Marcus Scholz

17. Februar 2019

 

Es läuft. Nach dem verdienten, hart erarbeiteten Punktgewinn in Heidenheim sowie dem zweifelsfrei ebenso sympathischen wie souveränen Auftritt von Marcell Jansen im Sportstudio ist der HSV nach einem erfolgreichen Sonnabend weiter auf Kurs. Vor allem dank der Niederlagen von Köln und dem FC St. Pauli konnte man den Vorsprung auf beide sogar um einen Punkt ausbauen, während Heidenheim auf Distanz gehalten wurde und Union Berlin mit dem glücklichen Sieg beim MSV Duisburg bis auf vier Zähler herausgerutscht ist.

Heute hätte zudem Holstein Kiel auf sechs Punkte verkürzen und somit als siebtes Team aktiv in den Aufstiegskampf eingreifen können - taten sie aber nicht. Vielmehr schafften sie in allerletzter Sekunde noch ein 2:2 gegen Fürth. Und so sind es vom Tabellenführer HSV (44 Punkte) bis zum Tabellen-Sechsten FC St. Pauli gerade einmal sieben Punkte Differenz. Der Interimskapitän und erneut starke Leader im Mittelfeld Lewis Holtby dazu: „Wichtig ist, dass du gegen die Verfolger nicht verlierst. Du musst auswärts die Punkte sammeln und im Volksparkstadion wieder nachlegen.“

 

Allerdings dauert das mit dem Nachlegen noch zwei Wochen, denn am kommenden Wochenende geht es zunächst einmal nach Regensburg, Revanche nehmen für das bittere 0:5 aus dem Hinspiel. Für Wolf ist die Partie ein Spiel, das vom Schwierigkeitsgrad dem in Heidenheim gleichkommt.  „Bis zum Ende sind da oben alles Mannschaften, die immer eine Serie spielen können. Das ist ganz eng, da könne einige Mannschaften noch mal draufspringen. Deshalb bringt es nichts, darauf zu schauen. Es wird eng bleiben bis zum letzten Tag - das ist einfach die Liga. Das haben auch die größeren Vereine in dieser Liga in den letzten Jahren so erlebt. Wir sind uns der Bedeutung der Spiele bewusst. Und Regensburg spielt ein wenig so wie Heidenheim. Die werden wir uns heute noch mal genau ansehen und anschließend genau analysieren.“

Der Trainer hatte noch einen vollen Terminkalender für den Sonntag. Anders als die Mannschaft. Denn die hat seit heute Mittag frei. Bis Mittwochmorgen. „Es geht nur, wenn wir auf allen Ebenen gut da sind. Jetzt können wir mit einer guten Situation noch einmal zwei Tage durchschnaufen und uns dann wieder voll fokussieren. Das ist gut“, sagt Wolf und spricht damit auch auf die sich langsam häufenden Verletzungen an. „Wir haben schon einige Ausfälle gehabt dieses Jahr. Angefangen mit Aaron, der noch gar nicht gespielt hat und wichtig war. Chan das erste Mal gespielt, dann Pierre mal nicht da, ebenso die Außenverteidiger. Gideon musste angeschlagen raus. Wenn man die Umstellungen sieht, war das schon gut, wie die Mannschaft das geregelt hat. In so einer Phase kannst du durchaus auch mehr liegenlassen. Das war schon ein gewonnener Punkt.“

Auch, weil der Ersatz von Douglas Santos gestern ausfiel. Joscha Vagnoman musste mit Innenbandproblemen kurzfristig passen. Und während Douglas Santos heute zu verstehen gab, dass er am kommenden Sonntag in Regensburg wieder dabei sein will/wird, droht Vagnoman weiter auszufallen.  Röntgenaufnahmen am Montag sollen Klarheit bringen. Zudem musste gestern auch der zweite Außenverteidigerersatz früher vom Platz. Und das weniger leistungsbedingt, wie Wolf heute über die Auswechslung von Gideon Jung, der den letztmalig gesperrten Gotoku Sakai vertrat, verriet. Wolf: „Gideons Adduktoren sind fest. Wir hoffen, dass sich das schnell bessert.“ Zumal Jung, der immer auch wieder mit dem Rücken Probleme hat, gerade erst aus einer langen Verletzungspause zurückgekommen ist. „Es sind immer wieder die Adduktoren bei Belastungssituationen“, wundert sich auch Wolf. Ob es bis zum Regensburg-Spiel bei Jung klappen kann? Wolf: „Ich glaube schon, dass er fit wird. Aber perspektivisch müssen wir es hinkriegen, dass er nicht auf Fußball reagiert.“

Ebenso wie bei Pierre Michel Lasogga, der zum Ende der Hinrunde und zu Beginn der Rückrunde immer wieder Probleme mit seinen Waden hatte. Auch heute pausierte er. Vorsichtshalber. „Bei Pierre ist alles gut“, gab Wolf schnell Entwarnung. „Mit der Wade war es bei ihm immer ein schmaler Grat. Deswegen sollte er heute nicht laufen. Pierre ist aber gesund, es war nur eine Vorsichtsmaßnahme.“ Und er ist wichtig, wie das Spiel min Heiden heim erneut untermauerte. Kaum zu sehen war er am Ende doch der Torschütze zum Punktgewinn. Wobei Wolf seinen Toptorjäger heute in Schutz nahm: „Wir haben viel zu wenig Bälle in den Sechzehner gespielt. Es gab definitiv mehr Gelegenheiten, auch öfter in den Strafraum zu spielen. Wir müssen ihn stärker füttern.“ Wie das gelingen kann? Über die Menge an Angriffen! „Wir brauchen mehr Dynamik vorn. Das Angriffsspiel läuft auch über Quantität, wir müssen einfach mehr Bälle reinspielen. Da haben wir definitiv Luft nach oben. Wir sollten uns allein von der Anzahl der Angriffe steigern.“

Dafür fehlte zuletzt der nominelle Taktgeber Aaron Hunt. Und der Kapitän, der in der Hinrunde zu überzeugen wusste, wird auch am Sonnabend in Regensburg noch fehlen. „Was die anderen machen interessiert uns nicht“, stellte Aaron Hunt auf die Frage nach den Verfolgern Köln, Union und Pauli heute klar und erklärte, dass er im Laufe der bevorstehenden Trainingswoche wieder voll einsteigen wolle. „Das Ziel ist Fürth“, so der HSV-Kapitän, der bislang mit einem Faszienriss bis auf eine kurze Einwechslung gegen Sandhausen ausgefallen ist. „Er wird gegen Regensburg nicht spielen“, sagt Wolf, der dafür weiter auf Lewis Holtby setzen wird.

Holtby, dem im Winter auch im Zusammenhang mit der Verpflichtung vor Berkay Özcan immer wieder das Ende seiner HSV-Zeit prophezeit wurde, ist in den letzten Wochen für Trainer Wolf zum unverzichtbaren Leistungsträger avanciert: „Man hat sofort gesehen, dass er in der Winterpause  noch mal extrem gearbeitet hat. Er ist in einem sehr, sehr guten Zustand aus der Pause gekommen“, lobte Wolf seinen Interimskapitän wie in den vergangenen Wochen auch diesmal extra, „und diese Power kombiniert mit sehr guter, positiver Haltung gegenüber dem Ganzen macht ihn derzeit sehr wichtig.“ Das solle auch gelten, wenn Hunt zurückkehrt und der HSV wieder mit zwei Zehnern spielt. Wolf zur Kombi Hunt/Holtby: „Ich bin mir sicher, dass er in dieser Verfassung auch als linker Zehner sehr gut funktionieren kann.“

In Heidenheim musste Wolf früh auf zwei Sechser umstellen, was mich zunächst verwundert hatte. Heute dann die Erklärung: „Ein ganz wesentlicher Punkt: Orel hatte Gelb“, so der HSV-Coach, „und wenn er allein auf der Sechs weitergespielt hätte, dann wäre die Gefahr für die Zweite Gelbe groß. Es kann immer passieren, dass du foulen musst“, so Wolf zum Wechsel von Vasilije Janjicic für Ballern Jatta zur Halbzeit: „Deshalb haben wir Vasi an die Seite von Orel gesetzt, damit er das regeln kann. Er hatte es im Training auch schon gut gemacht.“

Ebenso wie Hee-Hee-chan Hwang, der gestern überraschend doch in die Startelf rutschte, nachdem Vagnoman passen musste. Der Südkoreaner hatte schon gut trainiert, sollte aber eigentlich zunächst als Joker fungieren. Nach den 69 Minuten von beginn an befand Wolf: „Er ist gut durchgekommen. Am Ende hat er in den letzten Wochen die Pause gehabt, die er eh gebraucht hätte. Wir mussten uns gestern schnell entscheiden, und er hat auch gesagt, dass er fit ist. Für ihn war das Spiel gut, um Rhythmus zu kommen. Ebenso wie für Berkay, der einfach Spiele braucht.“

Die bekommt er derzeit - und gegen Regensburg dürfte er erneut von Beginn an spielen. Dann wieder zusammen mit den beiden Außenverteidigern Santos und Sakai, die zurückkehren. Ob Jung dann neben van Drongelen in die Innenverteidigung spielen wird ist noch offen. Wobei ich sagen muss, dass ich Bates gegen Heidenheim fast besser als van Drongelen fand. Aber das nur nebenbei. In diesem Sinne, morgen und Dienstag ist frei, erst am Mittwochvormittag geht es weiter. Ich melde mich dennoch morgen früh um 7.30 Uhr wieder mit dem MorningCall bei Euch. Zudem werden wir morgen hier natürlich auch wieder Tobias Eschers Spielanalyse lesen können.

 

Bis dahin!

Scholle

 

P.S.: Trainer Hannes Wolf äußerte sich heute auch das erste Mal über den für Sommer feststehenden Zugang Jan Gyamerah, der vom VfL Bochum bis 2022 nach Hamburg wechselt: „Wir freuen uns, dass er kommt. Wir glauben, das wir mit ihm einen jungen aber schon gestandenen Profi dazubekommen. Ich kenne ihn noch aus der Jugend, damals spielte er Außenverteidiger. Schön, dass er sich für uns entschieden hat.“ Ob der Tipp von Wolf an Becker ging? der Coach schüttelt den Kopf: „Es kann bei Ralf nicht passieren, das er so einen Spieler nicht kennt.“

FAQs

 

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.