Marcus Scholz

2. Mai 2018

Trainer Christian Titz weiß um seine Situation. War sie bis vor wenigen Wochen noch sehr wackelig und intern durchaus kontrovers diskutiert, so dreht sich inzwischen alles zwangsläufig zu seinen Gunsten. Zehn Punkte aus den letzten sechs Spielen sprechen für die Maßnahmen, die Titz ergriffen hat. Und vor allem kommen eben selbige auch bei den eigenen Anhängern sehr gut an. Selbst ein Abstieg, so erste Umfragen, ändert nichts daran: Titz scheint die Aufbruchsstimmung zu entfachen, die es beim HSV seit Jahren nur in den Ankündigungen, nicht aber in der Umsetzung gab. Auch heute setzte Titz wieder auf drei talentierte Youngster im Training: Tobias Knost (U19), Erjanik Ghubasaryan und Saibo Ibraimo (beide U17) wirbelten in der Mittagseinheit und schnupperten Profiluft. Und sie machte Ihre Sache sehr gut!

Für die vermeintliche Startelf reichte es allerdings noch nicht. Geht man nach der heutigen Einheit, haben aktuell folgende Elf die Nase vorn: Pollersbeck – Sakai, Jung, van Drongelen, Santos – Steinmann – Kostic, Holtby, Waldschmidt, Ito – Wood. Wobei man dazu sagen muss, dass Aaron Hunt individuell trainierte und ebenso wie Kyriakos Papadopoulos (Belastungssteuerung) wohl schon morgen wieder einsteigen soll. Beide würden im gesunden Zustand sicher wieder erste Wahls ein für die Partie am Sonnabend in Frankfurt. Insofern würde Titz tatsächlich das erste Mal in zwei aufeinanderfolgenden Spielen mit einer identischen Startelf beginnen können. Gutes Omen?

Egal wie, schwer genug wird es bei den Frankfurtern, bei denen Niko Kovac nach einer kurzen, aber sehr erfolgreichen Zeit sein letztes Heimspiel feiert und dabei darauf hofft, mit der Eintracht den einen Punkt Rückstand auf RB Leipzig aufzuholen, um am Ende im internationalen Wettbewerb zu landen. Angesichts der erschreckenden Äußerungen von Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl sowie der Form der Leipziger – sie holten aus den letzten vier Spielen nur einen Punkt und kassierten dabei 13 Gegentore – erscheint diese Hoffnung auch sehr realistisch. Leider. Denn auf der einen Seite hält es die Motivation der Frankfurter hoch. Auf der anderen Seite zeigt es, dass sich der HSV nicht auf die über weite Teile der Saison starke Leipziger verlassen kann. Zuletzt gesehen beim 0:3 gegen den HSV-Mitabstiegskonkurrenten FSV Mainz. „Wir können nur auf uns setzen und hoffen, dass die Konkurrenz schwächelt“, hatte Titz am Wochenende gesagt. Mehr ist tatsächlich nicht drin.

Wobei, eigentlich doch: Mit dem Schotten David Bates (21) sowie dem A-Junioren-Spieler des FC Bayern, Manuel Wintzheimer (19), hat der HSV zwei Neue verpflichtet, die man in die Kategorie Talente einstufen kann bzw. muss. Parallel dazu arbeitete Titz unverändert daran, der Mannschaft sein Spielkonzept einzuimpfen und selbiges zu automatisieren. Nicht, dass das die Vorgänger nicht auch versucht haben. Aber deren Spielkonzepte waren stets auf defensive Sicherheit ausgerichtet. Reagieren statt agieren – Titz dreht dieses Konzept um und beweist, dass man selbst mit diesem unausgewogenen Kader Fußball spielen kann.

Auch heute standen im Training wieder sicheres Passspiel und Torabschlüsse noch und nöcher auf dem Plan. Mittendrin dabei einer, der am Wochenende überraschend in der Startelf stand und dabei auch noch (per Foulelfmeter) traf: Bobby Wood. Was auch immer Titz mit dem US-Amerikaner gemacht hat, er hat es gut gemacht. Nach Monaten ohne Lächeln, ohne Elan und Einsätze lächelt Wood wieder, er gibt im Training Gas und wird dafür sogar von den Teamkollegen (die zuletzt mehrheitlich nicht gut auf ihn zu sprechen waren) gelobt! Nach dem Training ging Wood heute sogar (lächelnd) auf die Fans zu, schrieb Autogramme und machte Fotos. Kurzum: Diesen Bobby Wood habe ich hier seit Monaten nicht gesehen. Wenn er jetzt auch noch weiter trifft und seine Leistung weiter steigern kann... Naja, Träumen ist ja irgendwie immer erlaubt beim HSV. Sogar erwünscht, angesichts der kleinen Restchance auf den Klassenerhalt.

Und parallel zum US-Stürmer hat der HSV mit Bayern Münchens A-Jugend-Knipser Wintzheimer einen weiteren Stürmer an Land gezogen – und hofft auf den Verbleib von Jann-Fiete Arp, der heute seine letzte schriftliche Abi-Prüfung in Mathematik abgelegt hat. Dass der Youngster eng mit Titz ist, ist bekannt. Angesichts der Tatsache, dass Titz intern inzwischen auch von den letzten Kritikern gelobt wird, scheint neben Titz auch für Arp der Weg für einen Verbleib beim HSV frei. Dass man weiterhin an dem Fahrplan (erst Sportchef bzw. den Vorstand Sport zu holen) festhält, um dann nach Saisonende die Gespräche aufzunehmen – okay. Ich hätte ob der Umstände den Sportdirektor oder Sportvorstand auch davon abhängig gemacht, ob er/sie den eingeschlagenen Weg ausgestaltend weiterführen können und wollen. Fr mich wäre Titz’ Weg der Maßstab, an dem ich ihn selbst sowie die gesamte sportliche Ausrichtung messen würde.

Und das nicht nur, weil Arp sehr viel von seinem Mentor hält. Das ist hinlänglich bekannt. Da jetzt aber auch interne Kritiker leugnen, jemals ernsthaft über andere Trainer nachgedacht zu haben, scheint auch immer wahrscheinlicher, dass Titz auch kommende Saison Trainer des HSV sein wird. Und damit steigen auch die Chancen, dass Arp in der kommenden Saison in Hamburg spielt.

Und wo wir gerade bei Arp sind, als Antwort au die Fragen, warum Arp derzeit nicht im Profikader ist: Arp ist aktuell nicht in der Form, dass er den Anspruch haben kann, von Beginn an zu spielen. Gut möglich auch, dass er am Wochenende bei der A-Jugend spielen wird. Für die Mannschaft von Daniel Petrowsky geht es im letzten Saisonspiel bei Werder Bremen darum, den einen Punkt Vorsprung auf Hertha BSC (spielen parallel beim Niendorfer TSV) zu verteidigen. Dafür sagte man sogar das für heute angesetzte Landespokalspiel gegen Norderstedt kampflos ab – was für mächtig Verärgerung beim Hamburger Fußballverband gesorgt hat. Immerhin ist es das erklärte Ziel des HSV, mit der A-Jugend Deutscher meister zu werden. Auch, um die Geschichte, das neue Eldorado für Toptalente zu sein, mit Fakten zu untermauern.

 

Auf jeden Fall geht der HSV seinen oft nur angekündigten Weg des Neuaufbaus weiter. Und ich hoffe, dass er unvermindert fortgesetzt wird. Titz und Arp wären dabei ganz wichtige Personalien. Personalien mit Signalwirkung.

 

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Wieder dabei sein wird dann Nicolai Müller, bei dem einige darauf spekulieren, er könnte schon nach dem Frankfurt-Spiel wieder spielen. Ich persönlich glaube das angesichts der Tatsache, dass er noch immer eine Schonhaltung für das zuletzt kaputte Knie hat, noch nicht. Ich hoffe eher, dass er in einer etwaigen Relegation wieder als Alternative dabei sein kann.

 

Bis morgen!

Scholle

Partner von

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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