Marcus Scholz

8. Juli 2018

Der Flieger OS176 hob am Sonntagmorgen um 10.25 Uhr planmäßig ab und war am Ende sogar acht Minuten schneller am Zielflughafen in Wien als geplant. Mit an Bord der HSV um Trainer Christian Titz. Oder besser gesagt: Der aktuelle Kader, der so sicher noch nicht final ist. Denn mit den abwanderungswilligen Kyriakos Papadopoulos (blieb auf eigenen Wunsch in Hamburg, um dort mit dem Athletiktrainer zu trainieren) sowie dem mit Hannover 96 schon sehr weit in den Verhandlungen fortgeschrittenen Bobby Wood blieben zwei Spieler zurück, die in den nächsten Tagen schon transferiert werden könnten. Und abhängig von der jeweiligen Höhe der Ablösesummen würden diese die Transfervorhaben des HSV noch einmal ankurbeln. „Bobby wäre normal mitgeflogen, wenn sich da nicht eine Wechseloption anbahnen würde. Aber da gibt es Gespräche“, so Titz. Diese sind so weit fortgeschritten, dass der US-Amerikaner morgen schon bei Hannover 96 vorgestellt werden soll. „Es könnte sehr schnell gehen“, so HSV-Sportvorstand Ralf Becker zu dem angedachten Leihgeschäft. Denn Wood soll für ein Jahr ausgeliehen werden, wobei Hannover 96 das Gehalt übernimmt und noch eine kleine Leihgebühr bezahlt.

Ebenfalls nicht mit dabei war natürlich Albin Ekdal, der gerade erst mit Schweden bei der WM an England gescheitert war und nach einem Gespräch mit dem HSV weiter auf der Suche nach einem neuen, erstklassig spielenden Verein ist. Aktuell soll es hier Gespräche mit Sporting Lissabon geben. „Zudem hat Gotoku Sakai drei Wochen Urlaub bekommen“, ergänze Trainer Christian Titz, der heute am frühen Morgen noch eine Absage erhielt. Andreas Ivan, der rumänische Testspieler von Waldhof Mannheim, hatte sich gegen den HSV und für einen Wechsel zu RB New York entschieden. „Ivan wäre sonst mitgeflogen. Er hat sich heute Morgen aber gemeldet und gesagt, dass er zu einem anderen Verein wechselt“, so Trainer Christian Titz, der Ivan angeboten hatte, sich in der Woche in Österreich weiter vorstellen zu können. „Er hat sich anders entschieden und das ist okay“, führte der Trainer aus, der auf den Außenbahnen mit Tatsuya Ito, Neuzugang Jairo Samperio sowie auf rechts mit Nezugang Khaled Narey und Bakery Jatta schon ausreichend Spieler hat - den abwanderungswilligen Filip Kostic sowie den talentierten Neuprofi Aaron Opoku noch nicht einmal mitgerechnet.

„Bei der Kaderaufstellung sind wir schon sehr weit. Das ist fast abgeschlossen. Es hängt jetzt ein bisschen davon ab, was mit den drei in Hamburg verbliebenden Spielern (Mavraj, Papadopoulos und Wood) passiert und  ob sie einen Verein finden. Außerdem sind da noch die WM-Fahrer (Filip Kostic, Albin Ekdal, d. Red.). Wenn wir da eine gewisse Wirtschaftlichkeit hergestellt haben, kann es durchaus passieren, dass wir auf ein, zwei Positionen noch etwas machen. Würde das nicht der Fall sein, wäre das für mich aber auch in Ordnung. Ich bin mit dem Kader, den wir haben, zufrieden“, sagt Trainer Titz, der gern noch einen Achter im zentralen Mittelfeld dazuholen würde. Titz sieht zudem noch Bedarf im Mittelfeld. Auf der Ekdal-Position beispielsweise. Titz: „Auf der Achter-Position könnte es sein, wenn sich was ergibt. Da würde ich nicht nein sagen“, so Titz, „Aber wir haben jetzt schon eine vernünftige Kaderbreite.“ Und sofern Wood gehen sollte, wäre auch der Kauf eines Mittelstürmers noch denkbar. Zumal noch immer nicht hundertprozentig klar ist, wie die Sache um den von den Bayern umworbenen Fiete Arp ausgeht.

Bis die nächsten Abgänge nicht fix sind, trainiert der HSV in Bad Erlach unter besten Bedingungen. Sportvorstand Ralf Becker hatte sich den Trainingsplatz sowie die Testspielorte (Mittwoch um 18 Uhr in Draßburg gegen ZSKA Moskau und am Sonnabend 19 Uhr in Wien gegen Rapid Wien) noch einmal angesehen, um einen zweiten Trainingslagerabbruch zu vermeiden. Was sich Trainer Titz für die sieben Tage in Österreich vorgenommen hat? „Wir haben zwei klare Schwerpunkte: Zum einen ist das unser Anlaufverhalten gegen den Ball. Das hat das Spiel gegen Aarhus gezeigt. Das beginnt vorne, aber auch das Verhalten der beiden Innenverteidiger und Sechser. Dann haben wir das Ziel, unser Spiel zwischen den Linien zu verbessern. Wir wissen, dass wir öfter auf tiefstehende Gegner treffen werden.“

Heute im Training standen spielerische Elemente im Vordergrund. Und die forderten erste Opfer. Denn nachdem Aaron Hunt noch aussetzte, musste Josha Vagnoman schon nach dem Aufwärmspielchen abbrechen. Der junge Linksverteidiger (kann auch links offensiv) knickte beim Warmmachen unglücklich um. Eine genaue Diagnose ist noch offen, aber es deutet vieles auf eine Sprunggelenksverletzung hin. Ebenfalls noch offen ist, was bei Julian Pollersbeck Schmerzen verursacht. Denn auch der Torwart musste heute nach einer kurzen Behandlungspause (Rücken, Hintern) vorzeitig abbrechen. Ansonsten war heute in der ersten Einheit, die von knapp 80 HSV-Fans besucht wurde, schon ordentlich Zug drin. Manchmal sogar ein wenig zu viel, wie Tobias Knost und Rick van Drongelen schmerzhaft zu spüren bekamen, als sie im Vollsprint zusammenprallten. Knost humpelte, van Drongelen blutete sogar – aber beide machten bis zum Schluss weiter.   

Neben der harten Trainingsarbeit soll das Trainingslager auch wieder für die mannschaftliche Geschlossenheit genutzt werden. „Wir wollen die Zeit für Gruppenarbeit mit der Mannschaft nutzen. Wir haben einen Nachmittag für teambildende Maßnahmen geplant. Und nach dem letzten Testspiel gegen Rapid Wien wird es dann in Wien noch einen Mannschaftsabend geben.“ Was als teambildende Maßnahme angedacht ist? „Wir hätten gerne Rafting gemacht. Jetzt schauen wir uns nach Alternativen um. Wir wollen etwas Erlebnismäßiges machen mit der Mannschaft. Wo alle rausgehen und einmal das Teambuilding als Erlebnis machen. Der zweite Teil ist Gruppenarbeit, bei der die Spieler verantwortlich sind. Sonnabend kann die Mannschaft dann unter sich losziehen.“

Physisch, das lässt sich so konstatieren, ist der HSV schon recht weit. Jeden Morgen vor einer Krafteinheit einen 5000-Meter-Lauf zu machen, wie es parallel zum HSV gerade der MSV Duisburg macht, steht daher nicht mehr auf dem Plan. „Körperlich sind die Spieler schon in einem guten Zustand“, so Titz, „und dass wir in Sachen Fitness auf einem guten Stand sind, hat auch das Spiel am Freitag gezeigt. Unser Spiel mit dem Ball ist ausbaufähig.“

Wohl wahr. Büdelsdorf als nahezu nicht bewertbar schwacher Gegner mal ausgenommen, hatte der HSV sowohl gegen Dassendorf als auch gegen Aarhus im Spielaufbau und daraus resultierend auch im Umschalten auf die Defensive nach (zu vielen unnötigen) Ballverlusten Probleme. Der Trainer: "An den Schwachstellen müssen wir noch intensiv arbeiten. Das richtige Timing beim Anlaufen, das Verschieben. Gegen Aarhus kassieren wir in der ersten Halbzeit vier Gegentore, die individualtaktischer Natur waren. Wir haben vorne den Passgeber nicht zugestellt und hinten in der Viererkette hat das Staffelungsverhalten nicht gestimmt.“ Allerdings ist der Zeitpunkt der Vorbereitung auch noch früh. „Ich weiß schon einzustufen, dass wir gerade einmal zwei Wochen trainiert haben. Und das auch recht intensiv. Auch wenn wir die Mannschaft aufteilen, muss man das bei zwei Testspielen innerhalb von drei Tagen berücksichtigen. Da kann es sein, dass einige mal etwas müde sind.“ 

Der Plan von Titz sieht vor, dass im nach dem Trainingslager ein paar freie Tage anstehen, ehe es noch mal in die Vollen geht: „Wenn wir in die vierte Woche einsteigen, müssen wir langsam in Schuss kommen. Wenn wir aus dem Trainingslager zurückkehren, bekommen die Spieler noch ein paar Tage frei, um zu regenerieren. Dann haben wir das Turnier in Meppen. Da glaube ich, dass wir auf einem Stand sind, wo es als Mannschaft deutlich besser funktioniert. Das Spiel mit und gegen den Ball sowie einer anderen Frische.“

Bis dahin soll auch Kapitänsfrage geklärt sein. Titz: „Da bin ich hin und hergerissen. Gotoku Sakai kommt doch erst relativ spät zurück. Ich hätte ihn gerne früher dabeigehabt. Er wird Mitglied im Mannschaftsrat sein. Und der Kapitän soll ja aus dem Mannschaftsrat herausgewählt werden. Ich werde mir darüber abschließend noch mal Gedanken machen. Es kann sein, dass wir das doch schon etwas vorziehen. Go hat drei Wochen Urlaub bekommen und kommt erst Ende der fünften Vorbereitungswoche wieder zu uns.“ Ebenfalls im Mannschaftsrat: Aaron Hunt, Lewis Holtby, Christoph Moritz, Tom Mickel und Gideon Jung.

Apropos Mickel: Mit dem sympathischen Keeper habe ich heute den ersten Eintrag ins Trainingslagertagebuch vorgenommen. Wie zuletzt via Video. Leider sind die WLAN-Bedingungen hier so bescheiden, dass der Upload immer wieder abbrach und ich erst jetzt mit dem Blog kommen kann. Ich hoffe, dass das morgen besser ist...

 

Bis dahin Euch allen einen schönen Abend!

Scholle

 

PARTNER VON

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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