Marcus Scholz

5. September 2018

Dass es kein Vorteil sein würde, war klar. Jetzt wurde das Nachholspiel gegen Dresden terminiert. Am Dienstag den 18. September geht es um 18.30 Uhr auswärts um die drei Punkte, die man eigentlich schon am vergangenen Wochenende ausgespielt haben wollte, sich aber dem Sicherheitsrisiko der verschiedenen politischen Demos beugen musste. Das bedeutet, der HSV muss nach der Länderspielpause fünf Spiele in 16 Tagen absolvieren. Darunter auch das Stadtderby gegen den FC St. Pauli am 30. September im Volksparkstadion. Die Englischen Wochen im Überblick:

15.9. Heidenheim (13.30 Uhr/Heimspiel)
18.9. Dresden(18.30 Uhr/Auswärtsspiel)
23.9. Regensburg (13.30 Uhr/H.)
27.9. Greuther Fürth (20.30 Uhr/A.)
30.9. FC St. Pauli (13.30 Uhr/H.)

Sportvorstand Ralf Becker war der Erste, der öffentlich reagierte und sich via Homepage (www.hsv.de) zitieren ließ: „Wir wollten das Spiel schnellstmöglich nachholen und genau das wird jetzt passieren. Auch wenn es nicht der fanfreundlichste Termin ist, hoffen wir auf die erneut starke Unterstützung unserer Anhänger.“

In der Woche nach der Länderspielpause in Dresden - das ist die zeitnahe Lösung, die beim HSV alle erhofft hatten. Und ehrlich gesagt war da keine fanfreundliche Lösung umsetzbar. Trotz der vergleichsweise frühen Anstoßzeit werden viele Hamburger den Weg nach Dresden trotz ihres Tickets dafür nicht antreten können. Das ist klar. Um diese Zahl so klein zu halten wie möglich, ließen sich jetzt aber die Spieler, die 10.000 an die Fanbetreuung spendeten und einige Anhänger etwas einfallen. Besonders bemerkenswert finde ich, dass sich einige Dresden-Fans öffentlich bereiterklärten, HSV-Fans für die eine Nacht nach dem Spiel aufzunehmen. Ein Dynamo-Fan twitterte sogar, dass er durch das Veto seiner Frau die zwei zuvor versprochenen Schlafplätze für HSV-Fans bei sich zuhause nicht mehr anbieten könne. Dafür habe er aber in einem Hotel zwei Schlafmöglichkeiten gebucht und bezahlt. Eine ganz starke Aktion!

Weniger erfreut ist Christian Titz. Logisch. Aber er weiß auch, dass er es nicht ändern kann. Auf die Frage, was er von der Ansetzung halten würde, muss er kurz überlegen. Er zuckt mit der Schulter und sagt: „Ich will mich über die Ansetzung des Dresden-Spiels nicht beschweren. Wir wollten es so schnell wie möglich spielen – und das werden wir so. Klar ist es besser, wenn du keine englischen Wochen hast, weil Du dann Zeit hast, zu regenerieren. Andererseits könnten wir dadurch aber auch in einen guten Rhythmus kommen. Wir müssen einfach zusehen, das Optimum herauszuholen aus der Situation.“

Ähnlich verhält es sich mit der Situation im Training. Heute wirkten fast mehr A-Jugendliche und U21-Kicker mit als Profis. Mit dabei waren die Youngster Saibo Ibraimo, Erolind Krasniqi, Ogechika Heil, Daniel Owusu, Lukas Pinckert (alle U19) sowie Niklas Schneider von der U21. Aus der Not eine Tugend machen ist das Motto während der Länderspielpause, die noch bis Mitte kommender Woche andauert. Und entgegen aller Hoffnungen kann Titz auch erst dann auf seinen letzten Zugang, Hee-chan Hwang, zurückgreifen. Der südkoreanische Fußball-Verband hat dem Wunsch des HSV, Hwang früher abreisen zu lassen, nicht entsprochen.

„Das ist schade, aber auch damit werden wir umgehen können“, sagte Titz nach dem heutigen Training, das ausschließlich ballorientiert war. Während zu beginn auf dem vorderen Trainingsplatz direkte Freistöße geübt wurden (Narey, Hunt und Lasogga schossen), wurde auf dem anderen Platz zunächst ohne Tore gespielt. Ballbesitz war gefordert, ehe es in zweimal 20 Minuten auf dem vorderen Trainingsplatz ein Spiel gab.

Hier eine vermeintliche A-Elf zu nennen ist Quatsch, daher lasse ich es. Dennoch war zu erkennen, was Titz von dem einen oder anderen sehen wollte. Leo Lacroix beispielsweise sollte das Spiel hinten raus eröffnen. Und der baumlange Innenverteidiger machte das mehr schlecht denn recht. Das schnelle, klare Passspiel ist bei ihm einfach (noch) sehr wackelig. Ganz im Gegensatz zu Matti Steinmann, der sich im Zentrum immer dann als Anspielpunkt anbot, wenn seine Kameraden keinen Ausweg sahen. Und Steinmann löste die Situationen zumeist erfolgreich auf.

Mit seinem außergewöhnlich geschickten Ballbehauptung und seinem sauberen Passspiel war er der Taktgeber in seinem Team – und er macht das noch immer besser als alle anderen im Team. Wie er Thimothee Atouba mit einem Satz beschreiben würde, hatte ich den damaligen Sportchef nach dem spektakulär spielenden Linksverteidiger gefragt. Und Dietmar Beiersdorfer antwortete mir damals: „Thimothee ist für seine Kollegen auf dem Platz immer eine Lösung.“ Ein Satz, den man so auch auf Steinmann ummünzen könnte. Dass ihm zum Topspieler das Sprinttempo fehlt – es stimmt. Aber ehrlich gesagt: Hätte Steinmann dieses Tempo auch noch, er würde höchstwahrscheinlich nicht für den HSV spielen.

Mehr Tempo bringt indes Hwang mit. Wenn er denn da ist. Dass der südkoreanische Nationalspieler nur zwei Einheiten vor dem nächsten Spiel gegen Heidenheim mittrainieren könnte, stört Titz nicht. „Wir warten ab, bis er da ist, sprechen dann mit ihm und schauen uns genau an, wie er trainiert“, so der HSV-Trainer, der hinzufügte: „Aber um die Fitness sorgen wir uns nicht. Er ist ja voll im Rhythmus.“ Soll heißen: Wenn nichts mehr passieren sollte, dürfte der Leihspieler von RB Salzburg gegen Heidenheim sein Debüt feiern. Apropos, anbei noch die heute von der DFL terminierten Spieltag 9 bis 16:

05.10. Darmstadt (18.30 Uhr/A)
21.10. Bochum (13.30 Uhr/H)
26.10. Magdeburg (18.30 Uhr/A)
05.11. Köln (20.30 Uhr/H)
10.11. Erzgebirge Aue (13 Uhr/A)
26.11. Union Berlin (20.30 Uhr/H)
01.12. Ingolstadt (13Uhr/A) 07.12. Paderborn (18.30 Uhr/H)

Also noch zwei Montagabendspiele. Das wären dann in der Hinrunde schon mal drei. Mehr als die meisten anderen Zweitliga-Teams. Der HSV zieht eben am TV. Und das ist für alle, die ob des späten Anstoßzeitpunktes nicht ins Stadion können, wirklich hart. Womit schon mal festzustellen wäre, dass die Zweite Liga zumindest für die Fans ein echter Härtetest ist...

Ein harter Brocken steht heute auch der U21 des HSV bevor, die um 19 Uhr in der Regionalliga Nord bei Eintracht Norderstedt antreten muss. Aus dem Profi-Kader sind Christoph Moritz, Bakery Jatta, Jonas David, Tobias Knost und Moritz-Broni Kwarteng dabei. Das Team von Trainer Steffen Weiß hat die letzten drei Spiele alle verloren und ist nur Tabellen-16. Wer zusehen möchte, ob sich das heute verbessert, der kann das Spiel hier live sehen:

In diesem Sinne, Daumen drücken, dass der Nachwuchs heute seinen Negativtrend stoppen kann! Und bis morgen! Da wird übrigens nicht öffentlich trainiert. Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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