Marcus Scholz

1. März 2019

 

Am Ende war es dann deutlich. Mit 3:0 konnte das A-Team das gut 60 Minuten lang dauernde Abschlussspiel der heutigen Einheit für sich entscheiden und ließ somit den vermeintlichen Reservisten wenig Argumente, einen Startelfplatz zu fordern. Bakery Jatta, Pierre Michel Lasogga und Lewis Holtby trafen für die Stammelf in einem intensiv geführten Spiel. Nicht im A-Team - und damit die Antwort auf die Frage, wer für Rückkehrer Aaron Hunt weichen muss - war Berkay Özcan. Der Neuzugang aus Stuttgart, der noch auf Leihbasis beim HSV spielt, für den im Sommer aber seitens des HSV eine Kaufoption besteht, musste im B-Team ran und scheint damit auch für die Partie am Montag gegen Greuther Fürth nicht mehr erste Wahl zu sein.

Die Startelf Stand heute:

Pollersbeck – Narey, Bates, van Drongelen, Douglas Santos – Sakai – Hwang, Hunt, Holtby, Jatta – Lasogga.

Wichtiger als das ist aber die Frage, wie fit Aaron Hunt schon ist, nachdem er in den ersten fünf Spielen nur einen Kurzeinsatz gegen Sandhausen hatte. Als Einwechselspieler durfte er dabei über 21 Minuten im ersten Heimspiel 2019 gegen den SV Sandhausen mitwirken und verletzte sich dabei erneut. Von hieran schonte ihn Trainer Hannes Wolf und verzichtete auch in Regensburg zuletzt vorsichtshalber noch auf Hunt, obgleich dieser in der Trainingswoche zuvor schon mit der Mannschaft trainieren konnte. Wolf wollte einfach absolut auf Nummer sicher gehen, damit nicht noch mal passiert, was sich gegen Sandhausen ereignete.

Im Training präsentiert sich der Kapitän auch schon seit Tagen und Wochen in guter Verfassung. Dennoch wird der Wettbewerbsmodus noch einmal anders. Darauf wies zuletzt auch der Trainer immer wieder hin, während er zugleich betonte, wie wichtig Hunt für die Mannschaft in der Hinrunde war und wie wichtig seine Rückkehr auch jetzt ist - womit der HSV-Coach alles andere als allein ist. Denn auch die Spieler betonten immer wieder, wie wichtig Hunt sei. Heuet war es Gotoku Sakai, der noch einmal die sportliche Bedeutung Hunt hervorhob.

Zumal der Japaner am Montag höchstwahrscheinlich hinter Hunt im Mittelfeld agieren wird. Zumindest deutet derzeit alles daraufhin, dass Sakai die vakante Sechserposition (Mangala und Janjicic fallen gesperrt aus) gegen Fürth spielen soll.

Und Sakai freut sich darauf. Wie immer eigentlich. Denn der Japaner ist sowas wie der Prototyp eines Trainerlieblings, weil er sich immer dem Team und vor allem den Anforderungen des Trainers unterordnet. Widerworte gibt es nicht. Dass das nicht davor schützt, sportlich schlechte Leistungen zu zeigen, ist klar. Aber Sakai ist auch einer der wenigen Profis, die immer wieder aufstehen. Ich habe selten einen Spieler gesehen, der in einer Halbzeit komplett im falschen Film spielt, um dann in der zweiten Halbzeit zum Leistungsträger zu avancieren. Zuletzt in Regensburg, wo Sakai nach vielen unnötigen Ballverlusten in der ersten Halbzeit in der zweiten Halbzeit noch zu den besseren HSV-Profis gehörte.

Vor allem aber lieben die Trainer an Sakai, der trotz aller Kritik seit nunmehr drei Saisons unter Bruno Labbadia (sensationell, wie sich die Wolfsburger durch den Streit Labbadia/Schmadtke gerade ihre sportlich gute Phase zerschießen, oder? Irgendwie HSV-like…), Markus Gisdol, Bernd Hollerbach, Christian Titz und jetzt Hannes Wolf absoluter Stammspieler ist, seine Vielseitigkeit. In 113 der insgesamt 125 Ligaspielen für den HSV stand Sakai auf dem Platz - davon 74-mal als Links- und 12-mal als Rechtsverteidiger. Drei Spiele half er als Innenverteidiger aus, einmal im linken Mittelfeld spielte - und 23 Partien agierte er beim HSV als Sechser. Zumeist auf einer Doppelsechs (mit Walace, Jung, Ekdal und einmal sogar Ostrzolek, dem wir von hieraus noch einmal gute Besserung wünschen!). „Die Position kennt er, die Position kann er“, hatte Wolf am Montag schon gesagt. Sakai selbst bestätigte das heute auch noch einmal, als er nach seiner neuen Rolle gefragt antwortete, dass er die Position gern spielen würde.

Aber noch mal kurz zurück zu Sakais Kernkompetenz, wenn man seine Vielseitigkeit so nennen mag. Denn Sakai ist antrittsschnell, antizipiert gut, ist zweikampfstark (er hatte gegen Regensburg sogar die besten Werte), er ist technisch stark und vor allem: er ist beidfüßig. Sakai ist für seine Trainer ein Allrounder, eine Allzweckwaffe - um das Positive zu benennen. Denn auf der anderen Seite fehlt mir bei ihm die herausragende Qualität, also seine ganz individuelle Spezialität. Er ist für mich eine Spieler, der fast alles kann - aber nichts davon besser als alle anderen. Er ist überall bei gefühlt 80 Prozent, wenn er einen schwachen Tag hat. Und bei 90 Prozent an seinen besseren Tagen. Aber es fehlen seit langem die herausragenden Spiele - die 100-Prozent-Leistungen.

Aber okay, für Montag kann sich der HSV darüber freuen, einen technisch so starken Defensivspieler wie Sakai zu haben, zumal die Idee mit Khaled Narey als Sakai-Ersatz hinten rechts viel Schwung für die Offensive verspricht. Schwung, den Sakai leider selten offensiv mitbringt. Denn der Japaner setzt zwar immer wieder zu gefährlich anmutenden Flankenläufen an, bricht diese aber immer wieder ab, bevor er zur Flanke oder gar zum Torabschluss kommt. Das wiederum ist bei Narey anders. Der pfeilschnelle 24-Jährige hat sich insbesondere beim HSV zu einem Außenstürmer gemausert. Er hat seine Flankenläufe und seine Torgefahr (zweitbester Schütze nach Lasogga) mehrfach nachgewiesen. Bei Fürth spielte er in 36 von 70 Spielen rechts vorn und 19 Spiele rechts hinten - beim HSV wirkte er einmal als Linksaußen und 20-mal als Rechtsaußen. Nur einmal bislang spielte er hinten - gegen Heidenheim auf der Linken Abwehrseite.

Pressekonferenz Greuther Fürth vom Freitag (01.03.2019)

Jetzt soll Narey es rechts hinten richten, was für Narey auch nicht neu ist. In Paderborn und Fürth spielte er diese Position (insgesamt 31-mal). Insofern muss der HSV zwar zwei Positionen umstellen, kann hier aber auf zwei ebenso wandelfähige wie auf diesen Positionen erfahrene Akteure zurückgreifen. Im Trainingslager funktionierte es mit Sakai zentral defensiv nicht so gut. dennoch bin ich überzeugt davon, dass die Lösung mit ihm auf der Sechs und Narey hinter Hwang (oder Jatta) auf der Position des Rechtsverteidigers dem HSV noch mehr Schwung für die Offensive verleihen könnte - so sehr Mangalas Ballfertigkeiten auch fehlen werden. Dennoch: Geht man nach dem heutigen Training, sitzt diese Variante schon ganz gut.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird wieder um 11 Uhr trainiert - wieder öffentlich. Ich werde mich im Anschluss daran natürlich wieder hier an dieser Stelle melden. Ich tippe, dass Wolf bei seiner ersten Startelf-Variante bleibt, sofern sich niemand mehr verletzt. Zumindest ließ er heute im Abschlussspiel die A-Elf über die gesamten 60 Minuten unverändert. Ebenfalls unverändert wird es übrigens beim Derby-Rückspiel wieder ein Public-Viewing im Stadion geben - diesmal logischerweise im Volksparkstadion. HSV-Fans, die kein Ticket für das Spiel bekommen haben, haben so die Möglichkeit, die Partie mit echter Stadionatmosphäre zu verfolgen. Vor der Nordtribüne wird wie schon bei den verschiedenen Relegations-Rückspielen eine Großbildleinwand aufgebaut. Geöffnet sein werden die Stehplätze sowie der B-Rang, der Eintritt ist kostenlos. Einlass ist ab 12.30 Uhr, Anpfiff um 13.30 Uhr.

Und jetzt noch mal: Ich wünsche Euch allen einen schönen Freitagabend! Bis morgen!

Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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