Marcus Scholz

20. März 2019

 

Sorgen um den Nachwuchs muss man sich tatsächlich machen. Behaupte ich. Aber längst nicht nur ich. Dabei wurde gerade hier in Hamburg für die fehlenden Toptalente Deutschlands gern Fiete Arp als Beispiel genommen. Mit der Fritz-Walter-Medaille höchstdekoriert, schafft er beim HSV nicht den Sprung in die Startelf. „Wenn der es schon beim HSV nicht schafft…“ heißt es oft, wenn mir fachkundige Kollegen und Freunde erklären wollen, dass das Beste aus den jeweiligen Jahrgängen - in Arps Fall ist es der 2000er-Jahrgang - dem internationalen Vergleich nicht standhalten könnte. England, die Niederlande, Frankreich, Portugal und Spanien seien doch sehr viel weiter. Und sowieso, Fiete Arp sei eine große Enttäuschung. Zehn Tore hätte man sich intern von dem Mann versprochen, der schon beim FC Bayern unterschrieben hat. Gekommen sind bis heute: Null. Okay, im Pokal gegen einen unterklassigen Gegner hatte Arp zuletzt für den HSV getroffen, aber das zählt nicht…

Er solle die zehn Tage bei der U19-Nationalelf dazu nutzen, um seine Form wiederzufinden, Mut zu sammeln - und einfach wieder Tore zu erzielen. Erfolgserlebnisse im Kampf gegen die eigene Verkrampfung, die ihn beim HSV unter Hannes Wolf zum Mittelstürmer Nummer vier hat werden lassen. Hinter Pierre Michel Lasogga, Hee-chan Hwang und Khaled Narey. Wobei, wenn man ehrlich ist, wurden Arp von Trainer Hannes Wolf sogar Aaron Hunt und Bakery Jatta im Zentrum vorgezogen. Oder besser gesagt: Unter Wolf spielt Arp momentan keine Rolle. 16 Spiele, 14-mal dabei, zweimal in der Startelf und insgesamt 221 Minuten verteilt auf elf Einsätze - eine harte Bilanz für den Youngster unter Wolf.

Dennoch, während andere Talente in Arps Alter unter solch einer Schwächephase  und dem Druck von außen zusammenbrechen und/oder den Verein wechseln würden, um neu anzufangen - Arp zieht sein Ding durch. Er wirkt stabil. Die härter werdende Kritik an ihm verkraftet er äußerlich gut. Er lächelt, er macht Scherze und haut sich im Training rein. Am Einsatz an sich mangelt es nicht, eigentlich nie. Aber eben zunehmend an der Qualität seiner Aktionen. Denn obwohl ich zugegeben große Erwartungen an Arp hatte und habe, muss ich eingestehen, dass Arp nicht nur bei seinen Zweitligaeinsätzen schwach spielte, sondern auch im Training abfällt. Er trifft nicht, er verliert zu schnell zu viele Zweikämpfe - und es muss die Frage gestellt werden, ob der große Sprung für Arp noch zu früh kommt…

Denn offensichtlich ist Arp im internationalen Vergleich in seinem Jahrgang weiterhin eine Größe. Zumindest in Europa. Heute im ersten Spiel beim EM-Quali-Turnier in Kroatien traf Arp nach 40 Minuten zum 1:0 für die U19-DFB-Auswahl gegen den Gastgeber, der zwischenzeitlich ausglich, ehe die deutsche U19 in der Schlussminute zum 2:1 traf (Arp war zu diesem Zeitpunkt schon ausgewechselt). Als Kapitän ist er unter  DFB-Trainer Guido Streichsbier gesetzt. Und der hatte Arp auch vor Turnierbeginn starkgeredet. Offenbar mit Erfolg. Denn Arp traf nicht nur im ersten Spiel, sondern er spielte auch gut. Mindestens aber bewies er erneut, dass er in seinem Jahrgang auch europaweit konkurrenzfähig ist.

Und genau daran sollte der HSV ansetzen. Arp muss wieder in die Situation gebracht werden, dass er alles kann - aber nichts muss. Er ist nominell noch ein A-Jugend-Spieler. Aber eben einer der Besten in Deutschland - und offenbar auch in Europa. „Spielen und treffen ist für ihn jetzt wichtig. Aber gerade in der Phase brauchen wir auch gute Trainingsleistungen hintenraus. Und die hatten wir zuletzt nicht“, wiederholte HSV-Coach Wolf heute noch mal die Kritik an den jungen Nachwuchsspielern beim HSV - hochgezogen an Arp. „Die Jungen müssen einfach besser trainieren. Nur dabei sein reicht nicht. Da kommst Du irgendwann in so einen Trott.“, warnt Wolf vor zu früher Zufriedenheit.  „Nein, sie dürfen nicht glauben, es einmal zu schaffen und dann ist es immer so. Sie müssen sich stattdessen jedes mal neu qualifizieren.“ Auch Arp.

Allerdings behaupte ich, dass Apps Qualitäten nie allein über das Training kamen und kommen werden. Auch in seiner Anfangsphase bei den Profis wirkte Arp im Training zwar selbstbewusst, aber längst nicht viel besser als zuletzt. Soll heißen: Glaubt der HSV(-Trainer) an Arp, dann lohnt sich Bein dem Jungen ein Vertrauensvorschuss. Und was Vertrauen bei Arp bewirken kann, hat er in Kroatien zumindest angedeutet. Mal sehen, ob er das in den nächsten beiden Spielen noch bestätigt. Dennoch ist für mich klar: Glaubt der Trainer nicht (mehr) an Arp, dann sollte man das Kapitel in Hamburg im Sommer beenden. Denn Spielertypen wie Arp bieten sich seltenst allein über das Training für einen Startelfplatz an, sondern kommen durch Spielaktionen. Beispiel: Ginge es allein nach Trainingsleistungen, wäre Kapitän Aaron Hunt wahrscheinlich schon lange nicht mehr beim HSV… Anders Papadopoulos. Der Grieche fällt auf. Optisch durch seine bullige Figur, aber auch sportlich durch seine sehr robuste, kompromisslose und laute Art auf dem Platz. Papadopoulos ist genau der Typ, der mit Grätschen. harten Zweikämpfen und Einsatz auffällt - er ist quasi das Gegenteil von Arp. Und der griechische Innenverteidiger macht genau das im Moment. Wie Hannes Wolf die Leistungen bei Papadopoulos nach sieben Monaten ohne Buzndesligaeinsatz bewertet? „Gut. Wenn er morgen kommt und es geht ihm gut, dann sind wir schon einen Schritt weiter. Wir haben gestern hart trainiert, heute der Test. Und wir werden weiter hart trainieren. Wenn es klappt, werden wir uns besprechen. Wenn er das alles wegpackt und gut verkraftet, kann er nach der Länderspielpause schnell ein Thema werden.“ Ob der Innenverteidiger schon für das nächste Zweitligaspiel in zehn tagen in Bochum eine Alternative sein könnte? Wolf lächelt, sagt: „Das ist ja nach der Länderspielpause. Warum nicht…?“ Bis dahin sollen auch die aktuell angeschlagenen Gideon Jung, Pierre Michel Lasogga (beide Infekt) sowie Bakery Jatta wieder zurück sein. Letztgenannten plagen Fußprobleme. Wolf: „Er hatte eine Reaktion am Fuß, wird aber zeitnah wieder im Training sein. Aktuell hat er hat Schmerzen. Es ist eine Reizung, die recht schnell behoben sein sollte.“ beim heutigen Testspiel mit den verbliebenen Profis samt einiger Talente gegen eine Nachwuchsauswahl war Jatta nicht dabei. Und neben dem Angreifer fehlten dem Spiel auch Tore - nach 2x20 Minuten stand es 0:0. Wolf zufrieden: „Es war ein guter Test. Wirt haben gestern hart trainiert, heute noch mal das Spiel obendrauf. Wir hätten das Spiel gewinnen können - aber bei denen stand auch Tom Mickel im Tor - den Mus man erst einmal überwinden.“ Dass seine Mannschaft eine Offensivschwäche - auch fernab Fiete Arps - hat, ist bekannt. Auch Wolf weiß das, verweist aber darauf, dass man sechs Tore in denn letzten beiden Pflichtspielen erzielt und gegen Darmstadt schlicht zu viele Gelegenheiten liegen gelassen - aber eben wenigstens kreiert hatte. Die Tendenz sei positiv. „Ich hoffe, dass die Jungs jetzt gut von den Nationalmannschaften zurückkommen - und dann gehts ab. Dass Druck da ist, ist klar. Aber den halten wir aus.“ In diesem Sinne , heute mal ein Blog komplett ohne Vereinspolitik, morgen meldet sich Lars mit dem Blog, während ich wie immer auch morgen früh um 7.30 Uhr mit dem MorningCall bei Euch aufschlagen werde.  Bis dahin, Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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