Marcus Scholz

7. März 2019

Das war zu knapp geplant. Und ich hätte es eigentlich auch besser wissen müssen. Denn so ein Stadtderby ist eben kein normales Spiel. Im Gegenteil: Es kurbelt die Berichterstattung rund um die beiden Hamburger Zweitligaklubs so an, als würde man Erste Liga, wenn nicht gar in der Champions League spielen. Vereinspräsidenten werden gegeneinander geschnitten, ehemalige Toptorjäger wie Ivan Klasnic und Sergej Barbarez sind bei Sky ebenso gefragt, wie in unserem Rautenperle-Talk, den Ihr morgen ab 16 Uhr auf unserem Kanal sehen könnt. Zudem werden alle Parallelen und Schnittmengen zwischen beiden Klubs aufgezeigt.

Freundschaften, alte Verbundenheiten - das gilt für beide Sportchefs ebenso wie für die beiden Trainer, die zusammen den Fußballlehrer-Lehrgang absolviert haben und heute von den BILD-Kollegen getrennt voneinander auch übereinender befragt wurden. Allein das Lesen aller Berichte dauerte heute früh schon so lange, dass die Produktion des MorningCalls erst um 7.50 Uhr abgeschlossen war - 20 Minuten zu spät. Leider. Aber versprochen: Morgen werde ich noch einen Tick früher aufstehen…

Obwohl das, was ich gelesen habe, war alles sehr harmonisch. Sogar schon etwas zu harmonisch. Finde ich. Natürlich muss man respektvoll miteinander umgehen und aufpassen, das ohnehin hohe Maß an Rivalität nicht eskalieren zu lassen. Man kann den Gegenüber bei aller Rivalität sogar loben. Aber das kann man auch in 50 der insgesamt 52 Wochen eines jeden Jahres machen und stattdessen vor so einem Derby auf die eigene Mannschaft verweisen und allen klarmachen, wie außergewöhnlich wichtig dieses eine Spiel auch neben der drei Punkte ist. Denn das ist das Spiel am Sonntag definitiv. Und am Ende wird die Mannschaft die Nase vorn haben, die bereit ist, den Extrameter zu gehen. Und in Sachen Einsatzwillen hilft Adrenalin zweifelsfrei.

Aber okay, Hannes Wolf ist nunmal kein Lautsprecher. Und verändern sollte er sich auch für dieses eine Spiel nicht. Wolf ist respektvoll und zurückhaltend in seiner Wortwahl, er warnt lieber fünfmal mehr als einmal zu wenig. Wolf betont dabei immer wieder, wie stark der Gegner ist und dass man ohne 100 Prozent Leistungsbereitschaft nichts wird. Egal gegen wen in dieser Liga. Auch vor dem Stadtderby gelte das. St. Paulis Trainer Markus Kauczinski indes hat ich von der Relegation mit dem KSC gegen den HSV eine Rechnung offen, die ihn brennen lassen wird, während Hannes Wolf die Reizpunkte ausschließlich nach innen setzt. Endlich mal wieder. Denn in den letzten Wochen war zu oft zu früh zu erkennen, wer am Wochenende spielen wird. Diesmal nicht.

Okay, bei Julian Pollersbeck hat das ausschließlich den Hintergrund, dass noch nicht feststeht, ob er rechtzeitig fit wird. Sollte das so kommen, ist der Keeper als Nummer eins gesetzt. Falls nicht, wird wieder Tom Mickel im Tor stehen. Der Ersatzkeeper, der gegen Fürth seinen ersten Zweitligaeinsatz für den HSV feierte und dabei als einer der wenigen zu überzeugen wusste, steht bereit. Ob er spielen muss, entscheidet sich spätestens am Sonnabend. Bis zum Abschlusstraining muss Pollersbeck seine Adduktorenprobleme auskurieren, ansonsten wird er ausfallen.

Interessanter, weil nicht gesundheitlicher sondern rein sportlicher Natur, wird es auf anderen Positionen. Denn fast überall hat der HSV-Trainer wieder mehrere Optionen - und nach der Minusleistung gegen Fürth hat Wolf vor allem auch wieder alle Berechtigungen, Veränderungen vorzunehmen. Und das obwohl der HSV-Coach grundsätzlich auf Konstanz setzt. So scheint Stand heute Bakery Jatta die überfällige Pause zu bekommen. Denn der Gambier wirkte zuletzt überspielt. Logischerweise, da er immer mehr zur Lösung für alle Mannschaftskameraden wurde, wenn diese keine Ideen mehr hatten. Jatta war schon sowas wie der Ausweg für seine Kameraden. Hatten sie keinen Anspielpunkt der gerieten sie unter Druck, wurde Jatta lang geschickt. Das ging eine Weile gut, weil Jatta Tempo in der Liga seinesgleichen sucht. Aber Jatta selbst war damit zuletzt überfordert. Körperlich wie geistig, was zu verlangsamten, müde wirkenden Handlungen führte. Seine Auswechslung gegen Fürth war überfällig. Er braucht einfach mal eine kurze Frischzellenkur.

Und mit der Hereinnähme von Tatsuya Ito veränderte sich das Offensivspiel positiv. Der Japaner wirkte frischer, und vor allem mutiger. Er suchte das Eins-gegen-Eins und gewann es. Und deshalb durften er und Khaled Narey, der wieder von hinten rechts nach rechts vorn rücken dürfte, heute auch über die Außen bei den Übungen Flanken schlagen. Eine Variante, die ich aus eben genannten Gründen nachvollziehen könnte, die mir aber auch aus taktischer sinnvoll erscheint.

Denn wie St. Paulis Sportdirektor Uwe Stöver heute schon andeutete, darf man nicht erwarten, dass der FC St. Pauli mutig agieren wird. Obgleich diese Spielweise zuletzt von Regensburg und Fürth probat gegen den HSV eingesetzt wurde und die Mannschaft von Hannes Wolf vor nahezu unlösbare Aufgaben stellte, scheint der FC St. Pauli seine Hinspieltaktik zu bevorzugen und erneut darauf zu setzen, das Spiel durch eine massierte Defensive zu zerstören. Parallel dazu setzt man auf gelegentliche Konter. Und natürlich auf die Kaltschnäuzigkeit ihres Toptorjägers Alex Meier, der gefühlt 0,5 Chancen für einen Treffer benötigt.

Es wird auf jeden Fall ein spannendes Spiel. Vorher, was die Aufstellung betrifft. Und auf dem Platz sowieso. Mit Orel Mangala kehrt ein absoluter Leistungsträger auf den Platz zutrück und dürfte das HSV-Spiel ankurbeln. Das hoffe übrigens nicht nur ich. Auch der ehemalige Bundesligatorschützenkönig vom HSV, Sergej Barbarez,  und St. Paulis Ex-Stürmer Ivan Klasnic, die als Co-Kommentatoren für Sky am Sonntag live an den Mikros sitzen, glauben daran, dass das Derby am Sonntag besser wird und schon ein Treffer dem Spiel jede Hemmung nehmen und zu einem Torfestival führen könnte. Sergej Barbarez setzt dabei auf den HSV und glaubt nicht daran, dass sein Exklub aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat, während Ivan Klasnic von einem torlosen Remis ausgeht. Was die beiden sonst noch über das Derby, den HSV, die kurz- und langfristigen Perspektiven beider Klubs sowie über ihre voraussichtlichen Abschlusstabellen sagen, das könnt ihr morgen hier sehen:

 

 

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Abend und bis morgen. Da wird übrigens wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert, während das Abschlusstraining am Sonnabend wieder für alle sichtbar sein wird. Ich werde Euch morgen davon berichten. Zunächst im MorningCall, anschließend von der Pressekonferenz um 11.30 Uhr, ehe wir um 16 Uhr mit unserem „Rautenperle-Talk Spezial“kommen. Am Abend werde ich Euch dann noch einmal komprimiert zusammenfassen, was es rund um den HSV vor diesem Derby an Neuigkeiten gibt.

Bis dahin,

Scholle

 

P.S.: Erfreuliche Nachricht auch von und für Jairo Samperio. Der seit Saisonbeginn verletzte Offensivspieler hat seinen vertrag beim HSV um ein Jahr bis 2020 verlängert. Aktuell ist der Flügelstürmer noch im Aufbautraining. Bis Saisonende wird nicht mit seiner Rückkehr gerechnet. Dafür aber ab heute für die kommende Saison. Die Pressemitteilung des HSV: 

HSV VERLÄNGERT MIT JAIRO SAMPERIO

DER 25-JÄHRIGE MITTELFELDSPIELER, DER IN DIESER SAISON FRÜH EINE SCHWERE KNIEVERLETZUNG ERLITT, ERHÄLT EINEN EIN-JAHRES-VERTRAG UND DAMIT EINE WEITERE CHANCE BEIM HSV.

Der Hamburger SV hat den zum Sommer auslaufenden Vertrag mit Jairo Samperio um ein weiteres Jahr bis zum 30. Juni 2020 verlängert. Der Mittelfeldspieler war zu Saisonbeginn an die Elbe gewechselt und zog sich nach drei Pflichtspielen für die Rothosen am 23. August im Training eine schwere Verletzung beider Kreuzbänder und des Innenbandes im rechten Knie zu. "Jairo hat sich hier beim HSV von Beginn an wohlgefühlt und super integriert. Er hat sich auch nach seiner schweren Verletzung top verhalten und sich immer mit unserem gemeinsamen Weg identifiziert", erklärt HSV-Sportvorstand Ralf Becker. "Wir haben ihm in dieser schweren Zeit zur Seite gestanden und ihn bei seinem Rehaprozess eng begleitet. Er hat gute Fortschritte gemacht und wenn der Prozess weiterhin gut verläuft, hoffen wir, dass er zur neuen Saison wieder auf dem Platz stehen kann." 

 

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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