Marcus Scholz

13. März 2019

Da isser wieder, der schöne, triste Zweitligaalltag. Hamburger Schmuddelwetter, Training am Volksparkstadion und einen Hammergegner wie Darmstadt 98 vor der Brust. Sollte man meinen. Aber in diesem Fall ist es anders, denn der HSV hat ganz entscheidende vier Wochen vor sich. Sportlich und wirtschaftlich. So müssen die HSV-Verantwortlichen bis Freitag die Lizenzunterlagen bei der DFL einreichen. Mit vielen offenen Baustellen im Gepäck aber gewohnt optimistisch. Vorstandsboss Bernd Hoffmann äußerte sich dazu sogar sehr deutlich, indem er die Hoffnung aussprach, ohne jede Auflage und Bedingungen die Lizenz zu bekommen. Mehr noch: Das Szenario der Zahlungsunfähigkeit schloss er definitiv aus. Es sind derart eindeutige Worte des Vorstandsbosses, dass diese nur einen Schluss zulassen: Hoffmann hat einen Plan B ohne Klaus Michael Kühnes Hilfe in der Hinterhand. Und solange der keine (noch immer möglichen) Verkäufe von AG Anteilen über die 24,9 Prozent hinaus oder andere teure Schulden beinhaltet - der HSV wäre tatsächlich auch Mal finanziell auf einem guten Weg.

Sportlich war er das zuletzt. Definitiv. Das 4:0 gegen den FC St. Pauli war eines der besten Saisonspiele. Auch nach der Verletzung von Aaron Hunt übrigens, der mit einem Faszienriss einige Wochen ausfallen wird. Im Derby hatte der Kapitän mit einer sehr guten Leistung bis zur Auswechslung den Negativtrend des HSV gestoppt. Unter gütiger Mithilfe des passiven Gegners - und vor allem durch einen bärenstarken Orel Mangala, der endlich wieder in die Spur zu finden scheint. Auf der etwas offensiveren Position im zentralen Mittelfeld vor dem einzigen Sechser Vasilije Janjicic hat mich Mangala auf jeden Fall komplett überzeugt. Er leitete zwei Tore maßgeblich mit ein und war auch sonst eine, nein: die treibende Kraft. Defensiv wie immer. Diesmal aber eben auch offensiv. „Er ist als klarer Sechser und sich etwas offensiver als Achter immer eine Option“, so Wolf heute auf die Frage, ob er sich die Konstellation vom Sonntag sich am Sonnabend gegen Darmstadt vorstellen könne. Und ich hoffe ehrlich gesagt darauf.

Im Training heute ließ der HSV-Trainer zwei Varianten im A-Team spielen. Im Vergleich zur Elf direkt nach Hunts Auswechslung am Sonntag zunächst mit Holtby zentral für Özcan und mit Tatsuya Ito für Bakery Jatta. Stichwort: Den Konkurrenzdruck weiter hoch halten. Denn an sich gibt es keinen Grund, an der Elf der zweiten Halbzeit zu zweifeln. Jatta hatte nach seinem Formtief wieder stark gespielt und Özcan ist der zentrale Mann der Zukunft. Vor allem wirkte Özcan zentral plötzlich von einer Last befreit, die ihn auf der linken Seite nicht hatte funktionieren lassen. Fakt ist aber auch: Alternativen zu haben, die 1:1 funktionieren, ist ein riesiger Vorteil, den sich auch Wolf nicht nehmen lassen will.

Von daher ist er gut beraten, einem Holtby und einem Ito das Gefühl zu geben, weiterhin sehr nah an der Startelf zu haben. Zumal dann, wenn sie es auch sind. Noch ein wenig warten muss indes Kyriakos Papadopoulos, der heute das gesamte Training mitmachte und darauf zu brennen scheint, nach seiner Verletzungspause endlich in der Liga wieder auf dem Platz zu stehen. Aber wie schon bei Gideon Jung, der einige Wochen vor der Winterpause schon voll mittrainiert hatte, aber vorsichtshalber noch nicht eingesetzt wurde, ist Wolf auch hier weiter vorsichtig. „Wir wollen Kyriakos bis nach der Länderspielpause aufbauen und schauen, wie weit wir damit kommen. Wichtig ist, ihn über längeren Zeitraum im Mannschaftstraining zu haben“, so Trainer Wolf heute - wenig überraschend ebenso rational wie auf das Derby vom Sonntag angesprochen. Man habe es sehr gut gemacht - aber jetzt zähle nur noch Darmstadt.

Und es ist vielleicht die schwierigste Aufgabe für ihn, immer wieder den schmalen Grat zwischen langweiligen, wenig begeisterndem Realismus und trotzdem ausreichend Selbstvertrauen zu treffen. Heute formulierte er es so kurz wie klar: „Wir müssen uns jetzt auf das nächste Spiel konzentrieren, und nicht auf das letzte.“ Stimmt. Und das Spiel verspricht vielleicht nominell nicht die größte Attraktivität. Aber es ist immerhin ein Neuntel des noch zu gehenden Weges bis zum erhofften Wiederaufstieg. Und wenn es nach der Anzahl der verkauften Tickets geht, scheinen die HSV-Fans das auch erkannt zu haben: es sind bereits 52.000 Tickets verkauft. Womit wir wieder zu den Wochen der Wahrheit kommen.

Dass diese näherrücken liegt schon in der Natur des späten Saisonzeitpunktes. Allerdings hat der HSV in den nächsten vier Wochen nach Darmstadt Bochum auswärts (30.03.),  dann das Pokal-Viertelfinale in Paderborn (02.04.), Magdeburg (08.04.) zuhause und den 1. FC Köln (16.04) auswärts auf dem Zettel. Bis dahin wird sich in der Tabelle einiges getan haben. Wieder nur zwei Wochen nach Köln muss der HSV zu Union Berlin - und ich hoffe, dass er dorthin ohne den ganz großen tabellarischen Druck, unbedingt gewinnen zu MÜSSEN, fahren kann. Also in etwa so wie gegenüber dem FC St. Pauli am Sonntag - denn unter diesem Druck scheint der HSV zu funktionieren. Auch - nein: Vor allem, weil Wolf so penetrant realistisch und rational ist.

In diesem Sinne, morgen mehr. Zunächst wie immer um 7.30 Uhr mit dem MorningCall, ehe ich mich am Abend dann wieder mit dem Blog bei Euch melde. Ob und inwieweit der HSV mit Klaus Michael Kühne über den Verkauf des Stadionnamens bzw. der Rückzahlungsmodalitäten der verschiedenen Darlehen einig ist - morgen mehr dazu.

 

Bis dahin,

Scholle

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