Marcus Scholz

30. August 2018

Zwei Tage vor dem Spiel ist es immer das selbe Prozedere: Der HSV trainiert nicht öffentlich und wir stehen am Rand mit ein paar wenigen Zuschauern, um zu sehen, welche erste Elf der Trainer vorhat, im kommenden Spiel auf das Feld zu schicken. Meistens sind auch immer erste deutliche Indizien zu erkennen. Heute leider nicht. Trainer Christian Titz mischte die beiden Mannschaften im Abschlussspiel munter durch. Konstant im A-Team spielten nur Julian Pollersbeck, Rick van Drongelen, Douglas Santos – und Matti Steinmann. Der Mittelfeldspieler wirkte heute nach seiner Verletzungspause das erste Mal wieder voll mit und könnte auch für das nächste Spiel in Dresden wieder eine Alternative sein. Sagt auch Titz:

 

Allerdings glaube ich, dass der HSV-Trainer diese A-Elf morgen im letzten Training vor dem Dresden-Spiel erneut stark verändern wird. Konkurrenzkampf ist das Stichwort. Denn auch im Sturm wirbelte Fiete Arp statt des Doppeltorschützen Pierre-Michel Lasogga. „Wenn er Lasogga auf die Bank setzt, macht er sich ja lächerlich“, raunzte es von der Zuschauerseite – und ich dachte mir: Nein. Macht er nicht. Zumindest nicht grundsätzlich. Denn wie Titz uns in unserem langen Interview beim Rautenperle-Talk am Dienstag sagte, muss es sein: „Wir werden nie aus Prinzip an einer Idee festhalten, sondern immer diskutieren, um zu sehen, welche Spieler für den jeweiligen Gegner die aus unserer Sicht beste Lösung darstellen. Da kann es schon mal zu Härtefällen kommen.“

Und ein solcher wäre Pierre-Michel Lasogga noch nicht einmal. Der Angreifer hat zwar doppelt getroffen gegen Arminia Bielefeld, aber zuvor nicht besonders gut gespielt (vorsichtig formuliert). Und hätte Fiete Arp heute im Training stark performt, ich hätte es für möglich gehalten, dass Arp gegen Dresden gewinnt. „Dynamo Dresden ist eine Mannschaft mit hohem fußballerischen Potenzial“, so Titz. „Dresden versucht, den Ball und das Spiel zu kontrollieren.“ Soll heißen: Die Sachsen werden sich eher nicht hinten reinstellen und abwarten. Vielmehr scheint Titz davon auszugehen, eher keinen Belagerungszustand um Dresdens Sechzehnmeterraum herstellen zu können.

 

Der HSV-Trainer erwartet mitspielende Gastgeber in einem Stadion, das erstmals nicht von einer gefühlten Überzahl HSV-Fans dominiert wird. 3000 Gästetickets hat der HSV bekommen – und natürlich alle verkauft. Zudem werden vor Ort noch ein paar HSV-Fans erwartet, aber wer schon mal in dem 32.066 Zuschauer fassenden Stadion war und die Dynamo-Fans erlebt hat, der weiß: Das wird ein Hexenkessel. „Ist doch geil“, freut sich Tom Mickel, „je besser die Stimmung auf den Rängen, desto mehr Spaß macht es dir als Fußballer doch. Wir freuen uns auf jeden Fall“, so der Ersatzkeeper, der 50 Kilometer entfernt von Dresden in Hoyerswerda aufgewachsen ist.

Aber noch mal zurück zum Personal: Arp wirbelte heute zwar im A-Team, konnte sich aber nicht empfehlen. Aaron Hunt agierte wieder hinter der einzigen Spitze, musste aber vor der letzten Spielform (Titz: „Vorsichtshalber“) abbrechen und lief einige lockere Runden aus. Gegen Dresden soll er aber ganz normal mitwirken können, versicherte Titz, und erhöhte die Anzahl der Kandidaten für die Position im Sturmzentrum um einen weiteren Namen. Arp, Lasogga, Hunt – und eigentlich auch Manuel Wintzheimer. Aber der 19 Jahre junge Angreifer scheint für das Spiel in Dresden noch keine Alternative zu sein. Ebenso wie Bakery Jatta, der aktuell auch bei der U21 trainiert, soll der gebürtige Bayer am Sonntag beim Nachwuchs in der U21 gegen den VfB Lübeck spielen.

Feststeht zudem, dass der letzte Neuzugang morgen nicht im 18 Mann starken Kader stehen wird. „Wir wären nicht gut beraten, wenn wir mit einem Spieler einen solchen Kaltstart hinlegen würden“, so Titz, der wie alle anderen Verantwortlichen beim HSV weiterhin fest davon ausgeht, dass noch ein Neuer kommt. Wenn meine Informationen stimmen, soll es sich um einen Leihdeal handeln mit einem Spieler, dessen Kauf, ob seines Marktwertes, eh ausgeschlossen ist. Zumindest als Zweitligist. Aber noch ist der Deal nicht abgeschlossen. Und um gänzlich auf Nummer sicher zu gehen, sagt Titz: „Selbst wenn nichts passiert, sind wir bestens aufgestellt. Auch dann wäre ich mit meinem Kader sehr zufrieden.“

Worte, die Becker zumindest ein wenig Druck nehmen könnten. Apropos Becker: Der Sportvorstand musste in dieser Woche noch Anfragen für HSV-Spieler ablehnen. Unter anderem auch erneut für Youngster Josha Vagnoman, der seit heute wieder im Training ist und Titz eine weitere Alternative für die Außenverteidigerpositionen bietet. Ebenso erstmals im Zweitligakader könnte Leo Lacroix stehen. Heute durfte er fast durchgehend im A-Team trainieren, neben van Drongelen. Allerdings war das auch Ende der letzten Woche vor dem Bielefeld-Spiel so – und da war der Schweizer letztlich nicht einmal im Kader. Von daher wage ich hier noch kein Urteil. Außer ein sportliches, denn Lacroix machte heute einen guten Eindruck. Zweikampfstark und im Passspiel ausbaufähig – also genau so, wie alle gesunden Innenverteidiger beim HSV.

 

„Wir haben heute so trainiert, wie wir den Gegner erwarten“, sagte Titz auf der Pressekonferenz. „Wir treffen auf einen Gegner, der nicht so typisch mit zwei Außenbahnspielern spielt wie wir.“ Stattdessen wurde heute das Pressingspiel des Gegners geübt. Und dabei machte Lacroix einen sehr ordentlichen Eindruck. 

Wir dürfen weiter gespannt sein. Zum einen auf den Trainingskader morgen, der schon um die Spieler reduziert sein soll, die am Sonntag bei der U21 aushelfen. Zum anderen wird sich bis morgen entscheiden, wer den HSV noch verstärkt.

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

 

P.S.: Das Video von er Pressekonferenz haben mir meine Kollegen von HH1 zur Verfügung gestellt – wofür ich mich erst einmal herzlich bedanke! Was ich aber erklärend hinzufügen wollte, ist, dass der Kameramann zwischen den Antworten des Trainers ein paar Schnittbilder drehen musste, und deshalb mit der Kamera ein wenig durch den Raum schwenkte. Aber letztlich zählt eh das, was gesagt wurde mehr, als das, was wir da sehen können...

PARTNER VON

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

Kategorien