Marcus Scholz

7. Mai 2019

 

Da ist man einmal nicht da - und schon passiert so ein Sch… Orel Mangala musste heute das Training humpelnd abbrechen und wurde mit dem Golfcart abtransportiert. Was genau passiert ist und wie schlimm die Verletzung des Belgiers ist, steht noch nicht fest. Klar ist allerdings, dass es sich um eine muskuläre Verletzung im Oberschenkel handelt. Sollte sich der erste Verdacht eines Muskelfaserrisses oder einer Zerrung bestätigen, drohen dem Belgier zwei bis drei Wochen Pause - und damit nicht weniger als das Saisonaus. Nach dem Ausfall von Leistungsträger und Kapitän Aaron Hunt, der in der Rückrunde nicht mehr eine Teilzeitverstärkung war, fällt damit der zweite - und leider letzte sportliche Anführer im Mittelfeld aus. „Bei Orel sieht es nicht gut aus, da hat es in den Muskel reingezogen“, so Trainer Hannes Wolf, „sollte er ausfallen, geht es aber trotzdem weiter. Natürlich schluckt man da einmal - aber jetzt warten wir erst einmal ab, was es ist. Und dann müssen wir es akzeptieren.“

Stimmt. Etwas anderes bleibt nicht. Bis auf eine Mini-Hoffnung auf Aaron Hunt, der heute sein Rehaprogramm absolvierte und sich dann zur Mannschaft als Ansprechpartner auf den Platz gesellte. „Er hat sehr viel Erfahrung und wir haben ihn mit auf den Platz genommen. Er ist als Ansprechpartner wichtig für alle“, so Wolf, der anfügte: „Möglicherweise stößt er im laufe der Woche auch wieder zum Mannschaftstraining dazu.“ Ein Einsatz gegen Paderborn am Sonntag ist  dennoch eher unwahrscheinlich, während Rick van Drongelen dann wieder dabei sein soll. Heute pausierte der Niederländer wegen Problemen am Sprunggelenk. „Bis zum Ende der Woche soll er wieder dabei sein“, sagt Wolf und klärt auch den zweiten Ausfall auf: „Gideon Jung hat Knieprobleme, wird aber im Normalfall auch über die Woche wieder fit.“

Tja, und so schön das Wetter heute Abend hier im Volkspark auch ist - das heute war mal wieder ein Tag zum vergessen. Zuerst die Nachricht von der DFL, die den HSV mit einer empfindlichen 150.000-Euro-Geldstrafe für die Pyrovorfälle im Derby belegte, dann Mangala. Viel schlimmer kann es eigentlich kaum kommen. Andererseits ergibt sich aus diesen Hiobsbotschaften - zumindest aus den personellen - auch eine Situation, in der die Erwartung an die Mannschaft nicht mehr allzu groß sind. Und das wiederum könnte im Saisonschlussspurt, wo der HSV beide Spiele gewinnen muss, vielleicht ein wenig von dem lähmenden Druck der letzten Wochen nehmen - wenn man mal versucht, etwas Positives an dem Ganzen zu finden.

Gefunden hat der HSV schon vor Wochen den Ersatz für Pierre Michel Lasogga: Lukas Hinterseer vom VfL Bochum ist ein Kandidat als Ersatz für den wahrscheinlichen Abgang des Topverdiener Lasogga. Es ist ganz interessant gewesen, wie sich eine Meldung aus dem MorningCall nicht nur verselbständigte sondern am Ende sogar als Fakt mit uns als Quelle genannt wurde. Dabei war das Interesse an Hinterseer nicht neu und ich habe nur die Mopo-Kollegen zitiert. Nichtsdestotrotz wird der Poker um den VfL-Angreifer tatsächlich immer heißer und für die kommenden Tage soll sogar ein Termin des Beraters beim HSV angesetzt sein.

Die Verpflichtung von Hinterseer ist für mich allerdings ein weiteres Zeichen dafür, dass der HSV tendenziell für die Zweite Liga plant. Zumal ich von meinem Freund und Kollegen aus Bochum, Christian Alexander Hoch gehört habe, dass Hinterster sich inzwischen sehr wohl auch vorstellen kann, für den HSV in der Zweiten Liga aufzulaufen. Zudem hat Ralf Becker bislang auf dem Transfermarkt ausschließlich Spieler verpflichtet, die in der zweiten Liga beheimatet sind und dort sicher das Format haben, während sie sich auf Erstliganiveau erst noch beweisen müssten. Allerdings dürfet diese Transferpolitik jemanden überraschen, angesichts der finanziellen Situation des HSV - und vor allem der unklaren tabellarischen Situation, die noch beide Ligen ermöglicht.

Klar ist indes, obgleich das hier im Blog heiß diskutiert wird, dass Lewis Holtby nicht in den Kader zurückkehrt. Auch jetzt nicht, wo im Mittelfeld alles ausfällt, was nicht ausfallen darf. „Wo ziehe ich dann die Grenze, wenn ich bei so einer Aktion nicht konsequent bin“, hatte Hannes Wolf vor einigen Wochen die Suspendierung Holtby noch einmal nachvollziehbar erklärt. Auch der Umgang der Mannschaft mit dem Vorfall darf am Ende weder für noch gegen Holtby sprechen, sondern muss eine Begleiterscheinung bleiben. Denn ebenso wie es hieß, die Mannschaft habe Holtby die dessen Verweigerungshaltung vor dem Union-Spiel übel genommen, soll es jetzt Stimmen geben, die Holtby noch eine Chance geben würden. Und obwohl das alles sicher nett gemeint ist und sportlich für den Moment vielleicht sogar funktionieren könnte, wäre es ein fatales Zeichen für den eh schon durch die Trainerdiskussion der letzten Tage angezählten Trainer.

Nein, Wolf kann diesen Schritt tatsächlich nicht mehr zurückgehen. Er muss jetzt zusehen, dass er den aktuellen Kader akzeptiert bzw. zusieht, dass sich die Mannschaft damit zurechtfindet, in der aktuellen Konstellation am Sonntag in Paderborn um die letzte Chance auf den Aufstieg zu kämpfen. Und dabei muss er zusehen, auf die Spieler zu setzen, die sich vol reinhängen und Gas geben, ohne zu verkrampfen. meiner Meinung nach ist in dieser Phase Erfahrung auf dem Platz wichtig. Soll heißen: Ein Gotoku Sakai gehört für mich auf den Platz, so schwach seine bisherige Saison auch war - im Ausschlussverfahren setzt er sich gegen seine interne (Nicht-)Konkurrenz durch. Meine Startelf inklusive Mangala- und weiterem Hunt-Ausfall heute wäre:

Pollersbeck - Sakai, Lacroix, van Drongelen, Santos - Narey, Janjicic, Özcan, Jatta - Wintzheimer, Lasogga.

So hätte der HSV mit Sakai und vor allem Narey rechts sowie Jatta links über die Außen ordentlich Tempo entgegenzusetzen. Offensiv - aber eben auch in der Rückwärtsbewegung, die Jatta übrigens sensationell gut beherrscht, wie ich finde. Seine defensiven Qualitäten werden Vielsets noch unterschätzt, wie ich finde. Vor allem aber wäre der HSV so wieder flexibel. Und ja, Hwang würde bei mir auf der Bank Platz nehmen. Zumindest solange, wie Hannes Wolf ihn nicht auf der Neun einplant. Oder als zweite Spitze ohne große Defensivarbeit. Denn diese macht er nicht nur widerwillg, sondern auch noch schlecht. Er wirbelt mit seinem taktischen Unverständnis defensiv mehr durcheinander, als dass er hilft. Zudem weiß ich inzwischen, dass das Tischtuch zwischen Fiete Arp und dem HSV zu viele Risse hat, als dass man von seinem Einsatz ausgehen kann. Allerdings meine ich auch zu wissen, dass sich Arp den Allerwertesten aufreißen würde, um den Aufstieg doch noch zu schaffen und hier nicht einen Meter für die Vereinsoberen laufen würde - dafür aber umso mehr für die HSV-Anhänger. Und allein das könnte in den letzten Spielen mehr wert sein, als die eine oder andere schlechte Phase im Laufe dieser Saison.

Verlass ist indes auf die HSV-Anhängern die auch diesmal wieder das Auswärtskontingent ausgeschöpft haben. 2000 HSV-Fans werden in der mit 15.000 Zuschauern ausverkauften Benteler-Arena sein, tendenziell sogar eher mehr. „Es werden die da sein, die nicht pfeifen, sondern die Mannschaft nach vorn peitschen werden“, sagt Supporters-Chef Timo Horn, der mit mir ausführlich über die Pfiffe der letzten Wochen, die Enttäuschung und die Hoffnungen der Fans sowie über die finale Phase der Saison an sich spricht. Viel Spaß dabei und bis morgen! Da melde ich mich natürlich um 7.30 Uhr wieder mit dem MorningCall bei Euch sowie am Abend natürlich mit dem Tagesblog. Bis dahin!

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.