Marcus Scholz

30. Mai 2018

***UPDATE: Nicolai Mülller hat gerade via Instagram mitgeteilt, dass er den HSV verlässt. Der Angreifer wechselt somit ablösefrei. Wohin es geht, verrät Müller noch nicht. Sein Post:

 

Wie viel Neu steckt in dem gefühlt 1000. Neuanfang des HSV? Eine Frage, die man nicht nebenbei beantworten kann, sondern die man aufschlüsseln muss. Denn angesichts der Vertragsverlängerungen von Holtby, Hunt, heute auch Sakai und der vielerorts angenommenen Rückkehr von Pierre Michel Lasogga (ich glaube irgendwie noch nicht daran) scheint vieles so zu bleiben, wie es vor einiger Zeit nicht funktioniert hat. Dazu mit Bernd Hoffmann ein alter Bekannter an oberster Stelle – klingt erst mal so, als wäre nicht viel neu. Dabei sind die alles entscheidenden Stellen sehr wohl neu besetzt. Und darauf kommt es am Ende an.

Denn schon in den letzten acht Saisonspielen hat Trainer Christian Titz gezeigt, dass er aus Alt mit seinen Methoden irgendwie Neu machen kann. Er hat im Grunde nur einen Neuen eingebaut (Steinmann), aber dafür das Spielsystem komplett geändert. Von Verwaltungsfußball mit Zufallstoren auf dominanten, offensiven Ballbesitzfußball. Soweit, so bekannt. Allerdings muss man im selben Atemzug benennen, dass zuvor (zurecht) gescholtene, formschwache Spieler wie eben Hunt und Holtby unter Titz aufblühten und gute Leistungen abriefen.

Um der Stimmung gerecht zu werden, hätte Titz intern nach Neuen rufen können. Klar. Alles, was beim HSV irgendwie neu ist, ist erst einmal gut. Oder zumindest im Zweifel erst einmal besser. Stattdessen aber hatte Titz den nachvollziehbaren Wunsch, mit Spielern seines Vertrauens zusammenzuarbeiten. Dass sowohl Hunt als auch Holtby dafür nachweislich auf viel Geld gegenüber den Vorjahren verzichten – es ist ebenso angemessen wie beachtenswert. Dass sie beide mit jeweils gut einer Million Euro weiterhin Großverdiener sind – klar. Ebenso wie die Tatsache, dass Titz, der sich ob seines neuartigen Spielsystems schnell den Ruf eines neuartigen, modernen Trainers erarbeitet hatte, seinen Ruf aufs Spiel setzt. Sofern beide unter ihm nicht performen.

„Man kann darüber diskutieren, ob wir den Kader schon genug umgebaut haben“, sagt Vorstands-Boss Bernd Hoffmann heute in der „Sport Bild“ und führt aus: „Wichtig ist nur, dass wir zum Start der 2. Liga eine Mannschaft auf dem Platz haben, die Lust auf den HSV macht und die eine erfolgreiche Saison spielt. Zudem hat die aktuelle Mannschaft unter Trainer Christian Titz in den letzten Wochen der vergangenen Saison eine gute Entwicklung genommen.“

Das stimmt. Dennoch, gerade bei Holtby sowie dem Neuen Christoph Moritz geht Titz hohes Risiko. Beide kennt er aus seiner Zeit als Individualtrainer. Auch deshalb vermuten hier einige wieder Freundschaftsdienste. Dass sich Titz eben jenen selbst nicht leistet, wenn er mit den Spielern nicht erfolgreich ist, ist aus meiner Sicht indes entscheidender. Wie bei Steinmann geht Titz „unnötiges“ Risiko aus Überzeugung. Deshalb, und weil es auch niemand besser wissen kann, sollten wir genau diese Trainerentscheidungen nicht schon vor dem ersten Anstoß der Zweitligasaison als falsch aburteilen. Vor allem hatte der HSV ob des bis vergangenen Sonnabend noch nicht gefundenen neuen Sportvorstandes gar keine andere Wahl, als die Philosophie des Trainers mitzugehen.

Dass sich das wieder ändern muss ist klar. Letztlich darf nicht allein der Trainer für den Weg des HSV verantwortlich sein. Dafür steht seit dieser Woche Ralf Becker, der neue Vorstand Sport. Er muss die Philosophie des HSV vorgeben. Eine Philosophie auf lange Sicht, die er mit allen Mitteln verteidigt und gehen muss. Becker ist das neue Gehirn des HSV.

Dennoch, der Druck auf Titz ist bei der aktuellen Erwartung – nebenbei soll das bitteschön auch noch mit einem für den HSV neuartigen, offensiven, offensiven Fußball -, direkt wieder aufzusteigen, eh schon groß genug. Gleiches gilt im Übrigen für Bernd Hoffmann, der schon vor seinem Amtsantritt als e.V.-Präsident wusste, dass ihn hier sehr viele scheitern sehen wollen.

Titz und Hoffmann haben zumindest eines jetzt schon bewiesen: Mut zu Entscheidungen. Und allein das war hier in den letzten Jahren sehr rar...

Entschieden haben sich heute auch weitere Personalien. Gotoku Sakai bleibt dem HSV ebenso wie Aaron Hunt bis 2020 erhalten, während Andre Hahn heute für etwas mehr als drei Millionen Euro (zzgl. etwaiger Erfolgsprämien) nach Augsburg wechselt und dort einen Vertrag bis 2022 unterschrieb. Hahn war erst vor einem Jahr für 6 Millionen Euro aus Gladbach verpflichtet worden...

Apropos Entscheidungen: Entschieden wurde hier in den letzten Wochen auch, dass wir einen Relaunch machen und dafür wiederum Entscheidungen anstehen. Ziel der ganzen Optimierung ist es, dass sich das Niveau hier im Blog hält. Und gerade in den letzten Wochen gab (und gibt es noch) immer wieder Leute unter uns, die auf nichts anderes aus waren, als zu Beleidigungen. Die haben sich tagtäglich unter verschiedenen Nicks neu angemeldet und wurden immer wieder gesperrt. Ihre Ausdauer dabei wirkte teilweise schon pathologisch, sodass wir uns eine Lösung überlegen mussten. Hierbei auf Euch und Euren eigene  Wunsch nach niveauvoller Unterhaltung zu setzen war unserer Meinung nach der beste Weg.

Von daher haben wir uns die Unterteilung ausgedacht, um Anreize zu schaffen. Und um Euch die Möglichkeit einzuräumen, User zu sperren. Für Euch. Aber nur als Beispiel: Wenn sich hier jemand so daneben benimmt, dass er von allen ausgeblendet wird, haben seine Antworten keine Wirkung mehr.

Dass auf der anderen Seite einige beleidigt sein würden, weil sie nicht sofort zu den Auserwählten zählen – logisch. Das war uns klar. Aber wie bei Einladungen zu Geburtstagen muss man irgendwo Grenzen ziehen. Das haben wir einmal am Anfang gemacht. Ab jetzt aber werden wir es Euch überlassen. Denn letztlich werden die Anzahl der gelobten Kommentare zuzüglich der Verweildauer auf diesem Blog ohne Missachtung unserer Regeln entscheiden.

Also alles das, worum es uns geht

Leider gibt es derzeit noch ein paar Kinderkrankheiten, die dazu führen, dass der Zugriff auf die Kommentarfunktion für einige wenige von Euch schwer bis nicht möglich ist. Daran arbeiten wir auch dank Eurer vielen Hinweise auf Probleme. Zudem haben wir von Euch heute noch ein paar sehr interessante Anregungen bekommen, die wir bei der Gelegenheit mit einarbeiten werden. Vielen Dank dafür!!

Last but not least dürfte angesichts dieser Neuerungen auch der/dem letzten User/-in jetzt klar sein, dass es uns nicht darum geht, hier möglichst viele Klicks zu generieren. Ich habe es schon mehrfach betont: Uns kommt es hier einzig und allein darauf an, inhaltlich stark zu sein. In den Blogbeiträgen ebenso wie in der Diskussion an sich. Denn dass das geht, haben wir hier – und dazu zähle ich fast alle Angemeldeten – alle schon bewiesen.

Von daher versteht unseren Relaunch bitte als das, was er ist: Als ein Hilfsmittel, dass Ihr selbst alle diejenigen ausschließen könnt, die auf nichts anderes aus sind, als hier Ärger zu machen, Leute zu provozieren, unsere User und Userinnen zu beleidigen und zu versuchen, Diskussion zu unterbinden. Denn die wollen wir mehr als alles andere.

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

 

EDIT: Wie meine Freunde von „HSV1887TV“ herausgefunden haben, sollen wir uns mit Kingsley Schindler einig sein. Es soll eine Kaufoption in Höhe von 850.000€ geben. Schindler spielt aktuell als Rechtsaussen bei Holstein Kiel und hat in der Jugend in Hamburg beim SC Concordia gespielt.

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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