, liebe Rautenperlen-Gemeinde!

 

Für uns ist es gefühlt wie ein erster Platz...

 

Wie schon im Sommer hat das Online-Portal sports.web-netz.de wieder eine Rangliste für die besten Fußball-Blogs Deutschlands erstellt. Gemessen wurden dabei die Zugriffe von Lesern in den letzten zwölf Monaten. Und obwohl wir zum Zeitpunkt der Ranglistenerstellung keine sechs Wochen online waren, schossen wir mit der Rautenperle auf Anhieb in die Top-Ten. Unfassbar...!

Genau genommen gleich auf Rang sieben, der sich angesichts der damals doch noch sehr turbulenten Phase für uns tatsächlich wie ein erster Platz anfühlt.

Fakt ist: Die Rautenperle wächst, und wächst, und wächst. Noch viel schneller, als wir es uns jemals erhofft hätten. Und es erfüllt uns mit Stolz, dass die mit viel Herzblut verfassten täglichen Artikel und Videos auf derart positive Resonanz stoßen. Obgleich sie inhaltlich leider oft desillusionierend und sehr kritisch sind, bzw, sein müssen!

Dennoch, der Dezember war trotz der Feiertage der bislang erfolgreichste Monat, und wird nur getoppt von - dem bisherigen Januarverlauf. Und Euer riesiges Interesse ist unser Antrieb, unsere Motivation, den bislang eingeschlagenen Weg unbeirrt weiterzugehen. Mit Euch zusammen werden wir den Blog in den nächsten Monaten sukzessive zur Informationsplattform Nummer eins ausbauen.

Denn wir erachten es als unsere Aufgabe, Euch immer auf Ballhöhe mit Eurem Herzensklub zu halten. Egal, ob in erfolgreichen Zeiten oder wie aktuell in einer schwierigeren Phase - wir bleiben an sieben Tagen für Euch am Ball!

Liebe Grüße und nochmal ein riesiges, herzliches Dankeschön für den bisherigen, gemeinsamen Weg an Euch alle!!!

Euer Rautenperle-Team

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.